Rolf Hippler

Zwischenbilanz

Hat es sich gelohnt zu leben? Überwiegt das Gute die negativen Vorkommnisse der bisherigen Jahre? Kann ich sagen, zu irgendetwas nützlich gewesen zu sein, nicht nur als schlechtes Beispiel gegolten zu haben? Konnte ich die Erwartungen, die die Welt vielleicht in mich gesetzt hat, zumindest teilweise erfüllen? Fragen über Fragen.

Für mich persönlich denke ich, hat es sich sehr wohl gelohnt zu leben. Würde mein Leben jetzt und in diesem Moment zu Ende gehen, würde ich mit dem Gefühl scheiden, immer noch viel zu wenig, aber doch soviel erlebt zu haben, dass kein Bedauern aufkommt.

Höhen und Tiefen des Lebens waren mir nicht fremd, ich habe beides intensiv ausgekostet. War manchmal Täter, manchmal Opfer, aber immer dabei.

Ich habe mit und über Menschen gelacht, mit und um Menschen geweint. Geliebt, gehasst, mich gesehnt und verzehrt. Erinnert, vergessen, die ganze Skala der Gefühlswelt ‘rauf und runter geklettert. Habe gegeben, aber genauso auch genommen. Menschen benutzt und mich, ob immer freiwillig sei dahingestellt, benutzen lassen.

War manchmal Sieger, oft aber auch Verlierer in diesem Spiel des Lebens. Gesucht und gemieden, gelobt und getadelt, belohnt und bestraft. Nichts war mir fremd. Mancherorts und bei manchen Menschen habe ich Trümmer zurückgelassen. Aber einige werden sich wohl auch positiv an mich erinnern.

Menschen die mir nahe standen habe ich vielfach auch enttäuscht, ihre Erwartungen nicht erfüllt, vielleicht auch gar nicht immer erfüllen wollen. Zwänge habe ich schon immer gehasst.

Warum trotzdem so viele immer wieder meine Nähe gesucht haben, mich als Beichtvater benutzten, Rat von mir wollten, den ich manchmal dringender gebraucht hätte als sie selbst, sich an meiner Schulter ausgeweint haben, obwohl es eigentlich ich hätte sein müssen, der weinen sollte, ich weiß es nicht. Lästig? Nein, lästig war es mir trotz allem nie.

Die Zeit hat mich gelehrt, die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Was in der Jugend groß, wichtig und erstrebenswert war, ist jetzt, in einem reiferen Alter manchmal nur noch banal. Was jetzt zählt, sind andere Werte. Innerer Frieden, Gesundheit und nicht zuletzt eine Partnerin, die ich nicht mehr missen will.

Manchmal wünsche ich mir, Momente des Glücks festzuhalten, sie in Dosen zu konservieren, um sie bei Bedarf wieder zu öffnen.

Das tiefe Empfinden, das ich damals verspürt habe, nochmals von neuem genießen zu können. Glückliche Momente, verlorene Augenblicke, bitter süße Erinnerungen.

Es hat sich gelohnt zu leben!

© Rolf Hippler

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.09.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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