Brigitte Waldner

Die Ansprüche des Mannes der 50er-und-60er-Jahre-Generation


Der Mann ist das Oberhaupt der Familie,
aber ohne Frau kommt er nicht zurecht;
nur deshalb werden Frauen geheiratet.


Begründung:
Er kann weder waschen noch bügeln,
keine Wäsche aufhängen,
kann nicht mit Nadel und Faden umgehen,
daher auch keine Knöpfe annähen,
kann nicht kochen und drückt sich vor dem Lebensmitteleinkauf,
weigert sich, sein Bett zu machen und zu überziehen,
kann keinen Tisch aufdecken
und hasst es, Brennholz mit der Kreissäge zu zerkleinern.

Wenn ich bei einem Blind Date als erstes gefragt werde:
„Kannst du bügeln, Hosen kürzen, geplatzte Nähte schließen,
kochen, waschen, putzen etc.?“
, dann komme ich mir vor,
wie auf einer Stellenbewerbung um einen Job als Haushälterin.

Wenn ich dann frage, was er bezahlt,
antwortet er, „er bezahlt es mit Liebe“.
Prinzipiell müsste ich mich selber erhalten mit einem Job,
damit ich kranken- und pensionsversichert bin.
Nicht arbeiten zu gehen und den ganzen Tag nur zu Hause zu sitzen, das geht nicht,
meint der anspruchsvolle Mann.
Seinen Haushalt zu machen, nennt er "den ganzen Tag zu Hause sitzen!"

Ich sage dann zu diesem Mann,
er möge sich doch eine Haushälterin nehmen
und sich Liebe in Nachtklubs holen.

Er antwortet frappiert: „Aber das kostet ja so viel Geld,
so viel würde er weder haben, noch ausgeben wollen.
Eine Ehefrau kostet dagegen nichts, da sie verpflichtet ist,
ihm jederzeit zur Verfügung zu stehen.“
Sie darf bei ihm wohnen und müsste Miete und Betriebskosten mitfinanzieren
müsste sich fallweise auch bei der Investition in neue Möblierung beteiligen,
von seine Kinder austragen und aufziehen ist noch nicht einmal die Rede.

So war und ist meine Generation, wo die Mütter der Söhne
Wert darauf legten, eine Schwiegertochter zu bekommen,
die berufstätig ist und nebenbei sehr häuslich und die
dann im Alter die Schwiegereltern kostenlos pflegt,
damit sie nicht in ein Pflegeheim müssen.


Sind alle Männer dieser Generation so? Jedenfalls alle, die per Heiratsinserat
in diversen Zeitungen zwischen 1980 und 2000 eine Frau fürs Leben suchten
und die außerdem Raucher waren. Nichtraucher waren kaum darunter,
aber diese extreme Minderheit stellte finanziell noch höhere Ansprüche:

Die Frau müsste dem Mann Vorteile verschaffen, beruflich, gesellschaftlich und finanziell,
so dass er durch diese Frau oder ihren Vater Aufstiegschancen hat, mehr zu verdienen
und höheres Ansehen in der Gesellschaft genießt, und damit mehr Luxus erreicht.

Alle Männer stellten generell zu hohe Ansprüche an eine Frau,
die sie selber nicht einmal erfüllen konnten.
Nur zwei hatten einen Universitätsabschluss und ein Gymnasium besucht.
Alle anderen hatten Pflichtschule mit Lehre oder eine berufsbildende höhere Schule besucht.
Einen Auslandsaufenthalt von bis zu einem Jahr hatte niemand.
Alle Männer wurden in Österreich geboren und so auch deren Eltern.
Keiner hatte fremde Wurzeln bei seinen Vorfahren. 
Alle hatten sie vom Leben so viel erwartet und doch so wenig erreicht.
Ein zweites Date gab es nur mit jenen, die im ersten Date noch zurückhaltend waren,
und ihre Anprüche erst im zweiten Date bekanntgaben.

© Brigitte Waldner

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