Rainer Tiemann

Norderney macht kreativ

Letztmalig war sie auf Norderney als Grundschülerin in ihren Sommerferien gewesen. Bei gutem Wetter hatte Anja mit beiden Eltern und ihrer Oma Maria diese ostfriesische Insel besucht.

Damals kam ihr V
ater zum Urlaub extra von Paris für zwei Wochen dorthin, um sich von seinen beruflichen Strapazen zu erholen. Wie oft hatten sie gemeinsam bei herrlichem Sonnenschein im Meer baden können! Auch weitere sportliche Aktivitäten, wie Handstand am Strand oder im Sand, kamen nicht zu kurz.

Jetzt waren ihre Eltern wieder einmal auf der Insel, die ihr Vater besonders mochte. Eine sehr schöne, große Ferienwohnung in Nähe des Strandes hatten sie gebucht, um sich zu erholen. Gerade Vater hatte eine schwierige Zeit mit schweren Operationen hinter sich. Er, aber auch Mutter, brauchten daher Mußestunden, um schlimme Tage ausblenden zu können und wieder neue, angenehme Eindrücke zu sammeln.

Und schon stand ihr Entschluss fest, den ihr geliebter Ehemann voll unterstützte. Sie wollte ihre Eltern überraschen und für eine Woche besuchen. um mit ihnen nach so vielen Jahren die Insel neu zu entdecken. Sie rief ihre Eltern an, die begeistert von ihrer Idee waren.

Am nächsten Tag fuhr sie in ihrem sportlichen Flitzer von Köln nach Norddeich, dann mit der Fähre zur Insel und weiter zum Domizil ihrer Lieben. Platz war genügend vorhanden, ein "Kinderzimmer" für sie als Besucherin eh frei. Welch eine Freude, sich wiederzusehen!

Und auch jetzt im Herbst spielte das Wetter mit. Meistens blauer Himmel und Wind, der den Dreien aber nichts anhaben konnte. Lange Strandspaziergänge waren jeden Tag ein Muss. Danach fast immer die Einkehr in ein schönes Café oder eine bestimmte Eisdiele. Auch die bekannte "Milchbar" war häufig ein angestrebtes Ziel.

In unmittelbarer Nähe der "Georgshöhe" gab es einen tollen Minigolf-Platz, der häufig von ihnen bespielt wurde. Und immer gewann Mutti, der ein Golflehrer einmal attestierte, dass sie eine talentierte Golfspielerin sei. Viele schöne Gespräche, aber auch einige Spiele am Abend, wie in Kindertagen, z.B. das heißgeliebte Memory, kamen nicht zu kurz.

Ganz interessant wurde es an den Abenden, wenn ein schönes Restaurant aufgesucht wurde. Denn ihre Idee war es, dass jeder vom Familientrio - nach der Essensbestellung beim Ober - ein "Elfchen"* schreiben und ganz persönliche Eindrücke des Tages wiedergeben sollte. Sie hielt die Ergebnisse direkt in einem eigens mitgebrachtem Kalendarium fest.

"Na, Mama, was war für dich heute besonders schön?", fragte sie. Und Mama hatte folgendes festgehalten:

Meer
Rauschende Wellen
Salz im Gesicht
Gefühl von purem Leben
Durchatmen

Dann war Vater an der Reihe, jemand, der gerne täglich ein Stück Kuchen zu sich nahm:

Wind
Immer stärker
Erschwert das Strandwandern
Doch es gibt Hoffnung
Kuchen

Zwischenzeitlich hatte auch sie ihr "Elfchen" parat und las es vor:

Norderney
Zu dritt
Papa, Mama, Anja
Gemeinsame Zeit miteinander verbringen
Glücksmomente

Ist es das Flair von Norderney, das Menschen plötzlich kreativ macht?

Als sie ihre Eltern nach einer Woche verließ, um zu ihrem Mann gen Köln zu fahren, hatte sie den unauslöschlichen Eindruck, wie schön es sein kann, mit Eltern wieder ein paar interessante Tage verbracht zu haben, wenn man sich gut miteinander versteht. Und - dass sie sah und hautnah erlebte - wie sehr sich ihre Eltern auch nach langen Ehejahren noch schätzten und liebten.


*Elfchen sind Kurzgedichte aus elf Wörtern mit fünf Verszeilen in vorgegebener Form (1 - 2 - 3 - 4 - 1)

RT 2021

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.10.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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