Heinz-Walter Hoetter

Drei Kurzgeschichten der Fantasy

1. Visionen eines Reisenden


 

Dunkle Wolken zogen wie geisterhaft anmutende Segelschiffe am nächtlichen Himmel dahin. Der kühle Herbstwind blies ziemlich heftig durch die leeren Straßen der kleinen Stadt, in der die meisten Menschen schliefen. Hier und da konnte man noch aus der einen oder anderen Kneipe das laute Gelächter einiger später Gäste vernehmen, die anscheinend einfach keine Lust hatten nach Hause zu gehen. Irgendwo in der Ferne bellte einsam ein Hund. An einer Stelle riss die fliehende Wolkendecke für einen Moment lang auf und der Mond warf sein fahles Silberlicht über die jetzt von langen Schatten überzogene weite Hügellandschaft.

Ich lag eng zusammen gekauert in meinem warmen Bett und hatte wieder einmal diese seltsamen Visionen, von denen ich nicht wusste, woher sie kamen. Dann war es wieder soweit!

Mein unruhiger Geist verließ seinen wie tot daliegenden Körper und stürzte äonenlang schwerelos kreiselnd durch tausendfache Zeitstrudel, überflog mit rasender Geschwindigkeit abgründige Planetenräume, gerade so, als wäre er auf der Flucht vor dem kosmischen Jetzt. Milliarden und Abermilliarden Lichtstäubchen punktierten die Dunkelheit über mir, illuminierten gewaltig geschwungene Bogenwände aus Raum und Zeit, die keine Grenzen zu kennen schienen. Die Dimensionen waren unvorstellbar gigantisch. Flackernde Lichtkorridore öffneten ihren Schlund und brachen wieder in sich zusammen. Intergalaktische Gase verdichteten und formten sich zu gleißend hell leuchtende Sterne an deren Ränder sich Planeten und Monde bildeten. Schwärme von Kometen und Asterioiden zogen an mir vorbei, einem unbekannten Ziel entgegenstrebend. Ich ließ das mir bekannte Universum hinter mir und kam schließlich Hunderttausende von Lichtjahren entfernt von der Erde zu einem Halt.

Die Visionen gingen weiter.

Die Epochen drifteten dahin. Die Zeit ballte sich zu einem riesenhaften Horizont vor mir zusammen und ich konnte sowohl Anfang und Ende dieses unglaublichen Gebildes zugleich sehen. Seltsames Geschehen, wie Alpha und Omega ineinander übergingen und doch klar voneinander zu unterscheiden waren.

Jäh entfaltete sich vor mir die Ewigkeit, noch ganz ohne Raum und Zeit.

Ich sah, wie der erste Morgen der Schöpfung begann.

Stille, nichts als Stille.

Unmerklich wurden die Gestalt und die Dimensionen des Kosmos diktiert. Energiewelle auf Energiewelle pulsierte mit mächtigen Schlägen durch die Ewigkeit, verschlang alles, was vorher gewesen war und schuf so die Ausdehnung von Raum und Zeit aufs Neue. Alles nahm jetzt seinen Lauf und folgte noch unerkannten Weltengesetzen, die tief im Innern der sich unablässig ausbreitenden Energiewellen verborgen waren, bis sie irgendwann ihre Wirkung entfalteten würden, um aus Wellenenergie verdichtete Materie entstehen zu lassen.

Die Vorstufe allen Lebens...

Sollte die letztmögliche Ausdehnung der Energiewelle in ihrer allerkleinsten Form LEBEN bedeuten?

Und dann?

Das unvermeidliche Ende setzte ein, um einen neuen Anfang vorzubereiten.

Die Energiewellen und ihre spezifischen Muster hielten inne und zerfielen. So birgt der Anfang der Schöpfung zugleich den Kern der Zerstörung in sich. Das ganze System von Werden und Vergehen krümmte sich in seinem unvermeidlichen Todeskampf und stieß gewaltige Katarakte zersplitternder Energie aus. Parallel dazu verschwand die Zeit, um ihrer erneuten Geburt im Grund der Ewigkeit zu harren.

***

Ich erwachte mit schweißnassem Gesicht. Das Kopfkissen unter mir war ebenfalls vom Schweiß durchtränkt. Hatte ich alles nur geträumt oder mir das ganze Phantasiegebilde im Kopf zusammengesponnen, als ich delirierend im Bett lag und wieder einmal von meinen Visionen geplagt wurde?

Schwerfällig verließ ich das Bett, ging hinüber ins Badezimmer und machte mich ein wenig frisch. Danach schlüpfte ich in meinen warmen Bademantel, trottete gemächlich quer durch das Wohnzimmer rüber zum Balkon, öffnete die Balkontür und trat hinaus in die mondhelle Nacht.

Die vorbeiziehenden Wolken hatten sich etwas gelichtet und gaben jetzt den Blick auf ein wunderschön funkelndes Sternenzelt frei. Der frische Nachtwind ließ mich bald frieren, doch ich blieb noch lange so stehen, hier auf der kleinen Aussichtsplattform meines intergalaktischen Raumkreuzers, dessen Welt, die ich hier sah, eine künstliche war, erzeugt von einem hochkomplexen Quantencomputer.



Ende


© Heinz-Walter Hoetter

 

 

 

***

 

 

2. Sensalin, die Stadt der Magier


 

***

Kane! Wer bist du wirklich?“

 

***

Das helle Licht der Doppelmonde von LANTHAN ergoss sich über die weite, baumlose Landschaft. Draußen wurde es immer kälter und das Heulen des Schneesturms verstärkte sich von Minute zu Minute.

Major Ken Kane schaute mit zusammen gekniffenen Augen aus dem schmalen Schlitz des wuchtigen Verteidigungsbunkers der gewaltigen Kuppelstadt und beobachtete aufmerksam die schneebedeckte Gegend. Dann blickte er zur rechten Seite, wo ein blutender Soldat lag. Der Mann neben ihm würde sterben. Das wussten auch die kleine Schar der Zuschauer, die aus Sensationslust stehen geblieben waren, jetzt aber wieder langsam weitergingen. Nur ganz besonders Neugierige, die vom Anblick des Todes fasziniert waren, verweilten noch einige Augenblicke. Ihnen war klar, dass niemand mit so einer schrecklichen Wunde überleben konnte.

Eine fürchterliche Bombenexplosion hatte dem Unglücklichen beide Beine bis zum Oberschenkel abgerissen, als er gerade den stählernen Bunkereingang betreten wollte. Die angreifenden MOOKS hatten mit wilder Entschlossenheit mehrere Kleinraketen auf eine vollautomatische Mörserstellung abgefeuert, die ihr anvisiertes Ziel zwar nicht trafen, dafür aber in einen gerade vorbei kommenden Mannschaftstransporter mit zwölf Wachsoldaten einschlugen. Fünf von ihnen waren gleich tot. Die übrigen Männer konnten sich retten und stolperten im letzten Moment mit ihrem schwerverletzten Kameraden durch das hastig geöffnete Schleusentor der gewaltigen Verteidigungsanlage, bevor die blutrünstigen MOOKS erneut zuschlagen konnten. Sie wurden alle etwas später vom Dauerfeuer einer Roboter gesteuerten Laserimpulskanone der zweiten Verteidigungsreihe auf ihrer Flucht über das offene Gelände nacheinander eliminiert.

Die ständigen Angriffe auf die Kuppelstadt QUADER hatten bisher einen hohen Blutzoll unter den MOOKS gefordert. Trotzdem gaben sie nicht auf und machten stur und unerbittlich weiter. Angst vor dem Tod kannten sie offenbar nicht. Niemand konnte genau sagen, woher sie eigentlich so schnell gekommen waren. Die Überwachungsantennen auf der obersten Ebene der Kuppelstadt registrierten zwar prompt ihre Anwesenheit und lösten deshalb auch sofort Alarm aus, doch schien es so, als wären die Soldaten der MOOKS ganz plötzlich mitten in den Raum gestellt worden. Es waren jedes Mal einige zehntausend Kämpfer, die an einem Ort erschienen. Eine Tatsache, die besonders Major Kane und den gesamten Verteidigungsrat der Kuppelstadt sehr beunruhigte.

Außerhalb von QUADER, in den weitläufigen Siedlungen unmittelbar vor der Kuppelstadt und noch weiter draußen in der flachen Landschaft, herrschte das reinste Chaos aus eingestürzten und brennenden Gebäuden, abgeschossenen Panzern, Flugzeugen und Bergen grässlich verstümmelter Leiber, die überall herum lagen. Darunter auch viele von Major Kane’s tapferen Männern.

Der Major stand noch immer am Sehschlitz des Bunkers und dachte nach. Seine Erschöpfung konnte man ihm ansehen. Sie war allerdings einer zufriedenen Müdigkeit gewichen, denn er hatte seine schwierige Aufgabe bisher mit großem Erfolg bewältigt.

Natürlich war er sich dessen bewusst, dass ihm der Ruhm nicht allein gehörte. Ohne die rücksichtslose Opferbereitschaft seiner Soldaten hätte niemand die ständig angreifenden MOOKS zurückschlagen können, die mit ihren gepanzerten Truppentransportern und wendigen Kampfmaschinen erschienen waren und die friedlich da liegende Kuppelstadt der terranischen Siedler wie eine Horde hungriger Wölfe überfallen hatten.

Major Ken Kane war sich völlig im klaren darüber, dass dieser Überraschungsangriff der MOOKS nur dazu diente, um den Terranern zu zeigen, dass die wahren Herren des Planeten LANTHAN immer noch die MOOKS waren und nicht sie. Man betrachtete die Menschen von der Erde auch weiterhin als Eindringlinge, die man von Zeit zu Zeit daran erinnern musste, dass man ihre Gegenwart in diesem Teil des Universums im Prinzip für unerwünscht hielt.

Manchmal fragte sich Kane selbst, was er hier zu suchen hatte. War es auf Terra nicht schöner gewesen? Sie war doch die Heimat aller Menschen.

Die weite Landschaft draußen vor der riesigen Kuppelstadt war in der Sommerzeit eigentlich ein wogendes Grasmeer, das sich über unzählige Meilen ohne irgendwelche natürlichen Barrieren bis weit hinter den Horizont erstreckte. Eine leichte Schneedecke ließ das Land allerdings jetzt wie ein weißes Leinentuch erscheinen. Da draußen gab es keine Verteidigungsstellungen der Terraner, die es zu halten galt.

Major Ken Kane wusste von einem Gebirge, das er schon mehrere Male in der Vergangenheit auf eigene Faust mit seiner privaten Ein-Mann-Flugmaschine erkundet hatte. Er war dabei rein zufällig auf eine geheimnisvolle Höhle gestoßen, deren Eingang zuvor durch ein leichtes Beben auf dem Planeten LANTHAN freigelegt worden war. Trotzdem blieb sie unzugänglich, da in ihrem Innern der weitere Zugang durch eine dicke Metallwand mit einem unbekannten Schließmechanismus versperrt wurde. Man hätte sie vorsichtig sprengen müssen, um weiter in die Höhle vordringen zu können. Die Vorbereitungen dafür hatte Major Ken Kane schon getroffen, doch leider wurden alle weiteren Vorhaben durch den fürchterlichen Angriff der MOOKS auf die Kuppelstadt QUADER zunichte gemacht. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, dachte sich Kane.

Eine innere Stimme forderte ihn immer wieder dazu auf, diesen versteckten Ort in den Bergen nicht zu vergessen.

Seit einigen Tagen (irdischer Zeitrechnung) war Ruhe auf dem Schlachtfeld eingezogen. Die MOOKS hatten sich anscheinend zurück gezogen oder waren des Kämpfens wegen der hohen Verluste unter ihren Soldaten vorläufig wohl überdrüssig geworden. Die Verteidiger von QUADER konnten neuen Mut schöpfen. Überall waren Reparatureinheiten unterwegs um die angerichteten Schäden an Straßen, Brücken und Gebäuden draußen vor der Kuppelstadt so schnell wie möglich zu reparieren. Sie selbst wurde durch ein starkes Energieschild geschützt und war deshalb unversehrt geblieben.

Vor kurzem hätte es Major Kane noch verabscheut bei Kälte und heulendem Schneesturm die Kuppelstadt zu verlassen. Aufgrund der anhaltend ruhigen Lage beschloss er allerdings, einen kurzen Abstecher mit seiner Flugmaschine in die Berge zu unternehmen, um die Sprengung der Metallwand in der Höhle durchzuführen. Natürlich stellte das ein Wagnis dar, denn die MOOKS könnten theoretisch überall sein. Aber wegen seines militärischen Ranges brauchte er nicht einmal ein Genehmigung dafür einzuholen. Der Major war in der Truppe als Sturkopf bekannt, dem man nur schlecht was verbieten konnte. Nur die Registrierung der Abflugzeit, der Eintrag des ungefähren Flugziels und das permanente Einschalten des Suchmelders waren allerdings ein absolutes Muss. Dann konnte es schon losgehen.

Am nächsten Morgen war es soweit. Major Kane flog mit seinem leisen Fluggerät in etwa hundert Meter Höhe über die verschneite Landschaft. Das Wetter hatte sich noch weiter verschlechtert. Die Temperatur fiel merklich. In den vergangenen Tagen hatte sie sich um den Gefrierpunkt gehalten. Jetzt sank sie auf minus zehn Grad. Die Kälte war allerdings im Cockpit seiner Maschine nicht zu spüren. Das Gegenteil war eher der Fall. Für Kane war es viel zu warm. Er hatte sich nämlich die schwere Pelzuniform angezogen, die ihn jetzt wie ein Schwerarbeiter schwitzen ließ. Deshalb schaltete er die Heizung seines Fluggerätes auf ein Minimum zurück, was zumindest für eine erträgliche Temperatur im Cockpit sorgte.

Gegen Mittag erreicht Kane den Berg, wo sich der Eingang der Höhle befand. Er landete mit seiner Flugmaschine in einer kleinen schneebedeckten Senke und stieg aus. Die elektronischen Zünder für die Sprengladungen trug er in der rechten Beintasche mit sich. Mittlerweile ließ das Wüten des Schneesturmes immer mehr nach und das Wetter wurde langsam besser. Etwas später hörte es sogar auf zu schneien. Für den Weg bis zum Eingang der Höhle brauchte Kane etwa fünfzehn Minuten und noch einmal an die acht Minuten, bis er endlich vor der Metallwand mit ihrem unbekannten Schließmechanismus stand, die er kurzerhand mit einer Reihe gut platzierter Sprengladungen in die Luft jagen wollte.

Etwa eine Stunde brauchte Kane dafür, bis alle Ladungen ordnungsgemäß angebracht waren. Dann steckte er die Zünder hinein und verließ die Höhle wieder. Draußen angekommen drückte er den roten Auslöser für die Funk gesteuerte Fernzündung der Sprengladungen. Kurz danach erfolgte eine heftige Explosion. Staub und Geröll flogen durch die gähnende Öffnung des Eingangs und es brauchte mehr als zwanzig Minuten, bis die Luft wieder soweit sauber war, das Major Kane die Höhle gefahrlos betreten konnte. Als er mit schmutzig gewordener Pelzuniform und entsichertem Strahlengewehr die weggesprengte Metallwand erreichte, die nur noch ein riesiges qualmendes Loch war, hätte ihn beinahe ein tödlicher Schreck gepackt. Ein plötzlicher Schwindel überkam ihn und Schweißperlen tropften von seiner geröteten Stirn. Der Major schaute hinunter in eine ungeahnte Tiefe. Bis runter zum Boden mochten es wohl mindestens fünfhundert Meter sein! Er war darüber erstaunt, dass eine Wand so kerzengerade abfallen konnte. Unten in der Tiefe bewegten sich winzigkleine, verschiedenfarbige Punkte mit großer Geschwindigkeit, die aussahen wie Autos. Sie flitzten auf den aus mehreren Etagen bestehenden einspurigen Autobahnen umher. Ringsherum erhoben sich mächtig hohe Bauwerke aus weit in den Himmel ragenden Türmen und riesenhaften Gebäuden aus Stahl, Glas und Kunststoff.

Major Kane atmete tief durch und begann sich langsam wieder zu beruhigen. Über sich erblickte er einen strahlend blauen Himmel, der von kleinen Schäfchenwölkchen durchzogen wurde. Und nirgends gab es Schnee, was die ganze Sache noch seltsamer erschienen ließ. Rechts von Kane erstreckte sich ein Turmmassiv neben dem anderen, das durch brückenähnliche Gebilde wie ein Netzwerk miteinander verbunden war. Die ganze Stadt unter seinen Füßen leuchtete wie heller Marmor, die mit zahlreichen herrlich grüne Parks und weitläufig angelegten Seen durchzogen war. Ihr ruhiges Wasser funkelte im Licht der strahlenden Mittagssonne tintenblau. Überall fuhren Segelschiffchen auf den glitzernden Gewässern hin und her und Major Kane fand keine Worte für das, was er dort unten sah.

Plötzlich erschien vor ihm eine silbrig glänzende Flugmaschine. Vorsichtig näherte sie sich Kane, der immer noch mit staunendem Blick auf dem steilabfallenden Felsplateau stand. Eine breite Zugangstür öffnete sich mit einem leise surrenden Geräusch und eine Plattform mit Geländer fuhr heraus, die erst direkt vor Kane’s Füßen stoppte. Genau in diesem Augenblick betrat ein Mann mittleren Alters die Plattform, der etwas kleiner war als Major Kane. Er hatte ein ovales Gesicht, eine beigefarbene Haut und trug einen schwarzen Vollbart.

Noch während er langsam aber mit festen Schritten auf Kane zuging, rief er mit lauter Stimme: „Ich komme in Frieden, Major Kane! Bitte besuchen sie unsere schöne Stadt! Wir erwarten sie schon. Sie werden es nicht bereuen! – Darf ich mich ihnen aber zuerst einmal vorstellen? Ich bin der Magier Savallo Megalon. Ich bin vom Rat der Stadt SENSALIN dazu beauftragt worden, sie bei uns Willkommen zu heißen.“

Der Magier Savallo reichte Major Kane die Hand zum Gruße. Fast wie unter Hypnose erwiderte dieser den Gruß. Dann sprach der Mann mit dem ovalen Gesicht und der beigefarbenen Haut mit freundlicher Stimme lächelnd weiter.

Lieber Major Kane! Wir hatten einige Schwierigkeiten damit, sie zur richtigen Zeit zu uns kommen zu lassen. Sie haben eine ziemlich starke Ausdauer bewiesen und unserer Klonarmee, die ihr Terraner als MOOKS bezeichnet, große Verluste zugefügt. Als wir sahen, dass es auf Dauer keinen Sinn machen würde gegen euch zu kämpfen, entschlossen wir uns dazu, einen eurer erfolgreichsten Kämpfer zu uns zu holen. Das waren sie, Major Kane! Ihre unglaubliche Entschlossenheit zu siegen hat uns in der Tat zutiefst beeindruckt. Sie haben darüber hinaus einen außergewöhnlich starken Willen. Und nicht nur das. Sie sind im Besitz gewaltiger magischer Kräfte, die ihnen bisher nur deshalb nicht aufgefallen sind, weil sie sich wie ein kleines, unschuldiges Kind ganz unbewusst ihre eigene Welt geschaffen haben. Diese magisch erzeugte Welt um sie herum war einzig und allein ihr Produkt gewesen mit allem, was darin von ihnen materialisiert hinzugefügt und aufrecht erhalten wurde. Letztendlich war sie so real wie jene Welt, die sie einmal vor langer Zeit verlassen haben – den Planeten Terra. Jedoch hat sie die tief in ihrer Seele verborgene Sehnsucht nach ihrer eigentlichen Heimat dazu angetrieben, die Erde des Menschen zu verlassen. Und nun stehen sie hier vor mir und ich freue mich von ganzem Herzen darüber, dass sie SENSALIN, die Stadt der Magier, endlich gefunden haben. Natürlich haben wir ein wenig mitgeholfen, aber jedes Lebewesen mit magischen Fähigkeiten hat noch aus den weit entferntesten Winkeln des Alls zu uns gefunden und ist schließlich für immer geblieben. Kommen sie mit, Magier Ken Kane! Wir alle warten schon auf sie.“

Die Situation hatte sich wirklich verändert. Das wusste jetzt auch Ken Kane, der im Grunde seines Herzen schon immer von seinen magischen Fähigkeiten geahnt hatte. Schließlich folgte er dem Magier Savallo in die wartende Flugmaschine.

Er hatte sich also entschlossen.

Im gleichen Moment löste sich draußen knisternd die gigantische Kuppel plötzlich in Luft auf und verschwand mitsamt ihren Einwohnern, Gebäuden und Straßen langsam von der Bildfläche des Planeten, bis die Illusion der Kuppelstadt QUADER gänzlich verschwunden war. Dort, wo sie einmal gestanden hatte, breitete sich jetzt eine mit Schnee bedeckte, weite Landschaft aus.

In staunender Bewunderung schaute Kane auf die überwältigende Pracht von SENSALIN; die herrliche Sonne, den azurblauen Himmel, die Buntheit der Flora und Faune, das geschäftige Leben, auf die gesunden, nie alternden Menschen und die hochragenden Türme aus weißem Marmor, die aussahen wie in den Himmel ragende Zeigefinger.

Noch immer schien für Kane alles wie ein Traum. Aber es war Wirklichkeit.

Er fühlte immer mehr die wohlige Wärme in seinem klopfenden Herzen, die man ihm in zunehmenden Maße entgegen brachte, je näher er sich auf die Stadt SENSALIN zu bewegte. Die gesamte Bevölkerung schien auf den Beinen zu sein, klatschten und jubelten ihm zu, als sie ihn zusammen mit dem Magier Savallo erblickten.

Lächelnd erwiderte Kane mit winkenden Händen ihre herzlichen Grüße, bis er irgendwann mitten in der Stadt der Magier auf einem großen, kreisrunden Platz angekommen war. Der Rat von SENSALIN wartete bereits auf ihn. Dann trat einer von ihnen hervor, erhob beide Hände gen Himmel und rief mit donnernder Stimme:

Wir begrüßen unseren großen Magier Kane, der endlich zu uns gefunden hat. SENSALIN wird durch ihn weiter wachsen und gedeihen. Seine guten magischen Kräfte werden unser Refugium unendlich stärken und für alle Zeiten unzerstörbar machen.“

 

Mittlerweile hatte sich eine große Ansammlung der verschiedenartigsten Wesen und Kreaturen um den Rat von SENSALIN und Kane versammelt. Sie jubelten ohne Unterlass. Die Menge verstummte plötzlich als Kane auf eine freie Stelle am Rande des runden Platzes deutet, ein paar seltsam anmutende Bewegungen mit beiden Händen machte und wie aus dem Nichts einen herrlichen Turm in die Höhe wachsen ließ.

Das soll mein Haus in SENSALIN für alle Zeiten sein. Lasst uns nun feiern!“, rief der Magier Kane der umstehenden Bevölkerung zu, die seine Worte mit aufbrausendem Jubel und tosendem Beifall quittierten.

 

ENDE

 

© Heinz-Walter Hoetter


 


 

 

***

 


 

3. FOX MOON (Ein Märchen aus der Zukunft)


 


 

Vorsichtig suchte sich der junge Raumfahrer Fox Moon seinen Weg den steinigen Hügel hinauf, von dem ihm die einsame Silhouette eines uralten Raumschiffes anstarrte.

Vor den mächtigen Landestützen hielt er an und blickte wehmütig zurück. Seine Gedanken wanderten zu jener wunderschönen Göttin, die jetzt einsam und verlassen durch die still gewordene Stadt ihres sterbenden Volkes zog. Bald wird niemand mehr vom einstmals so stolzen Volke der SEMONEN übrig geblieben sein.

Fox Moon kannte die fürchterlichen Schmerzen der Einsamkeit und des Verlassenseins. Er wusste, wie schrecklich dieses Gefühl sein konnte. Er verstand, was die Göttin Catubodua gefühlt hatte, als er sie dort allein in der Stadt der Sterbenden und der Toten zurückließ.

Deshalb weinte sie.

Er selbst war ein Mensch und konnte nicht in alle Ewigkeit bei ihr bleiben. Glaubte er jedenfalls. 2500 Jahre lang, an irdischer Zeitrechnung gemessen, lebte er an ihrer Seite. Sie wusste, dass ihr Volk untergehen würde. Eine schreckliche Seuche raffte es langsam und unaufhaltsam dahin. Mit ihm zusammen jedoch wollte sie den Grundstock für ein neues Volk auf dem Planeten SEMONIEN legen. 2500 Jahre waren für Fox Moon eine Ewigkeit. Für die schöne Göttin Catubodua waren es nur wenige Tage oder Wochen gewesen.

Doch was sind Schmerzen? Kann man sie mit Worten beschreiben, wenn man sie vorher nie am eigenen Leibe erfahren hat, wie diese Göttin? Nein, man muss sie selbst erlitten haben.

Auch bei dem jungen Raumfahrer verursachte das schier endlose Warten in der Ewigkeit ein seltsames Schmerzgefühl, das ganz anderer Natur war, als jene Schmerzempfindungen, die man gemeinhin am leiblichen Körper zu spüren bekam.

Fox Moon wusste nun, was es heißt, Schmerzen ertragen zu müssen, die seine Gefühle tief berührten. Es waren die Schmerzen der Liebe zu einer Frau, die er jetzt für immer verlassen wollte. Seine Zeit war gekommen, um zu gehen. Es trieb ihn zurück zu den Menschen, die seinesgleichen waren, sonst würde er hier in der permanenten Zeitlosigkeit entweder verrückt werden oder in dieser für ihn völlig fremden Welt langsam elendig zugrunde gehen.

Tote können nicht weinen, aber die Göttin Catubodua konnte es. Denn die schreckliche Seuche vermochte ihr nichts anzuhaben. Sie war ein unsterbliches Wesen. Nur ihr Volk war es nicht, das jetzt unaufhörlich verwelkte, wie eine Blume, die kein Wasser mehr bekam.

Als sich die metallisch glänzende Eingangsschleuse des gewaltigen interstellaren Raumschiffes TITAN ONE langsam zu öffnen begann, blickte Fox Moon noch ein letztes Mal zurück. Die schöne Göttin stand vor den offenen Toren einer seelenlosen Stadt und schaute zu ihm herüber. Die Tränen aus ihren Augen glitzerten im fahlen Licht der Doppelmonde von SEMONIEN.

Tief in ihrem Innern jedoch wuchs neues Leben heran. Es war menschliches Leben, das einmal diesen Planeten zurück erobern würde. Das wusste Fox Moon genau, denn er hatte es mit der schönen Göttin Catubodua selbst gezeugt, weil sie es so wollte. Schon bald könnte sie wieder die unumschränkte Herrscherin über ein neues Volk und einer großen Zivilisation sein.

Ein letzter Blick noch, dann drehte er sich schnell um und betrat das riesige Sternenschiff. Drinnen gab Fox Moon dem Computer den klaren Befehl, sämtliche Luken zu schließen und den Start des Schiffes vorzubereiten. Alles funktionierte noch, obwohl mehr als zweitausendfünfhundert Jahre irdischer Zeitrechnung vergangen waren. Die unermüdlich arbeitenden Androiden des Raumschiffes hatten es in Ordnung und funktionstüchtig gehalten.

Die gigantischen Antimaterietriebwerke begannen zu fauchen. Ihre schier grenzenlosen Kräfte hoben die TITAN ONE wie einen schwebenden Ball schon fast spielerisch hinauf in ein sternenübersätes Universum.

Das einprogrammierte Ziel des vollautomatisch arbeitenden Navigationscomputers war der Planet ERDE in der fernen Galaxie Milchstraße, die Heimat der menschlichen Rasse, von der auch Fox Moon abstammte.

Als das imposante Sternenschiff kurz nach dem Start den ersten Hypersprung initiierte, lag der junge Raumfahrer bereits im friedlichen Kälteschlaf.

***

Was davor geschah...

Fox Moon wurde ganz plötzlich von einem lauten Schrei aus der Ruhe seines angenehmen Schlafes gerissen. Er schlug seine Augen auf und starrte an die Glasdecke seines Relaxraumes. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er atmete schwer. Wieder dieser schreckliche Alptraum, dachte sich der junge Mann und fing auf einmal an zu schwitzen.

Er verließ die wohlige Wärme seines Bettes und ging nach draußen auf die Aussichtsplattform des Holodecks seines Sternenschiffes, der TITAN ONE. Es war eine komplett künstlich dargestellte Welt, die hier unmittelbar zu seinen Füßen lag.

Die Stille und die kühle Nachtluft in den Lungen ließen ihn schnell ruhiger werden. Auch der Schweißausbruch ließ nach. Bald war alles so normal wie zuvor.

Kurz darauf legte er sich wieder mit einem leisen Seufzer hin, rührte sich einfach nicht mehr und versuchte einzuschlafen. Der Blick seiner Augen wanderte abermals nach oben.

Über dem nassen Panzerglasdach zogen die künstlich erzeugten Wolkenfetzen dahin. Draußen hatte in der Nacht ein schlimmes Unwetter getobt, das mittlerweile jedoch weiter gezogen war. Die Computersimulation wirkte unheimlich echt, was auch so vorgesehen war. Sogar täuschend echt aussehende Menschen konnten künstlich generiert werden, die ihm manchmal die Langeweile hier draußen in den unendlichen Tiefen des Alls mit zu vertreiben halfen.

Fox Moon lag still da und dachte über seinen Alptraum nach, der stets mit einem fürchterlichen Schrei endete. Es kam ihm so vor, als schrie jedes Mal eine Frau in höchster Not.

Während er so da lag, beobachtete er ohne Unterlass das bizarre Spiel der vorbei ziehenden Wolkenfetzen, die geräuschlos über den nächtlichen Himmel jagten. Der künstlich erzeugte Mond stand nahe am Horizont. In seinem gespenstischen, grauweißen Licht schienen sich die Wolken ständig zu verändern. Manchmal sahen sie aus wie flüchtende Ungeheuer, die über ihn wie entsetzlich aussehende Dämonen dahinzogen.

Plötzlich stockte ihm der Atem. Er wusste nicht, ob er schon eingeschlafen oder nur in einen dämmrigen Traumzustand gefallen war.

Eine milchigweiße Gestalt löste sich aus dem vorbei ziehenden Wolkenmeer und kam schnell näher. Es war eine große, schweigende Gestalt, die den Umrissen nach eine Frau zu sein schien. Ihre Glieder waren äußerst fein und die Haut war so bleich, als wäre alles Leben von ihr gewichen. Ihre großen Augen leuchteten so schwarz, wie der wehende Umhang, der sie umgab.

Die Gestalt schwebte heran, durchdrang das Panzerglasdach, als wäre es gar nicht vorhanden. Nur wenige Sekunden später stand die seltsame Erscheinung am silbrigfarbenen Metallbett von Fox Moon, das Gesicht im Schatten einer weiten Kapuze vorborgen. Sie hob den Kopf, wobei die Kapuze nach hinten rutschte und das Gesicht frei legte. Es war tatsächlich das Antlitz einer überaus schönen und gleichzeitig geheimnisvollen Frau, die wie ein Geist ganz plötzlich erschienen war und jetzt leibhaftig vor ihm stand. Fox Moon wunderte sich darüber, warum die Verteidigungssensoren der TITAN ONE auf das Eindringen dieses Wesens nicht reagiert hatten.

Ohne die gleichmäßig geformten Lippen ihres Mundes zu bewegen, hörte der junge Mann trotzdem ihre feine Stimme, mit der sie in einem zärtlichen Ton zu ihm redete. Er verstand jedes ihrer Worte, das sie zu ihm sagte.

Das Volk der SEMONEN und ich leben schon sehr lange hier, bevor du mit deinem Sternenschiff auf unserem Planeten gelandet bist, der dir äußerlich öde und unbewohnt erscheint. Aber das ist ein Trugschluss. Du kannst uns nicht sehen, und doch sind wir überall.

Die Zeitebene, auf der wir existieren, ist eine andere. Wir nehmen deine Anwesenheit nur widerstrebend hin. Doch du kamst wie ein schicksalhaftes Geschenk zu uns. Deshalb habe ich dich auserwählt, um das Volk der SEMONEN zu retten, das kurz vor seinem Untergang steht. Es muss erneuert werden, um weiterleben zu können.“

Fox Moon sprang aus dem Bett und wollte den Bordalarm auslösen. Die Frau in dem schwarzen Umhang versperrte ihm allerdings sofort den Weg. Eine starke, unsichtbare Kraft hielt ihn zurück. Der junge Raumfahrer wusste nicht, wie sie das bewerkstelligte und setzte sich deshalb widerstandslos auf die kalten Leichtmetallkanten seines Bettes zurück.

Was willst du von mir?“ fragte er die weibliche Gestalt ohne einen Funken Angst in der Stimme.

Sie streckte ihre Hand nach ihm aus, strich mit den filigranen Fingern ihrer rechten Hand über sein Gesicht, wobei Fox Moon das komische Gefühl beschlich, dass es die Finger einer Spinne waren, die ihn da berührten.

Schweigend saß er vor ihr. Ihr Wesen war für ihn undurchschaubar. Ein schrecklicher Gedanke schoss ihm plötzlich durch den Kopf. Es war wie eine blitzartige Vision, die seine wirren Gedanken beschäftigte.

Die schwarz gekleidete Frau vor ihm machte auf ihn den komischen Eindruck einer Kreatur, die versuchte, ähnlich einer weiblichen Spinne, ihre Fäden um ihn zu wickeln, damit er nicht mehr fliehen konnte.

Ich muss hier weg um den Verteidigungsalarm auszulösen. Koste es was es wolle!“ murmelte er mit gepresster Stimme vor sich hin und bereitete sich innerlich darauf vor, seinen Körper nach vorne zu werfen. Er wollte dieser geisterhaften, unbekannten Kreatur unbedingt entkommen. Da konnte sie noch so schön sein.

Kaum hatte er diesen Gedanken halblaut für sich zu Ende gesprochen, verschwand die spukhafte Erscheinung auch schon wieder von einer Sekunde auf die andere. Sie löste sich einfach vor seinen Augen auf. War es sein bedingungsloser Kampfeswille gewesen, der sie verscheucht hatte? Der junge Raumfahrer war sich jedenfalls dessen ziemlich sicher.

Doch seine selbstgefällige Annahme erwies sich schon bald als Irrtum.

Im nächsten Moment veränderte sich nämlich die Umgebung um den jungen Raumfahrer herum rasend schnell. Eine Zeitverschiebung trat ein, die ihn augenblicklich in eine fremde Welt katapultierte, und die sich nach und nach um ihn herum wie ein Puzzlespiel von selbst aufbaute.

Fox Moon wandelte auf Pfaden, die jedem anderen Menschen bisher verwehrt worden waren. Doch, wie ein Stück Treibholz in einer dahin strömenden Wasserflut, wusste er nicht, wo dieser Weg für ihn endete.

Aber er würde es bald erfahren.

Dieser Weg sollte ihn in eine Zeit führen, als das Volk der SEMONEN noch nicht vom beginnenden Untergang gekennzeichnet war.

Dann, ganz unvermittelt, fand sich Fox Moon in einem hell erleuchteten, palastähnlichen Schlafzimmer wieder. Er lag, in einem langen Schlafgewand gekleidet, auf einem mit goldenen Ornamenten verziertem Bett und blickte hinauf in einen wunderschönen, nächtlichen Himmel. Fahles Mondlicht erfüllte den unteren Teil des Firmaments, oben jedoch leuchteten die Sterne in einer unvorstellbaren Pracht wie ein einziges Meer aus Millionen und Abermillionen funkelnder Diamanten.

Als er sich umdrehte, erblickte er sie. Sie war eine wunderschöne Frau, die von einer flimmernden, Licht weißen Aura umgeben war, die pure Liebe ausstrahlte.

Sie lag still neben ihm. Ihre festen Brüste hoben und senkten sich gleichmäßig mit jedem Atemzug, den sie tat. Sie sah ebenfalls hinauf zu den Sternen, bis sie ihn schließlich anschaute und seine wirren Gedanken beruhigte.

Tausend Jahre sind bei mir wie ein Tag, Liebster. Solange du bei mir bist, wirst du nicht altern, weder Krankheit, noch Siechtum oder Tod erleiden müssen. Mit dir werde ich neues Leben zeugen und das Volk der SEMONEN vor dem endgültigen Untergang bewahren. Ist diese Aufgabe vollendet, kannst du dorthin zurück kehren, von wo du gekommen bist. Es sei denn, du würdest dich anders entscheiden. Es liegt ganz allein an dir, welchen Weg du einschlagen möchtest. Ich werde auf dich warten, was auch immer kommen mag.“

Sie hielt für einen Augenblick inne. Dann deutete sie mit der rechten Hand auf eine weiße Kugel mitten im Schlafgemach ihres weiß farbenen Palastes.

Sieh hin, das ist die Welt meines Volkes, das es bald nicht mehr geben wird. Eine böse, unbekannte Macht vernichtet ihre Seelen. Ich kann den schrecklichen Tod meiner Untertanen nicht aufhalten. Ich habe alles versucht und bin jedes Mal kläglich gescheitert. Aber ich habe einen Weg gefunden, ein neues Volk zu erschaffen – zusammen mit dir, mein Geliebter. Es ist wie ein Wunder...“

Bei diesen Worten liefen ihr Tränen über das schöne, elfengleiche Gesicht.

Die weiße Kugel drehte sich zuerst langsam, dann immer schneller.

Seltsamerweise konnte Fox Moon zuerst, außer einem wabernden, dunstig hin und her wogenden Nebel, nichts genaues erkennen. Doch dann tauchten ganz unvermittelt die ersten Einzelheiten einer Planetenoberfläche auf, die ihn gebannt fesselte und über alle Maßen faszinierte.

Er sah eine Art Miniaturlandschaft vor sich, mit blau leuchtendem Wasser, sich schlängelnden Flüsse und friedlich da liegenden Seen, etlichen Küstenlinien, unzähligen Inseln, die überall verstreut aus den azurblauen Wassermassen der Meere hervor lugten. Verschiedene Kontinente, mit steinigen oder sandigen Stränden, traten ins Bild. Riesige Berge tauchten auf, die weit in den Himmel ragten. Grüne Wiesen, saftige Felder und dichte Wälder wechselten sich unablässig ab. Die Darbietungen schienen kein Ende zu nehmen. Es war eine herrlich anzusehende Welt. Doch sie lag in Agonie.

Fox Moon richtete seinen Blick noch weiter nach unten. Soviel er sich auch anstrengte, er konnte fast keine Bewohner erkennen. Die Welt auf diesem Planeten erschien ihm wie ausgestorben.

Der junge Raumfahrer wich zurück. Er verstand es zuerst nicht, und doch dämmerte es ihm langsam.

Das Volk der SEMONEN durchlebte das Ende.

Dem jungen Raumfahrer überkam eine tiefe Traurigkeit. Er wurde Zeuge vom Untergang einer ganzen Zivilisation, welche äonenlang in Raum und Zeit existiert hatte. Böse Mächte trieben hier offenbar ihr grausames Spiel. Er dachte darüber nach, ob der Menschheit gleiches drohen könnte.

Plötzlich spürte er die zarten Hände der schönen Göttin, die zärtlich nach ihm tasteten. Sie schmiegte sich immer näher an seinen nackten Körper, bis sie auf einmal unter ihm lag. Fox Moon hatte das schöne Gefühl, in eine Welt aus buntem Licht zu tauchen. Dann schien sein Bewusstsein in eine Art taumelnder, nie enden wollender Ekstase zu versinken. Willenlos ließ er sich durch ein Meer himmlischer Gefühle treiben – und sie war immer unter ihm.

***

Eine unendlich lange Zeit später...

 

Eine kalte, nach Meer schmeckende Brise schlug Fox Moon entgegen wie eine Woge erfrischend kühlen Wassers. Er war offenbar kurz eingenickt.

Verwundert reckte er seine Glieder und sah sich um. Der junge Raumfahrer stellte fest, dass er sich unter freiem Himmel auf einer grünen Wiese in der Nähe eines großen Sees befand. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. In der Ferne ragten die gewaltigen Umrisse eines riesigen Raumschiffes in den Himmel.

Fox Moon stand auf und sog die wohltuende Luft in tiefen Zügen ein.

Die Luft, das weite Land vor ihm, das schummrige Licht der beginnenden Abenddämmerung, all das war einfach zu belebend, als dass er sofort gehen wollte. Für ihn war die ERDE zwar immer noch der schönste Ort im Universum, aber dennoch hatte er sich damals, vor mehr als 2500 Jahren, im letzten Moment anders entschieden.

Nach einem kurzen Aufenthalt auf der Erde war er zu ihr, der schönen Göttin Catubodua auf dem Planeten SEMONIEN, zurück gekehrt. Mittlerweile war dort wieder eine große Zivilisation entstanden, die sich aus einer Vielzahl verschiedener Völker zusammensetzte. Die Göttin Catubodua und Fox Moon herrschten gemeinsam über den Planeten und seiner neu entstanden Zivilisation. Vor einiger Zeit waren sie sogar der Planetenförderation beigetreten.

Ich würde gerne noch ein wenig bleiben“, sagte eine sanfte Stimme hinter ihm, die von einer schönen, jungen Frau stammte.

Er drehte sich zu ihr herum, nahm sie zärtlich in die Arme und küsste sie.

Wenn du es wünscht, bleiben wir noch ein Weilchen hier, Catubodua. Für meine Göttin tue ich alles. Die TITAN ONE startet sowieso erst in sechs Stunden. Die Regierung der Planetenföderation will uns außerdem noch verabschieden. Trotzdem bin ich froh, wenn ich endlich wieder mit dir zusammen auf SEMONIEN bin. Wir dürfen unser Volk nicht zu lange alleine lassen“, sagte der junge Raumfahrer und küsste seine Göttin wieder, die seine Liebkosungen sichtlich genoss.

 

 

ENDE

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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