Julia Knirsch

Der geheimnisvolle Junge aus Afrika - Teil III

"Wie kann man nur so herzlos sein?", diese Frage ging Nadine immer wieder durch den Kopf. Robbies Tante musste schon irgendwas getan haben, damit er sie so hasste! Und die Polizei, warum überprüfte sie so etwas nicht? Nadine war überzeugt, Robbies Heimfahrt nach Afrika verhindern zu müssen. Doch wie?

Als erstes wollte sie noch einmal nach Robbie sehen. Als sie den Dachboden betrat, sah sie Robbie nicht. "Robbie?", fragte sie zaghaft in die Stille des Raums hinein. "Robbie!?", sie war nun schon etwas lauter. Wo konnte er sein. Sie betrat nun vollständig den stickigen Dachboden. Die Matratze und die Decke lagen immer noch zurückgeschlagen auf dem Boden. Auch Robbies Tasche und die Jacke waren auf dem Sofa vorzufinden. Aber nirgends lag ein Zettel oder ein anderes Anzeichen, das auf eine Nachricht an Nadine hinwies. "Vielleicht macht er einen Spaziergang?", versuchte sich Nadine zu trösten. Doch sie wusste selbst, dass es absurd wäre bei dem strömenden Regen ohne Jacke raus zu gehen. Trotzdem, sie musste Robbie finden, bevor die Polizei das tat.

Nadine sich schnell eine Regenjacke geholt und war in den Regen hinausgelaufen. Sie hatte die Kapuze tief in die Stirn gezogen, so dass man ihr Gesicht nicht mehr erkennen konnte. Nadine spürte wie der Regen auf ihren Kopf niederprasselte. Es waren dicke, schwere Tropfen, die zerbarsten und dann in Rinnsalen an ihr hinunter liefen. Trotz der guten Regenjacke, war ihr Pulli bald vom Regen durchgeweicht und die Eiseskälte drang bis auf ihre Haut vor. "Robbie!", schrie sie in die Straßen. Doch bald versagte ihre Stimme. Nadine brachte nur noch ein jähes Krächzen aus ihrer Kehle.

Sie fing an zu weinen. Nadine konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Außerdem war sie so weit von zu Hause weg, dass eine halbe Stunde gebraucht hätte, zurück zu kommen. Sie ließ sich auf einen Stein plumpsen und stützte den Kopf in ihre Hände. Sie hatte Robbie verloren, sie war sich sicher. "Memsab?", vernahm sie auf einmal eine vertraute Stimme. Nadine wirbelte herum und sah in Robbies Gesicht. Er war kaum nass. "Wo bist du gewesen?", fragte Nadine mit belegter Stimme. Doch Robbie schüttelte den Kopf. "Darf nichts sagen!"

Nadine war im Moment so froh über Robbies Wiederkehr, dass es ihr ganz egal war, wo genau er herkam. Sie nahm ihn in die Arme und drückte ihn fest. "Komm, Memsab, wir müssen uns beeilen, sonst werden wir krank!", sagte Robbie. Er nahm sie an der hand und rannte mit ihr durch den Regen. Im Moment konnte sich Nadine nichts Schöneres vorstellen, als mit Robbie durch den Regen zu laufen. Sie spürte seine wärmende Hand und wie diese Wärme auf sie überging.

Viel zu schnell, fand Nadine, kamen sie zu hause an. Nun war auch Robbie durchnässt, doch das machte den beiden nichts aus. Auf dem Dachboden warfen sie die Regenjacken weg und kuschelten sich in die wärmende Wolldecke. Nadine lehnte sich an Robbie und die beiden verbrachten eine Weile so. Nadine genoss es und schloss die Augen.

Nach einer Stunde fand Nadine, dass es Zeit war zu gehen. Aber Robbie wollte zuerst die Regenjacken in den Keller zum Trocknen bringen. Nadine war das nur recht, da sie nicht noch mehr Ärger von ihrer Mutter bekommen wollte. Also brachte Robbie die Jacken in den Keller. Derweil blieb Nadine auf dem Dachboden. Auf einmal fiel ihr Blick auf einen Umschlag. "Der ist mir vorher gar nicht aufgefallen! Wahrscheinlich hat Robbie ihn mitgebracht!", dachte Nadine sich. Eigentlich kannte Nadine das Briefgeheimnis, doch sie sah auf den Adressanten des Briefes. Das war ja auch kein Vergehen, denn schließlich guckten ja auch alle Postboten drauf. Auf dem Briefumschlag stand in großen, gut lesbaren Buchstaben: To Aunt Stacie Bringman und der Rest der Adresse. Nadine war geschockt. Würde Robbie es mit ihr aufnehmen?

Fortsetzung folgt .

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.10.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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