Heinz-Walter Hoetter

Eine unglaublich wahre Geschichte

 

Der Mann aus der Zukunft, der Jesus rettete

 

***

 

Jesus hat immer sehr deutlich davon gesprochen, dass er wiederkommen wird. Wann genau das sein wird, wissen wir Menschen nicht.

 

Aber es gibt Wesen aus dem All, die das wissen.

 

 

***

 

Der Zeitreisende befand sich in einem geschmeidigen Panzeranzug, der mit einem Schutzhelm ausgestattet war, der eine klare Sicht nach vorne durch ein großes Visier aus mehrfach beschichtetem Hartglas ermöglichte.

 

Alle seine Sinne waren auf höchste Konzentration ausgelegt. So stand er mehrere Minuten lang in einer futuristisch aussehenden Halle, testete nacheinander akribisch alle Funktionen seiner Ausrüstung, bis er schließlich mit festen Schritten auf den flimmernden Transmitterbogen in der Mitte der Halle zuging, der ihn später auch wieder zurück in die Zukunft seiner Zeit befördern sollte, wenn er seine Mission in der Vergangenheit erfüllt hatte.

 

 

 

***

 

 

 

Ein gleißend heller Lichtschein durchflutete die Umgebung und wurde schnell größer und größer. Es roch nach elektrischer Entladung, wie nach einem starken Blitzeinschlag.

 

Eine große Person trat aus dem pulsierenden Licht hervor, die, geschützt durch einen gepanzerten Raumanzug, den vibrierenden Energiebogen verließ.

 

Zuerst blieb sie regungslos stehen, drehte sich schließlich nach allen Seiten verwundert um, als würde sich ihr Verstand weigern, die ungeheuerliche Tatsache zu akzeptieren, was soeben geschehen war. Dann trat sie behutsam einen weiteren Schritt vor.

 

Im nächsten Moment schloss sich hinter ihr das knisternde Energieportal, das wenige Sekunden später mit einem scharfen Zischgeräusch in sich zusammenfiel, bis es schließlich in einem immer kleiner werdenden Lichtpunkt verschwand, eine wabernde Rauchfahne hinter sich herziehend.

 

Jetzt brach eine wahre Flut von Sinneseindrücken über den Zeitreisenden herein. Ein Gefühl des Triumphs kam in ihm hoch, das ihn zu übermannen drohte. Sein Verstand bewegte sich hart an der Grenze zwischen Normalität und Wahnsinn. Doch er riss sich zusammen. Er hatte den gefährlichen Zeitsprung ohne jeden Schaden überstanden.

 

Trotz einer mehrere Sekunden lang anhaltenden Schwäche, die er als Zeichen der vorausgegangenen Anspannungen deutete, empfand er eine vollkommene Genugtuung über das gerade Geschehene.

 

Dann warf er einen kurzen Blick auf die klobige Multifunktionsanzeige, die sich am linken Handgelenk seines Panzeranzuges befand. Ihm wurde sofort klar, dass ihm ab jetzt nur zehn bis fünfzehn Minuten Zeit blieben, um sich auf den Weg zu seinem anvisierten Ziel zu machen.

 

Es wurde also höchste Zeit.


 

Die Navigationseinheit an seinem linken Arm war ein technisches Wunderwerk in Miniformat und wies dem Zeitreisenden den Weg zur Schädelstätte, die außerhalb der Mauern der Stadt Jerusalem lag. Der Platz hieß auf hebräisch „Golgatha“. Es war der Ort, wo man den Juden Jesus Christus hinrichten wollte, der sich in aller Welt als Sohn Gottes ausgab und nun dafür sterben sollte. Der Zeitreisende wusste aber genau, dass er ganz unmittelbar in der Nähe seines Zieles in der Vergangenheit angekommen war. Der vorprogrammierte Zeitsprung war ohne Probleme gelungen.

 

Draußen wurde der Himmel plötzlich tief dunkel. Eine düstere Wolkenwand erhob sich am Horizont und kam schnell näher. Eine bedrückende Atmosphäre machte sich breit. Alles wirkte finster, bis auf die unmittelbare Umgebung der drei Kreuze, die in einem seltsam anmutenden Lichtstrahl standen, auf die der Zeitreisende unverzüglich zulief. Er musste sich beeilen.

 

Am Hügel Golgatha angekommen, sah er eine leblose Gestalt am mittleren Kreuz hängen, die eine Dornenkrone auf dem Kopf trug, der stark blutete, weil er mit tiefen Wunden übersät war. Hände und Füße wurden anscheinend an dem breiten Holzbalken mit großen Nägeln durchschlagen. Die schlimmen Verletzungen erregten bei dem Zeitreisenden tiefe Abscheu. So etwas hatte er noch nie zu Gesicht bekommen. Auch an den Füßen ran überall Blut am aufgerichteten Balken herunter. Außerdem roch es ziemlich übel nach Schweiß und Exkrementen. War das der Mann, den er suchte? Den historischen Angaben zufolge musste er es sein, dachte sich der Zeitreisende.

 

Langsam schritt er unbemerkt die sanfte Anhöhe des Hügels hinauf. Zwei römische Soldaten standen neben einigen Frauen in einiger Entfernung des Hinrichtungsplatzes. Sie hantierten mit einem Kleidungsstück herum. Offenbar waren sie sich nicht einig, wer es bekommen sollte. Sonst waren keine anderen Menschen mehr zugegen. Jedenfalls im Moment nicht. Die Gelegenheit war also günstig, unbemerkt an die Kreuzgruppe zu gelangen. Mit der rechten Hand aktivierte er jetzt die Tarnkappe, die um seinen gesamten Panzeranzug die Illusion eines alten Umhanges erzeugte. Niemand würde seine wahre Gestalt darunter erkennen können.


 

Der Mann aus der Zukunft näherte sich vorsichtig und so unauffällig wie möglich des in der Mitte stehenden Kreuzes, das höher und wuchtiger war als die übrigen zwei anderen daneben. Es wies eine leichte Schräglage nach vorne auf. Das Gesicht des Mannes, der sich Jesus Christus nannte, war von ihm abgewandt und es schien, als würde der Kopf leblos auf der Schulter des gemarterten Menschen liegen. Blut tropfte aus seinen langen, von Dornen durchdrungenen Haaren und aus tiefen Wunden seines geschundenen Leibes.

 

Weder die beiden Soldaten noch die auf dem Boden hockenden Frauen beachteten den Fremden aus einer anderen Zeit. Sie schauten noch nicht einmal zu ihm hinüber, obwohl er jetzt direkt neben dem Gekreuzigten stand, der keinen einzigen Laut von sich gab. Offensichtlich war dieser Christus schon gestorben. Es sah jedenfalls danach aus.

 

Trotz seiner Tarnkappe, die seinen Panzeranzug verbarg, war der Zeitreisende vorsichtig und vermied jede noch so kleine Auffälligkeit.


 

Sollten ihm allerdings die anwesenden Personen aus irgendwelchen Gründen Schwierigkeiten bereiten, müsste er sie wohl oder übel mit seiner gefährlichen Destruktionswaffe unschädlich machen, zwar nicht gleich töten, dafür aber in eine tiefe Bewusstlosigkeit versetzen, um durch eine kurzfristig erzeugte Schockwelle im Gehirn die Erinnerungen dieser Menschen zu löschen. Der Gedanke an eine eventuelle Notlage, in der er zu diesen unschönen Maßnahmen greifen müsste, verursachten in ihm eine mulmiges Gefühl. Er wollte auf seiner Mission keine Lebewesen verletzen. Das war seiner Spezies fremd.

 

Plötzlich erschrak der Zeitreisende, denn der vermeintliche Tote bewegt sich etwas. Der Mann in dem wallenden Gewand wich augenblicklich zurück und drückte im nächsten Moment einen Sensor am linken Arm.


 

Wieder setzte ein kurze Gefühl des Triumphs ein, welches den Zeitreisenden wie eine Welle der Begeisterung übermannte. Doch er riss sich sofort wieder zusammen. Schnell wich die aufkommende Freude einer gespannten Konzentration. Ehe er seinen Emotionen freien Lauf lassen durfte, musste die gesamte Rückkehrphase reibungslos verlaufen. Er wollte seine wichtige Mission nicht durch eigene Disziplinlosigkeit gefährden.


 

Im nächsten Augenblick schob er auch schon gekonnt den kleinen Zellaktivator in eine der offenen Wunden am Körper des Gekreuzigten, der zusätzlich noch mit einem Peilsender ausgestattet worden war. Der eingepflanzte Zellaktivator würde schon bald seine Arbeit aufnehmen und anfangen, alle Zellen des schwer verletzten Körper zuverlässig wieder zu regenerieren, sodass der Eintritt des Todes dieses gekreuzigten Jesus damit verhindert werden konnte.


 

Endlich war es soweit. Der Mann aus der Zukunft hatte seine Mission perfekt abgeschlossen und verließ augenblicklich die grauenvolle Hinrichtungsstätte auf gleichem Weg, den er vorher schon gekommen war. Etwas später durchschritt er abermals den flimmernden Transmitterbogen, der sich vor ihm exakt zum vereinbarten Zeitpunkt und am vorbestimmten Ort laut zischend aufgebaut hatte, um damit nun in seine Zeit wieder zurückkehren zu können.


 


 

***


 


 

Er ist nicht mehr da!“ riefen die Frauen entsetzt, als sie den Leichnam Jesu nicht mehr in der Höhle vorfanden, wo sie ihn salben wollten. In großer Furcht verließen sie den Ort schleunigst, denn sie wussten nur zu genau, dass die Auferstehung Jesu lange zuvor von den Propheten angekündigt worden war. Sie verbreiteten das unglaubliche Ereignis, welches sie erlebt hatten, in ihrem Dorf aus dem sie gekommen waren.


 


 

***

 


 

Ich bin wirklich beeindruckt von ihrem überaus gelungenen Einsatz, Commander. Sie haben Jesus gerettet, den wir ohne Schwierigkeiten aus dieser engen Höhle in unsere Zeit holen konnten, dank unserer perfekten Transmittertechnik. Er liegt noch immer im medizinischen Zentrum unseres Planeten und wird dort rund um die Uhr behandelt. Seine Verletzungen waren erheblich. Dank des Zellaktivators aber, den Sie im Körper dieses Mannes so wagemutig untergebracht haben, der bereits sterbend am Kreuz hing, haben wir ihn am Leben halten und damit retten können. Auch der Peilsender hat seine Arbeit sehr gut gemacht. Mit seiner Hilfe konnten wir diesen Jesus aus der Höhe holen und ihn in unsere Zeit teleportieren. Sie haben wirklich gute Arbeit geleistet, Commander. Jesus wird auf jeden Fall wieder ganz gesund werden. Unsere Ärzte sind hervorragende Spezialisten. Wenn die Zeit reif ist, werden wir Jesus auf die Erde zurück schicken, um die Menschheit vor ihrem Unglauben und ihrer Selbstzerstörung zu bewahren. Wir dürfen diese Kreaturen auf dem Planeten Terra nicht enttäuschen, denn sie glauben immer noch daran, dass Jesus eines Tages wieder auf die Erde zurück kommen wird, um sie zu erlösen.“


 

So soll es sein und so wird es kommen, Oberster Religionsrat. Alle Vorbereitungen sind bereits getroffen. Die entsprechenden Maßnahmen dazu habe ich erst vor ein paar Tagen angeordnet. Nach irdischer Zeitrechnung sind bereits mehr als zweitausend Jahre vergangen, was aber nicht für uns gilt. Unsere Spezies kennt keine Zeit.“


 

Sehr gut, Commander! Sie können übrigens Jesus besuchen, der sich im Paradiesgarten im Zentrum unseres Planeten aufhält. Sie werden sehen, dass er nicht einen Tag gealtert ist und noch immer so jung aussieht, wie wir ihn damals in der Höhle nach seiner Kreuzigung vorgefunden haben. Was diese Dinger alles bewirken können, ist unglaublich. So ein Zellaktivator lässt uns einfach nicht älter werden. - Oh, ich muss mich beeilen. Mein Raumschiff steht bereit, um mich nach Hause zu meiner Familie zu bringen. Man will Sie übrigens befördern, was ich so gehört habe. Das nur nebenbei bemerkt. Nochmals alles Gute! So, jetzt muss ich aber gehen, sonst verpasse ich noch wirklich mein Raumschiff. Wir sehen uns bald wieder, Commander.“


 

ENDE


 

(c)Heinz-Walter Hoetter


 


 

 


 


 

 


 


 


 

 

 

 

 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Heinz-Walter Hoetter).
Der Beitrag wurde von Heinz-Walter Hoetter auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.10.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • Heinz-Walter_Hoettergmx.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Heinz-Walter Hoetter als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Streifzug durch den Lebensgarten von Gerhild Decker



Stimmungsvolle Gedichte und Geschichten mit viel Geist, immer gepaart mit einem Herz-und Augenzwinkern!

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Science-Fiction" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Heinz-Walter Hoetter

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Er kommt immer wieder von Heinz-Walter Hoetter (Unheimliche Geschichten)
RC1. Zerstörer der Erde. Fortsetzung der Trilogie von Werner Gschwandtner (Science-Fiction)
Bohrender Schmerz - Teil 1 von Klaus-D. Heid (Horror)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen