Bodo Mario Woltiri

Das Begräbnis der Demokratie

Das Begräbnis der Demokratie

Gestern, am 5. Februar 2020, wurde in Thüringen die Demokratie beerdigt. Dies sind die berührenden Momente, die eine ganze Nation bewegten:

Der Blick eines traurigen Gewinners, der vom zornigen Verlierer vor ihm hingeworfene Blumenstrauß, und ein kalter Händedruck seines Steigbügelhalters. Die Todesursache: Verrat. Die Verräter: die Abgeordneten einer christlichen Partei, denen es mehr am Herzen lag, ihre nicht mehr vorhandene Macht zu erhalten, als sie mit dem politischen Erzfeind zu teilen; die Abgeordneten einer freiheitlichen Partei, denen es wichtiger war, die Fortsetzung des alten Regierungsbündnisses zu verhindern, und einen der ihren in eine Position zu wählen, die er gar nicht ausüben soll; der Anstifter zum Verrat, der die alternative Partei in Thüringen anführt und den Tod der Demokratie mit seinem kalten Händedruck besiegelte. Das große Publikum, das beim Verrat tatenlos zusah und sich nach dem Begräbnis heuchlerisch über ihn entsetzte und empörte. Die Anführer der beiden zuerst genannten Parteien, der christlichen und der freiheitlichen, äußerten sich vor den Mikrofonen und Kameras sowie in schriftlichen Statements ebenfalls entsetzt. Von einer schwarzen Stunde der Demokratie war die Rede, von Tabubruch. Die Frage einiger Journalisten, ob die so Handelnden nicht die Wähler betrogen hätten mit dieser taktischen Farce, blieb unbeantwortet.

Die christliche Partei hatte es vorgezogen, dem ebenfalls christlichen bisherigen Regierungschef einer anderen Partei nicht die Hand zu reichen, um das Land mit den gemeinsamen christlichen Werten zu regieren. Und die freiheitliche Partei zog es vor, gemeinsam mit ihren christlichen Mitabgeordneten und denen der alternativen den Mann zu wählen, der dem Anstifter des Verrats dann die kalte Hand drückte. Der Anstifter zum Mord der Demokratie schaffte es, sie mit ihren Instrumenten zu töten. Er wird auch weiterhin die christlichen und freiheitlichen Werte der Demokratie mit Füßen treten. Jetzt hat er zuerst einmal die alternativen Fakten geschaffen. Davon ist in den Kondolenzschreiben der christlichen und der freiheitlichen Partei nichts zu lesen.

(c) Bodo Mario Woltiri, 6.2.2020

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