Hella S.

Die Scherben meines Lebens

1. Liebe, wie fühlt sich das an?

Meine Eltern haben mich nicht geliebt, sondern nur angeschrieen und verprügelt. Nicht mal in den Arm genommen haben sie mich. Ich war ein Kriegskind.

Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, mit einem Mann zusammen zu sein, der mich liebt, ich habe es nie erlebt. Ist Liebe nicht innere Verbundenheit, gemeinsames Lachen, verstehen ohne Worte, ein Geben und Nehmen, Achtung vor dem Anderen, Unterstützung und Anerkennung? Gibt es solch eine Liebe oder ist das etwas Göttliches, also nicht für Menschen gedacht. In mir ist so eine Liebe, doch was nützt das, wenn sie niemand haben will? Ja einmal, ein einziges Mal hatte ich so ein wunderbares Gefühl, ich war so verliebt in Roman und weil alle sagten, er ist Single, überrollte mich dieses Gefühl wie eine riesige Welle, die mich emporhob in den siebten Himmel. Es schien auch, als erwiderte er das Gefühl, denn ich bekam so viel Zuwendung wie noch nie in meinem Leben. 4 Monate ich wurde getragen und gehalten, umschlungen von der Welle der Liebe Er verstand mich ohne dass ich den Satz zu Ende sprach, er durchschaute meine Spielchen, war geduldig und aufmerksam. Ich konnte fliegen. Doch dann überraschte mich eine andere Welle, die mit voller Kraft mein Herz brach noch bevor irgendetwas losging. Er hat eine Lebensgefährtin und die Art, wie er mit mir umging, war nicht echt, er war gecoacht.  Ich verlor jeglichen Boden unter den Füssen, was hatte ich denn noch? An wen konnte ich liebevoll denken, mit wem konnte ich reden? Wer hielt mich in schweren Zeiten, wer lachte mit mir? Warum gibt es für mich keine Liebe?

2. Fragen und Antworten

Was ich am meisten vermisst habe in meiner Kindheit und Jugend waren Antworten, Antworten auf Fragen, die ich gestellt hatte. Meine Eltern hatten keine Antworten, sie blieben stumm oder wurden aggressiv. Für die Lehrer waren sie unbequem, denn sie passten nicht in ihren Lehrplan. Einmal befand ich mich mit meinem Onkel und seinem Bruder Klaus L. auf einem Spaziergang. Klaus war mir fremd, doch da er mich kleinen Knirps, 11 J. etwas gefragt hatte (ich war solche Ansprache nicht gewohnt), traute ich mich, eine meiner Fragen zu stellen und siehe da, es gab einen Menschen auf diesem Erdball, der geduldig alle meine Fragen beantwortete, der wirklich Ahnung von den Dingen hatte. Wie gut ist es mir da gegangen. Nicht ich war doof, weil ich solche Fragen stellte, sondern die anderen, weil sie nicht antworten konnten oder wollten. Leider habe ich Klaus nie wieder getroffen, denn er entzweite sich mit seinem Bruder. Klaus wurde später Professor für Geologie. https://www.zobodat.at/biografien/Leistikow_Ulrich_Palmengarten_66_2002_0077-0078.pdf

3. Sind denn alle tot?

Mit manchen Gegebenheiten kann ich nicht gut umgehen. Ich mache vieles anders und denke anders. Ich antworte immer, wenn mir jemand schreibt, auch wenn ich an einem Tag 40 E-Mails bekomme und ich erwarte das von den anderen, auch wenn es mehr als eine Woche dauert wenigstens ein kleines Häkchen an der Lesebestätigung oder einen kurzen Satz. Ist das nicht einfach Achtung vor dem Anderen oder sehe ich das falsch.
Ich bin voller Elan, ich habe so schöne Bilder fotografiert, dass ich sie ausstellen kann. Es gelingt alles, ich bekomme Räume, meine Fotos sind beliebt und das Plakat von einem meiner Fotos ist ein Knaller. Ich bin so voller Freude und schicke 4 Wochen vor der Vernissage ganz viele Einladungen per E-Mail los, damit sich alle darauf einstellen können und das Datum im Kalender eintragen und dann ist Stille… Während ich vor Glück fast platze schweigen alle. Von den 30 Mails werden 9 beantwortet. Ich warte noch eine Woche. Ein paar Leute treffe ich in der Stadt und die fahren alle im September in Urlaub sagen sie. Ist es denn so schwer, ein Häkchen zu machen oder ganz kurz eine klitzekleine Antwort zu schreiben? Allen von denen ich weiß, dass sie so wie so nicht auf meine Anfragen schreiben, habe ich ja schon von vorn herein weggelassen, nur die, die mir wichtig waren habe ich angeschrieben. Sind denn alle gestorben?

Diese riesige Glücksblase fällt einfach in sich zusammen und ich schwöre mir, das ist meine letzte große Ausstellung!!! Was wird sein? Kommt überhaupt jemand? Das Meiste waren Absagen. Dafür habe ich nun so viel Geld ausgegeben und geschuftet. Es kamen dann doch noch viele fremde Interessenten und sagte schöne Worte zu meinen Bildern.

Eine traurige Welt liegt da zu meinen Füßen Hoffnungen, Erwartungen, Träume, Sehnsüchte, Freude, alles in Scherben. Wo waren meine Freunde?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.10.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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