Günter Weschke

Kubanische Zigarren


Kubanische Zigarren

Der reiche russische Geschäftsmann -Vladimir Ostrowsky-, reiste im Jahr 1935 nach Paris, einfach nur so, um ein paar Freunde zu treffen, oder aber auch nur, um sich einmal einen anderen Wind um die Nase wehen zu lassen, als den ewigen, kalten sibirischen Eiswind.
In Irkutsk, wo er lebte, war der Sommer nur kurz, dafür aber der Winter sehr lang und grausig kalt.
Seinen Reichtum hatte Ostrowsky durch den Pelz- und Fellhandel erworben.
Russische edel Pelze, wie Zobel, Nutria, Fuchs und viele hochgeschätzte Pelze, waren in der westlichen Welt sehr begehrt.
So reiste er also eines Tages, mit vielen Rubeln ausgestattet, gekleidet in sehr teurer Pelzkleidung, unter anderem trug er weiche, nach Maß angefertigte Wildlederstiefel, sowie eine Zobelfell-Pelzmütze, die sich um sein Haupt schmiegte., nach Moskau.
Er war eine ansehnliche Erscheinung, groß und kräftig, dazu hatte er eine gesunde Bräune und trug stets ein kleinen Lächeln um seine Mundwinkel, was ihn sehr sympathisch erscheinen lies.
In Moskau ging er in das größte Kaufhaus der Stadt, das -GUM-,
hier kaufte er, in der ersten Etage, im Geschäft -Monsiore-, die edelsten Zigarren der Welt, echte Kubanische, der Marke - Cohiba, Languito Nr. 4-.
In einer edlen Holzschatulle, lagen zehn dieser teuren Zigarren, auf blauem Samt gebettet und jeweils mit einer grau/roten Bauchbinde versehen.
Ja sie waren teuer, sehr teuer sogar, nach heutigem Wert kostet eine davon mehr als 50€
Mit einem Taxi fuhr er dann zum Zentralbahnhof und erstand ein Ticket nach Paris, in einem Wohn-Schlafabteil, mit Dusche und Wc.
Er hatte das Abteil Nummer 5, PRIVAT !
Abfahrzeit des Zuges war um 21.00 Uhr.
Pünktlich, kurz vor Abfahrt des Zuges, betrat er den Waggon, es war ein vornehmer, englischer Pullmann Wagen,
Der livrierte Schaffner nahm sein Handgepäck in Empfang und geleitet ihn zu seinem Abteil.
Er sagte zu Ostrowsky, wenn sie etwas benötigen, Getränke, Zeitschriften, oder etwas anderes, ich besorge es ihnen sehr gern, sie sollen sich hier sehr Wohl fühlen.
Hier ist ein Klingelknopf, drücken sie einfach drauf und ich komme sofort.
Ostrowsky sah sich um, ja, hier konnte man sich Wohlfühlen. Weiche bequeme Sessel, eine kleine Getränke-Bar, Gebäck und sogar Blumen.
Wohlig nahm er in einen Sessel Platz, streckte die Beine von sich, um dann aber gleich wieder aufzustehen um die kleine Bar zu begutachten, na also, er fand ein Fläschchen Wodka.
Der Zug hatte sich inzwischen in Bewegung gesetzt und Fahrt aufgenommen, der nächste Halt war Warschau.
Aus dem Koffer, den er vorher bereits aufgegeben hatte und der schon im Abteil stand, entnahm er eine leichte Jacke und verliess das Abteil, dass er hinter sich zu sperrte.
Er ging durch den schmalen Gang zum Speisewagen der 1. Klasse.
Nur wenige Tische waren besetzt, so nahm er an einen kleinen Tisch Platz, bestellte beim Kellner eine Flasche Burgunder und schaute danach in die Speisekarte.
Beim Kellner bestellte er dann, ein Schweinsfilet mit Kraut und Bratkartoffel.
Genüsslich blickte er um sich, dabei fiel sein Blick auf eine junge Dame, die, wie er auch, allein am Tisch saß.
Scheinbar hatte sie seinen Blick bemerkt, denn sie sah plötzlich auf und betrachtete ihn interessiert.
Er hob sein Glas, lächelte und trank ihr zu.
Zu seinem Erstaunen, tat sie das Gleiche, hob ihr Glas und nickte ihm zu und trank.
Nach dem Essen, der Kellner hatte bereits abgeräumt, nahm er seine Flasche Wein und sein Glas, ging zu ihrem Tisch, sah sie an, verbeugte sich leicht und sagte, “Darf ich an ihren Tisch Platz nehmen, mein Name ist Vladimir Ostrowsky, ich bin Russe.“
Sie sah ihn an, lächelte und sagte, “Aber gern, wer trinkt schon gern allein!“
“Darf ich fragen, Reisen sie auch nach Paris?“
Nach einer kurzen Pause, sagte sie: “Ja, ich wollte schon immer nach Paris, es soll ja eine wundervolle Stadt sein!“
“Ja, man nennt sie auch die Stadt der Liebe!”
“Mon Amour, chèrie, ja, flüsterte sie, Paris den Franzosen, dem Papst Rom und den Nazis die ganze Welt!“
Er sah sie an, “Wie darf ich sie nennen?“
Lange sah sie ihn in die Augen, dann sagte sie, indem sie ihr Glas hob: “Egal, nenn mich Lola, nenn mich Lisa oder Vera, was sind schon Namen, Namenlos werden einmal, auf den -Feldern der Ehre- die verscharrt werden, die eigentlich nichts damit zu tun hatten!“
“Also, wie darf ich sie nennen?“
“Ich bin Olga, Olga Taminow, ich bin Polin und ich bin traurig, traurig über …ach was!“
Der Kellner kam zu ihnen, äh, wir schließen jetzt den Speisewagen, möchten sie noch etwas?
Vladimir sah zu Olga, “Nein, wir gehen jetzt auch!”
“In welchem Waggon sind sie?”
“Ich weiß es nicht so genau, aber wollen sie schon gehen?”
“Wenn sie möchten, gehen wie in mein Abteil, da können wir ungestört Reden!”
“Ja, Reden ist gut, ist immer gut!”
“So, hier ist es“, er schloss die Tür auf und Olga machte es sich gleich in einen der Sessel bequem.
“Sagen sie bitte, was machen sie beruflich in Polen?”
“Das wollen sie doch wirklich nicht wissen!”
“Sie müssen es mir nicht sagen, es ist dann sicherlich eine Geheimsache!”
Olga lachte, “Wie man es nimmt, aber ich sage es ihnen, ich arbeite im - Cosmos-, einem sehr eleganten Institut für Völkerverständigung!”
“In Warschau?”
“Ja, direkt in Warschau!”
“Gibt es hier nichts zu Trinken?”
“Oh ja, einen Moment Olga, was möchtest du denn gern?”
Vladimir war plötzlich in ein vertrautes -Du- übergegangen.
“ Na Schampus wäre schön!”
“Moment”,er drückte auf den Klingelknopf.
Als kurz darauf der Schaffner erscheint, sagt er: ”Bringen sie uns doch bitte eine Flasche Champagner!”
Es dauerte nicht lange und das Getränk stand auf dem Tisch.
Er öffnete auch gekonnt die Flasche, zauberte zwei Gläser hervor und zog sich danach zurück.
Vladimir goss ein, sie stießen an und tranken, wobei Olga ihr Glas sofort austrank.
Vladimir sagte, “Ich mach mir eigentlich nichts aus Champagner, unser russischer Krim Sekt schmeckt mir bedeutend besser!”
Olga lachte, “Ja, mir auch!”
“Was machst du denn so im Institut für Völkerverständigung?”
Wieder sah sie ihn lange an dann sagte sie,; ”Was solls, wir sehen uns heute zum ersten Mal und werden uns danach nie wiedersehen, also, ich singe und tanze und mach die Männer glücklich!”
Entgeistert sah er sie an, “Du bist eine…?”
Wieder lachte sie, “Du glaubst gar nicht, wie viel Freunde ich habe, hohe Tiere aus der Politik und Wirtschaft, selbst aus dem Kreml. Schau nicht so, ich bin und bleibe eine Frau. Noch bin ich hübsch, kann mich sehen lassen, aber danach kommt eine Zeit, wo das alles vorbei ist, eine lange Zeit der Einsamkeit, drum will ich jetzt Leben, jetzt!”
Er goss die Gläser wieder voll, “Und was willst du in Paris machen?”
Schau Vladi, was nützt mir das viele Geld, wenn ich damit nichts anfangen würde. Ich möchte etwas von der Welt sehen!”
Der Zug wurde langsamer, eine Ansage;
Hier ist Berlin, die deutsche Hauptstadt. Wir haben 15 Minuten Aufenthalt.
Türen wurden geöffnet und wieder zugeschlagen, Stimmen überall.
Vladimir ging hinaus auf den Gang, sah aus dem Fenster.
Als er wieder ins Abteil trat, lag Olga nackt auf dem Bett und sah ihn an.
“Komm Vladi, komm zu mir!”

Am Frühstückstisch saßen sie sich gegenüber, der Kaffee dampfte in den Tassen und die frischen Brötchen dufteten vor sich hin. Schweigend sahen sie sich an. Beide lächelten.
Olga legte ihre Hand auf seine, “Ich habe seit langer Zeit endlich einmal erlebt, wie schön Liebe wirklich sein kann”!
Er drückte ihre Hand.
“So, jetzt muss ich mich wirklich um mein Abteil kümmern, ich werde mich umziehen, bevor wir Paris erreichen, komm ich noch einmal zu dir!”
Sie küsste ihn und verlies das Abteil.
Vladimir, machte sein Handgepäck auf, holte das Holzkästchen hervor, öffnete es und betrachte voller Glück seine edlen Zigarren, nahm eine heraus, setzte sich in den Fenstersessel, entzündete, nachdem er die Spitze und das Mundstück angeschnitten hatte, ein Streichholz, hielt die Zigarre über die kleine Flamme, steckte die Zigarre in den Mund und sog genussvoll, den warmen, schweren Rauch ein, der das Abteil mit kubanischen Düften umhüllte.
Neunzig Minuten, kann ein guter Raucher diesen Genuss genießen.
Vladi schloss die Augen und lies die vergangene Nacht noch einmal vorüber ziehen.
Plötzlich wurde die Abteiltür aufgerissen und Olga stand im Abteil, hatte sie getrunken? Sie sah ihn wirr an: “Los, gib mir sofort dein Geld, deine Brieftasche und alles Wertvolle was du bei dir hast, los, mach schon!”
“Olga, was ist mit dir los? Sag etwas!”
“Wenn du nicht sofort tust, was ich die sage, ruinierst ich dir dein Leben!”
“Ich gebe dir kein Geld!”
Olga riss sich plötzlich die Bluse auf, kratzte sich mit ihren Fingernägeln im Gesicht und an den Armen, dabei schrie sie plötzlich laut um Hilfe.
Der Schaffner kam sofort angerannt, Olga fiel ihm um den Hals, schrie…der Kerl wollte mich vergewaltigen, schauen sie was er mir schon angetan hat, dabei zeigte sie die zerrissene Bluse und die Kratzspuren überall.
Der Schaffner sah Vladimir an, dann die “Dame“.
Er packte Olga am Arm und sagte, beim nächsten Halt, werde ich sie der Polizei übergeben.
“Ja sehen sie denn nicht, wie der mich behandelt hat?”
“Meine Dame, wenn der Herr, der dort am Fenster sitzt, das alles getan haben soll, was sie ihm vorwerfen, dann wäre die Asche seiner Zigarre, bei dem Handgemenge, sicherlich abgefallen. Aber sehen sie, die Asche ist noch völlig vorhanden.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Günter Weschke).
Der Beitrag wurde von Günter Weschke auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.08.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • guenter-weschket-online.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Günter Weschke als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Die Plastikflasche von Valérie Guillaume



Eine namenlose Plastikflasche...
Ein Fluss am anderen Ende der Welt...
Die endlose Weite des Meeres...
Eine abenteuerliche Odyssee beginnt!

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Ernüchterung" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Günter Weschke

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Moskau im Winter von Günter Weschke (Krimi)
Glück gehabt von Rainer Tiemann (Ernüchterung)
Tod eines Lehrers von Rainer Tiemann (Schule)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen