Heinz-Walter Hoetter

Nonsens in Reinkultur

 

Alles hat einen tieferen Sinn.


Ich war einmal, übrigens vor sehr langer Zeit, die noch gar nicht so weit zurück liegt, ziemlich blöd. Aber ich bin es heute noch. Tut mir eigentlich schon ein bisschen leid, dass ich das über mich selbst sagen muss. Doch es ist so und nicht anders. Ehrlichkeit fault ja bekanntermaßen am längsten. Das wissen doch nur wenige - oder?


 

Damals, also in jenen Tagen, als ich die ganze Zeit über total blöd war, da wucherten die Bäume mit ihren Wurzeln noch hoch in den Himmel hinein und die fetten Mädchen liefen mir auf allen Vieren hinterher. Der Vorteil war dabei der, dass ich mich im Stehen übergeben konnte und nicht im Liegen. Mir hing oft die Zunge runter bis in die Kniekehle, wenn ich heute daran zurückdenke, in guten, wie in schlechten Zeiten.


 

Außerdem gab es mich in den Farben gelb, blau oder manchmal auch in ultraviolett, meistens so um beide Augen herum. In der Schule schlugen mich noch schwarze Kinder auf dem Schulhof windelweich oder stießen mich von hinten ins Pissoir, wenn ich gerade beim Stehpissen war. Der meiste Urin ging dabei in die Hose, weil ich dem Druck meiner Blase nicht widerstehen konnte. Breitbeinig bin ich dann jedes mal nach Hause gelaufen, unter dem höhnischen Gelächter meiner Schulkameraden, die sich über mich tot gelacht haben.

Hahaha! Gott sei Dank!

Durch derartige Vorkommnisse wurde ich immer verklemmter für mein Bett, sodass ich mich immer quer hinein legen musste, um überhaupt darin schlafen zu können. Nachts träumte ich dann stets von großen Affen, obwohl ich Elefanten eigentlich lieber mag. Träume machen, was sie wollen. Das muss auch einmal gesagt werden dürfen. Es herrscht ja Meinungsfreiheit in der BR(D), nehme ich jetzt mal an.


 

Die Affen kamen immer zu mir ans Bett und fraßen dann alle Bananen auf, die ich ihnen in großen Mengen von Aldi Süd bereitwillig hin hielt. Manchmal nuckelten sie auch an meinem Schniedelwutz herum, diese perversen Viecher (wahrscheinlich waren es Bonobos).
Dann bin ich jedesmal schreiend aufgewacht und habe mich von oben bis unten voll gepinkelt. Aus Rache bin ich dann am nächsten Wochenende immer in unseren Zoo und habe die Affen dort ganz arg gehänselt. Das tat mir richtig gut. Von den Affen weiß ich das nicht. Die haben mich danach ziemlich verstört aus dem Fell angeguckt, dieses verlauste Pack.

 

Übrigens strickt meine Oma gerade einen Pullover für mein Meerschweinchen. Oh, ist das süß! Es heißt Magdalena, weil der Name Ute zu lang gewesen wäre. Magdalena liebt Schokolade über alles. Aber auch Alkohol verschmäht mein geschlechtskrankes Meerschweinchen nicht, wie z. B. diese Alkopops, die mehrmals am Tage in der Fernsehwerbung ganz groß angepriesen werden und wo total hässliche Jugendliche wie die Fliegen umkippen. Wer kennt diese Werbung eigentlich von euch? Keiner? Seltsam, ich auch nicht, aber man kann ja auch nicht alles wissen. Einstein hat mal gesagt, alles ist relativ. Aus diesem Grunde liebe ich es auch, wenn ich am späten Vormittag wieder unter einer stinkenden Mülltonne liege und mich vor lauter lachen nicht mehr einkriege, was aber nicht so gut ankommt. Die vorbei kommenden Leute zeigen mir freundlicherweise dann immer einen Vogel, was ich für überaus nett und zuvorkommend halte. Einen Papageier habe ich bisher allerdings noch nicht darunter ausmachen können. Aber was nicht ist, das kann noch werden.
 

Es gibt aber auch ganz böse Zeitgenossen, die nach mir brutal treten. Am besten ist es immer dann, wenn jemand die Mülltonne mit seinen wütenden Tritten verfehlt, dann muss ich noch lauter lachen als vorher.
 

Ohne dass ich es eigentlich will, läuft das Experiment oft aus dem Ruder und nimmt dann Ausmaße an, die ich als normaler Typ nicht mehr vertreten kann. Es gibt nämlich nichts Blöderes auf der Welt, als die Raserei, mit der sich Lemminge aufopfern. Sie springen wie irrsinnig geworden in Scharen von den Klippen runter, nur um für Mäuse gehalten zu werden. Was ich natürlich für einen absoluten Schwachsinn halte. Das muss doch jeder zugeben, auch wenn es Schwachsinn ist.


 

Mit uns Menschen ist es da schon eine ganz andere Sache, weil die immer gestreichelt werden wollen. Diese zweibeinigen Monster sehen ja auch aus wie Affen, nur ohne Fell.


 

Das hat diese superverblödete Kreatur wahrscheinlich von den Aliens abgeschaut, ich meine das gegenseitige Streicheln, die uns manchmal hier auf der Erde besuchen (nicht das Streicheln, sondern die Aliens). Die kommen nämlich mit ihren dicken Raumschiffen aus dem unendlichen All zu uns, verkloppen unsere Hunde, die nichts dafür können, dass sie auf vier Beinen herum laufen müssen und versteigern sie anschließend auch noch auf dem Jahrmarkt.

Drei, zwei eins, verkauft an den Elefanten mit der knallgelben Krawatte dort gleich neben dieser alten Sau in Pink. Was? Sie haben gar nicht mitgeboten? Wieso sind Sie dann hier? Elefanten gehören in den Zoo und nicht auf Versteigerungen. Ach so! Sie sind wegen der alten Sau hier. Aha, gut zu wissen, wie ein gelernter Astrophysiker jetzt behaupten würde.

Wir Alien sitzen eh die meiste Zeit in unseren Labors herum und mixen uns unsere Sonnensysteme selbst zusammen. Uns geht es gar nicht um den Kosmos und die sog. Relativitätstrilogie, sondern einfach nur um die Herstellung von Wackelpudding. Das Rezept haben wir uns bei Dr. Bötcker in Bielefeld abgeschaut, womit wir auch schon am Ende unserer Versteigerung angekommen sind. Hundefleisch schmeckt uns außerirdischen Kanaken sowieso nicht. Was den Wackelpudding anbelangt, so müssen wir sagen, dass die Beziehung zu den Menschen eine ebenso wackelige Angelegenheit ist, wie der von uns kreierte Wackelpudding, der offenbar noch verbessert werden muss. Viele von uns bekommen nämlich von dem Dreckszeug aus Bielefeld starken Durchfall oder müssen hart am Limit kotzen.
So kann das auf Dauer nicht weiter gehen!


 

Wie auch immer. Die Sitzung ist damit beendet! Wo ist das Klopapier?

 

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(c)Heinz-Walter Hoetter

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