Dietmar Schmitz

Lüge, Halbwahrheit oder Notlüge

Nach wissenschaftlich fundierten Schätzungen lügen wir ca. 200-mal pro Tag. Wir nehmen vieles gar nicht mehr als Lüge war, denn es ist in den alltäglichen Sprachgebrauch eingeflochten. Wenn du jemanden triffst und der dich fragt: „ Na, wie geht’s dir denn so?“ Erzählen wir dann von unseren Problemen und Sorgen? Nein, die Antwort lautet meistens: „Eigentlich geht’s mir gut.“ Ist das jetzt eine Lüge um dem Gegenüber nicht mit unseren ganzen Wehwehchen zu langweilen, eine Lüge, weil der Gegenüber sich nicht unnötig sorgen soll oder, weil wir uns selber weismachen wollen, dass ja eigentlich alles o.k. ist? Diese und viele andere „alltägliche“ Unwahrheiten, nehmen wir gar nicht mehr als Lüge war, sondern als Smalltalk.

Mein Vater war ein überkorrekter, anständiger und gütiger Mensch. Er hat immer versucht, mir seine Grundsätze und Prinzipien beizubringen und zu begründen. Diese positiven Charakterstärken (24) lassen sich auf die 6 Tugenden reduzieren, die man kennen und auch beherzigen sollte:

Tugend 1: Weisheit und Wissen (kognitive Stärken, die den Erwerb und den Gebrauch von Wissen beinhalten)
Kreativität: Neue und effektive Wege finden, Dinge zu tun.
Neugier: Interesse an der Umwelt haben.
Urteilsvermögen und Aufgeschlossenheit: Dinge durchdenken und von allen Seiten betrachten.
Liebe zum Lernen: Neue Techniken erlernen und Wissen aneignen.
Weitsicht: In der Lage sein, guten Rat zu geben.

Tugend 2: Mut (Emotionale Stärken, die mittels der Ausübung von Willensleistung dabei helfen, interne und externe Barrieren zur Erreichung eines Zieles zu überwinden)
Tapferkeit (Mut): Sich nicht Bedrohung oder Schmerz beugen, sondern Herausforderungen annehmen.
Ausdauer (Hartnäckigkeit, Beharrlichkeit, Fleiß): Beenden, was begonnen wurde.
Ehrlichkeit (Integrität): Die Wahrheit sagen und sich natürlich verhalten.
Tatendrang (Vitalität): Der Welt mit Begeisterung und Energie begegnen.

Tugend 3: Menschlichkeit (Interpersonale Stärken, die liebevolle menschliche Interaktionen ermöglichen)
Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werden: Menschliche Nähe herstellen und schätzen können.
Freundlichkeit (Großzügigkeit): Gefallen tun und gute Taten vollbringen.
Soziale Intelligenz (soziale Kompetenz): Sich der eigenen Motive und Gefühle und denen anderer bewusst sein.

Tugend 4: Gerechtigkeit (Stärken, die das Gemeinwesen fördern)
Teamwork (Bürgerverantwortung, Teamfähigkeit): Gut als Mitglied eines Teams arbeiten.
Fairness: Alle Menschen nach dem Prinzip der Gleichheit und Gerechtigkeit behandeln.
Führungsvermögen: Gruppenaktivitäten organisieren und ermöglichen.

Tugend 5: Mäßigung (Stärken, die Exzessen entgegenwirken)
Vergebungsbereitschaft und Gnade: Denen vergeben, die einem Unrecht getan haben.
Bescheidenheit und Demut: Das Erreichte für sich sprechen lassen.
Vorsicht (Besonnenheit, Umsicht): Nichts tun oder sagen, was später bereut werden könnte.
Selbstregulation: Regulieren, was man tut und fühlt.

Tugend 6: Transzendenz (Stärken, die uns einer höheren Macht näherbringen und Sinn stiften)
Sinn für das Schöne und Exzellenz: Schönheit in allen Lebensbereichen schätzen.
Dankbarkeit: Sich der guten Dinge bewusst sein und sie zu schätzen wissen.
Hoffnung (Optimismus): Das Beste erwarten und daran arbeiten, es zu erreichen.
Humor: Lachen und Humor schätzen und Leute gerne zum Lachen bringen.
Religiosität und Spiritualität: Kohärente Überzeugungen von einem höheren Sinn des Lebens haben.

Aber zurück zum Thema. In der heutigen digitalisieren Gesellschaft fällt es uns noch viel leichter zu Lügen. Es fällt uns wesentlich leichter über Facebook, Twitter, Instagram, WhatsApp und Co. eine Lüge zu formulieren und zu verbreiten. Denn wir müssen ja bei der Lüge niemanden in die Augen schauen, der eventuell unsere Scham erkennt und die Lüge entlarvt. Und so werden, zu eigennützigen Zwecken, Lügen und Halbwahrheiten von vielen Individuen in die Welt gesetzt, die dann erst mal im WWW die Runde machen und von den Meisten als die einzig wahre Wahrheit betrachtet werden. Diese Machenschaften vergiften unsere Gesellschaft und verdrängen den gesunden Menschenverstand. Keiner denkt mehr über die Information oder deren Wahrheitsgehalt nach, sondern sendet die Neuigkeiten, ungefiltert an all seine Kontakte weiter. Aber wie soll sich ein „normaler“ Mensch denn heutzutage objektiv informieren? Über die sogenannten „sozialen Medien“ kann das schwerlich funktionieren. Aber wie denn sonst? Zeitung lesen? Fernsehberichte anschauen? Radioberichte hören? Wenn man es nüchtern betrachtet sind all diese Informationsquellen die subjektive Berichterstattung von Verlegern, Intendanten, Chefredakteuren, Reportern oder Moderatoren, die ihrerseits der festen Überzeugung erliegen, ihre Informationen aus absolut zuverlässiger Quelle erhalten zu haben. Selten kann man sich auf eine objektive Darstellung von Ereignissen verlassen, wenn man nicht selbst Augenzeuge des Geschehens war. Und selbst diese Augenzeugenmeinung die wir uns bilden, kann subjektiv sein, wenn wir nicht alle Umstände und Hintergründe kennen, die zu einem bestimmten Ereignis geführt haben. Ich habe die schmerzhafte Erfahrung gemacht, dass die bitterste Wahrheit immer noch besser ist, als die leichtfertigste Lüge. Aber!!! Was ist, wenn eine Lüge ein Menschenleben retten kann? Wenn mit einer Lüge die Eltern ihre Kinder vor Unheil bewahren? Sind das die sogenannten „Notlügen“ die wir mit dieser Bezeichnung legalisieren? Oder werden uns diese Notlügen später als Bumerang umso heftiger treffen? Hier steckt der menschliche Anstand, die menschliche Integrität in der Zwickmühle. Hier muss jeder mit sich selber ausmachen, was er für notwendig erachtet und diese Entscheidung mit seinem Gewissen ausmachen. Und so sammeln sich die ca. 200 Lügen pro Tag an, mit denen unser Gewissen zu leben gelernt hat.

Natürlich gibt es auch solche, die ihr Gewissen, ihre Moral, ihre soziale Kompetenz und all die anderen positiven Charaktereigenschaften, schon vor langer Zeit der Macht, der Gier, dem Profit und der Selbstbeweihräucherung geopfert haben.

Zum Abschluss noch die 7 Totsünden der modernen Gesellschaft, die Mahatma Gandhi schon 1925 ! erkannte, niederschrieb und die bis heute ihre Gültigkeit haben!

  1. Reichtum ohne Arbeit.
  2. Genuss ohne Gewissen.
  3. Wissen ohne Charakter.
  4. Geschäft ohne Moral.
  5. Wissenschaft ohne Menschlichkeit.
  6. Religion ohne Opfer.
  7. Politik ohne Prinzipien.

© Dietmar Schmitz

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.07.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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