Karl-Konrad Knooshood

Dust in the Wind


Weit waren sie gefahren, so weit wie lange nicht mehr. Trotz des trüben Wetters, des Grau-in-Grau verhangen tonnenschwer wirkender Wolken, war ihre Stimmung gelöst. Relativ heiter sogar, sie waren zwar ein schwieriges, schwermütiges Paar, konnten jedoch gelegentlich auch schöne Gefühlsregungen ihr Eigen nennen. Möglicherweise lag das Entspannte, Gelöste und zugleich Fröhliche an der Musik, die aus den kleinen Autolautsprechern die kleine Fahrkabine des kleinen FORD flutete und gleichmäßig bei mittlerer, nicht allzu aufdringlich schriller Lautstärke durchfloss. Es handelte sich um eine fünf CDs umfassende Sammlung mehr oder minder rockiger, zackiger, fetziger und einiger ruhiger Rocksongs, die im weitesten Sinne zwischen Soft-, Pop- und Hardrock pendelten, nicht die krachenden Heavy-Metal-Gewitter. Die Kompilation hatte es in einem billigen Pappschuber, der fünf schmalere Pappschuber für jede CD und ein dünnes Begleitheftchen mit den spärlichsten Songinformationen (Erscheinungsjahr, Schreiber, Komponist, Rechteinhaber, Zuordnungsnummer) enthielt. Gab es für spottbillige 9,99 Euro bei ROSSMANN, in deren Mini-Abteilung für Ton- und Bilddatenträger. Von derselben Reihe gab's noch "Party-Hits", "Oldies" und "Flower Power", zum jeweils selben Preis, ER hatte letztere beide bereits, die erstere stand noch aus. "100 Hits" hieß das Ganze, auf jeder der je fünf CDs waren also exakt 20 Lieder zu finden.

 

Die Stimmung im Fahrzeuginneren blieb zunächst vorsichtig optimistisch und heiter, erwartungsvoll näherte sich das immer noch, nach all den Jahren, verliebte, relativ harmonische wenngleich nicht streitunaffine Paar dem Zielort. SIE hatte die Idee gehabt, es war ihr Kraftfahrzeuglein, in dem man jetzt durch die zahlreichen abgelegenen Käffer zockelte, eines tiefere, hinterwäldlerisch abgeschiedenere Provinz als das vorherige. Gegenden, in denen man ohne motorisierte Mobile keine Chance hatte, die gewaltigen Dimensionen der Nix-als-Gegend-Agrarlandschaften, die sich mit Wildwiesen, Viehwiesen und Wäldchen sowie ein wenig Buschwerk abwechselten, zu überwinden.

Gewöhnliche Fahrradbesitzer, Nicht-Rennradler und nichtmotorisierte Radbesitzer wie er würden diese Strecken, noch so durchtrainiert und sportgewohnt, niemals bewältigen können, weshalb ER allein schon aus Zeit-, Motivations- und Flexibilitätsgründen, auch bisher darauf verzichtet hatte, persönlich und allein diese Strecken in Angriff zu nehmen.

 

Die holprige Einweg-Straße, die als einzige zum abgelegenen Dörfchen führte (noch über einen Kilometer musste man von hier aus fahren), ließ die kleine Fahrerkabine beben und zappeln wie einen hyperaktiven Zappelphilipp. Die Straße war noch ganz wie früher, hatte sich erfreulicherweise nicht verändert. Alles andere jedoch schon, das sollten die beiden Fahrzeuginsassen bald herausfinden.

Die sich an die Straße schmiegenden Formal-Bürgersteige und morastigen Fußpfade, hinter denen sich, schüchtern und bescheiden, halbverlotterte Gartenzäune befanden, gaben schließlich den Blick auf den Ortseingang frei, strenggenommen bloß einen Vorort des Vororts des winzigen Kaffes.

Doch bereits hier waren erhebliche Veränderungen merkbar, die vor langer Zeit geschehen sein mussten. Klar: Die alte Fahrschule lag immer noch im selben unscheinbaren Gebäude hinter einem wenig beeindruckenden Baum verborgen, wie zufällig in einer Nische. Kaum wahrnehmbar, einsehbar auch nicht. Nicht für Ortsunkundige. Die alte Kneipe, eher eine Imbissbude mit Sitzgelegenheiten, die immer so betörend nach ranzigem Frittenfett gerochen hatte, welches tierischen Heißhungerbock auf die ungesunden frittierten Modifikationskartoffeln machte: da. Zugeschlossen wegen des Pandemie-Lockdowns, ungewiss, ob jemals wieder geöffnet, die bangste Frage dieser tristen Zeit, aber: vorhanden.

 

Sonst ziemlich unverändert.

 

Die Bank allerdings…Dass der alte SCHLECKER dichtgemacht hatte und irgendein Immobilienunternehmen an der Innenseite der Shop-Scheiben, die den traurigen Blick auf nackte, komplett entleerte, ausgeräumte Räumlichkeiten freigaben, großformative DIN-A3-Blätter mit der Kerninformation "Verkaufsfläche zu vermieten" inklusive Mobilfunknummer und Internetadresse angebracht – geschenkt. Normal, nachdem der Drogerie-Riese gegen seine zunehmend das Rennen machenden Konkurrenten DM und ROSSMANN zusehends ins Hintertreffen geriet und dann, 14 Jahre zuvor, insolvent wurde. Korruption soll auch im Spiel gewesen sein…soweit, so üblich.

Was dann doch überraschend kam, auch für das nach wie vor verliebte Paar.

 

Die Bank, welche sich hundertprozentig wenige Hundert Meter die abschüssige Straße hinunter unweit des Bildungswerks befunden hatte, befand sich nun in Spuckweite der Ex-SCHLECKER-Leerstandräumlichkeiten, mitten im Ortskern. Neben dem unspektakulären Rathaus, eher Stadt- respektive Dorfhalle. Diese war immer noch an Ort und Stelle, schräg gegenüber dem EDEKA, einem kleinen, ebenfalls extrem unscheinbaren Filiälchen, das jetzt trostlos und mickrig im trüben Grauschleier des vollbewölkten Tages erschien. Überhaupt wirkte alles, als habe es sich sogar noch verkleinert, als sei alles in sich zusammengeschrumpft, wie durch zu viel Regen – wie eingelaufen. Mehr ein geschrumpfter Organismus als ein Gebäude. Als habe er auf diffuse Weise "abgenommen". Doch es musste derselbe Laden sein! Offenbar lohnte sich der langzeitige Ladenbetrieb an diesem Nichtsonntag, diesem Sonnabend, nicht mehr, denn an diesem Nachmittag, kurz nach 15 Uhr, wenn in der Großstadt, aus der das harmonische Paar stammte, die Öffnungszeiten noch lang nicht vorüber waren. Auch und gerade am Samstag nicht! Bis mindestens zum berühmten 18 Uhr – oder 18.30 früherer Dekaden – oder jetzt 20 oder sogar 22 Uhr. Doch womöglich: "pandemiebedingt" = vorzeitige Schließung, um "die Möglichkeit weiterer Ansteckungen zu vermeiden". Ein völlig sinnfreies Unterfangen, eine sinnlose Übung.

IHM taten in seinen Gedanken die "armen Schweine" leid, die sehr viel länger in den Geschäften arbeiten mussten. Hier war längst tote Hose, eine Beinahe-Geisterstadt. Unheimlich ein Stückweit. Wenige Menschen, Bürger dieses abgelegenen, gottverlassenen Ortes, waren unterwegs, immerhin erfrischend wenige der dubiosen Neubürger. Man schaute skeptisch, klar, da man das Kennzeichen erkannte – und es aus einer immerhin mindestens 60 Kilometer entfernten Stadt identifizierte. Ruhig war es hier, überschaubar, leicht modernisiert. Vielleicht auch schon zu viel für die beiden Besucher. Sie erkannten das Dorf, in dem sie in einem großen Bildungswerk solide Büroberufe erlernt hatten, vor so langer Zeit, "grauer Vorzeit", vor fast 16 Jahren, war ihnen fremd geworden.

Seit Ewigkeiten waren sie nicht mehr hier gewesen.

 

Wohl über ein Jahrzehnt! Tja, da tat sich was. In solch einer Zeitspanne!

SIE steuerte ihr Fahrzeug souverän die kurvige, bergige, stark ansteigende Straße hinauf, es kroch mühselig, eben ein Kleinwagen mit solidem aber nicht bärenstarkem Motor, empor, die Musik der 100 Rockhits lief weiter fort im Autoradio, erfüllte die eindrucksvolle Aussicht jedoch lediglich als dezentes Hintergrundgeräusch. Das eine oder andere Lied auch aus ihrer beider Jugendzeit war darunter gewesen, sonst jedoch hauptsächlich Songs aus den Zeiten ihrer Eltern und Großeltern. Sie beschlossen, in sanfter, harmonischer Weise miteinander zu sprechen, eher ein Säuseln und weiches Wispern, den zweiten Berg hinaufzufahren, nicht die Bergstraße zum Hauptgebäude des Bildungswerkes, sondern die Parallelstraße. Hin zu dem konkreten Ort, jenem alten Wohnhaus mit Wohngruppen vor und in dem sie sich kennengelernt hatten. SIE hatte am Fenster gestanden und hinausgeschaut, als zufällig der niedliche ER vorbeikam, den sie von der Arbeit im Hauptgebäude kannte. Spontan, ihrem Naturell widersprechend, hatte SIE ihn, der gerade einen seiner langen Verdauungsspaziergänge unternahm, angesprochen, er war zu ihr ins erste Obergeschoss gekommen, es war zum ersten Kuss gekommen, der Rest ist Geschichte. Kein Zurück mehr, in der bereits einsetzenden Dämmerung des lauen Sommerabends. "Theme From 'A Summer Place'" lief, das Ganze kam ihm jetzt jäh in den Sinn, nun wieder in der trostlosen Jetztzeit Anfang der 20er-Jahre des 21. Jahrhunderts angelangt, der einsetzenden Epoche des Bedrohlichen, der Freiheitsvernichtung, jener des Hygienismus und Szientismus, des dystopischen Coronotopia, in welchem alle an den meisten Orten mit albernen, dämlichen Masken herumlaufen mussten, deren Wirksamkeit mindestens zweifelhaft erscheinen musste.

 

Damals hatten die beiden, das junge Liebespaar, nichts von alledem geahnt, wie denn auch?! Nichts bedrückte das zarte Pflänzchen der behutsam auflodernden Liebe. Sie ahnten auch nichts von dem, das ihren Augen zum Anblick bevorstand… Sie näherten sich den Koordinaten jenes mehrstöckigen Wohnhauses aus den 70ern, das sie intensiv in bester, positiver Erinnerung hatten.

 

Schon an der Talsohle war Einiges aufgefallen: Eine der großen Hallen, in denen einer der Handwerksberufe gelehrt wurde, stand noch, war weitestgehend unverändert, lediglich den Eingang hatte man erneuert, renoviert im wörtlichsten Sinne, irgendwie aufgefrischt und aufgehübscht. Das Gestrüpp auf den beiden den Pfad zum Eingang säumenden Hügeln war etwas weniger wildwüchsig, auf dem linken stand zudem etwas, das wie eine alte, abgewetzte Puppenfigur in einem rostigen, abgeschabt stumpfen Einkaufswagen aussah und entweder ein illegal landschaftsentsorgtes Stück Müll oder etwas, das man traurigerweise als "Moderne Kunst"-Installation ohne tieferen Sinn und Zweck außer ausgesprochener Verhässlichung betrachtete. Schwer zu sagen, ein Titelschild, das über Namen von Kunstprojekt und "Künstler" und/oder seine Intention bzw. "was es darstellen soll", war jedenfalls nicht zu sehen. Einige der Häuser am leichten Berghang waren sichtbar neu, definitiv! Es handelte sich um behindertengerecht gebaute, ebenerdig-einstöckige Bungalows statt Häuser, jeweils mit schmucklosem Flachdach. Die wichtige Menschheitserfindung, die einer der ersten US-Präsidenten, der Wissenschaftler und Erfinder BENJAMIN FRANKLIN unter dem Namen "lightning rod" erfunden hatte, die man in good old Germany als "Blitzableiter" kannte, war allerdings serienmäßig verbaut und gut sichtbar. Sichtbare, ausladende Terrassen existierten ebenfalls.

 

Doch der Schock saß tief oder fuhr dem harmonischen Langzeitpaar in die seelischen Glieder, die sich sogleich mit tonnenschwerer Melancholie füllten, als sie es erblickten: Das alte mehrstöckige Haus…nein, dessen Fehlen! Es war weg! Ein neues, Neigel-nagelneues Haus stand dort, eher ein Bungalow, etwas größer als die anderen! Das Haus war fort! Fort! Als habe es nie existiert, ratzeputz, alles entfernt! Nichts erinnerte mehr daran! Selbst das dichte Buschwerk der hüfthohen Hecken, die das Grundstück umgeben hatten, waren weg, der Fußweg war anders, Terrassen zeigten in den trüben, wolkenverhangenen Tag, unbekannte Autos parkten dort, die Straße gab zur rechten Seite den Blick auf die Bäume frei, durch deren weit auseinanderstehende Stämme man das riesige, siebenstöckige Dreifach-Hochhaus sehen konnte – wenigstens das war noch da wie aus alten Tagen bekannt – die Sporthalle von "Kleintokio", wie der Mann des harmonischen Paares es immer scherzhaft genannt hatte, war ebenfalls noch existent. Die Halle, hinter der sie sich näher gekommen waren…Sie fuhren vorbei, die Frau, des Mannes geliebte Partnerin, lenkte den Kleinwagen in eine Mini-Sackgasse, wendete auf dem Untergrund aus Schlamm und Rollsplitt, was nicht leicht war.

SIE lenkte das Fahrzeug auf die an der höchsten Stelle des Berges langsam auf der anderen Seite ins Tal führende Straße Richtung des Hauptortes der Gemeinde, zu der das Kaff gehörte. Passender hätte es nicht sein können: Der letzte der 20 Songs der CD 1 (von 5) der "100 Rockhits", einer Kompilation des SONY-MUSIC-Konzerns, die beim ROSSMANN für akzeptable 9,99 Euro aus der kleinen CD- und DVD-Abteilung käuflich zu erwerben gewesen war, lief. Nachdem allein ob der bösen Überraschung, dass das eine Gebäude ihrer Jugend abgerissen worden war, an das sie viele schöne Erinnerungen pflegten, kaum beachteten Titel 18, BLACKMORE'S NIGHTs "Keeper of the Flame" und dem ebenfalls belanglosen "Lucky Man" von EMERSON, LAKE & PALMER von 1970 als Nummer 19, folgte, perfektes Timing, der größte und melancholischste Hit der aus Kansas stammenden US-Progressiverock-Band KANSAS, der die Traurigkeit, Tristesse, Vanitas und Vergänglichkeit des Lebens und der verstreichenden Zeiten, den "Times they are a-changing", so genial auf den Punkt bringt wie wohl kein anderes Lied der Menschheitsgeschichte: "Dust in the Wind". "All we are is dust in the wind", schmachtete, seufzte, sang quengelnd und schwermütig der Sänger der Band, zu der Zeit STEVE WALSH. 1977 war das Lied entstanden, dem Jahr des "Deutschen Herbstes", der LANDSHUT-Entführung mit glimpflichem Ausgang, das "Geburtsjahr" oder der Höhepunkt des Punkrock, der Start einer der erfolgreichsten Science-Fiction-Filmreihen aller Zeiten ("STAR WARS", im deutschsprachigen Raum zunächst unter "KRIEG DER STERNE" bekannt) – und, was IHM viel wichtiger war: das Geburtsjahr eines der wichtigsten Menschen und besten Freundes in SEINEM Leben. Auf diesem Lied, das sie anschließend gleich nochmal hörten, fuhren sie wieder fort. Sie hielten Händchen, SIE steuerte den Wagen einhändig. Um die Stimmung anschließend wieder zu heben, wählte ER per Skip-Schalter rückwärts Titel 4 an, ALICE COOPERs kämpferischer Hardrocker "No More Mr. Nice Guy", von dem die Frau wusste, dass es des Mannes Lebenseinstellung repräsentierte. Der Mann wechselte danach zu CD Nummer 3, auf der auch mehrere Songs aus ihrer beider Jugend drauf waren. Der passendste Abgesang auf die vergangenen schönen Zeiten in einem Kaff, in das man nun wohl wahlweise nie wieder oder nicht mehr sehr bald wiederkehren würde, war hier gleich Song 2: Das One-Hit-Wonder von 1992: Die 1983 in Minneapolis, USA, gegründete Band mit dem seltsamen Namen SOUL ASYLUM bracht ihr statt auf E-Gitarren auf Akustikgitarren setzendes, tieftrauriges "Runaway Train", das ideale Aussteiger-Lied und auch für die armen Seelen, die wussten, dass die "Wild Days" (FOOLS GARDENs unbekanntere Nummer, allerdings auf keiner der CDs) nicht wieder zurückkommen würden. Ihrer beider Lied-Favorit war nicht dabei, denn es handelte sich um eine nicht Rockballade, sondern eine eines Bigband-Orchesters.

Der gute LOUIS ARMSTRONG (der mit "What a Wonderful World") hatte, kurze Zeit vor seinem Tod, 1969 eine Ballade zu einem JAMES-BOND-Film, dem damals ersten ohne Ur-BOND SEAN CONNERY (leider jüngst verstorben; Gott hab ihn selig), dem einmaligen, einzigen mit dem Australier GEORGE LAZENBY, beigesteuert. Die Ballade war nicht der Titeltrack (der war ein ebenfalls mit Bigband eingespieltes, zackiges, treibend-spannendes Instrumentalstück), doch das wesentliche Lied, das im Film erklang, als BOND und COMTESSA THERESA DI VINCENCO sich ineinander verlieben. Der Song war von Herrn ARMSTRONG, diesem Meister seines Fachs, diesem Virtuosen, so wunderschön eingesungen worden, dass er immer wieder zu Tränen rührte: "We Have All the Time in the World" ging nicht nur ins Ohr, sondern durchdrang die Seele. Wie Balsam war es. Ein einzigartiges, wundersames Stück Musik. Wenn es romantisch war, das Wetter gut, ein Wochenende, das war der Himmel: Zeit füreinander, für immer.

 

Nun fuhren sie zu einem Laden. In einer anderen Stadt, oder der "Hauptstadt" der Gemeinde. Sie fanden einen Discounter, einen NETTO, der geöffnet war. Sie kauften das Nötigste – und was für die Seele, zum Naschen.


Stulle: Eine traurige Geschichte aus Erinnerungen...

Knorke: Ist mir spontan eingefallen. Einmal aus eigener Erfahrung, aus eigenem Erleben. Wahre
Geschichten hab ich schon mehrere gemacht, aber diese ist sehr persönlich.

Stulle: Wo wart Ihr beide denn da?

Knorke: Das kann und darf ich nicht verraten, man könnte da eine Verbindung herstellen, die ich nicht
will. Namen, Daten, Orte müssen geheim bleiben. Man weiß nie, wer im Internet (das muss nur ein
außenstehender Leser sein, der nicht selbst bei Estories ist, sondern nur auf diesen Text stößt) etwas
gegen einen verwenden kann. Nun, die, die in diesem Örtchen mit mir waren, die dort auch die
Ausbildung gemacht haben, dürften es ahnen, die kommen drauf. Aber es ist mir wichtig, etwas
geheimzuhalten.

Stulle: Nur für alle Fälle?

Knorke: Aber ja.

Stulle: Wie kamst Du darauf, die Kurzgeschichte nach einem Lied der US-Band KANSAS zu benennen?

Knorke: Weil es eine der besten, schönsten, traurigsten Rockballaden aller Zeiten ist, fast so traurig wie
CITYs "Am Fenster". Wir hatten im Auto, als wir den sehr weiten Weg dorthin fuhren, eine Rockmusik-
Kompilation auf CD dabei, genauer: Fünf CDs mit jeweils 20 Songs, gesamt also 100. Es war eine dieser
preisgünstigen Kompilationsreihen, die es beim ROSSMANN gibt.

Stulle: Du betreibst hier eine Art Schleichwerbung.

Knorke: Wieso auch nicht? Ich sag mal so: Diese "100 Rock Hits" (es gibt auch noch "100 Partyhits", "100
deutsche Hits", "100 Disco-Hits" etc.) ist einfach spitze. Wenn man so in der Altersklasse der heute
zwischen 35 und 70 Jahre alten Menschen liegt und Musik mag, findet man darauf die besten Rocksongs.
"Dust in the Wind" ist für die ab Mitte der 1950er Geborenen sicherlich am interessantesten, wer aber erst,
sagen wir 1975 oder Anfang der 80er geboren ist, steht auf das andere erwähnte Lied, den astreinen
Akustikgitarren-Rock von SOUL ASYLUMs "Runaway Train". Da ist generationenübergreifend vieles auf
der Zusammenstellung, wenngleich hauptsächlich für die Generation der in den 70ern im Teenager-Alter
befindlichen Leute.

Stulle: Aber eine Pointe gibt es nicht.

Knorke: Es ist keine Geschichte, die auf irgendwas abzielt. Man kommt nach vielen Jahren wieder
irgendwohin. Wo man aufgewachsen ist, wo man zur Schule oder Ausbildung/Arbeit ging, studierte oder
herumgammelte. Man stellt fest: Ups, es hat sich eine Menge geändert. Man hatte es anders in
Erinnerung. Man verklärt die Erinnerung, um sie besser ertragen zu können.

Stulle: Möge sie angenehm sein.

Knorke: Das hoffe ich ebenfalls.
Karl-Konrad Knooshood, Anmerkung zur Geschichte

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Karl-Konrad Knooshood).
Der Beitrag wurde von Karl-Konrad Knooshood auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.10.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • knorkeknooshoodgmx.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)
  • 1 Leserinnen/Leser folgen Karl-Konrad Knooshood

  Karl-Konrad Knooshood als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Im Strom der Zeit-Facetten des Lebens von Heidrun Gemähling



Gedichte aus dem Leben.
Jedes Leben ist Teil eines schöpferischen Werdegangs im Strom der Zeit und bereichert das Zusammenspiel der gesamten Schöpfung. Sie ist ein Meisterwerk höchsten Grades, und uns Menschen ist es gegeben, über Sinn und Zweck unseres Daseins nachzudenken.
Höhen und Tiefen sind ständige Begleiter unseres Lebens, die auf vielfältige Weise zum Ausdruck kommen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Erinnerungen" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Karl-Konrad Knooshood

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Deutschsprachige Musikwunder 53 - Buchstabe R 508 bis R 520 von Karl-Konrad Knooshood (Sonstige)
Der Fall der Berliner Mauer- Berlin Text 2 von Kerstin Köppel (Erinnerungen)
Es menschelt in Manhattan von Rainer Tiemann (Zwischenmenschliches)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen