Helmut Wurm

Mephisto und geplanten Demokratie-Übungen in einer Schule

Gesprächsteilnehmer: Ein von Demokratie besessener, unrealer Gutmensch-Junglehrer 
                                    Der realistische und etwas spöttische Mephisto

Ort: In einem einsamen Dachzimmer vor einem PC

In einem einsamen Dachzimmer, in dem über das große Dachfenster der Mond und die Sterne hineinleuchten und die Brücke spannen zur unrealen Wunschwelt, sitzt ein junger Mann und lässt seine Gedanken zum Dachfenster hinaus schweifen. Der Nachthimmel ist voller Hoffnungen und positiver Verheißungen.

Der junge Mann hat gerade seine Lehramtsprüfung bestanden und träumt davon, wie er seine Schüler in einer besseren Schulwelt zu einem besseren Demokratie-Verständnis bringen wird. Er ist nachlässig-locker gekleidet und hat eine längere, etwas ungepflegte Frisur – so wie das für die meisten Junglehrer typisch ist, denn die meisten machen ohne große Überlegungen meistens das, was gerade modern ist, weil sie sich durch Anpassungen an die Schüler und an die Zeit beliebt machen und es so einfacher in der Schule haben wollen.

Der Junglehrer (träumt): In seiner Klasse und in seinen Lerngruppen wird es keinen Zwang, keine Vorgaben, keine Bevormundung, keine Unfreiheit mehr geben. Alles wird gemeinsam besprochen, geplant und ausgeführt werden. Denn diese Schüler sollen, wenn sie die Schule verlassen, die neue Generation der perfekt trainierten Demokratie-Staatsbürger geworden sein. Mit ihnen soll die Welt endlich besser werden und Demokratie nicht nur ein hohles Wort sein. Er träumt von seinen Plänen, träumt von seinen Methoden, träumt von diesem neuen Schülertypus, träumt, träumt, träumt…

Es hat dabei am PC halb unbeabsichtigt, halb neugierig den Zugang zur neuen Meta-Welt des Herrn Zuckerberg gewählt und das weite Firmament, sein Dachzimmer und seine Träume verschmelzen allmählich zu einer neuen Wirklichkeit, die ihn entspannt und entrückt. Auf einmal wird er aufmerksamer. Auf seinem Bildschirm erscheint groß eine Person, die er so noch nie gesehen hat. Sie ist weder Mann noch Frau, weder jung noch alt, weder ernst noch fröhlich, aber sie hat ein merkwürdiges Charisma, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und strahlt eine etwas unangenehme Ironie aus.

Die Person (stellt sich vor): Hallo, lieber Gutmensch-Lehrer, sei nicht verwundert über mein Erscheinen, auch wenn Du mich nicht aufgerufen hast. Ich meine, wir sollten einmal ein Gespräch führen, du dauerst mich in deiner Welt der Illusionen (Dann murmelt die Person: Ich bedauere dich nicht, ich ergötze mich an deinen Phantastereien und deren Scheitern). Ich bin der Geist, der spaltet, Streit erzeugt, Illusionen platzen lässt, sich an Unvollkommenem erfreut, der keine Ausgewogenheit will, für den ein Denken nach Sokrates die einzige Gefahr ist…, man nennt mich auch kurz Mephisto.

Der Junglehrer(erschreckt): Wie kann man solche negativen Freuden haben, wenn es so viel Gutes zu schaffen gibt?

Mephisto: Das liegt schon lange zurück… Als der Chef die Welt allmählich einrichtete, Schöpfung nennen das einige, hat er auch viele Fehler gemacht. Ich gehörte damals noch zum engsten Führungskreis. Es gab Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und mir um einige Details. Da hat mich der Chef einfach entlassen. Das tat sehr weh und nun schade ich ihm, wo ich kann, und zwar über die Fehler, die ihm unterlaufen sind. Der Chef soll merken, dass der Betrieb nicht so rund läuft, wie er das wollte. Das betrifft auch das Zusammenleben der Menschen, besonders das gegenseitig abgestimmte Zusammenleben. "Demokratie" nennen das einige Gutmenschen-Phantasten. Die Fähigkeit dafür hat der Chef aber vergessen mit einzuplanen.

Der Junglehrer (verzückt): Gerade Demokratie ist mir sehr wichtig. Wenn ich jetzt meinen Schuldienst antrete, möchte ich die Gesellschaft über die erlernte Demokratie in den Schulen friedlicher und freier gestalten helfen. Der Mensch ist von Natur aus gut, er wird nur schlecht durch falsche Einflüsse und falsche Gesellschaftsformen…

Mephisto (für sich): Ich weiß um deine dummen Illusionen, deshalb bin ich ja hier, um dir diese Flausen auszutreiben. (dann laut): Ich weiß es besser: der Mensch ist unvollkommen, schlecht und dumm. Die meisten verwechseln Demokratie mit zentralen Grundfreiheiten wie Reisefreiheit, Wohnfreiheit, Berufsfreiheit… Was du planst, wünschst, erhoffst ist viel mehr. Aber dafür ist der Mensch noch nicht eingerichtet und befähigt. Der Chef hat die Menschheit über 1 bis 2 Mio. Jahre eingerichtet und dabei nur Hauptfähigkeiten berücksichtigt, nämlich Nahrungsbeschaffung, Wohnraumbeschaffung, technische Fähigkeiten… Diese Befähigungen sind im Erbgut gespeichert, damit sie jeder Mensch jederzeit zur Verfügung hat. Der Mensch hat nämlich eine Steinzeitgenetik. Demokratie und Digitalisierung gehören noch nicht dazu. Das würde auch einige zehntausend Jahre dauern, bis dafür eine Prägung im Erbgut erfolgt ist. Demokratie war in der Steinzeit nicht notwendig. Wem etwas nicht passte, zog einfach weiter weg in eine leere Höhle… Vergiss die Demokratie-Fantastereien also, sonst erfährst du nur Enttäuschungen… Lass uns lieber mal die Personen und Institutionen durchgehen, die in deinem künftigen Schul-Segment vorkommen.

Der Junglehrer: Da sind ganz am Anfang die Dozenten der Lehrerausbildung, dich mich immer wieder auf die Notwendigkeit von Demokratisierungs-Prozessen hingewiesen haben.

Mephisto (lacht hämisch): Dozenten sind meistens nur eine Auswahl von selbstbewussten Menschentypen, die sich in ein Thema verbissen haben und über ein überdurchschnittliches Namensgedächtnis verfügen. Ihre Wissenschaftlichkeit ist meistens nur ein Aufzählen, was andere geschrieben haben und eine Aneinanderreihung von Literaturtiteln. Das ist keine Erkenntnis, das ist nur Fleißarbeit. Und damit bekämpfen sie sich gegenseitig oder treten sich versteckt in den Hintern… Das stimmt leider nicht für alle, aber, der Nachlässigkeit des Chefs sei Dank, für viele... Vergiss diese eingebildete Menschengruppe. Du hast nur Ärger mit denen, wenn du eine eigene abweichende Meinung äußerst. Das können sie nicht ertragen.

Der Junglehrer: Aber eine Orientierung sind sie für mich doch, sie haben mich auf die nötige Demokratisierung überall hingewiesen.

Mephisto: Wie weit diese Professoren Orientierungen oder besser keine Orientierungen sind, kannst Du schon daran erkennen, dass du dich in der Schule keinesfalls so verhalten darfst, wie sich viele Professoren vor den Studenten verhalten. Sie laufen gestikulierend hin und her, reden mal in die eine oder andere Ecke gewandt, nuscheln, können sich nicht knapp äußern, hocken auf Tischkanten, lümmeln sich auf Stühlen herum, sind nachlässig gekleidet und frisiert… Wenn du dich vor deinen Schülern so gibst, wirst du bald alles Ansehen verloren haben!

Junglehrer: Ich werde das besser machen. Meinen Schülern will ich ein Vorbild sein. Aber zurück zum Hauptthema: eine demokratische Schule in Allem muss doch wunderbar sein. Die Schüler stimmen über den Lernstoff, ihre Lehrer, die Lernmethoden… ab. Das wird eine Schule ohne Konflikte, ohne Bevormundung, ohne ungerechte Vorgaben sein… Dafür werde ich mich einsetzen und dafür werde ich letztlich überall Anerkennung erfahren (er blickt verzück in den Meta-Himmel).

Mephisto (lacht spöttisch): Du Träumer, bleib auf dem Boden der Realität! Die meisten Jugendlichen sind durch die Pubertät und die Früh-Adoleszenz gemäß ihrer Steinzeitgenetik, der Nachlässigkeit des Chefs sei Dank, sehr unruhig, eigenwillig, zum Protest neigend, an Einigungen desinteressiert… Sie pflegten früher in der Steinzeit in dieser Phase die Familie, die Steinzeitgruppe zu verlassen und einige Tagesreisen entfernt eigene neue Siedlungskerne und Kleingruppen zu schaffen. In dieser Phase brauchten sie sich nicht demokratisch einigen, nicht demokratisch mitbestimmen, sondern konnten eigenverantwortlich alleine ein neues Leben gestalten. Du wirst schnell erleben, dass in dieser Phase der Protest vorherrschender ist als ein demokratisches Gruppengefühl. Schüler benötigen deswegen in dieser Phase einen klaren Schul-Rahmen und strenge Schul-Lebensformen. Das gilt leider nicht für alle Schüler, aber, der Nachlässigkeit des Chefs sei Dank, für die meisten. Lass die Jugendlichen mit deiner Demokratie-Begeisterung in Ruhe.

Und die demokratische Schule wird auch an den Lehrern scheitern. Die demokratische Lern-Schule wird es auf die Dauer nicht geben. Ich erinnere mich an einen konkreten Fall. Der Schulleiter wollte eine demokratische Schule und Wohlfühlschule. Die Praxis sah aber so aus, dass die Schüler diejenigen Lehrer wählten, die für gute Noten die wenigsten Lern-Mühen versprachen. Und es gab Lehrer, die andere Kollegen vor den gewünschten Klassen schlecht machten um selbst gewählt zu werden. Der ganze Versuch endete damit, dass immer mehr gute, anspruchsvolle Lehrer sich wegmeldeten und immer mehr lernwillige Schüler, die an gute Unis wollten, auf anspruchsvollere Schulen wechselten. Und schließlich war die geplante demokratische Wohlfühl-Schule eine verachtete kleine Restschule ohne Niveau. Erspare dir das Erleben, dass deine Schule auch eine solche verachtete Restschule wird. Vergiss deine Demokratisierungsträume, der Mensch ist auf Demokratie nicht in seiner Genetik vorbereitet.

Der Junglehrer (beginnt langsam unruhig zu werden): Dann werde ich über die Medien und die Politik im Kleinen wie im Großen versuchen, der Demokratie an den Schulen mehr Wege und Anerkennung zu öffnen.

Mephisto: Dann kommst du in den Bereich der Politiker und Meinungsführer. Diese Gruppe ist neben unverschuldet organisch Kranken dem Chef am schlechtesten gelungen. Sie sind im Gehirn krank. Bei ihnen werden das Selbstbewusstseins-Zentrum und das Macht-Zentrum durch zu viele Botenstoffe übermäßig angeregt. So wie zu viele Immun-Botenstoffe Allergien, MS, Psoriasis, Rheuma, Asthma hervorrufen, so rufen überhöhte Botenstoff-Ausschüttungen in Richtung Selbstbewusstsein und Machtbedürfnis gesteigerten Geltungsdrang hervor.

Und die Meinungsführertypen in deiner näheren Umgebung, die gibt es überall, werden dir noch zu schaffen machen. Denn die sind nicht an gemeinsamen Überlegungen interessiert, sondern wollen dich von ihren Ansichten überzeugen. Das gilt leider nicht für alle, aber dank der Nachlässigkeit des Chefs für viele.

Zusätzlich gleichen Politiker und Meinungsführer in ihrer Psyche den Schauspielern. Sie genießen das Bad in der Menge. Die reden doch nur laut von Demokratie, insgeheim fürchten sie sie, denn die Demokratie würde ihnen ja bei ihrer Abwahl den Boden für unbegrenztes öffentliches Auftreten entziehen. Aber vielleicht wird man schon in einer Generation diese Politiker und Meinungsführer durch medikamentöse Botenstoff-Reduzierungen, durch künftige Selbstbewusstsein-Suppressiva normalisieren können - wenn sie dann allerdings diese Suppressiva auch nehmen… Dann wird für mich die Welt allerdings langweiliger werden, denn gerade die Politiker und Meinungsführer richten die meisten Schäden unter den Menschen an. Wie viele Ungerechtigkeiten und Kriege, wie viel Bevormundung sind durch sie im Laufe der Geschichte ausgelöst worden… Aber der Mensch ist ja nicht für die Demokratie genetisch vorbereitet. Das gilt leider nicht für alle, aber, dem Chef sei Dank, für viele. Demokratie war in der Steinzeit nicht notwendig. Wem etwas nicht passte, zog einfach weiter weg in eine leere Höhle. Akzeptiere das endlich.

Der idealistische Lehramtsanwärter (noch zuversichtlich): Ich kenne noch einen Weg, Demokratie in Deutschland zu stabilisieren und auch bei den Jugendlichen zu verbreiten - die demokratischen Parteien bei uns. Ich werde Briefe an sie schreiben, werde versuchen bei ihren Veranstaltungen zu reden, werde in eine besonders demokratische Partei eintreten… Diesen Weg wirst du mir nicht ausreden, nicht madig machen können.

Mephisto (lacht schallend): Da hast du dir gerade diejenigen Gruppen ausgewählt, die nur scheinbar überzeugt demokratisch sind, in Wirklichkeit aber die Demokratie schwächen und mit aushöhlen. Du wirst mir zustimmen, dass eine ideale Demokratie dadurch gekennzeichnet wäre, dass alle Bürger gemeinsam überlegen, beratschlagen, abstimmen und das Ergebnis dann umsetzen - ohne Neid und Hinterhältigkeit und Intrigen beratschlagen und umsetzen. Aber das ist eine Riesenillusion. Dafür ist der Mensch nicht geschaffen, dafür hat der Chef vergessen, die Anlagen einzupflanzen – vielleicht, weil er selbst ein Idealist ist.

In der Steinzeit, Dauer über 1 Mio. Jahre, haben nur steigender Ehrgeiz bei Hordenführern, Fortschritte im Denken, zunehmende Mobilität, die Bereitschaft der Mitläufer, sich um einen Hordenführer zu scharen und die Bereitschaft, den eigenen Sammel- und Jagdraum mit allen Mitteln, auch mit unfairen, gegen Fremde zu verteidigen, den Fortschritt gebracht. Und genau das sind die Merkmale, die man bei Parteien findet: Nämlich Menschen mit Geltungs- und Machtbedürfnis sammeln um sich folgsame, überzeugte Mitglieder oder Mitglieder, die für sich berufliches Fortkommen erhoffen. Die anderen Parteien sind nicht Gruppen mit anderen Meinungen, sondern Gegner, Feinde, Gefahren. Und die Wähler sind das „Stimmvieh“, das Publikum, das es zu gewinnen gilt. Und dafür hat jede Partei studierte Meinungsforscher engagiert, die genau analysieren, wie man Wählerstimmen gewinnen könnte. Dafür werden spezielle, erfolgreich scheinende Wahlprogramme entworfen, eventuell wieder geändert oder so formuliert, dass sie alles bedeuten und angepasst werden können, dafür werden sogar Empfehlungen entwickelt, wie sich die Partei und deren Herolde öffentlich verhalten, kleiden und welche Vokabeln sie bei Reden benutzen sollen…

Den anderen Parteien tritt man heimlich oder offen ans Schienbein, sucht in jeder Ecke nach Fehlern und Schmutz, mit dem man werfen kann… Ist das Demokratie? Sie reden alle ohne Pause nur von Demokratie, weil das die Methode ist, sich Geltung zu verschaffen und andere zu bekämpfen… Ich kann dir dutzende Beispiele dafür allein aus der Gegenwart geben… Und diesmal kann ich sagen, dass alle Parteien irgendwie so sind, nicht nur einige. In den kleinen Ortsverbänden in dörflichen Bereichen gibt es vielleicht einige Idealisten so wie dich, aber auch hier überwiegen die Geltungsbedürftigen und die Anwender der politischen Trickkiste…

Die so genannten demokratischen Parteien stützen also die demokratischen Staatsformen, aber nicht aus Idealismus, sondern aus purem Egoismus. Das ist das Vorbild, das die Parteien der Jugend geben… Willst du an deiner Schule für diese Unvollkommenheit, für diese Tricks, Heucheleien und Intrigen werben?

Der idealistische Lehramtsanwärter (sinkt auf dem Stuhl zusammen und murmelt):

Musst du denn alles schlecht machen, alles entheiligen…?

Mephisto (hämisch, zynisch, bösartig): In der Politik und bei den Parteien ist nichts heilig, da zählen nur Wählerstimmen, Wahlerfolge, Mitgliederzahlen… Da ist sehr viel vom Chef falsch gemacht worden oder unvollkommen geblieben. Wie macht der Chef es mir so leicht, seine Schöpfung durcheinander zu wirbeln, ihr zu schaden, Unruhe und Ungerechtigkeit zu fördern…

Der Junglehrer (immer verzweifelter): Gibt es denn bei der Masse der Menschen kein Bedürfnis, wenn auch noch so versteckt, nach Mitbestimmung und Demokratie?

Mephisto: Dazu kann ich dir aus der Beobachtungspraxis eine Antwort geben. Bei einer öffentlichen Diskussion bekannte kürzlich ein Familienvater, dass er innerhalb seiner Familie und am Arbeitsplatz so viel Stress und Entscheidungsbedarf hätte, dass er darüber hinaus gesagt bekommen möchte, was er tun soll. Die Masse sehnt sich nicht nach Demokratie, sie will lieber angenehm geführt werden. Das gilt leider nicht für alle Menschen, aber für viele. Der Mensch ist für Demokratie genetisch nicht vorbereitet, das hat der Chef vergessen. Demokratie war in der Steinzeit nicht notwendig. Wem etwas nicht passte, der zog einfach weiter weg in eine leere Höhle. Wenn jemand in einer größeren Steinzeithorde blieb, wollte er vom bestimmenden großen Jäger vernünftig geführt werden. Das gilt bis heute. Deswegen nehmen in unserer Zeit die autoritären Regierungen zu, siehe Russland, China, Nord-Korea, Südamerika, die muslimischen Staaten... Und vergiss nicht den Trump… … Und in solchen Systemen kann ich bösartig herummengen, wie schön… Akzeptiere das doch endlich.

Der Junglehrer (völlig verzweifelt): Dann wäre ja auch für Deutschland eine Abnahme von demokratischen Gegebenheiten und eine Wieder-Zunahme von autoritativ-diktatorischen Formen möglich?

Mephisto: Gerade in Deutschland ist die politische und mentale Geschichte eine Achterbahn: Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, autoritäre Staatsformen und der Wunsch nach übersteigerten demokratischen Formen, politisch links und politisch rechts… Wenn ich so die aktuelle deutsche Politik betrachte, werden mir autoritative Politiker und Strömungen immer auffälliger... Mir soll es nur recht sein, umso mehr Unruhe und Ungerechtigkeit wird es geben.

Jedenfalls wird Deutschland kein Hort der Demokratie bleiben. Der Mensch und auch die Deutschen sind genetisch nicht vorbereitet für eine dauerhafte Demokratie. Akzeptiere das endlich und lass deine Gutmenschen-Träumereien sein.

Der Junglehrer (in einem Zustand des letzten Aufbegehrens mit zusammengebissenen Zähnen): Dann bleibt für mich nur noch der lange Weg selbst in und durch die Wissenschaft der Pädagogik. Dann werde ich dort Schritt für Schritt und unbeirrbar den Blickwinkel auf die Notwendigkeit demokratischer Erziehung, besonders in den Schulen, lenken und ihr immer mehr Geltung verschaffen. Erziehung der Jugend heute ist die Formung der Gesellschaft für die nächste Generation.

Mephisto (lacht hämisch in der Vorfreude seines Sieges): Das ist deine letzte Illusion. Wir hatten unser Gespräch mit den Professoren begonnen und ich konnte dir die enttäuschende Realität zeigen. Bezüglich der Wissenschaft von der Pädagogik, die du so wichtig findest, wird es dir nicht besser gehen. Nicht nur viele Forschende darin sind zu kritisieren, die gesamte Wissenschaft der Pädagogik als solche ist ein utopischer, idealistischer, abstrakter Krampf. Der einzige wirklich realistische Pädagoge war Sokrates. Aber den hat ja die Athener Politik mit meiner Hilfe (er reibt sich die Hände) beseitigt. Die Wissenschaft von der Erziehung ist ein wüstes Sammelsurium von abstrusen Idee, albernen Idealen, Vorstellungen, Empfehlungen, Plänen, Gutmenschen-Phantastereien… Allein wenn man in pädagogischen Werken herum stöbert, kommt schon unabhängig von den Inhalten schnell eine große Ermüdung: Diese auffällige Langatmigkeit der Sprache, diese Wichtigtuerei mit einem Wust von Fremdworten, diese angeblichen wissenschaftlichen Studien und Belege, diese völlig falschen Annahmen vom Wesen des Menschen… Der Chef hat vergessen, den Menschen zum Positiven und zur Demokratie hin erziehbar zu machen… Das einzig Vernünftige wäre eine Pädagogik der Unvollkommenheit, der Unfreiheit, der Dummheit, der verkrusteten Vorstellungen, der primitiven Sehnsüchte…. Das wäre ein realistische Pädagogik. Die könnte vielleicht den Menschen etwas besser machen… Aber so war, bin und bleibe ich der wirklich erfolgreiche Pädagoge. Denn der Chef hat den Menschen unvollkommen in die Welt entlassen. Ich konnte dadurch dafür sorgen, dass Ungerechtigkeiten, Irrtümer, Kriege, Unterdrückung… von der ersten Stunde an die Menschheitsgeschichte geprägt haben und auch in Zukunft bestimmen werden. Ihr Gutmenschen könnt weiter idealisieren, herum spinnen, forschen und tagen - ihr werdet auch in der Zukunft scheitern, aber ich nicht!!! Ha, ha, ha.

Damit verblasst am Bildschirm die merkwürdige Person, das Bild des Mephisto. Der Himmel über dem Dachfenster ist auf einmal kalt und abweisend. Der junge Mann, noch vor kurzem ein Prototyp eines Lehrer-Gutmenschen und Demokratie-Phantasten, hält die Hände vor das Gesicht, verstohlene Tränen fließen darunter hinab und er murmelt: Der Mensch ist genetisch nicht vorbereitet für dauerhafte ideale Demokratieformen, das hat Gott vergessen… Was mache ich jetzt mit meinem Leben?

(Verfasst von Helmut Wurm, Version vom 17. 11. 21. Weitere Ergänzungen sind leider möglich)

Nachtrag: Ursprünglich war das Manuskript kürzer, aber fast täglich findet man in der aktuellen Realität Hinweise auf notwendige Ergänzungen. Solche Ergänzungen sind deswegen auch in der Zukunft zu erwarten. 

Aber nicht alles, was in dem Text behauptet wird, sollte man auf die Goldwaage legen. Wie in der Wissenschaft darf man nicht alles als Forschungs-Realität glauben, was dargestellt wird. Aber gewisse richtige Tendenzen sind möglich und darüber könnte man nachdenken.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.11.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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