Dirk Hofmann

Erinnerungsluecke


Mir ist noch nicht so bewußt, wie ich anfangen solle, oder sollte.
Es ist eine Geschichte, die zwiespältige Gefühle auslöst, weil ich damit nicht gerechnet habe oder hatte.
Um das Ganze etwas abzukürzen.

Ich habe eine Dokumentation angesehen, weil ich das Thema interessant fand. 
In dieser Doku ging es um Heimkinder in der DDR bzw. um Wochenheime spezifisch.
Vieles für mich, war doch erschreckend, aber einiges kam mir bekannt vor.
Nachdem die Doku zu Ende war, überlegte ich, wieso mir einiges bekannt vor kam.
Ich konnte mir darauf noch keinen Reim machen und schrieb am nächsten Tag meine Mutter an.
Ich frug sie, ob Wochenheime für sie ein Begriff sind.
Nun, die Antwort fiel simpel aus, nämlich ja.

Einen kurzen Famileieneinblick.

Meine Mutter wurde in einem Heim abgegeben, da sie ein Ergebnis von ungewollter Schwangerschaft war.
Darauf gab ihre leibliche Mutter, meine Mutter ins Heim und zur Adoption frei.
Somit kennt meine Mutter keine familiäre Bindung.
Sie verblieb über 3 Jahre im Heim, bevor sie adoptiert wurde.
Bei ihren Adoptiveltern, vor allem bei ihrer Stiefmutter, war sie nur eine bessere Putzhilfe ud Erntehelferin.
Wo meine Mutter mit mir schwanger war, war mein biologischer Vater der Meinung, dass er der Verantwortung nicht gewachsen sei.
Somit floh er und lies meine Mutter im Stich, anders kann ich es nicht sehen.
Dies nur als kleiner Einblick.

Zurück zu dieser Doku.

Ich fragte meine Mutter weiter, woher sie diese Wochenheime kenne.
Sie sagte, dass sie dieses Angebot der Wochenbetreuung in Anspruch genommen hätte.
Ich war etwas erschrocken. 
Warum, fragte ich.
Die Antwort, es ging nicht anders und Krippenplätze waren noch schwer zu bekommen, deswegen diese Alternative.
Somit landete ich in einer Wochenkrippe und nun erschloß sich mir so einiges.
Warum es schwer ist mit mir auszukommen, warum es für mich schwer ist, Vertrauen zu fassen und warum ich ein, doch etwas, kühles Verhältnis zu meiner Mutter habe.
Jetzt schwirrten Fragen in meinem Kopf herum, die ich mir bis dato gar nicht stellte.
Wo war ich, wie lange war ich dort, existiert noch dieser Ort und gibt es Unterlagen?
Die ersten drei Fragen konnte ich noch rechachieren, aber bei den Unterlagen wird es etwas undurchsichtig.
Meine Mutter half mir etwas bei den Recherchen, was den Ort angeht.

Somit bekam ich raus, dass ich in Schleusingen (Thüringen) im Hilde Coppi Kur- & Wochenheim, von dem heute nicht mehr viel übrig ist.
Diese Heime gab es, natürlich, zur ideologischen Erziehung und dafür, dass Frauen als Arbeitskräfte dringend gebraucht wurden.
Da meine Mutter im Hotelwesen gearbeitet hatte, nämlich in Oberhof Hotel Rennsteig, musste sie auch Schichten arbeiten und Sonn-& Feiertage.
Somit musste ich irgendwo hin, da es noch nicht genügend Krippenplätze gab, damals.
Also wurde ich "zwischengeparkt" in dieser Wochenkrippe, wo ich bis zu einem Jahr meine Zeit verbrachte.
Ich wurde Montags gebracht und Freitag oder Samstag, manchmal vielleicht auch gar nicht abgeholt.
Letzters kann ich nur vermuten, da ich es nicht mit Sicherheit sagen kann.
Warum sie es machen musste, ist mir klar, als Alleinerziehende Mutter.

Ob es ein guter Weg war, oder eher die schlechtere Alternative, wäre aus meinem Stanndpunkt leicht zu beantworten, aber eine Medallie hat immer zwei Seiten.
Es gibt viele Geschichten über solche Wochenheime und die Staatsführung tat dies bewußt, Kleinkinder zu erziehen.
Dies bedeutet, Kinder von 0 - 3 Jahren waren immer willkommen in den Wochenheimen, wegen der ideologischen Erziehung.
Ich bin etwas zwiegespalten, weil es ein Lebensabschnitt ist, der mir völlig befremdlich ist und ich keinerlei Erinnerungen daran habe.




 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.08.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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