Sandra Behrens

Die kleine Hexe Paul

Paul war ein Junge in einer sehr großen Stadt. Er ging zur Schule wie alle anderen Kinder auch und liebte Fußball. Leider hatte er keinen Freund mit dem er sich über alles unterhalten konnte. Er hatte Freundschaften, aber keinen richtigen Freund. Vielleicht lag es daran, dass Paul immer recht still war. Er war still und ernst und kein lauter Junge dem alle zuhören mussten.

Paul war gerade 12 Jahre alt geworden, da merkte er dass er anders war als andere Jungen seines Alters. Er hatte es schon einige Zeit vermutet, aber heute bekam er die Bestätigung. Er konnte das Wetter beeinflussen. Wenn die Sonne schien und er sich nach Regen sehnte, regnete es spätestens am Abend. Wenn es kalt war und er sich Schnee wünschte, schneite es dicke weiße Flocken. Wenn er am Samstag baden gehen wollte schien den ganzen Tag die Sonne. Er wusste genau was es hieß „wenn Engel reisen“ Bei ihm war das Wetter immer genau so wie er es sich innerlich wünschte. 

Heute wollte er es wissen, deshalb hatte er sich morgens bei schönstem Sonnenschein Regen gewünscht und mittags gab es einen Platzregen.

Aber eine Erklärung dafür – hatte er nicht.

Er beschloss seine Mutter zu fragen. Mutter, fragte er, kann man das Wetter beeinflussen? Nein, sagte sie. Das kann niemand. Das wäre ja auch ein Durcheinander, wenn sich jeder etwas anderes wünschen würde. Dann war sie auf einmal nachdenklich. Sie sagte: obwohl, Deinem Uropa, dem Vater meines Vaters wurde immer nachgesagt das er sich das Wetter wünschen konnte. Aber das ist natürlich Unsinn.

Am nächsten Tag machte er noch einen Versuch. Die Wettervorhersage hatte für den ganzen Tag Regen vorausgesagt und als er morgens aufwachte, regnete es in Strömen.  Er sah aus dem Fenster und wünschte sich für den ganzen Tag Sonnenschein. Der Regen wurde weniger und schon nach einer Stunde schien die Sonne. Sie schien den ganzen restlichen Tag. Jetzt wusste er, er konnte das Wetter herbei wünschen.

Er fand es ganz schön, aber irgendwann wurde es langweilig. Er fragte sich wie es wohl kam, dass er das konnte, aber er fand keine Erklärung. Er hatte es wohl von seinem Uropa geerbt.  

Eines Tages in der Schule passierte dann folgendes: Er hatte gerade einen Aufsatz für den Deutschunterricht fast fertig als ihm sein Becher mit Kakao umkippte. Er hätte noch einmal von vorne anfangen müssen, wenn, ja wenn der Becher nicht mitten im Umkippen stehen geblieben wäre und sich wieder hinstellte. Wie war das möglich? Er hatte sich gewünscht, dass der Kakao nicht über seinen Aufsatz landete und es war nicht passiert.

Zuhause testete er viele Male das noch einmal zu schaffen, aber es klappte nicht. Erst nach ein paar Wochen stellte er fest, dass er sich das nicht nur wünschen musste, sondern diesen Wunsch im Kopf wie einen Befehl denken musste. Ab dem Moment konnte er es immer wieder schaffen.

Er war drauf und dran es irgendjemanden zu erzählen, aber er hatte Angst ausgelacht zu werden. Da kam eines Tages ein Neuer in seine Klasse.

Gerri war ein Draufgänger. Wo er reinkam, drehte sich sofort alles um ihn. Er war nett, höflich, aber auch laut und bestimmend. Alle mochten ihn sofort. Er strahlte einfach eine unheimliche Selbstsicherheit aus und was Paul kaum glauben konnte, Gerri kümmerte sich sehr um ihn. Wurden Mitspieler für Mannschaftsspiele ausgewählt wählte Gerri ihn als Erstes. Gerri besuchte Paul zuhause und machte mit ihm zusammen Hausaufgaben. Sie wurden langsam echte Freunde. Paul war glücklich.

Eines Tages, sie gingen gerade zum Fluss runter um Stichlinge zu fangen, fing es an zu regnen. Gerri blieb stehen und sah Paul ernst an und sagte: Paul, bitte mach das die Sonne wieder scheint. Paul starrte ihn nur an und stotterte: Was soll ich machen? Mach das die Sonne wieder scheint, sagte Gerri. Ich weiß dass Du das kannst. Leider kann ich das nicht. Ich kann andere Dinge. Paul war wie vor den Kopf gestoßen. Gut sagte er: Ich wünsche das die Sonne wieder scheint. Sie stellten sich einen Moment unter einen Baum und schon nach kurzer Zeit hörte der Regen auf. Woher weißt Du das von mir, fragte Paul. Du bist eine männliche Hexe und ich bin es auch. Ich erkenne das und Du wirst das auch noch lernen. Geh mit mir zum Hexenunterricht, dass macht vieles für Dich leichter, sagte Gerri.

Paul sagte seinen Eltern dass er in einen Sportverein gehen möchte und von da an ging er mit Gerri jeden Dienstagnachmittag zum Hexenunterricht.

Er konnte nur staunen wie viele Mädchen und Jungen dort waren und ein oder zwei hatte er auch schon mal auf dem Schulhof gesehen. Es gab verschiedene Fächer: Hexerei der Elemente, der Natur, menschliches Miteinander und Geschichte. Es war hochinteressant und er erfuhr, dass die Gabe des Hexens tatsächlich vererbt wird und meistens eine Generation überspringt. Einige Begabungen sind ohne Anweisungen  vorhanden, einige kann man erlernen und dafür war die Schule da und andere konnte man nur mit Hilfe von Hilfsmitteln wie z.B. Sprüchen, Gegenständen oder auch evtl. mit tierischen Helfern ausüben.

Jetzt wo er wusste warum er Dinge konnte die andere nicht können und viele Freunde hatte die genauso waren wie er, war er glücklich. Er hatte seinen Platz im Leben gefunden. Er wusste auch schon, was er einmal werden wollte: Klimaexperte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.07.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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