Heinz-Walter Hoetter

Ein selten böser Alptraum

Sie haben versprochen, dass Träume wahr werden können. Doch sie haben vergessen zu erwähnen, dass Albträume auch Träume sind.“

 

(Oscar Wilde irischer Schriftsteller 1854 - 1900)

 

***


 

Die liebe Sonne meinte es heute gut mit uns. Sie strahlte an diesem warmen Frühlingsmorgen in München von einem besonders blauen Himmel herab. Nirgendwo war auch nur eine einzige Wolke zu sehen.


 

Deshalb wollte ich das schöne Wetter zu einer kleinen Spazierfahrt nutzen.


 

Ich saß in meinem Rollstuhl und fuhr hinaus in den nah gelegenen Park, wo ich ein bisschen herum fahren wollte, um die morgendliche Luft einzuatmen, die mir besonders gut tat.


 

Als ich in die weitläufige Grünanlage einbog, sang ich leise ein Lied vor mich hin, weil ich der Annahme war, dass ich allein an diesem frühen Morgen unterwegs war. In einem kleinen Seitenweg allerdings, etwas abseits des Hauptweges auf dem ich fuhr, saß auf einer Parkbank ein Mann, der mich singen hörte. Als ich an ihm vorbei rollte, schaute er mich staunend an und sagte dann: "Bravo, was für ein schönes Lied!"


 

Ich freute mich natürlich über seine Zustimmung für meinen frohen Gesang, hielt kurz an, grüßte ihn freundlich und fuhr mit meinem Rollstuhl dann zügig weiter. Etwa eine halbe Stunde später verließ ich den Park auf der anderen Seite wieder durch einen weiten Torbogen aus wuchtigen Marmorsteinen, allerdings weiterhin mein kleines Liedchen singend.


 

Langsam fuhr ich unter dem imposanten Torbogen hindurch.


 

Auf der anderen Seite angekommen stand da auf einmal ein schwarzer Hund, dem offenbar mein Singen missfiel und mich mit gefletschten Zähnen böse knurrend fixierte. Weit und breit war weder ein Herrchen noch ein Frauchen zu sehen, was mich irgendwie irritierte.


 

Dann kam er plötzlich auch schon bellend näher. Eine unangenehme Angst stieg in mir hoch, weil ich mich als querschnittsgelähmter Mensch gegen einen derart aggressiven Hund so gut wie gar nicht wehren konnte. Ich befand mich in einer sehr gefährlichen Situation, die außer Kontrolle zu geraten schien.


 

Doch was sollte ich tun?


 

Im nächsten Moment sprang der bellende Köter auch schon hoch, versuchte schließlich meinen Arm mit seinem Zähne strotzenden Gebiss zu erwischen, aber er verfehlte mich um wenige Zentimeter, weil ich den Rollstuhl schlagartig wendete, sodass er hinten an die stabile Rückenplatte aus Kunststoff prallte.


 

Dadurch wurde die vierbeinige Bestie aber nur noch bösartiger, ließ jetzt erst recht nicht locker und schnappte wie wild nach einer der Leder ummantelten Armlehnen. Ich versuchte daher, den Rollstuhl mit aller Gewalt noch einmal herum zu reißen. Vor lauter Angst fing ich an zu schreien und rief verzweifelt mit kreischender Stimme um Hilfe. Aber niemand hörte mich, weil keine Menschenseele an diesem frühen Morgen in unmittelbarer Nähe war, die mir hätte helfen können. Der große schwarze Hund ließ einfach nicht locker.


 

Durch eine erneute, leider aber zu heftigen Drehung, kippte ich plötzlich mitsamt dem Rollstuhl um und lag schließlich, hilflos wie ein kleines Kind, wehrlos auf dem harten Plattenweg.


 

Im nächsten Augenblick stand auch schon die laut bellende Bestie über mir und versuchte, mich mit seinem furchtbaren Gebiss in den Hals zu beißen.


 

Abermals schrie ich wie von Sinnen auf und versuchte unter Aufbringung meiner ganzen Kraft, das schwarze Biest mit bloßen Händen abzuwehren, indem ich wie wild rasend um mich schlug.


 

Dann änderte sich auf einmal alles von einer Sekunde auf die andere.


 

Schweißgebadet und völlig erschöpft wachte ich auf, wobei ich beinahe meine Freundin mit meinen heftig strampelnden Beinen aus dem Bett gestoßen hätte, die ganz dicht gleich neben mir lag.


 

Draußen ging gerade die Sonne auf und ein Hund bellte laut unten auf der Straße.

ENDE

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

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