Heinz-Walter Hoetter

Tierliebe bis in den Tod

 

 

 

 

 

In einer kleinen Stadt lebte eine reiche Frau, die einen zotteligen Hund hatte, den sie über alles liebte. Sie liebte ihn so sehr, dass er jeden Abend zu ihr ins große Bett durfte, um mit ihr gemeinsam einzuschlafen. Wenn er neben ihr lag, kraulte sie ihn noch ein paar Minuten lang das dicke Fell, um ganz sicher zu sein, dass er da war. Das beruhigte sie immer.

 

Eines Tages ging die reiche Frau gegen Abend wieder in ihr Schlafzimmer, rief nach dem Hund und beide legten sich ins Bett. Schon bald waren Frauchen und Hund eingeschlafen.

 

Es war schon weit nach Mitternacht, als die Frau plötzlich ein Geräusch in ihrem großen Haus vernahm. Sie lauschte ein paar Mal in die Dunkelheit hinein und weil sie nichts mehr hörte, tastete sie noch einmal nach ihrem Hund, der wie immer neben ihr lag und zufrieden vor sich hin knurrte.

 

Doch irgendwie kam ihr das Fell des Hundes komisch vor. Es war nicht so zottelig, wie sie es von ihrem Tier eigentlich gewohnt war. Auch das Knurren erschien ihr anders zu sein.

 

Schließlich schaltete sie vorsichtshalber die Nachttischlampe ein und blickte nach dem Hund, der offenbar wie immer neben ihr lag. Sie sah allerdings nur einen Teil seines schwarzes Felles, das sich auf einmal bewegte und auf sie zu schoss. Die Frau erschrak im gleichen Augenblick fast zu Tode und wurde kreidebleich im Gesicht.

 

Zwei kräftige Männerarme griffen kurz darauf erbarmungslos nach ihrem Hals, umklammerten ihn wie einen Schraubstock und würgten sie bis zur Bewusstlosigkeit. Dann lockerte sich der Würgegriff wieder ein wenig und eine leise Stimme zischte sie böse an.

 

Du sagst mir jetzt sofort, wo dein Geld und dein Schmuck ist. Wenn nicht, erwürge ich dich gleich hier im Bett.“

 

Aus Angst um ihr Leben gab die reiche Frau ihr Geld- und Schmuckversteck ohne zu zögern preis, weil sie dachte, dass der Einbrecher dann ihr Leben verschonen würde.

 

Und so kam es tatsächlich. Nachdem der Einbrecher das Geld und alle Wertsachen in einen mitgebrachten Sack geworfen hatte, flüchtete er aus dem Haus und verschwand in der Dunkelheit der Nacht.

 

Die reiche Frau konnte sich nach einer Weile von ihren Fesseln befreien, die ihr der Räuber noch angelegt hatte, bevor er das Weite gesuchte hatte

 

Eine Zeit lang lag die Frau noch ganz erschöpft im Bett, um dann aber schließlich ins Badezimmer zu gehen. Sie wollte sich etwas mit kaltem Wasser erfrischen und dann die Polizei rufen.

 

Kaum hatte sie aber die Tür zum Bad aufgemacht und das Licht eingeschaltet, erblickte sie etwas ganz Schreckliches. Ihr geliebter Hund hatte der Einbrecher offenbar betäubt, dann kopfüber an der Dusche aufgehängt und mit einem Messer den Bauch aufgeschlitzt, aus dem immer noch Blut heraus tropfte.

 

Der Anblick war zu grausam für die Frau. Sie fiel plötzlich in Ohnmacht, schlug mit dem Kopf krachend auf den harten Fliesenboden auf und blieb dort regungslos liegen.

 

Am nächsten Morgen klingelte der Hausmeister an der Tür, der sich darüber wunderte, dass die Tür nicht abgeschlossen war. Das Schloss sah allerdings beschädigt aus. Der Mann betrat vorsichtig den Flur, rief mehrmals den Namen der Frau, bekam aber keine Antwort. Schließlich ging er nach oben und fand die Leiche seiner Arbeitgeberin tot in der Badewanne mit einer klaffenden Stirnwunde am Kopf. Offenbar hatte sie sich zusammen mit ihrem Hund umgebracht.

 

Doch dann fand er diesen kleinen Zettel, der vor dem Spiegel lag und auf dem geschrieben stand:

 

Ich wurde ausgeraubt. Der Einbrecher hat vorher meinen geliebten Hund bestialisch getötet. In dieser Welt kann ich ohne ihn nicht leben und habe mich dazu entschlossen, ihm auf die andere Seite zu folgen. Ich hoffe, dass ich ihn dort wiedersehe.“

 

 

ENDE

 

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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