Enno Ahrens

Am Ende des Tunnels

 

„O Mensch, O Poschl,

 

aus der Unendlichkeit

bist du gekommen.

 

Endlich gehst du.“

 

So steht es auf Poschls Grabstein. An der undurchdringlichen

Wand seiner Erkenntnis hatte er es mit Bitternis verzeichnet.

 

Kurz zuvor hatte Poschl viel gegrübelt gehabt über den

 

Verfall,

 

in seinem Gedankenwald

türmten sich die morschen Zweige,

 

er hörte ihr leises Knacken

unter den tastenden Sohlen,

wenn er herumirrte,

 

aus seinen Knochen

erhob sich

ein anklagender Schmerz,

 

als wenn sich tausend

Gemütskaninchen

ihre Genicke brächen.

 

Seine Sommergedanken

waren hell und leicht gewesen

wie aus einer Soap entsprungen,

die Erde erschien paradiesisch ihm,

 

trat er aber heraus aus

seinem Gedankenwald

ins Großstadtgetümmel,

schien die Welt ihm eine

Vorhölle zu sein.

 

Im November lagen seine

Gedanken tiefer;

aus düsterem Nebel heraus

gab es einige Lichtblicke,

aufgeforstet standen sie nun

dort die alten Eichen,

 

in ihnen pulsierte seine

immergrüne Wahrheit:

 

“Die Welt sie ist nicht

einerlei und nichts.”

 

Das war, bevor

 

er zuletzt nur noch sein Blickfeld vor Augen gehabt hatte,

und nicht mehr die Welt dahinter, die

große Weite vergessen war, gelöscht,

alles, was permanent in ihm einst präsent erschienen war,

dies Konstrukt aus Landkarten und vom Hörensagen.

 

Nur noch eine Ahnung war in ihm zurückgeblieben,

ein Stein gebrochen aus dem All in seinem Kopf,

und plötzlich waren unzählige Kaninchen wie ein

Schwarm Mücken vor seiner Nase herumgetanzt,

schwerelos, aus heiterem Himmel und ein

Rettungswagen hatte vor seiner Haustüre geparkt.

 

Er hatte geglaubt, die Sanitäter hätten auch alle Kaninchen

eingefangen, als sie mit ihm davongefahren waren.

 

Am Abend seines Todes soll er aber am Ausgang des

Tunnelblicks ein ewiges Licht aufflackern gesehen haben,

welches ihn den Weg gewiesen habe in die Unendlichkeit.

 

 

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