Hella S.

Der rote Faden

Meine Erinnerung reicht bis zu meinem 12. Lebensjahr. Ich lebe in einer Kleinstadt und durfte als Kind selten in die Stadt, wir wohnten außerhalb der Stadtmauern. Was man nicht darf hat einen besonderen Reiz und so machte ich mich heimlich auf den Weg. Es gab da einen kleinen Laden, die ausgefallenen Sachen verkauften. Der Eingang war ein wenig düster ein Seiteneingang in einer Nische. Als ich gerade vor der Tür stand, wurde ich von einer Gruppe Jungen umringt, die mich in die Ecke drängten und anfingen mich zu befummeln. Eine ältere Frau kam darauf zu und befreite mich aus den Griffen der Jungen, wer weiß, was passiert wäre. Zu Hause konnte ich nichts davon erzählen, denn dann wäre mir eine Tracht Prügel sicher gewesen. Übrigens aufgeklärt wurden wir damals nicht.

Mit 14 Jahren, als ich von einer Schulaufführung kam und mit Holzschuhen in der Hand auf dem Heimweg war, ging die Geschichte weiter. 20 Minuten brauchte ich für den Weg. Etwa auf der Hälfte hielt neben mir ein Bully und ich erkannte unseren Milchmann, der mich mit nach Hause nehmen wollte. Arglos stieg ich ein, doch dann fing der alte Knacker plötzlich an meinen Oberschenkel zu streicheln. „ Ich schlage Sie mit den Holzschuhen, “ reagierte ich sofort „und ich will sofort aussteigen.“ Diesmal kam ich unbeschadet davon.

Lag es daran, dass ich ein hübsches Mädchen war mit einem für meinen Geschmack zu großen Busen? Damals schämte ich mich dafür, heute ist alles so, wie es sein sollte. Der sehr große Busen meiner Mutter war immer meine Angst.

Mit 18 Jahre lebte ich im Internat (Fachschule) und da ich wenig Taschengeld bekam konnte ich mir keinen Bus leisten und so bin ich mit zwei anderen Mädchen zusammen oft getrampt. Meistens waren es nette Leute die uns mitnahmen, denn wir achteten schon darauf, zu wem wir ins Auto stiegen, am besten zu einem Paar. Nur einmal, wir waren wieder zu dritt und hatten den Bus verpasst, da hielt ein Mercedesfahrer an, da aber eine Stoffprobenmappe A3 auf dem Vordersitz lag, wollten wir uns alle nach hinten setzen. Ich sollte aber zu ihm nach vorne und ihm den Weg zeigen. Kaum saß ich, griff er nach meinem Oberschenkel. Nun gehöre ich nicht zu den Frauen, die bei jedem „Versehen“ gleich eine Welle machen, doch was macht ein Autofahrer mit einer Hand auf meinem Schenkel. „Lassen Sie das und halten Sie sofort an:“ reagierte ich. Als er weiter fuhr legte ich noch einmal nach: „Wenn Sie das noch mal machen, öffne ich während der Fahrt die Tür.“ Er brachte uns dann ganz brav an die Haustür.

Mit 70 Jahren traf es mich noch einmal. Ich hatte in einer Weinstube alleine meinen Geburtstag gefeiert und nur ein Glas Wein getrunken, als ich dann um 22:30 Uhr mit dem Taxi nach Hause wollte. Direkt vor dem Lokal parkten die Taxen, die Straße war spiegelglatt und deshalb stieg ich vorne ein. Kaum saß ich neben dem Fahrer, griff er nach meinem Oberschenkel. "Lassen Sie das!" sagte ich mit Nachdruck. "Was soll ich lassen?" Das war wohl eine ziemlich blöde Antwort. Er fuhr mich dann ohne weitere Zwischenfälle nach Hause.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Hella S.).
Der Beitrag wurde von Hella S. auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.10.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  Hella S. als Lieblingsautorin markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

ESSENZEN von Manfred Wrobel



Mit ihrer Lyrik-Edition "Essenzen" bringen die Autoren ein Buch heraus, deren Texte die Kernaussage ihres Schaffens in Schriftform belegen.

Konzentrierte Auszüge ihrer Textvarianten, die zeitgenössische Gegenwartslyrik darstellen und zum größten Teil noch nicht veröffentlicht wurden.

Diese Präsentation ihrer Werke soll viele Menschen ansprechen und sie hoffen, gerade mit dieser ganz speziell zusammengetragenen Lyrik einen Einblick in ihre „Welten“ zu vermitteln.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Gesellschaftskritisches" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Hella S.

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Hannahs Männergeschichten von Hella S. (Wie das Leben so spielt)
irgend etwas ist anders, als sonst ! von Egbert Schmitt (Gesellschaftskritisches)
Multi-Kulti von Norbert Wittke (Multi Kulti)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen