Sonja Soller

Maja und Adalar....(6)

 

Maja und Adalar im Olchdorf (6)

 

Adalar wartete schon, er sprang gelangweilt am Waldrand von Busch zu Busch und spähte immer in Richtung Dorf, dessen Name man nicht laut aussprechen durfte. Dann entdeckte er Maja, die Zöpfe wippten im Takt ihrer Schritte lustig rauf und runter.

 

He, Adalar“! „Maja!“ Adalar grinste über das ganze Gesicht, das sah so komisch aus, dass Maja sich das Lachen nicht verkneifen konnte. Adalar war stolz einen Menschen zu kennen, der nichts Böses wollte. Die lustige Maja gefiel ihm.

Wenn Maja und Adalar nebeneinander hergingen, kam Maja sich wie ein Riese vor.

 

Sie strichen gemütlich durch den Wald und Adalar nicht faul, erklärte Maja alles was sie wissen wollte. Auch die Ereignisse, die sich lange vor Adalar`s Zeit zugetragen hatten, als die Menschen mit großen Schmetter - lingsnetzen die Olche gejagt und gefangen hatten, um sie zu erforschen. Maja war so schockiert, von dem was sie da zu hören bekam, dass sie sich erst einmal hinsetzen musste. „Das ist ja ganz schrecklich, wie können Menschen so etwas nur tun“? Sie war ganz traurig geworden und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Tröstend legte Adalar seine Hand auf die von Maja. „Das ist schon viele, viele Jahre her, ich weiß es auch nur von den Erzählungen der Ältesten, aber die Angst und Vorsicht vor den Menschen ist geblieben. Den Namen des Dorfes, dessen Name man nicht laut aussprechen darf, kennen nur noch wenige, und das ist gut so“. Die beiden neuen Freunde hatten bald das Dorf der Olche erreicht.

Hier ist alles viel kleiner als du es kennst, und so groß wie du jetzt bist, kannst du nicht mit in mein Dorf kommen, also musst du kleiner werden.“ Maja glaubte sich verhört zuhaben. „ Wie? Kleiner? Wie soll das denn gehen“?

Wir Olche können noch viel mehr, als uns nur unsichtbar machen“. Adalar nahm den Beutel, den er am Gürtel trug, ab. „Dies ist ein Wuschbeutel, mit dem kann ich Wünsche aller Art erfüllen, wenn ich daran reibe, geschieht das, was ich vorher intensiv gedacht habe. Ist ganz einfach. So könnte ich dich zum Beispiel schrumpfen lassen, ohne dir Schaden zuzufügen“.

Pohhh, nee, nä, ist das wirklich wahr“? Maja war überrascht und für einen kurzen Moment sprachlos. „Aber wenn es nicht anders geht, dann lass es uns wagen, obwohl mir bei dem Gedanken nicht ganz wohl ist“!! Adalar sah Maja an, „mir war klar, dass du sehr mutig bist“, er tat was er angekündigt hatte und fing an den Wunschbeutel zu reiben, dreimal nach rechts, dreimal nach links, - und schwups – war Maja so groß oder fast so klein wie Adalar. Etwas schwindelig war ihr bei der Umwandlung schon geworden.

 

Wow, aus dieser Sicht die Welt zu sehen, war eine ganz neue Erfahrung; alles um sie herum war so enorm groß, so riesig. Nun wusste sie, wie Adalar die Welt der Menschen sah. Sie war zwar immer noch etwas größer als Adalar, aber sehr viel kleiner als vorher.

Gleich sind wir im Olchdorf, es ist eine Welt für sich, für die Menschen vollkommen unsichtbar. Nur, dass du dich nicht wunderst“. „Im Moment wundert mich gar nichts mehr,“ antwortete Maja etwas flapsig. Sie gingen noch ein kurzes Stück weiter, dann versperrten zwei stachelige Brombeerbüsche ihnen den Weg. Adalar griff ohne Zögern hinein und ein Durchgang wurde sichtbar. Auf einmal war Maja nicht mehr so mutig. „Komm“, Adalar zog Maja am Ärmel mit sich. Was Maja nun sah, verschlug ihr den Atem.

 

Was sie so auf den ersten Blick sah, war einfach wunderbar, nur schön. Viele Häuser sahen wie riesengroße Fliegenpilze aus, die Wege, Wald, Tiere; Adalar hatte nicht übertrieben, waren sehr viel kleiner als in Maja`s Welt. Maja fühlte sich wie in einem Traum. Adalar führte sie stolz durch das ganze Dorf.

 

Da gab es eine Bäckerei, einen Obst – und Gemüsehändler, eine Metzgerei, eine Schneiderei und eine Eisdiele. Und noch viele andere Händler mit ihren Geschäften und Ständen. „Wir versorgen uns natürlich nur aus heimichen Wäldern und gehen wie in vergangenen Tagen noch immer mit Pfeil und Bogen auf die Jagd“, klärte Adalar Maja auf. „Da gibt es Schnecken, Mäuse, Ratten, Fledermäuse, Eidechsen, Grillen und Regenwürmer, die sind echt lecker, und Fisch kommt bei uns auch auf den Tisch. Für mal zwischendurch gibt es gegrillte Mücken, Käfer, Fliegen, Maden, auch Ameisen sind nicht zu verachten, die Kleintiere fangen wir mit Netzen und einige sammeln wir einfach mit den Händen auf. Das ist immer ein lustiges Treiben wenn wir gemeinsam auf die Jagd gehen“. So langsam verzog Maja ihr Gesicht zu einer Ekelgrimasse. „IIhhh, Hauptsache ich muss davon nichts essen“.

Wir ernähren uns sehr gesund und werden dadurch nur selten krank“, betonte Adalar stolz.

Wir leben von Allem, was der Wald zu bieten hat, Kräuter, Wurzeln, Beeren und noch ganz vielen anderen Früchten“.

Maja war nun doch sehr beeindruckt und hörte Adalar genau zu .

Nun würde ich aber auch allzu gern mal dein Zuhause sehen, bin wirklich gespannt darauf“. Maja sah Adalar fragend an.

Klar, kein Problem“. Bei dem Gang durch das Dorf kamen sie an einer Schaukel, einer Rutsche, einem riesigen Kletterbaum (für Olch-Verhältnisse) und Baumhäuser, in denen Olchfamilien wohnten, vorbei. Adalar erklärte, dass er eine sehr große Familie hatte, viele Geschwister und sehr viele Ahnen, die hoch geehrt wurden und noch immer ein Teil der Olchgemeinschaft waren. Adalar zeigte auf eine kleine Gasse, „dort ist mein Haus“, er zeigte auf ein etwas anderes Pilzhaus, „ habe ich ganz allein umgebaut“, stolz warf Adalar sich in die Brust. Maja klatschte in die Hände. Ja, wirklich an diesem Ort war alles etwas sehr anders.

 

Maja war aufgefallen, dass überhaupt kein anderer Olch zu sehen war, weder im Garten noch auf der Straße, sie konnte die Häuser und alles andere sehen, nur die Bewohner nicht. „ Sind die Dorfbewohner alle ausge - flogen, ich habe bisher niemanden entdecken können“. „ Oh“, antwortete Adalar und fasste sich an den Kopf, „ICH kann sie alle sehen.

Habe gar nicht daran gedacht unseren Besuch anzumelden, da haben sie sich vorsichthalber unsichtbar gemacht. Ich werde das klären, bei deinem nächsten Besuch wirst du sie alle kennenlernen“.

Maja strahlte über das ganze Gesicht. Sie war sehr glücklich, dass sie Adalar kennengelernt hatte, er war ein sehr lustiges, fröhliches Etwas, konnte aber auch ernst sein. Wenn er zum Beispiel von seiner großen Familie erzählte und daran denken musste wieviel Brüder und Schwestern noch bei ihm sein könnten, wenn die Olche schon damals nicht so vertrauensvoll gewesen wären.

 

Sicher weißt du nicht, dass die Olchzeit nicht gleich Menschenzeit ist, wir Olche werden nämlich sehr alt, im Verhältnis zu den Menschen. Bei uns wird in Tagen und nicht in Jahren gezählt. Ich bin 525607 Tage alt, Vater ist 1182631 Tage und Mutter 793280 Tage alt. Sie wohnen unten im Dorf und sind immer noch fröhlich und fidel. Für einen Olch ist das schon sehr alt, aber so schrecklich alt nun auch wieder nicht.

Selbst wenn ein Olch gestorben ist, können wir ihn immer noch im Reich der Ahnen besuchen, sie geben den Lebenden immer wieder neue Kraft“. Maja musste noch einmal nachfragen: „Wie? Im Reich der Ahnen besuchen? Meinst du man kann einfach dort hingehen, an die Tür klopfen und der Ahne macht die Türe auf“? „Ganz so ist es nicht, aber doch so in etwa.“ Maja war ein einziges Fragezeichen. „Ich sehe schon, ihr Menschen habt kein Reich, wo ihr eure Ahnen besuchen könnt“. „Nein, so wie bei euch Olchen ist es wirklich nicht.“

Adalar nahm Maja bei der Hand, sie setzten sich auf die Bank vor dem Haus. „ Es ist soo“, begann Adalar zu erzählen. „ Unsere Ahnen bergen das Wissen von vielen hundert Jahren in sich. Wenn wir einen Rat brauchen oder nur den Geschichten zuhören wollen, die die Ältesten zu erzählen haben, dann besuchen wir sie, und das ist sehr oft. Die Geschichten sind manchmal traurig, aber viel öfter sind sie doch sehr lustig.

Der Eingang zum Ahnenreich ist gar nicht so weit entfernt von hier. Wir müssen nur über den nahe gelegen Fluß (für Menschen ein Bach), über die Hängebrücke bis zur alten Eiche gehen, dort ist der Eingang zum Ahnenreich“. Adalar zeigte mit der Hand die ungefähre Richtung an,

Um hineinzugelangen, brauchen wir einen Passierschein, sonst kommen wir nicht durch das Portal“. „Einen Passierschein, Portal“?

Ja, ohne Passierschein geht gar nichts. Die Ahnen wollen schon wissen, wer sie da besuchen kommt. In Gedanken bitten wir in der Passierscheinvergabe, um die Besuchserlaubnis und bekommen einen Code gesendet, auch durch Gedankenübertragung, den wir am Portal, bei den drei Findlingen eingeben müssen. Danach können wir den hinteren Findling ganz leicht drehen, und schon sind wir im Reich der Ahnen. Eine Botenelster verkündet, dass der Besucher eingetroffen ist; sie hat manchmal sehr viel zu tun, denn die Olche im Allgemeinen feiern sehr gerne und bekommen so fast täglich Besuch von den Verwandten.

Oft ist es eine große Gesellschaft, die da vor dem Portal um Einlass bittet. Man könnte fast jeden Tag mehrere Geburtstage feiern, und wenn ich so darüber nachdenke, gibt es eigentlich immer einen Grund zum Feiern. Die Ahnen freuen sich sehr über süße Geschenke, deshalb besuchen wir niemals ohne eine leckere Sahnetorte oder Schokocreme, das Ahnenreich. Sahne mögen die Olche nämlich für ihr Leben gern, und natürlich Schokocrem' “.

Das hört sich alles sehr aufregend an, bei euch wird es sicher nie langweilig“, Maja war ganz begeistert von dem, was Adalar ihr da erzählte.“

Könnte ich als Nichtolch auch deine Ahnen besuchen, du hast mich ganz neugierig gemacht“? „Da müsste ich erst nachfragen, ob den Ahnen ein Mensch in ihrem Reich willkommen ist“.

Maja sah Adalar mit großen Augen an, „darüber würde ich mich sehr freuen“. Sie überlegte einen Moment, „ich würde auch eine Riesenportion Schokocrem' mitbringen“.

Es sah aus, als liefe Adalar schon jetzt das Wasser im Mund zusammen. „Ein schöneres Geschenk könnte ich mir für die Ahnen nicht vorstellen“.

Nachdem Adalar Maja wieder in ihre richtige Größe verwandelt und sie bis zum Waldrand begleitet hatte, winkten sie sich noch einmal zu und freuten sich schon auf ihr nächstes Abenteuer.

 

Fortsetzung demnächst....

 

 

09.09.2021 © Soso /Text,
Bild  Soso /Zoey

 

Maja im Olchdorf

 

 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Sonja Soller).
Der Beitrag wurde von Sonja Soller auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.09.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  • Autorensteckbrief
  • sonjasollerweb.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Sonja Soller als Lieblingsautorin markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Zwei Märchen-Romane: Cinderellas Wahl und Leon, der gestiefelte Kater von Stephan Lill



Cinderellas Wahl

Cinderella liebt den Prinzen. Oder bildet sie sich das nur ein? Was ist mit Tim, dem Stallburschen? Er war ihr treuester Freund in all den Jahren, als sie zu leiden hatte unter den Schikanen von ihrer Stiefmutter und ihren zwei Stiefschwestern.

Leon, der gestiefelte Kater

Wie kann ein Müllersbursche eine Prinzessin erobern? Braucht er ein Schloss dafür, einen Grafen-Titel, die Begabung eines Hofmalers oder ist sein größter Trumpf: Leon, der gestiefelte Kater?

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Kinder- und Jugendliteratur" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Sonja Soller

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Grachten, Tulpen und Cannabis von Sonja Soller (Wie das Leben so spielt)
Pinkes von Lara Otho (Kinder- und Jugendliteratur)
Wie ich zu meinem Namen kam... von Rüdiger Nazar (Autobiografisches)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen