Dieter Kamensek

Die Aufseher

Viele Gedanken schossen wie ein Feuerwerk durch ihre Köpfe. Lange, zu lange waren sie eingesperrt.
Keine Minute ohne Aufsicht, keine Möglichkeit des Entrinnens.
Tagtäglich wiederholten sich die Prozeduren. Klar gegliedert, vorbestimmt. Der eigene Wille wurde gnadenlos unterdrückt. Mit vordergründiger Nettigkeit wurde man hier konditioniert und kontrolliert. Wenn man alles machte was die „Aufseher“ wollten, wenn man nicht „schwierig“ war, bekam man eine Belobigung oder ein Lächeln. Wenn man in ihren Augen eines ihrer vielen, teilweise eigenartig anmutenden Gesetze brach oder aber auch nur zu brechen drohte – gab es Strafen – in verschiedener Härte und Strenge.
Die „Aufseher“ konnten alles tun – und benahmen sich teilweise wie die Tiere. Aber niemand von uns durfte sich gegen die „Aufseher“ auflehnen!
Wir mussten ihren Tagesablauf strikt einhalten. Sonst gab es Strafen – bis hin zur gefürchteten Einzelhaft. Wir durften nicht widersprechen – sonst Strafe. Wir durften nichts alleine – ohne Wissen der Aufseher tun – sonst Strafen und Beschimpfungen.
Die Aufseher waren schlau und gerissen. Sie alle hatten auch schon immer einen Hang zur Bestrafung und zur Spionage. Sie wühlten in unseren Gedanken und in unserem Geist wie eine Horde Ratten in den Mülltonnen. Erst wenn man sich so benahm und so dachte wie sie hatte man einigermaßen Ruhe vor ihnen. Nicht einmal beim Essen hatte man eine Möglichkeit der Mitgestaltung. Die Zellen waren vordergründig nett und adrett – denn wir mussten reinigen und aufräumen bis zur Erschöpfung.
Teilweise waren sie wirkliche Folterknechte. Sie nahmen sich und ihresgleichen so WICHTIG und sahen sich so ÜBERLEGEN. Dabei war es teilweise nicht nur PEINLICH sondern es mutete GROTESK an wie sie sich benahmen. Ihre eigenen Gesetze übertraten sie natürlich auch – doch es wurde stets mit zweierlei Maß gemessen.
Sie ließen keine Gelegenheit aus ihre Macht zu demonstrieren, sich selbst in den Vordergrund zu stellen und sich selbst darzustellen.
Es gab auch kein Entrinnen. Nur nachdem man die Zeit abgesessen hat, erst nachdem man die Zeit hinter sich gebracht hat konnte man entkommen. Doch fast alle waren nach der LANGEN ZEIT so wie die Aufseher!
Es ist halt schwer ein Kind zu sein!

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Dieter Kamensek).
Der Beitrag wurde von Dieter Kamensek auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.07.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Dieter Kamensek als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

flüchtige Schatten im Winter von Franz Preitler



Kurzgeschichten einer stürmischen Zeit
136 Seiten, 1 Abb. Kurzgeschichten beruhend auf Träumereien und Wahrheit.
Mit Zeichnungen aus Tusche.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Einfach so zum Lesen und Nachdenken" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Dieter Kamensek

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Dorian von Dieter Kamensek (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
EINSAMKEIT von Christine Wolny (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
Nie und nimmer von Margit Farwig (Wahre Geschichten)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen