Klaus Mattes

Beim Füllen unserer Mägen

Welchem Worte bist du zum letzten Male süß erlegen? War's Grießpudding oder waren's die durchseelten Dämmerstunden? Zucker musste dabei sein.
Leere Mägen, die in der Luft liegen. Sprachlich riskiert. Was ist dann mit jenen leeren und gewaschenen Mägen, die geschnitten, unter einer roten Sauce versteckt, auf den Namen Trippa alla Romana hören?
Mager, möchte ich meinen. Dieses Gericht geht gut zu einer „Fleischer-Rundschau“ (Zeitschrift, Berlin 1914). Reich dort der Vorrat von Metaphern wie „Leberwurst“ und „Nitritpökelsalz“. Auch das Rezept fürs Adlersteak war klasse. Nicht zu roh, nicht zu durch.
War denn allen schon bekannt, dass Saumagen (eine Portion auf dem Teller) in etwa die Ausmaße einer dicken Scheibe Brot hat, welche da so liegt? Davon der Magen ist die Haut alleinig, klein Bisschen dicker als eine Zwiebelhaut.
Ich aß gestern auf die Nacht „handverlesene“ Cornichons von Kühne. Mir wähnte, als hätte ich schon vor nachgerade 50 Jahren, als ich ein dicker Knabe gewesen, in einer anderen Stadt, aus einem anderen Glase solch knackig kleine Gürkchen gegessen.
Insofern muss man Respekt haben vor derlei Gürklein. Sie wuchsen auf, um uns zu munden. Ich sann darüber gut zwei Stunden und es wollte mir partout nicht gelingen, mich ganz sicher darauf zu besinnen, dass es vor 50 Jahren Konservengläser mit Cornichons tatsächlich schon gegeben hatte. Waren das nicht eher Essig-, Dill- oder Spreewaldgurkengläser gewesen? Wie ich so hin und her überlege, komme ich drauf, dass, wenn ich mich nicht an die Existenz von mit der französischen Bezeichnung benannten Kleingurken „Cornichons“ erinnern kann, dann auch nicht an deren damalige Knackigkeit und spritzige Pikanterie. Also hatte ich sie gegessen und unbedenklich ausgemerzt für ein Geschmackserlebnis, das schließlich so blass geworden war, als hätte es es nie gegeben. Mich schwindelte. Das Leben vernichtet sich selber, während es währt!
Doch gibt es Augenblicke, die verbleiben in unseren Köpfen wie die wasserumspülten Kugeln in den Innenstädten. Jene eine Radeberger-Pilsner-Bierbüchse neben dir und dahinter ein fetter Dönerspieß.
„Tauchst auch du gern mal einen Tomatenschnitz in den Ayran?“, fragtest du mit Lidaufschwung.
Ach, tempi legati!
„Ja und ich muss mir bald einen guten Kühlschrank besorgen“, gab ich zur Antwort und merkte im gleichen Moment, dass du unfähig warst, dieses wörtliche Zitat als solches zu erkennen. In drei Worten hätte ich es sagen können: „Entzweiung gewinnt Kontur."

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.10.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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