Hajo Schindler

Novemberblues

Haben Sie auch mit dem „Novemberblues“ zu kämpfen? Wundern würde es mich nicht. Das unter dem Namen "Novemberblues" bekannt gewordene Phänomen, löst bei einigen Menschen eine trübsinnige Stimmung aus.

Der goldene Oktober ist vorbei (hm, war der überhaupt golden??). Der Novemberblues ist da, die Stimmung geradezu aufgeheizt fast schon aggressiv, alles scheint furchtbar. Das Corona-Gespenst schleicht um die Häuser. Es ist nicht einfach, zurzeit entspannt zu leben. Ruhig kann man da nicht schlafen
.
Ich versuche mich nicht unterkriegen zu lassen, auch wenn überall schlechte Nachrichten lauern. Ich hab keine Lust, bedrückt durch die Gegend zu laufen obwohl der Wahnsinn immer mehr um sich greift. Erregungspotenzial gibt es genug und gefühlt nahezu zu jeder Stunde jeden Tag.

Wann war ich zum letzten Mal gelöst, frei, ausgelassen und albern? Wir sind im zweiten Jahr der Pandemie und das so oft beschworene Licht am Ende des Tunnels, den Silberstreif am Horizont sehe ich nicht. Es wurde mir doch oft versprochen. Vielleicht sollte ich mir eine neue Brille gönnen? Na ja, so einfach ist es nun auch wieder nicht.

Ich möchte so schnell wie möglich wieder in eine Zeit zurückkehren, an die ich mich kaum noch erinnern kann, obwohl sie nicht mal zwei Jahre her ist.

Auch habe ich keine Lust mehr, permanent mich damit zu beschäftigen, was ich wieder neu zu beachten habe oder mich damit auseinanderzusetzen, was wieder in die Grütze gegangen ist, wie es mit Corona insgesamt, den Inzidenzwerten, den Hospitalisierungen, den Corona-Impfungen, mit der Klimakrise vorangeht. Ich mag eigentlich darüber gar nicht mehr schreiben und am liebsten auch gar nicht mehr denken. Aber die unbefriedigende Lage an der Corona- und Klimafront spitzt sich weiter zu, ist genauer gesagt verheerend. Bei Corona plage ich mich seit 18 Monaten mit dieser Schei….Thematik, diesem Virus herum. Ich weiß, die Restlaufzeit meines Lebens ist überschaubar und dass ich deshalb etwas anderes tun möchte, als einfach in meinem Zuhause „eingesperrt“ zu sein. Ich bin sicher nicht der einzige, der soziale Erlebnisse und Kontakte reduziert, der Geduld bewiesen, Verzicht geübt, Ängste ausgestanden, politisches Chaos erduldet, mich über die Impfungen gefreut, auf das baldige Ende der Pandemie gehofft hat. Nur wenn ich die täglichen Meldungen lese, höre, bekomme ich Schaum vor dem Mund, weil wir in diesen Tagen schon wieder und tiefer ins Elend hinein schlittern. In dieser Situation zeigen die Länder mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den Bund, die geschäftsführende Bundesregierung auf die Ampelkoalition, und die Ampelkoalition zeigt wieder auf die Länder. Was für eine groteske Debatte. Statt zu handeln verliert man wertvolle Zeit in Geschwätzigkeit. Dieses Karussell der Verantwortungs-losigkeit löst bei mir täglich einen Brechreiz aus.

Es hilft mir auch nicht weiter, wenn auf einer Pressekonferenz am 27.10. der FDP-Fraktionsgeschäftsführer Marco Buschmann bzgl. der Pandemie vollmundig erklärt: „Es gibt ein absolutes Ende aller Maßnahmen. Alle Maßnahmen enden spätestens mit dem Frühlingsbeginn am 20.März 2022“. Dazu jubelte die Grünen-Politikerin Karin Göring-Eckardt bei der Vorstellung der Corona-Initiative: „Die Ampel funktioniert, bevor es sie gibt“. Dirk Wiese von der SPD verkündete so nebenbei: „Einen Lockdown wird es nicht mehr geben“.

Alle sagen was, aber kaum jemand weiß (so richtig) Bescheid. Hoffentlich hält sich das Virus daran und weiß auch, dass am 20.März Frühlingsbeginn ist. Ich bin gespannt.

Ein paar Tage später blieb von dem Jubel der in den Hinterzimmern gehandelten designierten Bundespräsidentin Göring-Eckardt nicht mehr viel übrig. In der Zeitung konnte ich lesen: Sie mache sich täglich mehr Sorgen darüber, wie sich die vierte Welle in unserem Land gerade ausbreitet. Und dann richtete sie an ihre Koalitionspartner in spe mahnende Worte: "Wir müssen dafür sorgen, dass wir dieser hohen Dramatik gerecht werden“.

Jawohl, jawohl……….., die Grüne Dame hat es geschnallt. Super!

Unser höchst wahrscheinliche Bundeskanzler Olaf, der Scholz, haut diesbe-züglich auch Sätze raus, die mein Blut in den Adern gefrieren lassen: „Das Virus ist noch unter uns.“ Gut dass das mal einer sagt. Der Höhepunkt seiner Aussagen folgt auf dem Fuße: „Wir müssen das Land winterfest machen“. Gut dass das mal einer sagt.


Ich denke, diese beiden Sätze zeugen von hoher politischer Kompetenz, und er hat es sich redlich verdient, demnächst die Richtlinien der Regierungspolitik in unseren Breitengraden, dem Land der blühenden Landschaften, der Dichter und Denker, zu bestimmen.

Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer hält es für angebracht und verkündet mit der Leichenbittermiene eines Bestattungsinstitutes: „Aus dem vergangenen Jahr wissen wir, wir müssen bis Ostern durchhalten. Vorher wird die Welle nicht zu Ende sein“.

Da kann ich nur sagen: „Gute Nacht Marie, alle Menschen verabschieden sich ab sofort in den Winterschlaf“. Jeder in sein eigenes Bett. Wegen der Kontakteinschränkung.


Schlimm ist auch: Wenn ich in diesen Tagen das Gespräch mit anderen suche und nicht den Mainstream der Worte wähle, schlägt mir Unverständnis, Misstrauen oder mitunter sogar Empörung entgegen.

Wir werden Tag für Tag überzogen mit Handlungsanweisungen, Geboten, Verboten, Forderungen nach Verzicht. Jeden Tag wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Wir leben in einer immer schneller erodierenden Welt. Wir werden gefüttert mit Versprechungen, die nicht umgesetzt, eingehalten werden, widersprüchlichen, unfassbaren Botschaften, unglücklichen Entscheidungen, Mahnungen und Ungewissheiten. Ich kann es nicht mehr hören. Einfach Chaos, ein Waterloo, genährt durch Hysterie und Panikmache zu Lasten von uns Bürgern. Nur: Was macht das mit mir bzw. uns.
Vielen fehlt in diesen Tagen was man Lebensfreude nennt und sie versinken in Freudlosigkeit. Was kann man dagegen tun?

Wie sagte ein Bekannter kürzlich am Telefon zu mir: „Wennze misch so frägst, isch resch misch net me uff“.

Wenn ich es mir richtig überlege: Ich glaube, er hat recht
.
Ich bin fest entschlossen, den dunklen November und darüber hinaus die Tage danach zu genießen als eine besondere Zeit. Man kann sich in einem Buch oder in Magazinen festlesen, was im Sommer doch eher höchst selten passiert. Ruhe und Besonnenheit bieten diese Tage, in denen keine Gartenarbeit ruft. Mit einer Tasse Kaffee, etwas Gebäck werde ich es mir auf dem Sofa gemütlich machen, mir etwas Entspannendes, Unterhaltsames im Fernsehen anschauen, wobei Talkshows -um Gottes willen- nicht zu diesem Format gehören, ein No-Go sind, denn da wird in diesen Tag eh permanent über den Weltuntergang sinniert, ein Horrorszenario nach dem anderen verkündet oder ich erfahre aus dem Munde zugeschalteter Ministerpräsidenten/-innen, dass sie schon früh in weiser Voraussicht und vorauseilendem Gehorsam, bevor Corona sich als kaum zu bändigende Bredoullie entpuppte, geeignete Maßnahmen und das „Team Vorsicht“ in ihrem Bundesland etabliert haben. ?????

Wow, wow…….., da bin ich aber überrascht, nahezu baff.

Ich muss schon sagen, dieses potente Getue, diese Schwurbelei, treibt mir die Zornesröte ins Gesicht und ich habe abermals Schaum vor den Mund. Bei mir wächst ein diffuses Unwohlsein um meinen Gesundheitszustand. Dabei bin ich gegen Corona geimpft, nicht gesundheitlich vorbelastet und meine Frau und ich werden in Kürze auch geboostert.


Ich denke - verzeihen Sie mir bitte die steile These - dass die Virologen die Menschen am liebsten für eine Übergangszeit einsperren würden, jeden für sich. Nur: Dann würden wir eben an Depression sterben oder verhungern oder verdursten". Das ist ja nun auch nicht gerade zielführend.

Personen, von denen man hofft, sie könnten dieses wirre Durcheinander und Dilemma richtig einordnen und bewerten, erzeugen durch breitbeiniges Auftreten in den Medien auch nur heiße Luft.


Für den Virologen Prof. Klaus Stöhr ist klar, wer die uneinheitliche Pandemiebekämpfung zu verantworten hat: In Report Mainz am 9.11.2021 sagte er: „Es fehlt die Führungskraft auf Bundesebene. Es braucht einen Stufenplan, der vergleichbare Parameter auch vergleichbare Maßnahmen bringt. Da müsste eigentlich die Bundesregierung einen Fahrplan vorgeben, einen Instrumentenkasten, woraus sich die Länder bedienen können und dann geht auch die Kakofonie der verschiedenen Maßnahmen in den Ländern zurück“.

Aha, einen Instrumentenkasten also, der möglicherweise auch noch den Stein der Weisen beherbergt. Super! Der ist also das Maß aller Dinge. Dazu fällt mir offengestanden nichts mehr ein. Hat dieser gute eloquente Mann in den vergangenen Wochen und Monaten vergessen, dass nach jeder MPK (Ministerpräsidenten-Konferenz) mit der Kanzlerin Corona-Aktionspläne, bundesweite Maßnahmen und sogar eine Bundesnotbremse verabschiedet wurde.

Nur: Welches der 16 Bundesländer hat danach gehandelt, sie konsequent umgesetzt? So gut wie keines. Einige MP haben sich danach flugs in ihrem Bundesland an einen Webstuhl gesetzt und ihren eigenen „Maßnahmenteppich“ gewebt.


Bei einigen aus der WIRRologen-Zunft und bei Politikern geht es in erster Linie darum, den Drang zur Selbstdarstellung zu befriedigen und einen Namen als Deutschlands Härtesten-Corona-Bekämpfer zu erlangen. Wenn ich aber das Gerede von einigen Politikern und Politikerinnen durchleuchte, funktioniert deren Coronapolitik eher nach dem Motto: große Töne, schlechte Zahlen. Und eine Pleite nach der anderen.

Also, da muss ich schon sagen, dass die Nachricht des Bürgermeisters meines Wohnortes Begeisterung und Wohlgefallen in mir auslöste. Obwohl dieser Mann von Hause aus Rechtsanwalt und kein Virologe, Epidemiologe ist, scheint er den besseren Überblick in der gegenwärtigen Lage zu haben, als alle „Lauterbachs dieser Welt“ zusammen. Die Bitte um Teilnahme nach einer Corona-Auffrischungsimpfung endet mit dem Satz: „Spätestens nach diesem Winter sehe ich Licht am Ende des Tunnels und hoffe, dass wir diese schreckliche Pandemie hinter uns lassen können“(…).

Na, also: S p ä t e s t e n s (…).Wenn er jetzt auch noch den „Silberstreif am Horizont“ erwähnt hätte und sehen würde, dann müsste ich ihm wohl oder übel uneingeschränktes Vertrauen schenken.


Ich bin fest entschlossen und versuche in der Zeit bis nach dem Winter und Sichtbarkeit des Silberstreifs am Horizont so zu leben wie in einem Song von der Gruppe Geier Sturzflug aus dem Jahr 1986 gesungen:

Eins kann mir keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben (…) .

Drücken Sie mir fest die Daumen, dass mir das mit Anstand und Abstand gelingt.

Wenn ich mir dann auch noch den Spruch aus der Bibel: „Alles hat seine Zeit!“ (Prediger 3.1) auf meine Fahne schreibe, fest daran glaube, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Es wird schon werden.

Vielleicht sollte ich meinen „Blues“ sogar ein klein bisschen genießen. So viel unqualifiziertes Zeug auf einmal wird man hoffentlich nur zu solchen Zeiten hören.

Man könnte auch so verfahren: Arme verschränken, sich zurücklehnen und das gewöhnungsbedürftige Palaver ein wenig auskosten. Man sollte eben auch immer das Beste daraus machen.

Also durchhalten alle miteinander oder wie der Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni am Ende der Sendung immer sagt: „Bleiben Sie zuversichtlich“.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.11.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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