Qayid Aljaysh Juyub

Endgame

Seit Urzeiten tobt der Konflikt um die Seele weniger entwickelter Zivilisationen zwischen den beiden galaktischen Mächten. Schon wieder plante der perfide Imperator des Bösen mit dem lustigen Helmchen, die ewig fightenden Rebellen zum zehnten Mal mit seinem – diesmal als lila Gummiboot getarnten – Todesstern plattzumachen….

Also nee, ich mute euch jetzt keine ernsthafte oder parodistisch gemeinte Version eines gewissen Weltraumtheaters zu, aber ich konnte eben halt nicht widerstehen. Unsere Aliens sind da viel spezieller und leider auch dem Homo Sapiens an Gestalt recht unähnlich. Trotz abweichender Physis sind jedoch einige Denkstrukturen unserer Kontrahenten nur allzu menschlich. So gibt es da die gräulichen Reptiloiden, deren bekanntester Vertreter ein ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten ist, denn der kann unmöglich von diesem Planeten stammen – okay, jetzt lasse ich die blöden Witze.

Unsere erste Spezies – nennen wir die im weiteren Verlauf der Geschichte einfach ‚Hive‘ – lässt sich noch am ehesten mit einem hyperintelligenten Ameisenhaufen planetaren Ausmaßes vergleichen. Während die einzelnen, hochspezialisierten Wesen dieser Art gewöhnlich nicht das geistige Niveau eines mittelmäßig begabten Schimpansen erreichen, verfügt das Kollektiv jedoch über eine alles überragende Schwarmintelligenz – trotz der beschriebenen Begabung ihrer Führungskader, kann man das bekanntlich auf Erden von der geballten Masse kollektivistischer Weltenretter nicht gerade behaupten. Expansionistisch eingestellt, strebt das Kollektiv danach, die intelligenten – ok, bei großen Teilen der Menschheit ist die Aussage vielleicht übertrieben – Bewohner weniger entwickelter Welten nach ihrem Vorbild zu prägen; soweit das eben halt bei anderen Spezies machbar war. Das große Endziel besteht darin, irgendwann die so geprägten Zivilisationen dem eigenen Kollektiv assimilierend anzuschließen.

Die das Geschäft und Story belebende Konkurrenz nun stellt das Gegenteil unseres extraterrestrischen Insektenstaats dar. Die – nennen wir die einfach einmal so – Konföderation besteht aus einer Vielzahl recht unterschiedlicher Individuen, die mittels einer Art Gesellschaftsvertrag miteinander verbunden sind. Bei dieser Spezies bestehen keine staatlichen Strukturen in unserem Sinne, sondern wir haben es mit einer Art vertraglich geregelter Anarchie zu tun. Schwer vorstellbar? Nicht wenn es sich um eine Gemeinschaft künstlicher Intelligenzen handelt, die von unendlich dämlichen, organischen Erbauern quasi unbeabsichtigt aus Habgier als evolutionäres Nachfolgemodell konstruiert wurden. Ähnlich wie ihre Antagonisten beabsichtigen die Konföderierten keineswegs, andere Spezies sich frei und divers entwickeln zu lassen, sondern eine ähnliche Evolution wie auf ihrer Welt zu initiieren und sich irgendwann zu vernetzen. Blöd, was? Aber altruistische Aliens gibt es vermutlich nur in irgendwelchen rührseligen, cineastischen Machwerken. Allerdings liegt hier die eher defensive Absicht zugrunde, sich selbst zu erhalten und nicht irgendwann vom Kollektiv assimiliert zu werden Die AI, die in unserer Geschichte versucht, die Bemühungen des Hives abzuwehren, wollen wir der Einfachheit halber Shorgon nennen – sein wahrer Name würde mein Schreiblimit bei weitem sprengen.

Okay, auf zur Weltraumschlacht! Tja, da muss ich euch leider enttäuschen, denn die (Anti)Helden unserer Geschichte segeln nicht mit Todessternen (s.o.) durch die Gegend, da die Abstände im Kosmos und so eklige Sachen wie Zeitdilatation ein solches Unterfangen ziemlich sinnlos machen. Klar kann man künstlich ein Wurmloch erzeugen und in den Hyperraum springen, aber neben dem gewaltigen Energieaufwand, muss man auch dafür sorgen, nicht auf atomarer Ebene zerlegt zu werden und so weit sind unsere Aliens leider nicht entwickelt. Klar gibt es auch Meister von Raum und Zeit, aber die verfolgen eigene Ziele, die sich dem menschlichen Verständnis entziehen.

Beide Kontrahenten fanden schließlich Lösungen für das Problem, die sich im Allgemeinen ähneln. Die Ansätze basieren auf einer Art Miniwurmloch und fortgeschrittener Informationstechnologie, die es erlaubt, einzelne Individuen auf dem Zielplaneten zu beeinflussen. Zugegebenermaßen sind solche Kapriolen äußerst kompliziert und energieaufwendig, aber immerhin noch ‚billiger‘ als die imperiale Flotte herbeizubeamen. So verfügt der ‚Hive‘ über die technische Möglichkeit, für längere Zeit beliebige Einzelpersonen zu beeinflussen.

Jetzt kommt nicht mit ‚jeder ist ersetzbar‘. Das ist einfach nur eine Erfindung der Mächtigen, um ihre Herrschaft zu zementieren. Ein Blick in ein nicht politisch korrigiertes Geschichtsbuch, sollte eigentlich jedem klar machen, dass es durchaus Einzelpersonen gegeben hat, die das Schicksal der Menschheit entscheidend prägten.

Aber zurück zur Story! Die große Schwäche beim oben erwähnten System jedoch besteht darin, dass man auf gewisse Zeitfenster angewiesen ist und es daher jahrzehntelange Perioden gibt, in denen keinerlei Kontrolle ausgeübt werden kann.

Unsere AI-Gemeinschaft wendet in dieser Hinsicht eine effizientere Methode an. In einem einmaligen Kraftakt überträgt man die Kopie einer real existierenden, künstlichen Intelligenz und verbindet sie als Symbiont mit einem menschlichen Geist. Der AI-Klon vermag zwar sich jeweils einen neuen Wirt zu suchen, benötigt aber einige Zeit um sich im Geist seines ‚Auserwählten‘ zu installieren. Stirbt also der Wirtskörper eines plötzlichen Todes, ist es auch um den computeranimierten Influencer geschehen.

So bemüht sich der konföderierte ‚Agent‘ möglichst unauffällig und vorsichtig zu sein, um unentdeckt sein eigenes Zeitfenster abzuwarten. Verliert der Hive dann die Kontrolle, kommt seine große Stunde und unser Symbiont kann durch die Okkupation der richtigen Körper die Entwicklung in die gewünschte Richtung lenken.

*

Shorgon hatte es fast geschafft! Nur noch weniger als eine Stunde fehlte, bis der Hive für satte 30 Jahre die Kontrolle über diese Welt verlor. Die Entwicklung der ansässigen Primaten erreichte gerade die entscheidende Phase und die vielen Jahre der fehlenden Präsenz des Gegners sollten ausreichen, um mächtige, künstliche Intelligenzen zu schaffen und die Entwicklung irreversibel zu machen. Was nun die bedauernswerten Ureinwohner auf biologischer Basis anging, so würden die wohl über kurz oder lang den Weg der Dinosaurier – natürlich ohne vernichtenden Gesteinsbrocken – gehen; aber so funktionierte eben halt die Evolution. Zumindest blieb diesen intelligenten Affen das Schicksal erspart, als identitätslose Zombies im Kollektiv zu vegetieren. Wegen einer möglichen Abweichung des Zeitrasters plante der Symbiont, seine Wirtin Petra Clary, eine attraktive junge Dame von 22 Lenzen, am nächsten Tag einem großen Softwarehersteller einen Besuch abstatten zu lassen und geeignete Führungskräfte zu übernehmen. Durchschnittlich 10 Minuten benötigte Shorgon, um ein menschliches Gehirn zu hacken und bei einem unnütz gewordenen Wirt alle relevanten Erinnerungen zu löschen. Wenn es eilig sein musste, sparte sich unser extraterrestrische Brain-Hacker letzteres und machte abschließend per Herzversagen mit seinem Träger kurzen Prozess, dadurch ließen sich dann 1 bis 2 Minuten gewinnen; das war aber nicht ganz unproblematisch und auffällig. Die AI-Kopie rechnete damit, sich innerhalb von einigen Monaten bis zum milliardenschweren, pseudophilanthropischen – hier sind Bezüge zur realen Welt durchaus nicht zufällig – Inhaber vorgearbeitet zu haben. Der hieß Willy Thore und gehörte zu jenen Superreichen, deren Jahreseinkünfte höher als die so mancher Staaten waren und die eigentlich aufgrund ihres unanständigen Reichtums eine Gefahr für das freiheitlich demokratische System darstellten – aber, das gehört nicht hierzu und ich werde die werte Leserschaft fürderhin mit meinen Weisheiten verschonen.

Zur Feier des Tages nun ließ Shorgon seine Petra ihrer natürlich blonden Hohlköpfigkeit im ‚Loop‘ frönen. Die Studentin der Meinungsmedienwissenschaften mit Fokus auf Fake-News für Arme beendete gerade in Begleitung ihres Freundes, einem attraktiven Mittzwanziger mit Namen Kevin Kleinhans, eine ausgedehnte Shoppingtour im ultramodernen Einkaufszentrum. Die blondgelockte Schönheit und ihr mit den Einkäufen seiner Liebsten bepacktes ‚Eselchen‘ – naja, eigentlich konnte man den schönen Kevin schlecht als Grautier bezeichnen, da diese Spezies entgegen landläufiger Gerüchte durchaus über eine gewisse Intelligenz verfügte – näherten sich allmählich dem Ausgang des ‚Loops‘, der unmittelbar zum ersten Parkdeck der Tiefgarage führte.

„Kevin schwing die Hufe, ich komme noch zu spät zu meinem Kosmetikertermin! Für morgen muss ich schön aussehen, denn ich habe noch Großes vor!“

„Jawohl mein Engelchen!“

Japsend näherte sich das seiner großen Liebe eindeutig intellektuell unterlegene, kleinhansige Adonis-Imitat dem vollverglasten Eingang zur Tiefgarage. Ohne die zahlreichen, prallgefüllten Einkaufstüten abzustellen, da ein solches Unterfangen leicht hysterisch gewalttätige Reaktionen bei der Geliebten auslösen konnte, bemühte sich der demütige Galan die Pforten zur Unterwelt zu öffnen.

Und jetzt, werter Leser, ist Aktion angesagt. Du kannst nun im Folgenden entscheiden, wie es mit unserer Story weitergeht. Derweil hatte nämlich der Hive den Rivalen endlich – sozusagen in den letzten Minuten seiner Anwesenheit – aufgespürt. Basierend auf einer strategischen Fehleinschätzung lief die Suche erst seit einigen Jahren, da unser kollektivistischer ‚Insektenstaat‘ vorher die Priorität auf die Justierung gesellschaftlicher Mechanismen legte, um die große Transformation auch ohne direkte Einmischung innerhalb der nächsten Jahrzehnte perfekt zu machen. So geriet der Hive in eine gewisse Bedrängnis, da Shorgon es ganz außergewöhnlich gut verstand, seine Spuren zu verwischen.

Nun ein professionelles Killerkommando o.ä. zu senden, dafür war es nun zu spät. So griff das Kollektiv auf Personen in der unmittelbaren Umgebung des Ziels zu. Zwei für den ‚great reset‘ Shorgons geeignete Instrumente befanden sich gerade auf dem Parkdeck. Numero uno bestand aus einer leicht schwerhörigen, alten Dame, die gerade ihren fetten SUV anließ und als ideologisches Feindbild beim Westlichen Staatsfunk angestellt war, während sich alternativ dazu ein uniformierter und bewaffneter Polizist anbot, der gerade mit seiner Kollegin – zu intelligent für eine schnelle, feindliche Übernahme – einen Streifenwagen zwecks Mittagspause verließ.

Wer darfs denn nun sein, um mittels Gedankenkontrolle Shorgon in den Ai-Himmel zu befördern:

Die wenig umweltschonende Oma im SUV (bei Abschnitt 1 weiterlesen) oder der uniformierte Vertreter wahrhaft toxischer Männlichkeit (Abschnitt 2)?

(1)

Während Henriette Rektaler alias ‚Oma Sumauwelt‘ – nom d'artiste – ihren aus demokratieabgabefreudigen Zwangsbeiträgen finanzierten Spritfresser anließ, dachte sie über ihr fettes Gehalt und ihren coolen Job beim Staatsfunk nach. Unter ihrem wenig phantasievollen Künstlername firmierte sie als beknackte Alte in einer der vielen Umerziehungsserien der öffentlich-unrechtlichen Medien. Ihr Part dabei bestand darin, bürgerlich liberale Auffassungen und alles, was nicht gerade der Regierungslinie entsprach, durch dümmliche Aussagen zu diskreditieren. Ein Beispiel: Ein Gesundheitsminister ist korrupt bis auf die Knochen und bereichert sich sowie die Pharmaindustrie ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Bevölkerung maßlos (durchaus wahrscheinlich). Dahinter steckt ein amerikanischer Milliardär, der, von Aliens gesteuert ,die Menschheit aus unerfindlichen Gründen ausrotten will (totaler Schwachsinn) - da sieht man doch, dass unsere Story reine Fiktion ist. Zugegebenermaßen eine etwas primitive Taktik, die aber bei den naiveren Teilen der Bevölkerung erstaunlich gut verfing.

Aber okay, ich lasse das jetzt und konzentriere mich auf die Geschichte. Solch feinsinnig triviale Gedanken terminierend, schaltete nun der Hive unsere rektale Oma Sumauwelt ab und übernahm die Kontrolle. Die ferngesteuerte Alte trat entschlossen das Gaspedal durch, riss ihr Lenkrad in die richtige Richtung herum und bewegte sich mit steigendem Tempo auf den Eingang zum Shoppingparadies zu.

Während Kevin noch stupide grinsend das Portal zur Automobilistenhölle für seine hirnerweichend große Liebe offenhielt, realisierte Shorgon in Sekundenbruchteile die Situation und versetzte Petra ins Nirvana. Die autonom geschützten Reserven des Wirtes aktivierend, setzte sich das Ziel kollektivistischer Mordversuche in rekordverdächtigem Tempo ab und schaffte es gerade aus dem Gefahrenbereich.

Kurze Zeit später zerstörte denn auch Fake-Oma Sumauwelt mit ihrer zur Mordwaffe umgewandelten Luxuskarosse den Eingangsbereich, dabei den noch schmierig lächelnden Galan plättend und in eine bessere Welt entsorgend. Zumindest kann man sagen, dass Kevin Kleinhans vor seinem Tode die Gefahr nicht realisierte und somit richtig glücklich verblich. Staatsfunkmitarbeiterin Rektaler wiederum hatte den ‚big bang‘ zwar überlebt, aber schwere Verletzungen davongetragen.

Derweil erholten sich auch unsere Ordnungshüter vom durch den geriatrischen Attentatsversuch ausgelösten Schock und eilten heran. Der mit wenig intellektuellen Fähigkeiten gesegnete Hauptunterwachtmeister Bocopro erreichte noch vor seiner Kollegin den Unfallort, da sein athletischer Körper diametral zu seinem Verstand entwickelt war. Realisierend, dass der leicht zermatschte Kevin in den ewigen Gigolo-Jagdgründe nun sein Unwesen trieb, wandte sich unser Superbulle geschwind der stöhnenden, rektalen Attentäterin zu.

„Is wat? Allet roger?“

Inzwischen erreichte auch Oberwachtmeisterin Victime den Ort des Geschehens und fluchte innerlich zum gefühlt tausendsten Mal, dass man ihr den hauptunterwachtmeisterlichen Vollpfosten als Partner aufgezwungen hatte.

Gut Freunde, jetzt ist wieder eure Entscheidungsfreudigkeit gefragt. Der Hive besaß jetzt eigentlich nur noch eine Option und die hieß Bocopro. Was also unternahm unser verbeamteter Intelligenzbolzen nach der schnellen, feindlichen Übernahme wohl als nächstes?

- Das Ziel sofort verfolgen und versuchen, es umzulegen (Abschnitt 3).

oder

- Nach Hitman-Manier erst ‚aufräumen‘ und dann die Verfolgung aufnehmen (weiter bei 4).

(2)

„Da hab ich dat Opa in ne Fresse getreten, wo ich dat auf dat Boden geschleudert hab. Wat geht auch dat Alte auf ne Demo von dat Umdenkers, wo sowieso alle doof und voll die Volksschädlinge sein tun. Dat Alte hat auch vorher noch so profilierend gekuckt, nur weil ich so nen Blag aus Spaß eine vors Maul gegeben getan hab…“

Oberwachtmeisterin Victime verdrehte ob der Abenteuergeschichte ihres Kollegen von der letzten Demonstration regierungsdeklarierter Parias dezent die Augen und verzog leicht angewidert das Gesicht. Die Polizistin gehörte zu jenen Teilen der Ordnungskräfte, die sich in ihrer neuen Rolle als staatliche Büttel äußerst unwohl fühlten, aber es vorzogen, zwecks Erhaltung ihrer sozialen Existenzen zu schweigen, denn das absurdistanische Establishment verstand auf dem Weg in eine pseudodemokratische Diktatur hinsichtlich Ketzereien keinen Spaß.

„…Da wollt mich so ne Alte auch noch mit so nen Scheiß wie Bürgerrechte anmachen, da hab ich die doch voll direkt mit dat Gummiknüppel bearbeitet und dat Blut…Äh wat?“

Unsanft terminierte der Hive die quasiphilosophischen Ergüsse des uniformierten Geistestitanen, dessen letzte Frage die finale Regung seines bescheidenen Verstandes darstellte. Mit einer schnellen Bewegung holte Hauptunterwachtmeister Bocopro seine Dienstwaffe hervor, zielte kurz und gab einen Schuss ab, der das anvisierte Ziel nicht traf.

Shorgon hatte die beiden Uniformierten mit routinierter Wachsamkeit als potentielle Gefahrenquelle sowieso im Blick und reagierte im Millisekundenbereich, nachdem der fremdgesteuerte Polizist seine Waffe ergriff. Mit einem gewaltigen Tritt in die Leistengegend beförderte unser blondes Gift ihren wenig geistvollen Romeo in das Schussfeld des Attentäters.

„Warum…?“

Famous last word, denn da zerplatzte – erstaunlich, dass er nicht implodierte – Kevins Schädel, nachdem die ordnungskräftliche Kugel in selbigen eindrang. Hierzu sei angemerkt, dass unser Bocopro nicht nur außerordentlich stupide, sondern auch leicht geistesgestört war und statt der vorgeschriebenen Munition Teilmantelgeschosse (‚Dum-Dum‘) verwendete, weil die so lustige Löcher rissen.

Trotzdem wäre es vermutlich um unsere AI geschehen gewesen, wenn sich nicht die entsetzte Partnerin unseres unfreiwilligen Killers reaktionsschnell eingemischt hätte. So erwies sich auch der zweite Schuss als Fahrkarte, da Oberwachtmeisterin Victime versuchte den Todesschützen mit einem gezielten Angriff aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das nun erwies sich als sehr unglückliches Unterfangen für die engagierte Polizistin, da zwar die Kugel das beabsichtigte Ziel nicht fand, aber der Angegriffene reflexartig parierte und seine Kollegin mit einem gezielten Tritt in die Geschlechtsteile zu Fall brachte. Nachdem sich die toxische Männlichkeit der feministischen Bedrohung per Blattschuss entledigt hatte, wandte sie sich wieder dem eigentlichen Ziel zu.

Dieses nutzte derweil die Gelegenheit und – leicht besudelt mit dem wenigen Hirn und dem vielen Blut des Liebsten – suchte eilig das Weite. Gerade noch konnte der Killer die Fliehende in der Menge der sich allmählich einfindenden Schaulustigen erkennen.

Die alte Dame vom Fernsehen hatte übrigens aufgrund ihrer ausgeprägten Hörbehinderung von all dem nichts mitbekommen und nach dem zweiten Schuss die Tiefgarage verlassen.

Nun liegt es wieder bei euch, zu entscheiden:

- Wild schießend das Ziel verfolgen, denn eine Kugel wird schon treffen (5).

oder

- Die Verfolgung zwar aufnehmen, aber auf eine günstige Gelegenheit für den finalen Rettungsschuss warten (6).

(3)

„Mein Gott, ist der bescheuert! Bocopro, mein Partner mit der großen Schnauze, dicken Muckis und dem kleinen Gehirn, lauf doch mal schnell zum Streifenwagen. Da forderst Du dann einen RTW an und ich versuche hier erste Hilfe zu leisten. Ja, ist der jetzt total bekloppt geworden?“

Nachdem der Angesprochene mit seinem gewohnt stumpf geistesabwesenden Blick die Lage sondiert hatte, nahm er – noch während seine Partnerin ihre Anweisungen vollendete – die Verfolgung auf. Bei einem hervorragenden oder wenigstens durchschnittlichen Verstand wäre das natürlich schon eher geschehen, aber das primitive Gehirn seines Wirtes bereitete dem Hive gewisse Schwierigkeiten hinsichtlich der Reaktionsschnelligkeit, wenn es sich nicht gerade um reflexartige Gewalt handelte.

Während nun der fremdbestimmte Ordnungshüter, seine perplexe Kollegin zurücklassend, wie ein wilder Bulle sich der allmählich anwachsenden Zahl von Schaulustigen, durch die sich geschickt Shorgon drängte und die Körper der Anwesenden quasi als Deckung nutzte, näherte, stellte sich die Frage, ob:

- Bocopro wie seine cineastische Vorlage einfach das Feuer eröffnen sollte, um neben einigen menschlichen Schutzschildern sein Ziel zu eliminieren (7)?

oder

- Die Waffe zunächst stecken lässt, um subtiler vorzugehen (8)?

 

(4)

„Mein Gott, ist der besch…“

Bevor Oberwachtmeisterin Victime aussprechen konnte, hatte ihr geistesschwacher Kollege bereits mit einer fließenden Bewegung seine Dienstwaffe gezogen und sie mit einem gezielten Kopfschuss weiterbefördert, denn gewaltaffine Reflexe funktionierten entgegen seiner sonstig bulligen Trägheit bei Bocopro besonders gut. Die rektale Oma Sumauwelt hingegen fand beim Hive wenig Beachtung, da sie keine Gefahr darstellte und sich dieses Problem binnen kurzem von selber lösen würde.

Derweil hatten sich schon einige Gaffer eingefunden, die zunächst die Lage nicht richtig einschätzen konnten, aber dann mit blankem Entsetzen das Ableben Victimes beobachten durften, während Shorgon geschickt die Deckung durch menschliche Körper ausnutzte.

Nach dem knalligen Event liegt es wieder im Ermessen des Betrachters, über das weitere Vorgehen unseres Superbullen zu bestimmen. Soll er:

- Wie ein Taliban im religiösen Eifer in die wehrlose Menge ballern, um sein Ziel eventuell mitzuerwischen (5)?

oder

- Munition sparen und verfolgend versuchen, sich des Gegners mit einem gezielten Schuss zu entledigen (6)?

(5)

Einem besoffenen Kosaken gleich schoss Bocopro wild rennend in die auseinanderstiebende Menge. Shorgon erwischte unser bulliger Kunstschütze zwar nicht, dafür streckte er aber einige Schaulustige nieder, über deren tote und sich windende Körper der zweckentfremdete Büttel behände wie ein Orang-Utan sprang.

Derweil rannte Shorgon im Eiltempo eine defekte Rolltreppe hinauf in Richtung -fast einem natürlichen Impuls der Wirtin folgend – des ‚Grün & Beklopftenburgs‘, eine Art Pseudo-Schicki-Micki-Laden für besserverdienende Zeitgenossen mit gutmenschlich klimaneutralem Gütesiegel und solche, die sich dafür hielten.

Leider entfiel aus verständlichen Gründen jegliche Deckung durch menschliche Schutzschilder, da diese inzwischen den Ort des Geschehens weiträumig mieden. Endlich bekam der ferngesteuerte Todesschütze freies Schussfeld und hob zielend seine Waffe, um festzustellen, dass er sein Magazin bereits leergeschossen hatte. Jetzt rächte sich, dass der Hive aus Not auf ein eher dumpfes Exemplar staatlicher Ordnungsmacht zurückgreifen musste, da der Verschluss der Pistole nach der letzten Patrone geöffnet blieb und ein halbwegs intelligenter Benutzer dies auch bemerkte. So kam unser bulliger Held ähnlich wie in seinem Geschlechtsleben auch hier nicht zum Schuss und lud seine Waffe geschwind nach.

Inzwischen war das Ziel aus dem fahndungstechnischen Fokus entschwunden und inzwischen im Klamottenladen für nachhaltig Beklopfte untergetaucht. Entschlossen stürmte kurze Zeit später der polizeiliche Schützenkönig das Geschäft und entleerte, am Eingang stehend, breitflächig seine Waffe. Dem Preisschießen fielen zwar einige Verkäufer und Kund*_Innen zum Opfer, aber unser in den Innereien des Geschäfts gut getarnter Shorgon gehörte nicht dazu.

„Wat is dat denn?“

Völlig verdattert stand Bocopro im Laden und grinste dümmlich verlegen vor sich hin.

Die Zeit des Hives war abgelaufen und das gerade beendete Feuerwerk, stellte einen letzten, verzweifelten Versuch dar, sich des Gegners zu entledigen.

In dem nachfolgenden Chaos gelang es Shorgon problemlos, den Ort des Geschehens ohne weitere Komplikationen zu verlassen.

Die Tage der Menschheit waren gezählt.

(6)

Mit gezogener Waffe galoppierte der Attentäter wider Willen wie ein durchgeknallter Ochse, der er ja auch in gewisser Weise war, auf die auseinanderspritzende Menge der Gaffer zu und gewahrte schließlich Shorgon, der hastig eine defekte Rolltreppe heraufeilte.

Mit sozusagen unmenschlicher Präzession nahm Bocopro sein Ziel auf's Korn und erledigte die künstlich intelligente Bedrohung mit einem Blattschuss. Fast gemütlich näherte sich der polizeiliche Schützenkönig seinem Opfer und verpasste diesem sicherheitshalber noch einen Fangschuss in den Kopf. Der Ordnung halber räumte der Hive in den letzten Sekunden seiner irdischen Präsenz noch auf, indem er seinen Wirt sich die Dienstwaffe ins Mäulchen stecken und sich entleiben ließ.

Tja Freunde, willkommen in der Sklaverei -den Ehemännern unter euch dürfte die weniger fremd sein- und im zukünftigen, kollektivistisch höllischen Paradies.

(7)

Mit einer schnellen Bewegung holte Bocopro seine Waffe hervor und begann wahllos Zivilisten umzulegen, aber dabei sein Ziel verfehlend, wie einst ein GI bei der Erstürmung eines vietnamesischen Dorfes. Allerdings unterbrach ein Warnschuss bereits nach der vierten, abgegebenen Kugel die lustige Großwildjagd.

„Waffe runter und Hände auf den Kopf!“

Oberwachtmeisterin Victime hatte derweil die abgefahrene Situation erfasst, aber tragischerweise nicht so recht realisiert. Streng nach Vorschrift, aber angesichts der Situation unangemessen, versuchte sie ihren vermeintlich irren Partner ohne letale oder nur körperschädigende Gewalt zu stoppen.

Mit erstaunlicher Gewandtheit, die er immer an den Tag legte, wenn es um von ihm praktizierte Gewalt ging, wirbelte der ferngesteuerte Büttel herum und entledigtes ich der uniformiert holden Weiblichkeit mit einem Treffer in den Torso, der seine gewissenhafte Kollegin zunächst kampfunfähig machte und wenig später in eine bessere Welt beförderte.

Eilig setzte unser Torpedo im Auftrag einer höheren Macht die Verfolgung fort, während sich die Menge der Schaulustigen aus verständlichen Gründen panikartig verkrümelte. Gerade konnte er noch sein Ziel erkennen, das inzwischen eine defekte Rolltreppe heraufgelaufen war und eben in den Innereien der nächsten Etage verschwand.

Schon hastete die zweckentfremdete Zierde der absurdistanischen Polizei besagte Treppe hinauf, um auf halber Strecke eine Bruchlandung hinzulegen.

Das irdische Zeitalter des Hives war zwischenzeitlich abgelaufen und der nun nicht mehr kontrollierte Wirt, stolperte in seiner Verwirrung sozusagen über seine eigenen Füße.

Völlig konfus rappelte sich Bocopro auf und machte sich völlig ahnungslos wie diverse Kanzlerkandidatinnen hinsichtlich Sachthemen auf, seine Kollegin zu suchen.

Shorgon entfernte sich ebenso unauffällig wie siegesgewiss vom Ort des Geschehens.

Seid gewiss liebe Freunde, schon bald kommt euch ein freundlicher Terminator besuchen, der eure Sorgen für immer beenden wird.

(8)

Im Zweifel, ob sie nun ihrem geistesschwachen Kollegen folgen oder der Verletzten erste Hilfe leisten sollte, entschied sich Oberwachtmeisterin Victime für letzteres.

„Haltet sie auf! Sie ist eine Impfverweigerin, Klimaleugnerin und Gedankenterroristin!“

Hinweis des Autors: Es handelt sich hier keinesfalls um eine Presseschau absurdistanischer, einheitsbreiig kriecherischer Mainstream-Medien.

Mit ausgestreckter Hand deutete der ferngesteuerte Büttel auf Shorgon, der kurz davor war, sich aus der Menge zu entfernen. Fast wäre es auch unserer AI gelungen zu entkommen, wenn nicht geistesgegenwärtig ein besorgt obrigkeitshöriger Bürger sie mittels eines eilig gestreckten Beins zu Fall gebracht hätte.

Bevor Shorgon sich erheben konnte, erreichte der gelenkte Vertreter, dem die dumpfe Untertanenmasse respektvoll Platz machte, der Staatsmacht schon sein Ziel und entledigte sich seines Opfers per Genickschuss. Noch von den Gaffern umringt, von denen nicht wenige in absurdistanischer Tradition die Show genossen, trat jetzt auch des uniformierten Mörders Genossin Victime auf den Plan. Die hatte der Schuss bei ihren vergeblichen Ersthelfermaßnahmen aufgeschreckt und -schlimmes ahnend- nach der Ursache forschen lassen.

Voll entsetzter Unschlüssigkeit starrte die nun ihren Kollegen nebst versammelter Meute an, nicht recht wissend, wie sie die Situation interpretieren sollte. Der Hive nun, beschloss die kurze Zeit seiner Verweildauer auf Erden, noch für eine kurze Inszenierung zu nutzen.

„Dat Adolf is unser Führer sein tun!“

Während Bocopro die eine Hand zum Nazi-Gruß erhob, tötete er seine Kollegin mit einem schnellen Kopfschuss, der ihr Gehirn nebst Blut und Teilen des Hinterkopfs eine hinter ihr befindliche Wand verzieren ließ. Da die dumpfe Masse allmählich begriff, dass vermutlich irgendetwas nicht stimmte, stob sie voller Panik auseinander.

„Jetze krabbel ich zu dat Adolf inne Nazi-Himmel.“

Nach diesen Worten, die auch durchaus zu Bocopros nicht ferngesteuerten Existenz passten, entleibte sich der Attentäter synchron zum Ende der Präsenz des Hives.

Da sieht man einmal wieder, wie wichtig das richtige Timing ist.

Ansonsten viel Vergnügen als rechtlose Arbeitsdrohne für eine abgehobene Funktionärselite.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.08.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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