Francois Loeb

SPAZIER-O-MAT

Wanderzeit! Was für ein für ein wir haben, denn es könnte auch anders sein!

Immer häufiger wird in der Politik, in den Parlamenten über Struktur debattiert. Strukturen der Gesellschaft. Naturstrukturen. Strukturen der Insektenwelt. Und erst kürzlich wieder heftig über die Altersstrukturen. Beängstigend seien diese. Immer höhere Lebenserwartungen führen zu gewaltigen Problemen. Wie nur sollen die Rentenzahlungen, die zugesagten Pensions-Beiträge finanziert werden. Immer weniger arbeitende Menschen. Immer mehr solche die Altersrenten beziehen. Mathematische Berechnungen zeigen desaströse Finanz-Zustände der staatlichen Rechnungen. Riesen Löcher die sich öffnen werden. Nicht schwarze Löcher. Nein. Rote. Feuerrote! Schluchten in die alle anderen Bedürfnisse die zu finanzieren sind im freien Fall verschwinden, ja abstürzen werden. Die besten Köpfe der Wissenschaft versuchen Gegenmittel zu finden, Gegensteuerinstrumente zu erarbeiten. Doch wie soll, unter Berücksichtigung der immer mehr sich den von Ärzte- und Sport- Koryphäen empfohlenen Gesundheitstrends beugenden älteren Generation (wer von den Betagten will nicht sein Leben verlängern), dem Trend entgegengewirkt werden? Stipendien wurden ausgelobt. Exzellenz-Forschungsaufträge vergeben. Interdisziplinäre wissenschaftliche Konferenzen abgehalten. Es wird in Fachkreisen darüber verhandelt die Tabakwerbung wieder zuzulassen. Abschreckende Pflicht-Texte zu untersagen, gar eine Rauchpflicht ab 18 Jahren kommt in den Fokus. Alle Sicherheitsoptionen in Automobilen sollen mit einem Verbot belegt werden. Nach dem Ei des Kolumbus wird jedoch weiterhin krampfhaft gesucht. Geforscht.

In unserer Sporthochschule wurde erst kürzlich die geniale Lösung erarbeitet, und international versucht, als Pflicht weltweit verpflichtend einzuführen. Da erwiesen ist, dass Bewegung zu längeren Leben verhilft, dazu gibt es zahllose statistische Beweise, wurde in unserem Forschungslabor der sogenannte Spazier-o-Mat entwickelt, der in seinem Aussehen einer Parkuhr ähnlich sieht, gleiche Funktionen beinhaltet. Bewegung im Freien darf danach nur nach Lösung eines entsprechenden Spazier- oder Wandertickets erfolgen. Selbstverständlich steigen die Preise exponentiell, wie bei Parktickets nach der genutzten Zeit. So sind die ersten 5 Minuten für einen Durchschnittshaushalt durchaus erschwinglich, eine Spazier- oder Wanderstunde können sich nur noch Menschen mit ansehnlichem Einkommen und Vermögen leisten. Da die Kontrolle rigoros durchgeführt wird, die polizeilichen Strafen bereits nach einmaliger Übertretung in monatelangen Spazierverboten erfolgen, hält sich die Menschheit mehrheitlich an die Regeln, sodass erfreulicherweise die Lebenserwartung innert nützlicher Zeit im Sinken begriffen sein wird.

Doch, das hat kein Institut, selbst nicht unsere Sporthochschule vorausgesehen, dass der Andrang in die Überwachungsbehörden der Verbote, der sogenannten Spazier-Polizei, riesig ist, um dort ehrenamtlich eingesetzt zu werden. Selbst horrende Summen werden für die Aufnahme in diesen Dienst bezahlt, denn dieser stellt die einzige Möglichkeit dar zur sonst streng verbotenen körperlichen Ertüchtigung zu gelangen. So erfolgt, da bereits die Hälfte der rentenberechtigten Bevölkerung bei der Spazier-Polizei tätig ist, eine Unterwanderung des erfreulichen Trends zur Senkung des Durchschnittsalters, der Entlastung der Altersvorsorge. Bereits warnen statistische Ämter vor einer Trendumkehr, der erneuten Erhöhung der persönlichen Lebenserwartungen, mit damit einhergehender Belastung der Renten- beziehungsweise Pensionskassen, dem in Zukunft wieder Auftauchen der so gefahrvollen roten Löcher …


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Ihr François Loeb

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.07.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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