Thomas Klassen

Sie sind `raus!

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Eines Morgens wachte Carl auf und hatte den Geistesblitz aller Geistesblitze! Er wusste nun, wie das mit der Schwerkraft funktioniert. Sofort schrieb er alles auf, machte Skizzen und seitenlange Notizen. Es fehlte noch der theoretische Unterbau. Also begann er erstmal damit, dass er Physik studierte und sich dabei die richtigen Nerds suchte.

Und irgendwann hatte er alles zusammen, um mit dem Aufbau seiner Vision anzufangen. Geld war kein Thema mehr – am Rande seines Einfalls hatten sich genug ‚Abfallprodukte‘ befunden, um damit richtig dicke Kohle zu machen.

Dann begannen seine Experimente.

Auf einem Sitz vor einem Display im L1 Punkt von Jupiter rutschte ein schuppiges Alien unruhig hin und her. „Die Messwerte sind verdächtig. Ich empfehle, eine Sonde zu schicken.“

Carl wusste nicht, dass seine Experimente irgendwo wahrgenommen werden konnten. Er ging davon aus, dass aktuell kein Mensch seine Arbeit anmessen könnte. Naja, damit hatte er streng genommen ja recht.

Irgendwann lief sein Gerät. Das wurde dann überall wahrgenommen. In purem Unwissen hob nicht der Würfel vor ihm ab, sondern das ganze Labor, das er sicherheitshalber in einem Container untergebracht hatte. Er dachte, es funktionierte nicht und war auf Fehlersuche, als Marie, die gerade einkaufen war, es von außen beobachtete, ihn anrief und meinte, er soll jetzt aufhören, das Stromkabel ist nicht lang genug. Da befand er sich schon in 15m Höhe und wurde weithin gesehen.

Vier Elementarkräfte! Ha! Er sah damals in seiner Vorstellung genau, dass es noch mehr geben muss, um alles zu erklären. Und er sah, wie alles zusammenhing. Und nun hatte er es tatsächlich geschafft, zwei weitere Kräfte nutzbar zu machen. Er nannte sie helle und dunkle Anziehung, was Besseres fiel ihm nicht ein. Damit war er nun in der Lage, Gravitation und Quantenfeld zu manipulieren und dunkle Materie zu nutzen. Also nannte er das Ding einfach DMM für ‚Dunkle Materie Manipulator‘. Natürlich war er nicht alleine. Ein kleiner Kreis seiner Freunde war dabei und halfen mit.

Das zweite Experiment war ein etwas besser organisiertes, mit einem Lieferwagen. Sie fanden es saukomisch, denn der hatte zum einen genug Platz für Steuerung, Vorrichtung und einen Generator, zum andern Lenkrad und Pedale… also wurde alle Welt Zeuge, wie ein Lieferwagen durch die Stadt flog.

Auf der Station kurz vor Jupiter war eine kleine Gruppe verschiedener Zuschauer vor dem Display versammelt. „Mist!“ (Das ist wohl die beste Übersetzung für das, was da gesagt wurde.) „Die haben es herausbekommen! Viel zu früh!“

Fünfzehn Monate später. Carl und Insgar saßen am Kontrollpult. Vor ihnen war die schroffe Mondlandschaft auf dem Schirm sichtbar. Geld wurden ihnen nur so nachgeworfen, sie konnten praktisch tun und lassen, was sie wollten. Inzwischen gab es schon haufenweise Anwendungen, dafür waren andere in ihrer Firma zuständig.

Sie hatten sich ein U-Boot gekauft und ausgebaut wie einen Camper und dann damit abgehoben. Als Versuchsplattform war es unglaublich praktisch. Sie brauchten einen Halter? Kein Problem – anschweißen und fertig. Die Emitter rundherum anbauen? Gewinde waren schnell in den Rumpf geschnitten. NASA, ESA und andere kamen mit unglaublich aufwändigen Konzepten. „Blödsinn!“ mehr fiel ihnen dazu nicht ein. Sie brauchten jetzt nur noch Energie und Luft. Und etwas, das einfach und robust war. „Brachial“ nannte es Marie.

Der erste Flug war chaotisch, sie flogen eine Weile auf dem Kopf. Das U-Boot war hier echt praktisch, da alles irgendwo festgemacht war. Charles’ Frühstück flog auch, aber nur kurz. Nach der Landung verkrochen sie sich erstmal eine Woche in den Hangar, dann hatten sie eine Art Trägheitsdämpfer gebastelt. Praktisch, wenn man die Gravitation mal steuern konnte, war ein Trägheitsdämpfer nur noch eine Sache von Rechenleistung und Sensorik. Jetzt begann der wahre Aufbruch ins All.

Der Mond! Sie hatten abgestimmt, und nun wehte die UN-Flagge auf dem Mond, daneben ein Apfelmännchen als Symbol für die Wissenschaft. Anschließend suchten sie sich noch eine Stelle fürs nächste Labor aus und markierten diese. Ihre Bildschirme zeigten eine Reflexion am Horizont. Sie flogen hin und fanden seltsame Abdrücke. Carl funkte ins Sonnensystem „Wir sind jetzt unterwegs!“ Dann ging es heim und sie machten sich daran, die Menschheit ins All zu bringen.

Die Beobachter berieten. Was sollten sie machen? Es gab Regeln. Aber die Menschen waren schneller als viele andern, sowohl was Ideen als auch Paranoia betraf. Da sie aber noch nicht herausbekommen hatten, wie sie aus ihrem System kamen, blieb es erstmal beim Beobachten, statt beim Kontakt.

Und während die Beobachtungsstation beobachtet, wurde Carls Forschungsstation auf den Mond verlegt. Bald hatten sie eine Art Strahlenschutz entwickelt, und während die üblichen Verdächtigen anfingen aus seiner Entdeckung Waffen zu bauen, bauten sie einen FTL-Antrieb auf der Rückseite des Monds.

Von außen betrachtet war alles nur mäßig besorgniserregend. Kernwaffen waren jetzt nichts Ungewöhnliches für die Welten da draußen, aber im Allgemeinen ging man verantwortungsvoll damit um und richtete sie zumindest nicht auf die Vertreter des eigenen Planeten. Insofern blieben alle halbwegs beruhigt. Bis einige Zeit später besagtes U-Boot neben der Beobachtungsstation aus einem Ring aus Licht kam und freundlich „guten Tag“ funkte.


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.08.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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