Julia Knirsch

Der geheimnisvolle Junge aus Afrika - Teil II

In der Nacht konnte Nadine nicht schlafen. Immer wieder warf sie sich von einer auf die andere Seite und musste die ganze Zeit an Robbie denken. Was machte er wohl nun? Wie konnte das ganze weiter gehen? Würde die Polizei hier aufkreuzen? Nach drei Stunden hielt sie es nicht mehr aus. Sie zog sich an und sah nach, ob ihre Eltern schon schliefen. Aus dem Schlafzimmer kam nur ein gleichmäßiges Atmen. Nadine schlich sich zum Flur. Sie drückte die Klinke vorsichtig hinunter und trat in den kühlen Gang. Nadine fröstelte. Auf Zehenspitzen lief sie den Weg hoch zum Dachboden. Sie fand Robbie auf der Matratze liegend und ein Buch lesend. Neben sich hatte er eine Taschenlampe. Robbie schrak hoch, als er sie hereinkommen sah, aber Nadine lächelte milde und meinte: "Hey, Robbie, ich bin es nur!" Robbie sah man die Erleichterung an. "Setz dich!", bot er Nadine an. "Warum schläfst du noch nicht?" Nadine zuckte mit den Achseln. Eigentlich fielen ihr die Augen fast zu, doch an einschlafen war wirklich nicht zu denken. Nadine sah sich im Dachboden um. Eigentlich lag nur Gerümpel. Von alten, zerflederten Comicheften bis zu einem großen, roten Sofa. Uf allem hatte sich im Laufe der Zeit ein dicke Staubschicht gebildet.

"Willst du mich wieder rauswerfen?", fragte Robbie traurig. Nadine schüttelte den Kopf und lächelte ihn an: "Nein, ich konnte nur nicht schlafen und außerdem wollte ich nach dir schauen!" "Ich danke der Memsab!", meinte Robbie. "Memsab?", wiederholte Nadine verwirrt. "Ja, so nennen wir in Afrika die Frauen!", sagte Robbie. Interessiert sah Nadine ihn an. Früher hatte sie sich für Afrika nicht wirklich interessieren können, aber nun flammte ihr Interesse auf. "Wie war es denn so, in Afrika?", wollte sie wissen. "Wunderschön!", antwortete Robbie und Nadine bemerkte ein Glitzern in seinen samtbraunen Augen. Robbie erzählte viel von Afrika und irgendwann, schliefen beide ein.

Als Nadine am nächsten Morgen aufwachte, war es halb acht. Erschrocken sprang sie auf. Doch wo war Robbie? "Guten Morgen Memsab!", hörte sie eine vertraute Stimme sagen. Nadine wirbelte herum, vor ihr stand Robbie. "Guten Morgen!", stammelte Nadine. "Ich muss jetzt gehen. Meine Eltern.", fing Nadine an. "Ach so!", Robbie war enttäuscht. Nadine bekam wieder ihr Kribbeln im Bauch. Robbie wie er da stand und sie süß ansah, mit seinen samtbraunen Augen und den gleichfarbigen Haaren. Sie konnte nicht anders als ihn auf die Wange zu küssen. Er lächelte: "Du bist eine gute Memsab!" Nadine lächelte ihn auch an und meinte dann: "Nach dem Frühstück komme ich wieder und bringe auch dir etwas zu essen!" Robbie nickte.

Dann verließ Nadine den Dachboden. Sie fühlte sich unbeschreiblich glücklich. In ihrem Bauch flogen abertausend von Schmetterlingen. Ihr herz schlug, dass sie es hören konnte. Als sie an der Wohnungstür klingelte, sie hatte natürlich den Schlüssel vergessen, öffnete ihre Mutter. Sie war dem Anschein nach ziemlich wütend. "Wo warst du?", fragte sie. "Ich. ich habe einen Morgenspaziergang gemacht!", stammelte ich. Ihre Mutter beantwortete das mit Schweigen. Sie schwieg immer, wenn etwas besonders schlimm war. Das war fast noch schlimmer, als richtigen Ärger zu bekommen, fand zumindest Nadine.

Nach einem Frühstück in eisiger Stille, donnerte Nadines Mutter los: "Um sechs Uhr musste dein Vater zur Arbeit, denn er hat es nicht so gut wie du, und hat Ferien. Und um sechs Uhr hat er zu dir ins Zimmer geschaut und dich nicht gefunden! Ich habe mir Sorgen gemacht!"
Nadine sah schuldbewusst auf den Boden und meinte dann aber: "Es tut mir Leid, Mum! Es wird bestimmt nicht mehr vorkommen. Darf ich jetzt zu Nina?" "Meinetwegen!", brummte ihre Mutter. Nadine nahm die Sachen, die sie heimlich eingesteckt hatte mit und stürmte zum Dachboden.

Robbie saß auf dem roten Sofa und las wieder sein Buch. "Hallo!", sagte er, als Nadine hereinkam. Nadine grüßte zurück. Dann gab sie ihm das eingepackte Frühstück, welches er mit enormer Gier verschlang. Nadine saß neben ihm und sah ihm zu. "Hat's geschmeckt?", fragte sie. Er nickte. Danach saßen sie eine Weile schweigend da. Dann meinte Robbie: "Vielleicht muss ich bald zurück. Tante wartet. Aber ich hasse meine Tante. Sie wird aber bestimmt die Polizei nach mir suchen lassen!" Nadine traf das wie ein Schlag mit einem Hammer. "Dann. ist das alles hier nur vorläufig?!", fragte sie. Robbie nickte. Nadine musste sofort hier weg. Sie verabschiedete sich mit einem "Ich komm' bald wieder!" und rannte davon. Tränen stiegen ihr in die Augen. Vielleicht würde sie Robbie verlieren. Doch das musste man doch verhindern können, oder?.

Fortsetzung folgt.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.10.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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