Georges Ettlin

Der Tote im Haus nebenan

Die Geräuschsuppe vor dem Fenster war je nach der Jahreszeit verschieden.Zur Sommerzeit
klangen die Stimmen und die Geräusche der Menschen auf der Strasse lauter, leichter und fröhlicher,die Fenster waren wegen der sommerlichen Wärme geöffnet und boten dem zufälligen Betrachter allerlei Einsichtmöglichkeiten: 
Ich sah im ersten Stockwerk im Schlafzimmer einen alten Mann schlafend liegen, tagsüber in seinem Bett,
und das vier Tage lang.Aus einer latenten Neugierde heraus, die ihren Ursprung in einer gewissen Besorgnis
hatte, beschloss ich dann, den Nachbarn zu beobachten, was juristisch gesehen ein Verbrechen war...
was aber viele Leute nicht wissen. Nun gut, ich erlaubte mir das ausnahmsweise und sah nach dem zweiten Tag,
dass sein rechter Arm über die Bettkante fiel: Sollte der Mann tot sein, dann war das nach einer Zeit der
Totenstarre durchaus möglich. Nun, der Mann war tatsächlich tot. Der allein lebende Mann (in meinem Alter)
bekam keinen Besuch und ich wollte schon um Hilfe telefonieren, doch aus irgend einem Grunde
erreichte ich den Telefonapparat nicht.Von meinem von mir angesprochenen Nachbarn wurde ich ignoriert, man hat mich gar nicht wahrgenommen,
was mich ein wehnig beunruhigte. So beschloss ich, den Mann durchs offene Fenster weiter zu betrachten. Tage später
kam die Polizei zum Nachbarhaus und transportierte den Mann in einem speziellen Sarg nach draussen.
Beim umbetten des toten Mannes sah ich das Gesicht der Leiche: Sie hatte mein Gesicht !
Die Hausnummer des Hauses war die meine und ich befand mich im Haus nebenan in einer Fremden Wohnung.
Langsam dämmerten mir die Zusammenhänge: Ich war tot und meine Seele schwebte statt ins helle Licht der göttlichen Liebe,
zurück in eine Nachbarwohnung einer einsamen, schwangeren jungen Frau. Dort hatte ich die Frau aus christlicher Nächstenliebe mit meiner
charmanten Liebe beschenkt, doch schien das nicht so ganz zu stimmen, denn im katholischen Sinne war es Sünde.
Aber in meiner Philosophie war es Nächstenliebe im christlichen Sinne.Statt unbeschwert in den Himmel zu schweben,
fuhr meine Seele zur lieben Nachbarin, denn ich sollte da etwas noch schnell in 
Ordnung bringen, ich wusste nur nicht was.... Dieser Konflikt brachte meiner Seele zuviel Erdenschwere und
ich musste eine Zeitlang (hoffentlich nur) bei meiner lieben Nachbarin bleiben.


***

c/G.E.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Georges Ettlin).
Der Beitrag wurde von Georges Ettlin auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.11.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Georges Ettlin als Lieblingsautor markieren

Buch von Georges Ettlin:

cover

Alles - Nichts ist für immer von Georges Ettlin



Mein Buch beschäftigt sich mit Romantik, Erotik, gedanklichen und metrischen Experimenten, Lebenskunst, Vergänglichkeit und versteckter Satire .

Die Gedichte sind nicht autobiographisch, tragen aber Spuren von mir, wie ein herber Männerduft, der heimlich durch die Zeilen steigt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Krimi" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Georges Ettlin

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der Planet der Toten von Georges Ettlin (Spirituelles)
Der Türsteher von Goren Albahari (Krimi)
Hier lebe ich von Rüdiger Nazar (Autobiografisches)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen