Daniela Hoppaus

Change my mind

Es gibt verschiedene Sorten Menschen auf dieser Welt. Da sind die Zerstörer, die schon von Kindheit an alles kaputtschlagen wollen. Sie interessieren sich nicht für den Aufbau von etwas, es geht nur darum, es zu zerstören. Zu vernichten, zu töten. So fühlen sie sich stark.
Dann gibt es die, die alles machen, was der Mainstream macht. Alles, was der hervorbringt, machen sie nach, ohne zu hinterfragen. Sie wollen hipp sein, up to date, machen jede Modeerscheinung mit und fragen nie nach dem Grund.
Diese beiden Gruppen bilden oft die Anführer. Die einen, weil sie durch die drohende Zerstörung angst machen, die anderen, weil sie hipper und angepasster als die anderen sind und andere ihnen nacheifern, die auch so hipp und angepasst sein wollen. Alle, die anders sind, werden niedergemacht, verspottet und verlacht. Und der Mainstream applaudiert ihnen
Dann gibt es noch die, die träumen. Sie beschäftigen sich mit der Welt um sie herum, beobachten, lernen und ziehen Schlüsse. Sie zerlegen nur etwas, um es dann wieder zusammen zu bauen. Sie passen sich aber nicht an. Selbst, wenn sie es versuchen, gelingt es ihnen nicht. Diese Sorte sind die Opfer der Angepassten. Diese Sorte wird zur Zielscheibe der Anhänger der Hippsten. Die Zerstörer ignorieren sie, weil sie wissen, sie werden zu keiner Gefahr, dafür sorgen die Angepassten. Das ausführende Organ der Zerstörer.
Ich war so ein Kind. Statt Insekten zu töten, habe ich sie lieber beobachtet. Ich habe auch nicht hysterisch aufgeschrien, wenn ein Insekt in meine Nähe kam,. Wie die Mainstrem-Weiber, die eine reisen Show abzogen, kaum, dass irgendwas schwirrte oder krabbelte. Ich weiß nicht, warum sie das taten, aber ich habe den Verdacht, um die Männchen herbei zu locken, eine Art umgekehrtes Balzverhalten. Hilfe, du musst ich beschützen. Dass ich das Spiel nicht mitmachte, machte mich bald zum Außenseiter. Und ich wurde Opfer von Spott. Dazu kam, dass meine Familie nicht eben reich war und ich bei meiner Großmutter aufwuchs und Kleidung meiner Tanten auftragen musste. Was natürlich noch mehr für Spott von den Hippsten sorgte.
Am schlimmsten war, als ich bei einem Ausflug der christlichen Jungschar – ich musste da mit, weil ich sollte mich ja mit Kindern meines Alters abgeben und lernen, mich anzupassen – einem Zerstörer in den Arm fiel, als er mit silberner Sprühfarbe auf eine Biene losging.  Die Biene erstickte qualvoll unter dem Silberlack, ich sah ihre Bewegungen ersterben und schrie , heulte und tobte. Der Zerstörer schob mich beiseite mit den Worten „Spinnst du?“ Für ihn war das keine große Sache, war ja nur eine „dumme Biene“ .  Natürlich bekamen dass die Mainstream-weiber mit.

Auch, dass ich danach nicht mehr in dieser Gruppe sein und mir ihr oberflächliches Geschwafel anhören oder ihre dummen Spiele mitspielen wollte und mir zur Gesellschaft lieber die Kühe auf der Weide aussuchte, bekamen diese Weiber mit. Und sie tratschen es sofort an der Schule weiter. Damals lernte, ich dass eine Jungschar-Gruppe, die eigentlich voller christlicher Nächstenliebe sein sollte und diese Lieder von Liebe deinen Nächsten und so sang, aus lauter Heuchlern bestand.
Sie waren genauso Mobber und Mörder wie die, die sie hassten, weil sie nicht ihren Glauben teilten.
Für mich war die Schulzeit ein Martyrium. Was ich auch tat, sagte oder anhatte, es war immer ein Grund, über mich herzuziehen, hinter meinem Rücken und auch mir ins Gesicht. Leider konnte ich nicht immer entkommen.  Meinen Eltern war es egal und ich hörte die üblichen dummen Sprüche wie „du darfst halt nicht zeigen, was du fühlst, weil sonst gehen sie dich noch mehr an und wenn du sie ignorierst, verlieren die irgendwann das Interesse an dir“ und ähnliche Standardsprüche. Dem war aber nicht so. Je mehr ich tat, als würde es mich nicht berühren, umso schlimmer wurden die Angriffe. Sie riefen auch bei meiner Oma an und verleumdeten mich´.
Ich weiß nicht, wie ich die Zeit überstand, aber als ich weg konnte, war ich nicht mehr  ich selbst. Aus einem fröhlichen, neugierigen Kind war eine stille Zynikerin geworden, die sich nie traute, so zu sein, wie sie wahr und mit allen Mitteln versucht, sich anzupassen und nicht aufzufallen.

Erst viele Jahre später hab ich erfahren, es gibt andere wie mich. Aber es gibt immer noch die Zerstörer und die hippen Mainstream-Anhänger. Sie haben sich zwar verändert, aber was damals die Jungschar-Truppe war, sind heute die Licht und Liebe-Gurus. Predigen Liebe und Licht, aber werden zu bösartigen Monstern, wenn man sich ihnen nicht unterwirft. Und die, die wie ich sind, werden nach wie vor lächerlich gemacht, verspottet, angegriffen.
Es kommt mir vor, als wären wie vereinzelte Leuchttürme in einer Welt voller Dunkelheit, die versuchen, mit ihrer Umwelt und ihren Leewesen anständig umzugehen, lauter Tropfen auf dem heißen Stein, aber der wird immer nur heißer und zischt nicht mal mehr, wenn so ein Tropfen ihn trifft. Die Mainstream-Affen bestimmen, wo es lang geht und die Zerstörer vernichten alles, um den Mainstream-Affen die nächste Ablenkung, den nächsten Modetrend zu bieten, um sie einzulullen und dafür zu sorgen, dass nie niemals auf die Idee kommen, sich mal umzuschauen in der Welt, die langsam aber sicher ihrem Ende zugeht, weil die Zerstörer ganze Arbeit geleitet haben. Was soll en einzelner Leuchtturm da ausrichten in einem Meer der Dunkelheit?  Viel ehr, als dass wir der Welt zeigen können, wie es ist, wenn man sich mit allem Leben verbunden fühlt, wie es ist, etwas nur zu beobachten und nicht zu zerstören, wie es ist, anders zu sein werden wir untergehen und verschwinden.

Change my mind.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.07.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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