Patrick Rabe

Mein Onkel Werner und die Käsefabrik

Mein Onkel Werner und die Käsefabrik

Eine Systemkritik

Mein Onkel Werner arbeitete bei einer Käsefabrik als Zusteller an Supermärkte. Da diese Käsefabrik zwischendurch mehrmals fast pleite ging, mussten die Zusteller den Käse teilweise in ihren privaten VW-Bussen ausfahren. Nicht immer nahmen die belieferten Supermärkte das ganze Sortiment an. Den Käse, der von den Supermärkten abgelehnt wurde, musste mein Onkel notgedrungen immer mit zu sich nach Hause nehmen, weil das Lager ihn nicht wiederhaben wollte. Daher hatte mein Onkel sich ein „Käsezimmer“ in seiner Mietwohnung eingerichtet, in dem er diesen Käse stapelte, und dann nach und nach entweder selber aß, zum Kochen, Backen und Überbacken benutzte, oder ihn an Freunde und Verwandte verschenkte oder verkaufte. Manchmal warf mein Onkel ganze Käseleiber, bevor sie völlig verschimmelten, in einen Topf mit Wasser und kochte sie als Suppe. Auch der später in vielen Haushalten „nachgabackene“ Rührkuchen „Hermann“ war eigentlich nur eine Käsepampe, die mein Onkel wochenlang im verzweifelt genommenen Urlaub in der Wohnung stehengelassen hatte, und den ich und mein Vater manchmal umrührten, wenn wir nach der Wohnung sahen, ob da alles in Ordnung war. Dass man nicht in einer Tour Sachen mit Käse kochen kann, weil das einfach irgendwann nur noch zum K…otzen schmeckt, dürfte klar sein. Auch Nachbarn wollten den alten Käse dann irgendwann nicht mal mehr geschenkt, und die Müllabfuhr beschwerte sich über unaushaltbaren Gestank, wenn mein Onkel den allzuvergammelten Rest in den Müllcontainer warf. Leider kam er aus dem Vertrag mit der Käsefirma nicht raus, bis beide seiner Söhne aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen waren, beide in festen Partnerschaften lebten, er die angeblich vergammelte Wohnung grundsaniert hatte und zu einer eher zwangsweise neu kennengelernten Freundin gezogen war. All das spielte sich von den 1970ern bis zum Anfang der 1990er in unserem angeblich ja so liberalen und freiheitlichen Land ab. (Deutschland… Nicht Afghanistan.). Wer das jetzt lustig findet, zu dem komme ich morgen persönlich vorbei, und drehe ihm den Hals um. Menschen, die mich im Kampf gegen unser Schweinesystem unterstützen wollen, sind aber immer gern bei mir willkommen. Ein bitteres, meckerndes Lachen ist aber erlaubt.

 

Patrick Rabe, 27. Juni 2021, Hamburg

 

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© by Patrick Rabe

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.06.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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