Doris Fischer

Reflexionen über einen Tag

Jeder Tag ist ein Geschenk und eine neue Chance dafür, etwas Positives und Schönes aus dem Tag zu machen, damit man am Ende des Tages sagen kann: es war ein guter Tag und mir ist heute wieder vieles gelungen, wofür ich dankbar bin und worüber ich mich freue.

In meinem neuen Lebensabschnitt, der vor acht Monaten angefangen hat, gab es noch nicht so viele Tage, die wirklich gut waren und ich mir selbst sagen konnte: heute war ein positiver Tag. Ein Tag, der ausgefüllt war mit wichtigen Aufgaben. Ein Tag, an dem ich das Gefühl hatte, etwas bewegen zu können und eine wichtige Rolle zu spielen. Ein Tag, an dem es sich lohnte, morgens aufzustehen, um mit Freude und Neugierde das „neue Geschenk“ in Empfang zu nehmen. Stattdessen steigt bereits beim Aufwachen Traurigkeit in mir hoch und das Gefühl des Alleinseins und der Leere legen sich wie ein Grauschleier über mich und scheinen mich zu erdrücken. Deshalb kostet es mich enorme Kraft und Anstrengung, gegen diese täglichen „Plagegeister“ anzukämpfen und mich wieder einmal aus dem Bett zu quälen.

Ein neuer Tag hat begonnen und ich sollte mich freuen, dass ich gesund erwachen durfte und dass ich im Grunde alles habe, um glücklich und zufrieden sein zu können: ein großes Haus, einen schönen Garten, eine Familie. Ich darf in einem freien Land leben, ich bin gesund und habe ein gutes Auskommen, um mir in meinem neuen Lebensabschnitt eine angenehme Zeit zu gestalten. Diese Gedanken blitzen an diesem Morgen vor meinem inneren Auge in den hellsten Farben auf und lassen mich nicht mehr los. Diese Gedanken erzeugen in mir das Gefühl einer Bedrohung und des schlechten Gewissens. Ich werde von ihnen regelrecht wach gerüttelt und zu einer komplett anderen Denkweise gezwungen. Und das ist gut so.

An diesem Tag werde ich den Gedanken nicht mehr los, dass ich undankbar und egoistisch bin, weil ich mir mein „altes Leben“ und die über alles geliebten Aufgaben und Herausforderungen zurück wünsche. Ich möchte aber nicht undankbar sein. Ich möchte mich auch nicht für meine Undankbarkeit schämen müssen. Ich möchte auch nicht mein Schicksal herausfordern, indem ich jeden Tag unzufrieden und unglücklich bin. Denn jeder Tag, den ich nicht als neue Chance begreife und als Geschenk annehme, ist ein verlorener Tag, der nie mehr zurückkommen wird. Meine Lebensuhr dreht sich erbarmungslos weiter und ich weiß nicht, wie viele Tage ich in meinem Leben noch geschenkt bekomme. Deshalb sollte ich mit diesem wertvollen Geschenk wohl nicht so leichtfertig und gedankenlos umgehen, sondern es pfleglich behandeln wie einen empfindlichen Edelstein. Damit ich am Ende eines Tages aus Überzeugung sagen kann: heute war ein guter Tag, an dem ich Freude und Zufriedenheit erleben durfte und an dem mir viele Dinge gelungen sind. Dafür möchte ich dankbar sein.

Um auf diese Spur zu kommen, muss ich endlich das „alte Leben“ loslassen und damit abschließen. Damit ich in meinem Geist und in meinem Herzen Platz schaffen kann für neue und andere Aufgaben, die in mein neues Leben passen und die mir auch so gut tun werden wie die alten Aufgaben. Das ist ein Lernprozess, der nicht einfach für mich werden wird und ich demnach auch mit Rückschlägen rechnen muss, aber ich bin überzeugt, dass ich es schaffen kann, eine neue Sichtweise auf mein Leben zu gewinnen und mit dem neuen Lebensabschnitt meinen Frieden zu schließen. Damit ich jeden Morgen den neuen Tag mit Freude und Gelassenheit begrüßen kann und Traurigkeit und Leere keine Chance mehr haben werden.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.08.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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