Karl Nemon

Genial gewöhnlich

„Gestrandet. Und Ziellos.“ Das war die ersten beiden Wörter, die mir in den Sinn kamen als meine Psychotherapeuten Frau Richter mich darum bat mich selbst in drei Worten zu beschreiben. In ihrem, mit unangenehm flackernden Lichtern ausgestatteten, Behandlungszimmer fragte ich mich schon während diese Worte ihren Mund verließen, was das überhaupt für eine dämliche Aufgabe sein soll sich selbst in drei Worten zu beschreiben, - Bin ich nicht viel mehr als nur drei Wörter? Bin ich nicht ein ganzes enzyklopädisches Lexikon voll von Wörtern? Doch mehr als nur diese zwei Wörter kamen nicht aus mir heraus.

Ich fühlte mich sofort unwohl und schrieb Frau Richter gedanklich schon als blöde Zicke ab, wahrscheinlich wollte sie ihre eigene Unsicherheit nur unter komischen Fragen verbergen und war im tiefsten inneren mit sich selbst unzfurieden, Ja, mir gefiel geradezu diese Vorstellung von Frau Richters Leben und ich kam mir direkt besser vor, deswegen wollte ich auch schon zum nächsten Wort ansetzen – Genial – ehe mir die alte Ziege ins Wort fiel: „Interessant.“ Das war also ihr Resümee meiner tiefsten Empfindungen? Ich war gelinde gesagt geschockt. Ihr Interessant traf mich wie ein Schlag in die Magengrube, nein, viel eher wie ein Kinnhaken, denn auf einmal wurde aus meinem „genial“ ein „gewöhnlich“ und ich stieg schwer schwankend von meinem hohen Ross herunter. Knock-Out in Runde zwei – Richter 1, Jasse Klein 0. „Was ist daran interessant?“ fragte ich die Richter, doch schon während ich dies sagte, spürte ich wie meine Stimme brüchig wurde und ich mit den Tränen rang. Es war wohl meine neuer persönlicher Rekord bei der ersten Psychotherapeutensitzung schon nach nicht mals mehr zehn Minuten in Tränen auszubrechen. Damit die blöde Kuh Richter mir nicht noch eins draufgeben konnte entschied ich aufzustehen und einfach zu gehen. Die Richter sah ich nie mehr wieder - zum Glück. Es war der 18. April 2019 und ich entschied mich dazu etwas zu ändern – Kein Psychotherapeutenhopping mehr, keine Wehleidigkeit mehr, kein von den Frau Richters dieser Welt gepiesackt fühlen mehr, kein Jasse Klein mehr. Dies ist der Beginn einer Geschichte eines sukzessiven Untergangs – oder wie man die leidliche Suche nach sich selbst auch immer nennen mag.

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