Sonja Soller

Maja und Adalar....(8)

 

Maja im Reich der Ahnen

 

Maja war sich ganz sicher, heute würde der Tag sehr aufregend werden, denn Adalar hatte versprochen mit ihr das Reich der Ahnen zu besuchen. Er hatte die Erlaubnis bei den Ahnen eingeholt Maja mitbringen zu dürfen. So aufgeregt war sie schon lange nicht mehr. Sie konnte es gar nicht abwarten bis sie ihre Hausaufgaben erledigt hatte. Der Mutter nun noch ein bisschen um die Beine gestrichen, dann aber los.

Sie hatte sich mit Adalar wieder am Waldrand verabredet. Von Weitem konnte sie schon sehen wie er hin und her hopste und dabei seinen Wunschbeutel festhielt, der heute eine große Rolle spielen sollte, denn ohne den Wunschbeutel konnten sie nicht in das Reich der Ahnen eintreten. Adalar und Maja begrüßten sich, in dem sie sich lachend umarmten. Sie freuten sich beide schon sehr auf diesen Tag.

Es passt gut, dass wir heute ins Ahnenreich gehen, der Älteste der Ahnen feiert heute seinen Geburtstag“. „Ja“? Maja sah Adalar fragend an, „ich habe auch die versprochene Schokocrem' dabei“, sie deutete auf ihre Tasche, die sie bei sich trug. Adalar spähte hinein und grinste über beide Ohren, „dann kann ja nichts mehr schief gehen“. Gut gelaunt machten sich die beiden auf den Weg .

Maja ist von Natur aus schon aufgeregt, heute aber konnte sie keinen Moment ohne ein Wort zu sagen, neben Adalar hergehen. „Jetzt sei doch nicht so zappelig,“ Adalar war auch schon ganz unruhig geworden, „im Reich der Ahnen ist es ähnlich wie in meinem Dorf, es gibt also keinen Grund hier so rumzuhopsen und mich auch noch verrückt zu machen.“ Das Gesicht, das Maja zog, war so lustig, dass Adalar sich vor Lachen kugelte. Auf einmal lagen sich beide in den Armen und konnten nicht mehr aufhören zu lachen.

Es dauerte nicht lange und sie waren an der Hängebrücke angelangt; eine recht wackelige Angelegenheit, die da zum Portal führte. Die alte Eiche konnte man schon von Weitem sehen.

Die Schritte von Maja wurden etwas kürzer und langsamer, andächtig ging sie auf die drei Findlinge zu.

Ein wirklich mystischer Ort,“ Maja war tief beeindruckt und sah sich ganz genau um, sie ging um die Steine und die alte Eiche herum. Trotz der Magie, die von diesem Ort ausging, war weiter nichts Außergewöhnliches zu entdecken.

Bevor ich den Einlasscode eingebe, muss ich dich wieder schrumpfen,“ Adalar begann bereits seinen Wunschbeutel zu reiben. Dreimal nach rechts, dreimal nach links und der gedachte Wunsch ging sofort in Erfüllung.

Adalar gab den Einlasscode am Schalter ein,

drehte den hinteren Findling und die Besucher traten in das Reich der Ahnen ein. Die Botenelster flatterte schon aufgeregt hin und her und setzte zum Flug an.

Ganz vorsichtig schaute Maja sich um. Auf den ersten Blick war es tatsächlich so wie im Olchdorf.

Die Welt der Ahnen war nicht so strahlend hell wie die normale Welt, denn die Kraft der Sonne reichte nicht bis in das Ahnenreich.

Überall waren Lichter angebracht, an den Häusern, den Straßen, sogar die Bäume leuchteten in einem gedämpften Licht. Es sah irgendwie gemütlich und behaglich aus, genauso märchenhaft und schön, wie das Dorf von Adalar.

Die Botenelster war natürlich schneller als die beiden Besucher und so wurden sie schon von einer Delgation Olch-Ahnen erwartet.

Was war das für ein Johlen und Lachen, jeder umarmte jeden. Auch Maja wurde in dem Kreis herzlich aufgenommen. Sie wurde von allen Seiten bestaunt und beäugt, der ein oder andere Olch konnte es nicht lassen und zupfte an ihr herum, sodass sie nur mit Mühe ein Kichern unterdrücken konnte. Um das Gezupfe zu beenden, griff sie in ihre Tasche und holte die Schüssel Schokocrem' heraus. Die Ahnen hörten gar nicht auf zu staunen.

Dieser kleine Mensch hatte doch tatsächlich eine ihrer Lieblingsspeisen mitgebracht. Dankend nahm der Dorfälteste, Willin, der ja heute auch Geburtstag hatte, das wunderbare Geschenk entgegen.

Zusammen ging die Gruppe zum Festtags –gebäude, das von außen mit Girlanden und Lichtern geschmückt war, dort waren schon einige Ahnen ordentlich am Feiern. Beim Eintreten in den Geburtstagssaal bekam Maja einen Schock, alles war dunkel, nur vereinzelte Lichter waren zu sehen und die feiernden Olche auf der Tanzfläche leuchteten in grellen bunten Farben.

Als Maja sich an diese diffuse Beleuchtung gewöhnt hatte, fand sie es auch sehr lustig und es war gar nicht mehr so dunkel. Sie gesellte sich mit Adalar zu den anderen Olchen und ließ es sich bei Honigsprudel und gegrillten Regenwürmern gut gehen. Knusprige Grillen und dicke Käfer, schön braun und lecker lagen sie zum Verspeisen in Reih und Glied auf dem Grill. Es war nicht zu übersehen, dass auch die Olche im Ahnenreich es verstanden ausgiebig zu feiern. Maja traute ihren Augen und Ohren nicht, sogar ein Orchester gab es hier, es wurde geschunkelt und getanzt. Willin nahm sie bei der Hand und zog sie mit sich auf das Podium. Maja wusste gar nicht wie ihr geschah. Willin hieß sie noch einmal herzlich willkommen und bedankte sich für die, von Adalar mitgebrachte Sahnetorte und die leckere Schokocrem' von Maja. Die Ahnen klatschen vor lauter Freude jubelnd Beifall. Die Anwesenden, und das waren alle Dorfbewohner, ließen den Jubilar hochleben, tranken und aßen in fröhlicher Runde. Maja und Adalar feierten kräftig mit und tanzten wie die Derwische, bis sie nicht mehr konnten. Sie ließen sich hinter dem Festtags - gebäude ins Gras fallen und beobachteten den Himmel, der sich inzwischen verdunkelt hatte und mit zahlreichen Sternen geschmückt war. Die beiden fassten sich an den Händen und waren in diesem Moment sehr glücklich und zufrieden. Die Zeit war wie im Fluge vergangen, Adalar

drängte nun etwas zur Eile, denn bevor die Sterne ihr Licht am Himmel gelöscht hatten, mussten sie das Reich der Ahnen verlassen haben. So besagte es die Regel im Ahnenreich.

Maja und Adalar verabschiedeten sich von der fröhlichen Geburtstagsgesellschaft, die sie mit lautem Geschnatter und Gejohle bis zum Portal begleitete.

Adalar musste dieses Mal den Code am Auslassschalter eingeben, drehte den Findling und sie waren wieder in der normalenWelt.

Das war ein wunderschönes Geburtstagsfest“, Maja war noch immer ganz perplex von dem Erlebten.

Können die Ahnen dich denn auch mal besuchen“? „Nein, das geht leider nicht“, Adalar machte ein sehr wichtiges Gesicht, „denn sobald sie unsere Welt betreten würden, würden sie auf der Stelle zu Staub zerfallen“.

Ist das auch eine Regel aus demAhnenreich“,

fragte Maja erstaunt. „Ja, ganz genau, wer einmal ins Ahnenreich eingetreten ist, der kann niemals wieder in unsere Welt zurückkehren“, klärte Adalar Maja auf. „Um so mehr besuchen wir die Ahnen, wann immer wir wollen“!

Heute war ein ganz besonderer Tag für mich“, Maja war ganz gerührt und schniefte in ihr Taschentuch, „es war einer meiner schönsten Tage, dafür möchte ich mich bei dir bedanken“, Adalar war ganz gerührt von dem Gefühlsausbruch und wurde ganz verlegen.

Jetzt muss ich dich aber noch entschrumpfen, sonst würde deine Familie sicher sehr überrascht sein“. Gesagt, getan, und Maja war wieder die „normale“ Maja. Adalar begleitete seine Freundin wie immer bis zum Waldrand, wo sie sich noch einmal in den Arm nahmen und sich zuwinkten bis sie außer Sicht waren.

 

Fortsetzung demnächst....

11.09.2021 © Soso /Bild und Text

 

Die Ahnen verstehen es zu feiern

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.09.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Als junges Mädchen erfand ich schon lustige Geschichten, die ich meiner Nichte erzählte. Meine Dichterei geriet in Vergessenheit, erst meine Kinder Walter und Beatrix gaben mir, durch ihren herzigen Kindermund die Idee wieder zu schreiben.
Wie sie sehen, ging meine Phantasie mit mir durch und etliche Gedichtbände kamen raus. Ich hoffe auch sie finden das Eine oder Andere, worüber sie lächeln können. Viel Vergnügen beim Lesen wünscht ihre Margit.

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