Hajo Schindler

Huch, war das ein Schreck

Wir leben in Zeiten eines rasch vorschreitenden technischen Wandels. Schreibmaschine, Fernschreiber, Taschenrechner, Fax-Gerät sind längst out, wurden durch Computer und Smartphone ersetzt.

Heutzutage ist eben alles smart, digital, easy und flat.

Auch ich habe mich diesem technischen Trend nicht verschlossen, nicht widersetzt und bin seit Längerem stolzer Besitzer eines Kommunikations-Vibrators, besser unter der Bezeichnung Smartphone bekannt.

Mein Smartphone kann schon fast alles, außer Kaffee kochen resp. warmhalten. Eigentlich schade. Hier besteht also noch Entwicklungsbedarf. Ich bin nun technisch gesehen kein großes Licht, aber es müsste doch mit dem Teufel zugehen, eine lohnende Aufgabe für ein Start-up-Unternehmen sein, eine Induktions-App zu entwickeln, mit der man seinen Coffee to go auf dem Display des Handys heiß halten kann.

Wir waren nie so kommunikativ wie heute, aber nur virtuell und nicht im realen Leben. Die persönliche, verbale zwischenmenschliche Kommunikations-fähigkeit löst sich mehr und mehr auf. Konservation findet heute überwiegend in den sozialen Netzwerken statt.

Es wird getwittert, gesimst, gepostet und genetzwerkt was das Zeug hält, ohne Rücksicht auf Verluste, in allen Bevölkerungsschichten und aus allen Bereichen unserer Gesellschaft.

Weil aber die sozialen Netzwerke facebook, instagram und Whatsapp am Montag dieser Woche für mehrere Stunden den Dienst versagten, blieb mir nichts anderes übrig, als mein Handy aus der Hand zu legen und mich damit abzufinden. Dieser stundenlange Ausfall brachte mein ganzes Leben durcheinander. Die Welt stand für mich still. Schmollend und genervt habe ich mich an diesem Spätsommerabend nach draußen auf die Terrasse gesetzt und meinen Blick durch den Garten schweifen lassen. Es passierte etwas, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich vernahm plötzlich Geräusche, die mir abhandengekommen waren. In der Ferne hörte ich einen Hund bellen, das fröhliche Lachen spielender Kinder, die auf dem Rasen des Nachbarhauses herumtollten. Ich schenke Fahrradfahrern Aufmerksamkeit, die am Grundstück vorbeiradelten. Mir fiel die bunte Vielfalt der Dahlien in unserem Garten auf. Ich atmete tief durch. Welch ein entspanntes, befreiendes Gefühl.

Zunächst dachte ich, meine Freunde, Bekannten oder Nachbarn hätten mir die Freudschaft gekündigt und keine Lust mehr mit mir digital zu kommunizieren.  Hatte ich es mir mit ihnen am Wochenende anl. der Geburtsfeier meiner Frau verscherzt, weil uns irgendwann die alkoholischen Getränke ausgingen? Eine Katastrophe schien sich anzubahnen. Neben Spott jetzt auch Kontaktsperre. Wie schrecklich. Ich fing an zu grübeln.  Des Rätsels Lösung folgte auf dem Fuß. Im Radio erfuhr ich dann von dem Ausfall dieser überlebenswichtigen Kommunikationsplattformen facebook, instagram und WhatsApp.  Gott sei Dank. Mein Puls beruhigte sich schlagartig. Ich spürte Erleichterung. Es lag also nicht an mir.

Ich hoffe, Sie können nachempfinden, wie ich mich am Montagabend gefühlt habe und wenn es auch ein wenig übertrieben klingt, schier vor dem Nichts stand. Statt Chat- Nachrichten, Freundschaftsanfragen und eingehenden Bildern vom Katzennachwuchs aus meiner Community, nur weiße Kästen oder leere Rahmen auf meinem Handydisplay, über denen sich ein kleines graues Speichenrad drehte: Bitte warten. Soziale Interaktion, lebensnotwendige Bestätigung durch Likes, Shares und Kommentare, blieb aus.

Stellen Sie sich vor, ich hätte mich kurzfristig für den Abend zu einem Date verabreden wollen. Ging nicht, aus die Maus. Das man seine Verabredungen an diesem Abend wohl ganz altmodisch per SMS oder per Telefonanruf hätte machen müssen, zog ich gar nicht in Erwägung. Schnappschüsse oder Sprachnachrichten austauschen oder auf Flirtversuche mit Emoji-Ausbrüchen oder witzigen Wackelbildern zu reagieren, war also nicht möglich. So eine Sche……. Ich hatte mir im Laufe der zurückliegenden Jahre ein anderes Kontaktverhalten zugelegt. Das rächte sich hier und  machte mir deutlich, dass man Kommunikation, Kontaktpflege auf eine breitere Basis stellen sollte.

Am Tag nach dem Ausfall von facebook und weiterer Netzwerk-Plattformen habe ich mit einigen Bekannten telefoniert. Ein Vater gestand mir, dass seine Tochter den ganzen Abend rumgemault hätte, nichts mit sich anfangen konnte und er immer wieder von ihr zu hören bekam: „Papa, mir ist so langweilig. Ich erreiche meine Mitschüler Pia, Alexander und Nele nicht“. Als er seine Tochter mit den Worten „Ihr seht euch doch morgen früh wieder in Schule“ beruhigen wollte, antwortete diese: „Das ist ja noch endlos lang bis dahin und zwischen dem Schulende von heute Mittag und jetzt hat sich  bestimmt so viel ereignet, worüber wir uns unbedingt noch heute Abend austauschen müssen.“

Früher verehrte Leser, bitte haben Sie jetzt keine Angst, Opa erzählt jetzt keine Anekdoten aus der „Kriegszeit“, haben wir uns über Generationen im persönlichen Gespräch verständigt, informiert: „Hast du schon gehört, dass….. Und der Angesprochene oder die Angesprochene reagierte darauf mit“ „Nö, erzähl mal……“ Diese Form der Kommunikation verflüchtigt sich immer mehr.

Eine Aussage einer Bekannten machte mich ebenfalls stutzig. Sie erzählte mir:  „Hätte dieser digitale Knick am Montag noch länger gedauert, ich wäre gestorben.“

Nun ja, eine neue Erkenntnis für mich. Zu den mir bekannten Todesarten, konnte ich ab jetzt eine neue hinzufügen.

Hand aufs Herz, sind wir doch ehrlich, offengestanden war der Ausfall verschmerzbar. Etwas hat mich allerdings mehr beschäftigt und in der darauffolgenden Nacht kaum schlafen lassen.

Bemerkenswerter und viel schlimmer ist, dass durch diesen Ausfall das Vermögen des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg um 6 Milliarden Dollar geschrumpft sein soll und er jetzt nur noch der fünftreichste Mann der Welt mit einem geschätzten Vermögen von 122 Milliarden Dollar ist. Er ist damit sogar einen Platz hinter Microsoft-Gründer Bill Gates gerutscht.

Wie entsetzlich!

Die drei reichsten Männer der Welt sind demnach Elon Musk (Tesla), Jeff Bezos (Amazon) und der Franzose Bernard Arnault, konnte ich in der Tageszeitung lesen.

Ich muss da mal mit den Programmdirektoren*innen von ARD, ZDF, RTL und SAT1 reden. Vielleicht gelingt es mir, diese für einen medialen Spendenaufruf  für den angeschlagenen, in die Verarmung absinkenden Facebook Gründer Mark Zuckerberg zu gewinnen. Als Moderatoren*in für diese Sendung, für diesen Spenden-Marathon, könnte ich mir Barbara Schöneberger, Thomas Gottschalk,  Johannes B. Kerner, Günter Jauch oder Carsten Maschmeier vorstellen. Ich habe zwar Mark Zuckerberg diesbezüglich noch nicht kontaktiert, ihm dieses Vorgehen unterbreitet und um Erlaubnis gebeten. Ich glaube aber, dass er mir dazu grünes Licht geben wird. Ich bin da voller Hoffnung und Zuversicht, es ist ja schließlich nur zu seinem Vorteil.

Ich werde auch schon in den nächsten Tagen eine eigene Spenden-Sammelaktion ins Leben rufen und in der Fußgängerzone meiner Stadt mit einer vom Bekannten ausgeliehenen Drehorgel, auch unter dem Namen Leierkasten bekannt, Musik machen und dabei auf Spenden hoffen. Der Erlös fließt dann auf das Konto mit Namen „HILFE FÜR MARK ELLIOT „ZUCK“.

Sobald ich das Spendenkonto eröffnet habe, werde ich Ihnen, verehrte Leser, dieses mitteilen, verbunden mit der Hoffnung, dass auch von Ihnen Spenden darauf eingehen und wir gemeinsam den erlittenen finanziellen Verlust, den Schritt in die sich unterschwellig anbahnende Verarmung von Mark Zuckerberg damit abfedern, in Grenzen halten, damit unser Kommunikationsstratege Mark wieder weiter sorgenfrei an der digitalen Zukunft feilen kann.

Ab einer dreistelligen Summe erhalten Sie natürlich von mir eine Spendenbescheinigung.

Ich zähl auf Sie!

Ich versichere Ihnen, die Spenden werden dann von mir unbürokratisch und unverzüglich an Mark Elliot „Zuck“ in die Facebook-Zentrale, Menlo-Park, Kalifornien, weitergeleitet.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.10.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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