Manfred Bieschke-Behm

ACHTUNG Krimi - Das Verhör

TÄTER: „»Das schaffst du«, hatte ich zu meinem Schwiegervater gesagt. «So, wie ich dich kenne, macht es dir nichts aus auf die hohe Leiter zu klettern.« Obwohl mir klar war das Otto, mein Schwiegervater aufgrund seines Alters besser auf dem Boden hätte bleiben müssen als sich in luftiger Höhe zu begeben.

KOMMISSAR: „Und dennoch haben Sie ihn dazu überredet es zu tun.

TÄTER: Anfangs hielt ich die Leiter fest damit er sicher nach oben kommt. Er war fast oben angelangt da dachte ich wenn ich jetzt an der Leiter rütteln würde, stürzt er ab. Wenn ich Glück habe, bricht er sich, wenn er unten ankommt das Genick und das Problem wäre gelöst.“

KOMMISSAR: „Was für ein Problem?“

TÄTER: „Na das mit der Münzsammlung.“

KOMMISSAR: „Über die Münzsammlung unterhalten wir uns später. … Schließlich ist das, was Sie sich erhofften, eingetreten.“

TÄTER: „Kann man so sagen.“

KOMMISSAR: „Und warum musste der Kollege Ihres Schwiegervaters dran glauben?“

TÄTER: Na weil der mit daran schuld ist, dass mir mein Schwiegervater seine Münzsammlung nicht geschenkt hat. Beide wussten, dass ich mich in einer schwierigen finanziellen Lage befand. Meinen Schwiegervater hatte ich fast so weit, dass er mir die Münzen … aber sein Kollege hatte so lange auf ihn eingeredet, dass er mir die Münzen nicht gab.“

KOMMISSAR: „Und da kam Ihnen die Idee den Kollegen auf die gleiche Art und Weise ins Jenseits zu befördern?“

TÄTER: „Nicht gleich.“

KOMMISSAR: „Wie haben Sie es angestellt, dass der Kollege Ihres Schwiegervaters auf die Leiter gestiegen ist?“

TÄTER: „Ich habe ihm erklärt, dass Otto plötzlich verreisen musste und ich Angst habe, das durch fehlende Dachziegel Feuchtigkeit eindringen könnte. Ich fragte ihn: «Kannst du auf die Leiter klettern und ein paar Dachziegeln austauschen.« Woraufhin er wissen wollte: »Warum steigst du nicht selbst auf die 3,20 Meter hohe Leiter?« Ich gab ihm zu verstehen, dass ich es gerne tun würde, aber nicht schwindelfrei bin. … Als er oben angekommen war sorgte ich dafür, dass die Leiter ins Wanken geriet. Als er unten ankam hat er noch geröchelt und dann war es vorbei. Genickbruch.“

KOMMISSAR: „Die gleiche Todesursache wie bei Ihrem Schwiegervater.“

TÄTER: „Genau, so Herr Kommissar. Nur mit dem Unterschied, dass der mir nicht so viel Scherereien bereitet hatte.“

KOMMISSAR: „Was für Scherereien?“

TÄTER: Beim Absturz durchschlug Ottos Kollege die große Scheibe des Wintergartens und blieb zwischen Sofa und Fensterrahmen liegen. Ich kann Ihnen sagen, es war für mich sehr beschwerlich ihn da hervorzuziehen. Nebenbei gesagt, waren alle Blumenpötte reif für die Mülltonne.

KOMMISSAR: „Tat es Ihnen leid, was Sie getan haben?“

TÄTER: „Nee. Im Gegenteil. Ich konnte sowohl meinen Schwiegervater als auch seinen Kollegen noch nie leiden. Die haben beide nichts Besseres verdient.“

KOMMISSAR: „Was haben sie mit den Leichen gemacht?“

TÄTER: „Meinen Schwiegervater habe ich in einer Nacht – und Nebelaktion runter in den Heizungskeller gezottelt. Da lag er trocken, warm und dunkel, wenn Sie verstehen, was ich meine.“

KOMMISSAR: „Und was haben Sie mit seinem Kollegen gemacht?“

TÄTER: „Der war mir zu schwer, um ihn in allein den Keller zu bugsieren. In meiner Not habe ich meinen Freund Herbert angerufen. Dem habe ich erzählt, dass beide von der Leiter gefallen sind und das der Austausch der Ziegeln warten muss. Das tat ihm leid.“

KOMMISSAR: „Das mit den Toten oder das mit den Ziegeln?“

TÄTER: „Ich glaube beides. … Und dann wollte er wissen, ob beide im Krankenhaus liegen. Worauf ich sagte: »Das hätte keinen Zweck gehabt. Für Tote ist dort kein Platz.« Und dann habe ich meinem Freund Herbert noch gesagt, dass beide nicht freiwillig von der Leiter gestürzt sind, dass ich ihnen dabei geholfen habe. Der hatte verstanden und kam prompt und brachte eine Rolle Duck-Tape mit. Damit umwickelten wir beide in mehreren Lagen mit dem Band und legten sie nebeneinander in den Heizungskeller. Es sah aus, als würden sich zwei ägyptische Mumien in meinem Heizungskeller verirrt haben.“

KOMMISSAR: „Und warum musste ihr Freund Herbert das Trio komplett machen?

TÄTER: „Nachdem wir den Heizungskeller verlassen hatten, begannen wir die Scherben wegzuräumen. Plötzlich sprach Herbert vom Teilen der Beute, was mir natürlich überhaupt nicht gefiel, und deshalb hatte ich eine Idee.“

KOMMISSAR: „Und die war?“

TÄTER: „So leid es mir tat, mein Freund musste mundtot gemacht werden.“

KOMMISSAR: „Und deshalb …“

TÄTER: „Und deshalb habe ich ihm etwas zu trinken gegeben, was ihm augenscheinlich nicht gut bekommen ist.“

KOMMISSAR: „War ihr Freund sofort tot?“

TÄTER: „Lange hat es nicht gedauert. Ich sagte zu ihm: »Siehste das haste davon. Das passiert, wenn man dem einen nicht das Ganze gönnt.» Er wollte darauf antworten, kam aber nicht mehr dazu. Sie müssen wissen, Herbert war noch nie der Schnellste. Bevor der zu Potte kam, war es meistens zu spät.“

KOMMISSAR: „Drei Tötungsdelikte wegen einer Münzsammlung. Finden Sie das nicht maßlos übertrieben?“

TÄTER: „Mir hat mal jemand gesagt »Man kann alles schaffen, was man will. Und wenn man es nicht schafft, hat man nicht genug gewollt.« Ich habe genug gewollt.“

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