Irene Rabenbauer

Mein Hundeschicksal 🐶

Mein Hundeschicksal 🐶

Meine Mami und mein Papi haben mich im April 2018 von einem vereinsfreien Hobbyzüchter in unserem Nachbarlandkreis in Bayern gekauft. Ich habe die beiden gleich beim ersten Kontakt zu meinen Zweibeinern 👫 erwählt. Es war Liebe auf den ersten Blick 💕. Eigentlich haben meine zweibeinigen Eltern vor Vertragsabschluss immer mit einer Frau gesprochen. Als mein Kaufvertrag zur Unterschrift anstand, tauchte plötzlich der Ehemann der Frau, ein Tierarzt 🩺, auf. So gilt also dieser Tierarzt als Vertragspartner meiner Mami. Mami musste sofort beim ersten Besuch Mitte April eine Anzahlung in Höhe von € 600,00 leisten. Mami und Papi waren so happy, dass sie mich gefunden haben 🥰, dass sie sich über den Umstand, dass plötzlich der Tierarzt, von dem vorher nie die Rede war, als Züchter und Verkäufer auftrat, keine weiteren Gedanken machten. Genauso wenig hatten sie Bedenken bezüglich der Klausel im Vertrag, die besagt, dass 95 % der Anzahlung, also € 570,00, als Stornogebühr einbehalten werden, falls meine Eltern vom Kaufvertrag zurücktreten sollten, sprich, wenn sie mich zum vereinbarten Termin nicht abholen. Was sollte an meinem Kauf schon schiefgehen, sinnierten meine Menschen, schließlich ist der Verkäufer Tierarzt. Eine bessere Ausgangssituation für einen Welpenkauf kann es doch gar nicht geben, oder? 🤷 🤔

Mitte Mai zog ich bei meinen Eltern und bei meinem einjährigen Kumpel ein. Schnell wurden wir dicke Freunde. Als unser Haustierarzt bei unseren Besuchen immer wieder feststellen musste, dass meine Hoden nicht abgestiegen sind, beschlich Mami ein ungutes Gefühl. Als ich neun Monate alt war, empfahl unser Haustierarzt Mami und Papi, meine Hoden operativ entfernen zu lassen, weil sie nicht mehr absteigen werden. Die Krankheit nennt man Kryptorchismus. Das ist eine Erbkrankheit. Ich hatte diese Erkrankung also bereits beim Kauf, denn entweder mein Vater oder meine Mutter oder möglicherweise auch beide haben diese Krankheit an mich weitervererbt. Mami war fassungslos, als sie von meiner Krankheit erfuhr, denn der Züchter warb damit, dass die Hunde, die er zur Zucht einsetzt frei sind von Erbkrankheiten 🧬 und Mami hatte sich natürlich darauf verlassen, dass dies der Wahrheit entspricht.

Mami hat dem Züchter dann schriftlich per Einschreiben mitgeteilt, dass ich operiert werden muss. Da der Züchter es nicht für nötig erachtet hat, Mami eine Antwort zu geben, wurde Mami zornig und hat einen Rechtsanwalt beauftragt. Dem Juristen hat der Züchter dann zumindest geantwortet. In seinem Antwortschreiben gibt der Tierarzt-Züchter gleich im ersten Satz zu, von meinem Hodenhochstand (= Kryptorchismus) gewusst zu haben. Weiter unten in dem Brief bot der Züchter an, mich „kulanterweise gegen einen anderen Welpen auszutauschen“. Mami war geschockt als sie das las und musste weinen 😢. Wie herz- und charakterlos muss ein Mensch sein, um ein solches Angebot zu unterbreiten? Ein Tier umtauschen wie einen defekten Gegenstand? Mami nahm mich in den Arm und streichelte mich liebevoll. Nein, niemals würde sie mich wieder hergeben! Sie erschauderte bei der Vorstellung, was der Züchter möglicherweise mit mir gemacht hätte, wenn sie sich auf diesen abscheulichen Deal eingelassen und mich an ihn zurückgegeben hätte.

Im Januar 2019 wurden mir beide Hoden entfernt. Mami hat dann den Entschluss gefasst, gerichtlich gegen den Tierarzt-Züchter vorzugehen und hat ihn, mit einem sehr kompetenten und fachkundigen Rechtsanwalt an ihrer Seite, auf Schadenersatz und Minderung verklagt.

Nach einer unendlich langen Odyssee (792 Tage von Klageeinreichung bis Urteilsspruch), wurde im Sommer endlich ein Urteil gefällt, das zu Mamis Gunsten ausfiel . Zunächst legte der beklagte Tierarzt zwar Berufung ein, zog diese jedoch nach einigen Wochen zurück. Mami meint, die tatsächlichen Gründe für die Rücknahme der Berufung würde sie sicherlich nie erfahren, sie kann sich aber sehr gut die Beweggründe des Züchters für die Rücknahme vorstellen.

Mami sagt, dass letztendlich die Gerechtigkeit gesiegt hat. Hätte der Züchter auf Mamis Schreiben, in dem sie ihn über die notwendige Operation informiert hat, reagiert und beispielsweise eine Beteiligung an den OP-Kosten angeboten oder einen Nachlass auf meinen Kaufpreis, wäre es gar nicht so weit gekommen, denn Mami wäre jederzeit zu einer gütlichen Einigung bereit gewesen.

An einem langwierigen Privatklageverfahren war ihr nie gelegen. Diese unglückselige Zeit, besonders die vielen Monate, in denen sie durch vermeintlich anonyme Schreiben an ihre Freunde, Bekannten, Vereine, Ämter, ihren Arbeitgeber usw., unzählige Unterlassungsaufforderungen, widersinnige Anzeigen etc. aufs Übelste verleumdet und in Misskredit gebracht wurde, hat bei Mami tiefe seelische Narben hinterlassen. Niemals hätte sie für möglich gehalten, welche Widerwärtigkeiten sich ein Mensch einfallen lässt, um jemanden einzuschüchtern. Auf diese mehr als negative Erfahrung hätte sie gerne verzichtet, sagt Mami. Aber welche Ausmaße die Geschichte um meine Erbkrankheit annimmt, konnte Mami ja nicht voraussehen und sie ist glücklich, dass diese unsägliche Zeit endlich vorüber ist.

Während des Klageverlaufs widerfuhr Mami nämlich sehr viel Unrecht, denn die Züchtergattin wollte Mami mit allen Mitteln dazu bewegen, die Klage gegen ihren Mann fallen zu lassen. Aber Mami hat wie eine Löwin gekämpft 💪 und ließ sich selbst durch die übelsten Verleumdungen und Intrigen nicht einschüchtern. Jetzt muss der Züchter Mami die Operationskosten erstatten. Zusätzlich muss er die Hälfte des Kaufpreises, den Mami für mich bezahlt hat, zurückerstatten.

Leider wurde bei einem Gentest festgestellt, dass ich von einer weiteren Erbkrankheit Träger und von einer dritten Erbkrankheit betroffen bin. Als würde das nicht reichen, wurde nach einem MRT eine vierte Erbkrankheit diagnostiziert. Die ist schon bei mehreren meiner Vorfahren aufgetreten. Lange nachdem ich bei meinen Zweibeinern eingezogen bin, hat meine Mami erfahren, dass der Züchter dies wohl gewusst hat.

Meine Mami meint, wir müssen jetzt das Beste daraus machen und hoffen, dass ich von weiteren Leiden verschont bleibe.

So, das war’s nun im Groben. Ich könnte unendlich weitererzählen, aber das Wichtigste habe ich gesagt.

Nur eines möchte ich noch anmerken: Das Beste an meiner Geschichte ist die Tatsache, dass ich ein wunderbares Zuhause gefunden habe. Meine Zweibeiner kümmern sich rührend um mich und meinen Kumpel. Sie sagen immer, wir sind ihre vierbeinigen „Kinder“ und unser Wohlergehen liegt ihnen sehr am Herzen. Wie sehr sie uns lieben, zeigen sie uns jeden Tag und wir, mein Kumpel und ich, geben diese Liebe uneingeschränkt zurück. Wir sind ein tolles und glückliches Gespann, unsere Zweibeiner und wir 🐶 💕 👫 💕 🐶.

© 2021 Bild und Text: Irene Rabenbauer

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