Hans K. Reiter

Interview Prof. Dr. Martin Ainerlay (Teil II)

Mitwirkende:

Sabine Frenholde, Kurier Oberbayern, Landkreisausgabe Dingharting (KuObb)

Prof. Dr. Martin Ainerlay (PMA), Wissenschaftlicher Berater Atlantik-Allianz (WiBAA)


 

KuObb: Herr Professor Ainerlay, Ihre Rede beim Landfrauenbund hat einigen Staub aufgewirbelt. Wollten Sie provozieren?

PMA: Sie meinen wegen des Artikels in Ihrem Blatt über die Rede eines Abtrünnigen?

KuObb: Sie haben doch absichtlich polarisiert - und ja, darüber haben wir berichtet.

PMA: Nein, da muss ich Ihnen widersprechen, verehrte Frau Frenholde. Ich habe ausgesprochen, wie oder was ich bei einigen Themen denke. Aus diesem Grund wurde ich eingeladen. Sehen Sie, es bringt doch nichts, wenn wir unter Vorgabe oder nennen Sie es von mir aus auch Deckmantel einer gesellschaftlichen Uniformität nachplappern, was hundert und tausendfach behauptet und abgeschrieben wird. Freilich eckt man dann weniger an oder höchstens bei jenen, die fortwährend gegen alles sind, ihre Ansichten aber nicht begründen, jedenfalls nicht ausreichend fachlich, stattdessen verqueren Unsinn in die Welt blasen, dass es einem übel wird.

KuObb: Sie meinen...

PMA: Ich habe es ausgeführt. Jedermann kann es nachlesen. Sie beginnen Ihre Frage an mich mit: Sie meinen..., weshalb ich Sie unterbrochen habe. Sie suggerieren damit, dass das Gesagte oder auch der geneigte Leser zum Verständnis einer zusätzlichen Interpretation bedürfe. Dem ist aber nicht so. Es braucht keine weiterführende Erläuterung, weil jedes Wort exakt so gemeint ist, wie ich es ausgesprochen habe. Ich setzte mich sehr gerne mit Kritik auseinander, aber dazu müsste sie auch als solche formuliert sein. Wenn Sie sagen, sie wollen etwas ergänzen, dann immer zu, tun Sie es, verlangen sie bitte aber nicht von mir, etwas erläutern zu sollen, was keiner Erläuterung bedarf.

KuObb: Dann lassen Sie mich es anders versuchen. Ist Ihre Schlussfolgerung hinsichtlich des klerikalen Machtanspruches nicht etwas gewagt?

PMA: Was soll daran gewagt sein? Hören wir nicht ständig einem Mantra gleich beinahe, wie wichtig und wertvoll die Frauen in der Gesellschaft sind und wie geschätzt ihr Beitrag im kirchlichen Gemeinwesen sei, und ich spreche hier insbesondere von der katholischen Institution. Wort und Tat stimmen jedoch nicht überein, haben noch nie übereingestimmt, von Anbeginn an nicht. Frauen dürfen putzen, waschen und kochen, ja vielleicht sogar auf eine Weise Messdienerin sein, aber die eigentlichen Ämter sind ihnen verwehrt, das wollen die Herren nicht. Dienen ja, mitbestimmen oder gar regieren, nein! Sexuelle Übergriffe erwähne ich, weil heute unbestritten, einen Dienst, den sich die Herren erdreisten zu nehmen, obwohl sie geschworen haben, gerade solches nicht zu wollen. Dann werden die Frauen schwanger, Kinder kommen zur Welt. Es wird vertuscht, verleugnet und herabgewürdigt, nämlich die Ehre der Frau, dass eine Steigerung kaum mehr möglich ist. Und da fragen Sie, ob meine Ausführungen nicht zu gewagt wären? Geben Sie sich die Antwort selbst. Damit das Unrecht an den tausenden von malträtierten Kindern nicht untergeht, sei es an dieser Stelle aufgezeigt, ohne weiter darauf einzugehen. Seit Jahrzehnten wird angeblich ohne Wenn und Aber aufgeklärt, aber ist der Eindruck nicht eher, es wird weiter vertuscht und zugegeben nur, was nicht mehr zu leugnen ist, und mit salbungsvollem Gerede zugedeckt, was offen zutage tritt? Und bei allem ist es nicht unerheblich, dass der Staat die Gehälter der oberen Würdenträger bezahlt. Da spielt es keine Rolle, ob sie in der Kirche sind oder nicht, ein Teil Ihrer Steuerlast wird dafür verwendet.

KuObb: Mögen Sie die Kirchen nicht?

PMA: Ich mag Schokoladenpudding, saure Getränke dagegen jedoch nicht. Das sind Beispiele, wie sie eben auf die Kirchen nicht passen. Wenn sie Ihre Glaubensgrundsätze verbreiten, missionieren, auf eine Weise, die nach heutigen Maßstäben niemand mehr gutheißen würde, dann mag ich sie ganz sicher nicht. Wenn sie von Nächstenliebe predigen, das Gegenteil aber tun, dann mag ich sie nicht. Wenn sie Unterdrückung gutheißen, mag ich sie nicht. Wenn sie gegen Empfängnisverhütung aufstehen und sehenden Auges damit die Not in weiten Teilen der Welt befördern, mag ich sie nicht. Generell gesagt, weil es ja nicht nur die katholische Kirche gibt, all jenes, was dogmatisch aus uralten Texten und mündlichen Überlieferungen ungeprüft übernommen wird oder aus der Interpretation oder Feder einiger Weniger dafür Auserkorenen kritiklos aufgesogen wird, behindert friedfertiges Zusammenleben, toleranten Austausch, Respektieren von Meinungen, kulturelle Vielfalt und Ausgewogenheit in den persönlichen Verhältnissen. Wäre Ihre Frage nicht richtiger an die Institutionen zu stellen, nämlich: Mögt ihr die Menschen nicht?

KuObb: Von einer Quotenregelung halten Sie nichts. Warum?

PMA: Ich wiederhole ungern, was ich schon in Dingharting ausgeführt habe. Aber aktuell: Schauen Sie in die Politik, speziell auf die Parteien. Die Grünen haben eine Kanzelkandidatin gekürt. Nun zeigt sich, dass diese Entscheidung falsch gewesen ist. Die Kandidatin, Produkt der Quotenideologie dieser Partei, erfüllt die Erwartungen nicht, macht simple Anfängerfehler, verliert Vertrauen und Kompetenzzuordnung. Von dem erhofften und proklamierten Ziel, die Kanzlerin zu stellen, bleiben unter 15 %, bezogen auf die Zahl der Wahlberechtigten sind es gar nur um die 11 %. Das ist zwar mehr als bei der letzten Wahl, aber doch meilenweit vom Anspruch entfernt, also streng genommen ein Totalabsturz, egal, wie es die Herrschaften jetzt hindrehen. Immerhin haben sie rund 89 % der Wahlberechtigten nicht gewählt! Und den größten Zulauf bei den Erstwählern hat die FDP und eben gerade nicht die Grünen. Der männliche Bewerber wäre wahrscheinlicher erfolgreicher gewesen, das meinen jedenfalls die Umfragen und Partei-“Freunde“. Was wir brauchen, sind nicht hochtrabende Quoten für Positionen, wie sie für die Mehrzahl aller Frauen niemals zur Verfügung stehen oder erreichbar sind, sondern Maßnahmen, die die Gleichstellung von Frauen auf allen Ebenen gewährleisten. Das habe ich gesagt und dazu stehe ich.

KuObb: Warum sind Sie so vehement gegen höhere Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen?

PMA: Habe ich gesagt, ich sei dagegen? Nein, habe ich nicht! Wogegen ich bin, ist die nicht qualifizierte und pauschale Forderung nach diesen Steuern. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass der Staat auch sparen könnte? Wenn Sie morgen eine Anschaffung machen wollen, verlangen Sie dann mehr Lohn? Nein? Logisch, weil, Sie würde ihn mit dieser Begründung nicht bekommen, nicht wahr? Grundsätzlich ist doch an der Bildung von Vermögen nichts Falsches. In der breiten Bevölkerung entsteht es durch Ansparen von Einkommen, das der Einkommensteuer oder Lohnsteuer unterlag. Dann gehen Sie irgendwann vielleicht zur Bank und nehmen einen Kredit auf und kaufen eine Wohnung, ein Haus oder etwas anderes. Dafür, dass Sie sich nun von Ihrem bereits versteuerten Einkommen ein Vermögen schaffen, sollen Sie nunmehr darauf weitere Steuern entrichten. Wie abartig ist das denn? Im Übrigen haben Sie bereits Vermögenssteuern in Form der Grunderwerbsteuer bezahlt. Soweit Vermögen in Form von Anlagevermögen in Firmen vorliegt, ein weiteres Beispiel nur, soll besteuert werden, was zum Erwerb des Einkommens dient, für das dann wiederum Steuern zu entrichten sind und darüber hinaus Arbeitsplätze zur Verfügung stellt, die dem Staat ebenfalls Steuern in die Kasse spülen. Hallo! Vermögen wird vererbt, keine Frage, das mag eine Menge sein, wenn es über Generationen läuft. Aber stets unterlag der Zuwachs aus Einkommen bereits der Einkommenssteuer. In festgelegten Grenzen werden auf das Geerbte ebenfalls Steuer fällig. Manche wollen diese Steuerlast erhöhen. Gut, werden eben insbesondere jene mit großen Vermögen nachdenken, welche legalen Möglichkeiten dies verhindern könnten und ihr Vermögen beispielsweise ins Ausland transferieren. Und schließlich, hat jemand ein Vermögen geerbt oder angeschafft, aber kein Geld, um die Steuern hierauf zu bezahlen, soll er jetzt Schulden machen oder Vermögen veräußern? Dessen Vermögen würde in diesem Fall geschmälert, jemandes, also des Erwerbers, aber vermehrt. Wo ist der Sinn? Das ist alles unausgegorener Unsinn zur Besänftigung gewisser Bevölkerungsschichten, die aber mit Sicherheit davon nichts haben werden. Sie mögen einwenden, dass es ja auch noch Vermögenszuwächse aus Spekulation gibt. Hierfür existieren heute schon Sperrfristen gemessen in Jahren, die bei Unterschreitung zur Besteuerung führen. Dass es auch zu negativen Vermögensentwicklungen kommen kann, also Verlusten in der Bewertung von Vermögen, ist kein Geheimnis. Soll der Staat diesen Umstand etwa rückvergüten? Was ich verlange, ist mehr Augenmaß und Vernunft, und, wichtig, gerne eine faktische Feststellung von Einkommen aus Vermögen, egal wo in der Welt erzielt, um diesen Vermögenszuwachs der Einkommenssteuer zu unterwerfen. Das würde helfen, ohne über neue Steuern zu fabulieren, dem Staat tatsächlich entgangene Mittel zuzuführen. Und denken Sie bitte am Rande an jene Giganten, die weltweit operieren, um schließlich die Gewinne ganz legal in einem europäischen Niedrigsteuerland, wie etwas Luxemburg, zu versteuern. Da geht es um Milliarden, ob es jedoch auch zu Lösungen kommt, wie kürzlich von einem der Kanzlerkandidaten verkündet wurde, da habe ich meine Zweifel. Viele Stellschrauben könnten gedreht werden, um die Staatskasse zu füllen, ohne neue Steuern und Steuererhöhung. Letzteres verursacht aber ganz offenbar mehr politische Mühen. Vielleicht liegt es daran?

KuObb: Das Auseinandertriften der Gesellschaft in Arm und Reich, wollen Sie diese Entwicklung tolerieren?

PMA: Triftet die Gesellschaft auseinander? Wenn es so ist, wäre der Staat und die gesamte Gesellschaft gut beraten, es zu stoppen. Arme können die Lasten des Staates nicht tragen, wenige Reiche auch nicht. Schon deshalb braucht es Ausgewogenheit. Der Staat hat Möglichkeiten, er muss sie nur ausschöpfen wollen. Ich gebe Ihnen einige Beispiele: Nehmen Sie die Niedriglohnverdiener. Der Staat könnte den Mindestlohn erhöhen. Soll er das oder wäre dieses Thema nicht besser bei den Gewerkschaften aufgehoben? Dafür sind sie doch eigentlich da. Der Staat könnte bestimmte Einkommen, sagen wir alle Mindestlohnverdiener und darunter, von den Beiträgen zur Krankernkasse und Rentenversicherung und der Lohnsteuer befreien oder zumindest nur einem moderaten Beitrag unterwerfen, denn, was nützt es, wenn der karge Mindestlohn durch die genannten Lohnabzüge derart geschmälert wird, dass es wieder vorne und hinten nicht reicht? Oder, jemand möchte eine Eigentumswohnung erwerben, muss aber je nach Bundesland zwischen 3,5 und 7,5 % vom Kaufpreis als Grunderwerbsteuer bezahlen und nach dem Kauf die jährlichen Grundsteuern. Der Staat verdient aufgrund der Abgaben und Steuern stets an allem mit. Er könnte es stoppen! Der Staat könnte beim Kauf von Wohneigentum Garantien bis zur Höhe des benötigten Eigenkapitalanteils übernehmen, aber tut er es? Der Staat zahlt Kindergeld. Könnte er es nicht bei den niedrigen Einkommen erhöhen und dafür bei den hohen Einkommen kürzen, bzw. ganz streichen? Wenn es dem Staat ernst wäre, gäbe es zahlreiche Möglichkeiten dagegen anzugehen. Will er es?

KuObb: Wie beurteilen Sie den demografischen Wandel?

PMA: Was meinen Sie damit? Mehr Alte und weniger Junge? Zu wenige, um die Renten der Alten zu bezahlen? Wenn es das ist, was Sie quält, dann sollten Sie auch die Frage stellen, warum Millionen von Beamten, ähnlich bei Abgeordneten, Staatssekretären und Ministern, im Bund, den Ländern und Kommunen rund 70 % ihrer letzten Bezüge vom Staat als Pension ausgeschüttet erhalten ohne und ich betone, ohne dafür jemals einen Eigenbeitrag in eine Pensionskasse einbezahlt zu haben? Im Gegensatz zu den Arbeitnehmern, übrigens. Aber lassen Sie mich noch darauf hinweisen, dass diese Story ohnehin nicht aufgehen wird, denn wie Wissenschaftler erklären, brauchen wir Zuwanderung, weil sonst die vorhandenen und dringend zu besetzenden Stellen nicht belegt werden können. Das weiß auch der Staat, schon seit vielen Jahren. Tut sich etwas? Ein wenig vielleicht, aber das reicht nicht. Es muss schneller gehen, mit viel, viel weniger Bürokratie! Lasst die interessierten Menschen herein, dann zahlen Sie nicht nur Steuern, sondern auch die dringend benötigten Beiträge. Dieses gilt im Besonderen auch für Arbeitsplätze in den unteren Lohnbereichen! Ich möchte dazu erwähnen, dass sich solche gewaltigen Umwälzungen allerdings nicht mit sozialistischen Methoden und Mitteln erzwingen lassen und schon gar nicht mit rechtsgerichteten, nationalen Einigelungsstrategien, wie sie von sogenannten Alternativparteien proklamiert werden!

KuObb: Herr Professor Ainerlay, möchten Sie noch ein Schlusswort sprechen?

PMA: Die Fragen stellen Sie. Wenn Sie das Interview nunmehr beenden wollen, möchte ich es dabei belassen. Ich habe nichts zu verteilen, Wundermittel schon gar nicht. Anregungen vielleicht, um nachzudenken, ob Dinge, die einem im Wahlkampf so um die Ohren fliegen, tatsächlich auch bis zu Ende gedacht sind oder manchmal es nicht schon am Beginn mangelt.

KuObb: Herr Professor Ainerlay, ich danke Ihnen für das Gespräch.

PMA: Ich danke Ihnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.09.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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