Marc Fischels

Das Lümmelmonster

Kurzgeschichte aus der Arbeitswelt.


Die Handlung findet statt im Großraumbüro eines großen Medienunternehmens. Die einzelnen Abteilungen sind durch Büroschränke von ca. 1 m 30 Höhe getrennt. Will man sich mit jemandem unterhalten, steht man auf und hat einen Überblick auf alle Bereiche.

In unserer Kurzgeschichte unterhält sich Markus aus der Hauptbuchabteilung mit Gerard, Leiter der Kundenbuchhaltung. Zwischen den beiden Abteilungen befindet sich die Rechtsabteilung. Ein Mitarbeiter dieser Abteilung heißt Lukas, 2,07 Meter groß, ein liebevoller, netter Kerl, etwas linkisch und tollpatschig, geradezu prädestiniert, um ihn zu hänseln und aufzuziehen. Lukas ist dafür bekannt, dass er unentwegt über Essen redet, gerne nascht und alles Essbare verschlingt. Kurz gesagt, die Nahrungsaufnahme gehört zu seiner absoluten Lieblingsbeschäftigung. Kein Wunder also dass er einige Kilos zu viel auf den Rippen hat.

An einem sonnigen Freitagnachmittag, kurz vor dem Wochenende, war es wieder soweit. Gerard und Markus hatten das Bedürfnis Lukas wieder mal aufzustacheln. Hallo Gerard, sagte Markus, stand auf, verschränkte die Arme auf dem Büroschrank, ähnlich wie am Tresen einer Kneipe. Hi, antwortete Gerard und stützte beide Arme ebenfalls auf seinem Büroschrank. Lukas, auf seinem Bürostuhl sitzend, mit dem Gesicht zu Markus und dem Rücken zu Gerard gewandt, ahnte, dass die beiden es erneut auf ihn abgesehen hatten. Missmutig murmelte er etwas vor sich hin, kaum hörbar konnte man folgendes vernehmen: geht das schon wieder los. Wir haben ein Problem in unserem Großraumbüro, ein ziemlich großes Problem sogar, sagte Markus. Aha, antwortete Gerard, wie groß ist denn unser Problem? Würde sagen so ziemlich genau etwa 2Meter07. Lukas, sichtlich genervt, machte mit dem Mittelfinger Kreisbewegungen auf seiner Kopfhaut, Locken bildeten sich und fielen in sich zusammen. Dies tut er immer, wenn er genervt ist oder sich bedrängt fühlt. Also sagt Markus, das Problem ist, dass immer wieder Esswaren aller Art abhandenkommen. Bin daher der Meinung, dass wir etwas unternehmen müssen, fügte Markus zu. Der Meinung bin ich auch, was schlägst du vor antwortete Gerard.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sagte Markus und holte weiter aus. Wir können auf die harte Tour das Problem lösen und legen Giftköder aus. Der Delinquent greift zu und verendet. Das ist aber brutal, antwortet Gerard, gibt es denn keine andere Möglichkeit? Selbstverständlich, entgegnet Markus genüsslich und gnädig, wir sind ja schließlich keine Barbaren, so bestialisch gehen wir natürlich nicht vor. Ich schlage vor, wir bauen eine Vorrichtung, eine Art Falle. Wir legen einen leckeren Köder als Lockspeise aus, der Übeltäter kann dem nicht widerstehen, die Falle schnappt zu und der Unhold sitzt fest. Glückwunsch, Markus, einfach genial, genauso machen wir das. Allgemeines Gelächter im Großraumbüro, den meisten scheint unser Dialog zu amüsieren, während Lukas kopfschüttelnd vor sich hin brummelt, Mann oh Mann was seid ihr doch Blödmänner.

Und was tun wir anschließend, fragte Gerard. Ganz einfach, entgegnet Markus, ab in die Menagerie. Unsere Nachbargemeinde hat doch einen Zoopark und dort wird er als Attraktion ausgestellt. So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe, das Problem in unserem Büro ist gelöst und zusätzlich kassieren wir Eintrittsgelder. Jetzt müssen wir nur noch eine optimale Marketingkampagne starten. Tolle Idee Markus, das wird eine großartige Sache, sagt Gerard. Und jetzt kommt der eigentliche Clou äußert sich Markus genüsslich grinsend; in Anlehnung an die Sesamstraße und das Krümelmonster nennen wir unseren Unhold, das Lümmelmonster. Und um die Unterhaltskosten so gering wie möglich zu halten, machen wir genau das Gegenteil, von dem, was sonst in solchen Gehegen üblich ist. Anstatt eines Futter Verbotes, ist beim Lümmelmonster das Füttern nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Schallendes Gelächter bricht im Großraumbüro aus, aber es gibt auch Solidaritätsbekundungen mit Lukas, weshalb wir uns immer wieder über ihn lustig machen. Egal, der Start ins Wochenende naht und wir haben uns prächtig amüsiert.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.11.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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