Michael Hübner

Freunde fürs Leben (Teil 1)


Mit Wucht kracht die schwere weiße Faust in das braune Gesicht des jungen Mannes. Seine Nase bricht laut knackend in Zwei und er fällt stöhnend zu Boden. Schwere Springerstiefel tretten immer wieder auf ihn ein, bis er halb tot in seinem Blute liegen bleibt. Laut lachend und dreckige Witze über den verletzten Asylbewerber machend, zieht die Horde Skinheads weiter ihrer Wege. Der junge Syrer wollte nur in Deutschland zur Ruhe kommen vom schrecklichen Krieg in seiner Heimat. Und jetzt erfährt er auch hier wieder nix als Gewalt. Flehend streckt der geschlagene Mann die Hände hilfesuchend den Passanten, die an ihm vorbei kommen, entgegen. Doch keiner reagiert auf ihn und alle tun so als wenn er gar nicht existieren würde. So liegt der arme Kerl eine ganze Weile mit heftigen Schmerzen in der Fußgängerzone auf dem kalten Boden. Doch da kommt plötzlich ein alter Jude um die Ecke, und kümmert sich sofort aufopferungsvoll um den jungen Moslem. Er lässt ihm die schnelle Hilfe zuteil kommen die er selbst erfahren durfte, als das KZ Buchenwald von den Alliierten befreit wurde in das er als Kind vor sich hinvegetieren musste. Nachdem der Jude einen RTW bestellt hat, bleibt er die ganze Zeit an der Seite des schwer Verletzten und redet beruhigend auf ihn ein. Er weiß nicht das es sich um einen Moslem handelt und diese Leute auf Juden nicht gut zu sprechen sind. Doch es wäre ihm, auch wenn er es wüsste völlig egal, weil für ihn nur zählt das es sich um einen Menschen handelt der seine Hilfe braucht. Auch im Krankenhaus weicht der alte Mann nicht von der Seite des Syrers nachdem seine Wunden versorgt sind. Sie fangen spontan eine Unterhaltung an. Der junge Syrer erzählt unter Tränen das er im Krieg in seiner Heimat seine komplette Familie verloren hat. Der Jude nimmt den Syrer daraufhin vorsichtig tröstend, um seine Wunden nicht wieder aufzureißen, in die Arme. Daraufhin erzählt der alte Mann das er ebenfalls seine Eltern und Geschwister in der Gaskammer verloren hat. Seine später geheiratete Ehefrau war früh vom Krebs dahin gerafft worden und da ihre Ehe kinderlos geblieben war, lebte er jetzt ganz alleine in seinem großen Haus am Stadtrand. Obwohl die Beiden sich erst so kurz kennen, fühlen sie sich sehr vertraut und hegen eine starke Sympathie zueinander. Es ist als wenn sich ein magisches Band zwischen den beiden Leidensgenossen gebildet hätte. Der Jude kam bis zur Genesung des Syrers immer wieder zu ihm ins Krankenhaus und leistete ihm Gesellschaft. Sie redeten über Gott und die Welt und fühlten sich sehr wohl das sie endlich nicht mehr so alleine waren. Der Jude bot dem Syrer an das er in seinem Haus wohnen könnte weil er genug Platz hätte und das sicher bequemer für ihn sei als wie in einem engen Asylantenheim zu wohnen. Der Syrer stimmte sofort zu und so zog er mit seinen wenigen Sachen die er besaß in das Haus des Juden ein.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.07.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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