Anna Katharina Breitling

Der lange Weg der Arbeit/Lackschuhe

Rex König war kein Mann, den jemals irgendjemand einen Verlierer geschimpft hätte. Doch, einen hatte es gegeben, früher, als Rex König solche Leute noch zu Gesicht bekommen hatte. Voller Besorgnis hatte dieser Mann ihn einen Verlierer geschimpft, doch diese Gestalt war  einer dieser Tagträumer Taugenichtse, deshalb hatte Rex König ihn aus seinen Gedanken vertrieben und dachte nur einige Male voll Hohn an ihn, wenn er seine Lackschuhe putzte . Seine Lackschuhe waren ihm nicht das Wichtigste, das waren seine Jacketts, aber er liebte sie am meisten von all seinen Besitztümern,  die alle darauf angelegt waren, seine Karriere als rechtschaffener Arbeitender bis zum Gipfel zu treiben. In seinen Jackets hätte er stets am liebsten geschlafen, seine Hemden bügelte er jeden Tag, auch wenn es genügt hätte, nur das getragene zu bügeln. Jedes der anmutigen Kleidungsstücke hatte einen Platz in seinem Herzen, ebenso der Firmenwagen , der ihn stets vor Glanz zu blenden schien.

Dieser Glänzte, so wie Rex Königs Zukunft. Diese, die es stets weiter zu erarbeiten galt , mit jedem gebügelten Hemd und jeder untertänigen Geste spürte Rex König, wie er seine Hand  etwas weiter ausstrecken konnte, zu dem, was er für so erstrebenswert hielt.Vor einigen Jahren hatte ihn seine Frau verlassen. Auch sie hatte ihn keinen Verlierer genannt, sie war nur immer stiller geworden und war irgendwann mit dem Vorwand, es gäbe nichts stilleres als ihn, gegangen.Rex König hatte ihre Worte nicht verstanden und ihr Verschwinden zwischen all den Jacketts und dem vermeintlichen Glanz nicht bemerkt.

Irgendwann war ihm aufgefallen, dass in seinem Kleiderschrank mehr Platz für Hemden war und das erschien ihm förderlich.Außerdem wusste er nicht, wie es ist, Liebe zu erfahren und so bedauerte er ihr Verschwinden nicht.

Noch einige Zeit später, ebenfalls vor einigen Jahren, verstarb sein Vorgesetzter , ein bis zu dem Tag von Rex König anerkennend als Gewinner- typ  Betrachteter. 

Rex König erinnert sich an diesen Tag als den schönsten seines Lebens, denn nun übergab man ihm die Stelle des Verstorbenen und Rex König dankte dem Schicksal für seine Güte. Von nun an hatte er sich noch mehr angestrengt. Vergaß alles, was außerhalb der Hülle aus Hemden, Jacketts und Lackschuhen existierte und fühlte sich leblos, wenn er am Wochenende nicht dienen konnte. 

Diese Arbeit, die ihm alles zu geben schien, was er sich ersehnte, galt es mit allen Bemühungen zu erfüllen.

Und er liebte es . Nie in seinem Leben war er zufriedener als nach seiner Beförderung.

Als Rex König sich eines Tages eine schwere Lungenentzündung zuzog und er trotz aller Bemühungen nicht auf der Arbeit erscheinen konnte, fragte man nicht nach, wer da eigentlich heute fehlte. Man ließ einen anderen die Arbeit des Rex Königs verrichten.

Keiner kannte seinen Namen.

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