Günter Weschke

Bis nach Portugal

Bis nach Portugal.

Florian hatte vor sechs Monaten, seine Freundin Pauline zum Flughafen gebracht, sie musste zurück nach Portugal, wo ihre Eltern ein Weingut betreiben.
Nun war er sechs Monate ohne Pauline, einfach furchtbar.
Aber jetzt, in den Semesterferien, wollte er sie Wiedersehen, er wollte sich auch bei ihren Eltern vorstellen, es wurde ja wohl Zeit.
Er war ein junger Kerl von gerade mal einundzwanzig Jahren, sah gut aus, er war groß, na ja, 180 Cm. sportlich , blond und etwas sonnengebräunt.
Er studierte Jura in Berlin, an der -Humboldt - Universität-, im vierten Semester.
Seinen Wagen hatte er vollgetankt, alles Nötige verstaut, nun konnte es losgehen.
Natürlich hätte er auch Fliegen können, aber er wollte es etwas langsamer angehen lassen, er liebte es Auto zu fahren.
Es war ein wunderschöner, sonniger Morgen, Florian lege eine CD ein und ließ sich von der Musik tragen.
Kurz bevor es auf die Autobahn ging, sah er ein junges Mädchen, welches ihm zuwinkte.
ER hielt an und fragte :“Kann ich Ihnen helfen?”
“Sie schien erleichtert, mit etwas belegter Stimme fragte sie; “Fahren Sie weit?”
Florian nickte, “Ja, schon, ich will nach Portugal!”
Fassungslos sah sie ihn an. “Wirklich?”
“Ja, wirklich!”
“Ach, ich habe eine große Bitte, würden Sie mich mitnehmen, ich will meine Eltern in Portugal besuchen und hatte darauf gehofft, dass es vielleicht einen Autofahrer gibt, der auch dorthin reist!”
“Stehen Sie schon lange hier?”
Sie Pustete eine widerspenstige Locke aus ihrem Gesicht, “Ja, länger als zwei Stunden!”
“Wissen Sie was, steigen sie ein, Ihr Gepäck können sie auf die Rückbank legen, wir fahren dann zusammen zur nächsten Konditorei, trinken dort Kaffee und Sie können mir dann auch noch sagen, ob Ihre Papiere in Ordnung sind und Sie nicht von der Polizei, oder Ihren Eltern gesucht werden!”
“Na hören Sie mal, ich bin doch nicht auf der Flucht, natürlich sind meine Papiere in Ordnung!”
“Na gut, dann lassen Sie uns jetzt Kaffee trinken und etwas Essen, ich habe nämlich heute noch nicht Gefrühstückt!”
“Ich auch nicht!”
“Ich heiße übrigens Florian!” “Und ich heiße Johanna!”

Nach dem Frühstück geht es los, rauf auf die Autobahn und dann weiter, immer Richtung Westen.
Johanna ist eine bildhübsche junge Frau von neunzehn Jahren, sie hat schulterlanges, dunkelblondes Haar und wunderschöne, grün leuchtende Augen, wenn sie lacht, bilden sich zwei kleine Grübchen um ihre Mundwinkel, ja, sie lachte oft und das war sehr schön.
Die Fahrt durch die frühere DDR, ist etwas eintönig, Florian legte wieder eine CD ein und leise Musik erklang, Johanna schloss die Augen, sie fühlte sich wohl.
Nachdem sie den ehemaligen Grenzkontrollpunkt der DDR, -Hof- passiert hatten, ging es in südwestlicher Richtung weiter.
“Sag mal Florian, wie kommt es, dass Du Dir solch einen teuren Mercedes leisten kannst, so als Student?”
Florian lachte verhalten, “Na, Du musst Dir nur die richtigen Eltern aussuchen!”
“Na und, hast Du?”
“Ich glaube schon, mein Vater ist ein bekannter Schönheitschirurg und meine Muter arbeitet in seiner Praxis als Ärztin!”
“Wow, das hört sich nach gesicherter Zukunft an!”
“Und bei Dir, was machen Deine Eltern?”
“Sie haben ein Weingut in der Nähe von Porto, die Weine, ausgesprochene Extraklasse Weine, sind eben nur Portweine!”
“Ich liebe Portwein, der Gemahl der englischen Königin, war ein großer Freund davon!”
“Oh ja, wir haben den Palast des Öfteren mit unseren Weinen beliefert!”
So, hier werden wir eine Rast einlegen, ich bekomme langsam wieder Hunger!”
Nach dem Essen, genießen Beide noch einen Espresso, dann geht es weiter, ins Elsass.
Anders als durch die neuen Bundesländer, sieht es hier viel schöner aus, viele Weinberge, große Wiesen mit Milchvieh und grüne Weiden voller Pferde, eine paradiesisch schöne Landschaft.
Der Rhein wird überquert und weiter geht es durch Südfrankreich.
“Sag mal Florian, was macht denn deine Freundin in Portugal?”
“Ja, ihre Eltern haben auch einen Weinberg, oder zwei, so genau weiß ich das nicht, ich sehe sie auch zum Ersten Mal!”
“Ja, bei uns wird viel Wein angebaut!”
“Wo werden wir denn heute übernachten?”
“Ich dachte, wir können es bis nach Marseille schaffen, dort nehmen wir uns ein Hotel. Morgen fahren wir dann weiter nach Spanien, so bis Màlaga!”
“Du hast wirklich alles gut geplant!”
“Nur so kommt man gut weiter!”
“Schau mal Flori, die Natur ist hier ganz anders als bei uns, diese wunderschönen Bäume, viele, viele Blumen, aber auch hier gibt es viel Vieh auf den Weiden. Oh und diese herrlichen Ausblicke auf das Meer, es ist einfach phantastisch!”
“Es ist lieb von Dir, dass Du mich eben -Flori- genannt hast, meine guten Freunde nennen mich auch so!”
“Hört sich ja auch sehr schön an”!”
“Und wie wirst Du von Deinen Freunden genannt?”
“Einfach -Hanni-, so liebe ich es auch!”
Die Fahrt bis Marseille verlief Abwechselungsreich, aber schließlich hatten sie ihr Ziel erreicht.
Es war das 5***** Sterne Hotel, Belvedere, Johanna war sehr beeindruckt.
“Das wird aber echt euer sein, Flori!”
“Na ja, die drei Sterne Hotels hier, sind noch hinter unserem Standart zurück, das wollte ich mir nicht antun, dieses hier hatte ich bereits in Berlin gebucht!”
“Komm, wir checken ein!”
Reisepass vorlegen genügt, …ja Sie hatten gebucht, hier ist ihre Zimmerkarte, das Gepäck kommt sofort nach.
Guston, die Herrschaften haben die Suite 2, in der dritten Etage.
Der livrierte Boy begleitete sie zur Suite.
Mit der Zimmerkarte wurde die gepolsterte Tür geöffnet und sie betraten einen wundervollen Saloon.
Der Boy zeigte ihnen das Bad und Toilette, nach dem Trinkgeld verschwand er geräuschlos.
Johanna war sprachlos.
“Und wo schlafe ich?”
“Na hier, Florian öffnete die Schlafzimmertür und zeigte auf ein großes, prachtvolles Bett.
“Und Du?”
“Ich schlafe hier im Saloon, diese wunderschöne Couch wird mich in den einsamen Schlaf begleiten!”
“Komm, wir machen uns etwas Frisch und gehen dann noch zu Abend essen!”
Ein Abendessen im Belvedere, ist schon etwas Besonderes.
Sie saßen am kleinen, zwei Personen Tisch, mit zwei brennenden Kerzen im silbernem Ständer, daneben war ein zweiter Tisch, auf dem gegrillt wurde. Es gab Muscheln, Austern, kleine Steaks und Filets, Salate, Früchte, Fisch und dazu gekühlte Weine.
Johanna hatte es die Sprache verschlagen.
Sie wurden von einem sehr aufmerksamen Ober bedient.
Ein Piano -Player, oder war es ein Klavierspieler, untermalte das Ganze, mit dezenter Musik.
Florian musste Johanna immer wieder ansehen, sie war eine wunderschöne Frau.
Nach dem wirklich ausgezeichneten Mahl, saßen sie noch an der wenig besuchten Bar, im eigenartigem Glücksgefühl, bat er Johanna um einen Tanz.
Beide tanzten mit fast geschlossenen Augen, es war, als würde eine unsichtbare Macht, ihre Bewegungen steuern.
Er nahm sie in den Arm, sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, so standen sie, fast bewegungslos, auf der Tanzfläche, wiegten sich nur langsam, zum Takt der Musik.
Es war fast Mitternacht, als sie in ihren Saloon gingen, Johanna sagte “Gute Nacht- es war ein wunderschöner Abend!”
Sie küsste Florian leicht auf sie Wange.
“Ja, es war wunderschön Johanna!”
“Gute Nacht!”
Johanna verschwand im Schlafzimmer und Florian machte es sich auf der breiten Couch bequem.
Er erwachte, als er plötzlich angesprochen wurde, “Flori, Flori“,
“Ja bitte, was ist los?”
“Flori, mir ist kalt”
“Ja, dann komm, leg dich zu mir, aber halt, ich bin es gewohnt, nackt zu schlafen!”
“Ich auch mein Lieber, ich auch!”

Am anderen Morgen stand Beiden die Verlegenheit im Gesicht geschrieben.
Beim Frühstück wurde kein Wort gewechselt.
Es wurde ausgecheckt, der Wagen wurde vorgefahren, alles wurde verstaut und so konnte die Reise weitergehen.
Zuerst noch schweigsam, dann wollten Beide gleichzeitig beginnen, schwiegen aber wieder, und dann war es Johanna, die sagte, “Wir müssen uns doch nicht wie kleine Kinder benehmen,
es ist nun mal passiert und es war sogar sehr schön!”
Florian sah sie an, “Wirklich?”
“Ja, es war sehr schön!”
“Aber wie soll das jetzt weitergehen?”
“Ich weiß es auch nicht!”
Sie passieren die spanische Grenze, und fahren weiter auf der Küstenstraße in Richtung Màlaga.
Traumhafte Ausblicke auf das Meer, begleiten ihre Fahrt.
Am späten Nachmittag ist ihr Ziel erreicht.
Hier ist die Suche nach einem Hotel einfach, es gibt nur drei.
Ein 4**** Sterne Hotel in der Landeskategorie, entpuppt sich als ein 3*** Sterne Hotel, in deutscher Qualität.
Aber gut, dort nehmen wir ein Zimmer.
Das Zimmer ist einfach eingerichtet, aber das sehen wir nicht, wir ziehen uns gegenseitig aus, fallen über uns her…
Nach dem Abendessen ziehen wir uns gleich zurück.
Die Nacht war kurz und schön.
Nach dem Frühstück fahren wir weiter, diesmal sind wir lustig, lachen viel und sind albern.
An einen besonders schönen Strand, halten wir an, fahren bis dicht ans Meer, ziehen uns aus und tauchen in die kühlen Wellen des Meeres, Schwimmen, Tauchen, Lachen und albern sein, ein herrlicher Tag.
Nun aber weiter, heute wollen wir es noch bis Porto schaffen.
Am späten Nachmittag erreichen wir Porto, das Weingut ihrer Eltern liegt weiter südlich, wir kommen dort an, als die Sonne blutrot im Meer versinkt.
Es ist ein herzlicher Empfang, viele Umarmungen, viel Wein und gutes Essen.
Nachher werde ich in einen kleinen Anbau des Hauses untergebracht, es ist gemütlich und schön.
Nach dem Frühstück zeigt mir Johanna, etwas vom Weingut, unbeobachtet küssen wir uns, “Hanni, wie soll es weitergehen, ich habe mich unsterblich in dich verliebt!”
Erschreckt schaut sie mich an, “Das dürfen wir nicht, Du hast eine Freundin hier in Portugal, auch ich habe einen Freund hier!”
!”Und jetzt?”
“O.K. Du hast ja Recht, ich werde mich gleich auf den Weg machen, vielleicht sehen wir uns einmal wieder!”
Sie begleitete mich noch zum Wagen, ich verabschiedete mich auch von ihren Eltern und fuhr dann los in Richtung Norden.
Überall begleiteten mich Weinberge und große, ebene Felder mit hohen Weinstöcken. Die Kraft der Sonne ist her enorm, der Portwein ist ein reiner Sonnenwein.
Nach zwei Stunden erreichte ich das kleinere Weingut der Eltern meiner Freundin Pauline.
Natürlich war die Freude groß und natürlich wurde auch hier Portwein getrunken und natürlich war auch diese Nacht wieder eine sehr schöne, obwohl ich ein schlechtes Gewissen hatte.
Nach einer Woche musste ich zurück fahren.
Ich rief Johanna an und fragte, ob sie wieder mit mir zurückfahren würde.
Ihre Antwort war, “Ich habe schon so sehr auf deinen Anruf gewartet!”

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