Heinz-Walter Hoetter

Drei Kurzgeschichten zum Lesen und Nachdenken

 


 

1. Albert Einstein und der Engel Gabriel

2. Auf der Suche nach dem Haus des Glücks

3. Begegnung mit dem Schicksal


 


 

***


 

1. Albert Einstein und der Engel Gabriel


 

Die fast goldgelbe Flüssigkeit umhüllte meinen ganzen Körper. Sie war einfach angenehm warm, und ich empfand es als ein herrliches Gefühl, sie auf meiner Haut zu fühlen oder von ihren zarten Wellenbewegungen gestreichelt zu werden. Leicht wie ein Ballon schwebte ich in diesem eigenartigen Medium ruhig hin und her, manchmal auch auf und dann wieder ab, ohne jedoch in ihr zu ersticken. Es war schon ein komisches Gefühl anstatt Luft eine Flüssigkeit einzuatmen. Trotzdem kümmerte mich das aber nur sehr wenig, denn ich war unendlich zufrieden.

Die leichte Helligkeit in der Flüssigkeit verschwand nach und nach und machte schließlich einem diffusen Dämmerlicht Platz. Ich ahnte irgendwie, dass eine Veränderung auf mich zukam und verhielt mich deshalb so ruhig wie irgend möglich. Ich drehte mich um, blickte angespannt nach allen Seiten, konnte aber nichts erkennen, weil es immer dunkler wurde.

Dann schlief ich ein.

 

 

***

Eine Stimme sagte sanft: „Wach auf!“

Irritiert blickte ich überall herum, konnte zuerst aber nichts entdecken. Dann stellte ich zu meinem allergrößten Erstaunen fest, dass ich einsam und verlassen auf einer breiten Liege inmitten einer schneeweißen Halle lag.

Meine ersten Gedanken waren: „Ich bin gefangen. Was soll ich tun?“

Wieder diese Stimme: „Dreh’ dich zu mir um, sieh’ mich an!“

Ich richtete mich schwerfällig auf und tat, was man von mir verlangte. Hinter mir stand eine merkwürdige Gestalt, die nur entfernt einem Menschen ähnlich sah. Sie war schlank und außergewöhnlich hoch gewachsen. Auf dem Rücken befanden sich zwei flügelähnliche Auswüchse, die leicht vibrierten.

Erschrocken trat ich einen Schritt zurück und wäre dabei fast auf die Liege zurück gefallen, von der ich aufgestanden war.

„Was ist das für ein Geschöpf und was will es von mir?“ fragte ich mich ängstlich.

Als wenn die unbekannte Gestalt Gedanken lesen konnte antwortete sie mir auf einmal: „Hab’ keine Angst! Ich bin ein Engel. Man nennt mich Gabriel.“

„Du bist ein Engel? Eines dieser himmlischen Lichtwesen, die als Boten Gottes zu den Menschen geschickt werden? “

Bedächtig und stumm nickte der Erzengel Gabriel mit dem Kopf.

Meine Knie fingen an zu zittern, ich bebte am ganzen Körper. Vor lauter Ehrfurcht brachte ich kein einziges Wort mehr heraus. Dann fragte ich mich schließlich, was der Engel Gabriel mit mir vorhatte.

„Komm’ mit, du bist auserwählt worden!“ sagte der Engel plötzlich zu mir, dessen weiße Flügel langsam mit weit ausholenden Bewegungen rhythmisch hin und her schwangen. Dann deutete er mit seiner weit ausgestreckten rechten Hand auf einen dunklen Ausgang, der wie aus dem Nichts auf einmal erschienen war. An seinen Rändern züngelten kleine Feuerchen hoch, die langsam nach oben krochen und dann wieder verschwanden.

Der Engel Gabriel setzt sich, ohne irgendwelche weiteren Worte zu verlieren, wie auf ein geheimes Zeichen hin lautlos in Bewegung. Kurz darauf fühlte ich mich einem inneren Zwang ausgesetzt ihm zu folgen. Als wir den Feuerbogen zusammen erreicht hatten, schritten wir ohne langes Zögern hindurch.

Dahinter befand sich ein schmaler Gang, der ungewöhnlich hoch und sehr lang war. Die Wände sahen metallisch aus und wurden von einem seltsam diffusen Licht erhellt, das aus den Tiefen der Erde zu kommen schien.

Der Engel ging mir immer noch voraus. Schließlich führte er mich in einen weiteren Raum, der ähnlich wie der erste aussah, aus dem wir gekommen waren, nur das er mir wesentlich kleiner erschien.

In der Mitte des Raumes stand ein großer Metallblock vollgespickt mit lauter spiralähnlich geformten Tentakeln und einigen kleinen grünschimmernden Spiegelchen, die aussahen wie Monitore. Auf ihnen erschienen immer wieder unzählige Buchstaben und seltsam aussehende Zeichen, deren Bedeutung ich mir einfach nicht erklären konnte. Die ganze Vorrichtung machte auf mich den Eindruck hoher technischer Vollkommenheit. Alles strahlte eine mystische Atmosphäre aus.

In meinen Gedanken hörte ich die Stimme des Engels sagen: „Leg’ dich hier in die kleine Vertiefung und verhalte dich ruhig! Es wird mit dir nichts geschehen was dein Leben oder deine Gesundheit in Gefahr bringen könnte. Sei also ohne Furcht und vertraue mir!“

Staunend betrachtete ich den gewaltigen Metallblock vor mir. Meine Skepsis wuchs von Sekunde zu Sekunde, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, was der Engel Gabriel mit mir vor hatte. Zum Schluss gehorchte ich aber dennoch und vertraute ergebungsvoll seinen Worten, stieg vorsichtig in die vor mir liegende Ausbuchtung und legte mich der Länge nach dort hinein.

Der Engel zog plötzlich zwei der herunter hängenden Tentakel zu sich heran, führte sie an meine Schläfen und drückte sie darauf behutsam fest, bis sie sich schließlich von selbst angesaugt hatten. Dann sprach er wieder: „Du bist der Auserwählte. Du hast einen heiligen Auftrag zu erfüllen! Dein Geist wird von Erkenntnis und Wissen erfüllt sein und die Menschen bekommen durch dich ein neues Weltbild vermittelt. Der göttliche Geist allein hat es so bestimmt. Ich erfülle nur seinen Auftrag. Wenn hier alles vorbei ist, wirst du wieder an den Ort deiner körperlich gebundenen Existenz zurückkehren, damit sich dein Schicksal erfüllen kann. – Nun sei bereit!“

Ich nickte fast automatisch mit dem Kopf. Der Engel griff an den Metallblock, ließ beide Hände solange über einige Stellen gleiten, bis sich von oben eine gläserne Kuppel herabsenkte und mich hermetisch von der übrigen Umgebung isolierte. Eine große Müdigkeit überfiel mich. Dann folgte ein leichtes Beben, das den Metallkoloss erzittern ließ, die Glaskuppel vibrierte und von irgendwo her konnte man ein lautes Brummen hören. Plötzlich spürte ich einen leichten Druck in meinem Gehirn, der sich pulsierend verstärkte. Dann schlief ich ganz ein.


***

Die fast goldgelbe Flüssigkeit umhüllte meinen ganzen Körper. Sie war einfach angenehm warm, und ich empfand es als ein herrliches Gefühl, sie auf meiner Haut zu fühlen oder von ihren zarten Wellenbewegungen gestreichelt zu werden. Leicht wie ein Ballon schwebte ich in diesem eigenartigen Medium ruhig hin und her, manchmal auch auf und dann wieder ab, ohne jedoch in ihr zu ersticken. Es war schon ein komisches Gefühl, anstatt Luft eine Flüssigkeit einzuatmen. Trotzdem kümmerte mich das aber nur sehr wenig, denn ich war unendlich zufrieden.


Völlig unerwartet für mich veränderte sich die Flüssigkeit auf einmal drastisch. Ich fühlte mich nicht mehr wohl, weil irgendwas an meinem Körper zerrte. Ich drehte mich plötzlich um meine eigene Achse, wurde in eine ganz bestimmte Richtung gepresst und bewegte mich auf einen Ausgang zu. Das Letzte, was ich noch mitbekam war, dass man mich an den Füßen nach oben hob, einen Klaps auf den Hintern gab und auf den warmen Körper eines anderen nackten Wesens legte, das mir instinktiv vertraut vor kam und mich zärtlich streichelte. Es lächelte mich an, obwohl ich laut schrie. Irgendeine Stimme sagte zu mir: „Er soll Albert heißen. – Albert Einstein“




Ende


©Heinz-Walter Hoetter

 

Epilog


Albert Einstein wurde am 14.März 1879 in Ulm geboren.
Er starb am 18.April 1955 in Princeton.

Er gehört sowohl durch seine wissenschaftlichen Leistungen wie durch seine Persönlichkeit zu den bedeutendsten Gestalten unseres Jahrhunderts. In der hingebenden Beschäftigung mit den Gesetzen der Natur fand er "innere Freiheit und Sicherheit".


 

Einiges zu Albert Einstein.

Kurz nach Einsteins Tod veröffentlichte die Londoner Zeitschrift „The Listener“ ein „Gespräch mit Einstein“, in dem Einstein das Ziel seiner wissenschaftlichen Arbeit mit seiner Gottesauffassung verknüpfte: „Ich möchte wissen“, so wird er dort zitiert, „wie sich Gott die Welt beschaffen hat. Ich bin nicht an diesem oder jenem Phänomen, an dem Spektrum dieses oder jenes Elementes, interessiert. Ich möchte seine Gedanken erkennen, alles übrige sind Einzelheiten.“

Philosophen und Kulturhistoriker pflegen zu behaupten, dass es logisch und historisch vier Weisen gibt, wie sich Religion und Wissenschaft zueinander verhalten: Konflikt, Unabhängigkeit, Dialog und Integration. Doch nach Einstein ist das Verhältnis zwischen Religion und Wissenschaft, wie diese Ausführungen gezeigt haben, noch stärker als etwa das einer Integration; es ist ein Verhältnis von gegenseitiger Abhängigkeit. Es kann nicht treffender beschrieben werden, als mit Einsteins bereits zitierten Worten: „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“




Einsteins Religiosität

Das Wesentliche im Dasein eines Menschen von meiner Art liegt in dem, was er denkt und wie er denkt, nicht in dem was er tut oder erleidet“ schrieb Einstein in seiner Selbstbiographie. Da aber die Art Religion aufzufassen und zu verstehen schon oft in früher Kindheit beeinflusst wird ist es wichtig ein Grundverständnis von der religiösen Erziehung Einsteins auf seinem Verhältnis zur jüdischen Religion zu haben, um seine Äußerungen bezüglich der Religion im Allgemeinen zu verstehen.

Einstein erhält am 15.03.1879 in Ulm bei der Taufe nicht wie es der Brauch besagt den Namen seines Großvaters (Abraham). sondern er wird auf den Namen Albert getauft. Nun kann man schon daraus schließen, dass Alberts Eltern den urtümlichen Bräuchen abgesagt haben, da dies ein wichtiger Bestandteil derer ist, seine Eltern wären keine streng gläubigen Juden und sie praktizierten nicht mehr aktiv die Bräuche, jedoch wurde nicht geleugnet, dass sie jüdischer Abstammung waren, in der von Anton Reiser verfassten Biographie über Einstein ist dies auch sehr deutlich herauszulesen. „Alberts father was proud that Jewish rites were not practised in his house“, was übersetzt bedeutet, dass der Vater von Albert stolz darauf war, dass in seinem Haus keine jüdischen Bräuche praktiziert wurden.

Mit 6 Jahren wurde Einstein eingeschult und anstatt den jüdischen Religionsunterricht in der benachbarten Schule zu besuchen, zogen seine Eltern einen Verwandten als Religionslehrer für Einstein hinzu. Dieser Unterricht, so Einsteins Schwester Maja, weckte in ihm ein inniges Religionsgefühl und ohne es bewusst zu tun, hielt sich der kleine Einstein an die ihm beigebrachten Regeln und Verbote der jüdischen Religion (vgl. Einsteins Lebensbild). So blieb er auch weitere Jahre seiner selbst gewählten Lebensart treu.

Eine andere Sichtweise, wie Einstein zu seiner eigenen Religion gefunden hat ist von A. Moszkowski vertreten (Biographie-Einstein). Er macht hierfür die Freuden, die die Natur Einstein bescherte, verantwortlich, in dem er sagt, die Eindrücke, die Einstein aus der Natur hatte veranlassten ihn zu seiner Auffassung von Religion. Des Weiteren ist auch die Koppelung des katholischen wie in Einstein in der Schule lernt, und des jüdischen Religionsunterrichts für seine Religiosität verantwortlich.

Marszkowski behauptet also, dass Einsteins Religiosität nicht wie die Schwester von Einstein sagt, durch den Hauslehrer geweckt worden sein, sondern durch die Natur und das Zusammenspiel von katholischem und jüdischem Religionsunterricht.

Wie Einstein in seiner Autobiographie schreibt, ist noch ein dritter Faktor für seine frühe Religiosität hinzu zu ziehen. „Als ziemlich frühreifem jungen Menschen kam mir die Nichtigkeit des Hoffens und Strebens lebhaft zum Bewusstsein, das die meisten Menschen rastlos durchs Leben jagt… Da gab es den ersten Ausweg; die Religion, die ja jedem Kinde durch die traditionelle Erziehungsmaschine eingepflanzt wird. So kam ich – obwohl ein Kind ganz irreligiöser (jüdischer) Eltern – zu einer tiefen Religiosität“ (vgl. Einsteins Autobiographie). Einstein selbst zufolge beruht seine Religiosität auf dem Religionsunterricht und der damaligen Ungerechtigkeit in der Welt.

Als Einstein im Alter von 9 Jahren im Münchener Luitpold-Gymnasium eingeschrieben wurde, verließ ihn langsam die strenge Folge der jüdischen Gebote und Rieten, da er nun begann sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Es war jedoch nicht die Folge des Religionsunterrichtes, der nicht so ernst genommen wurde, die Einstein zur „ Abwendung „ bewegten. Vielmehr begeisterte sich Einstein von nun ab mit den populär wissenschaftlichen Büchern, die er von einem Medizinstudenten (Max. Talmund) empfohlen bekommen hat. Einstein und Talmund führten trotz des nicht zu verachtenden Altersunterschiedes bei jedem Besuch des Studenten in der Familie angeregte Diskussionen.

Einstein selbst schreibt: „ Durch Lesen populärer wissenschaftlicher Bücher kam ich bald zu der Überzeugung, dass Vieles in den Erzählungen der Bibel nicht wahr sein konnte. Die Folge war eine geradezu fanatische Freigeisterei.

Im Alter von siebzehn Jahren tritt Einstein aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus. Dies geht auch aus mehreren Dokumenten hervor, in denen er sich als „konfessionslos“ beschreibt. Albert Einstein hat Berichten zu Folge nie an einem Gottesdienst teilgenommen und er hat Synagogen nur bei nichtreligiösen Veranstaltungen betreten ( z. B. bei einem Wohltätigkeitskonzert 1930 in der Berliner Neuen Synagogen ).

Ein weiterer Punkt, an dem sich feststellten lässt, dass Einstein bis zu seinem Tod konfessionslos war ist, das sein letzter Wille die „Verstreuung seiner Asche in aller Winde“ und dass er nicht begraben werden wollte.

Einstein beschreibt diesen Prozess vom gläubigen Jugendlichem zum konfessionslosen Erwachsenen selbst so: Es ist mir klar, dass das so verlorene Paradies der Jugend ein erster Versuch war, mich aus den Fesseln des >Nur-Persönlichen< zu befreien, aus einem Dasein, das durch Wünsche, Hoffnungen und primitive Gefühle beherrscht ist. Da gab es draußen eine große Welt, dass so mancher, den ich schätzen und bewundern gelernt hatte, in der hingebenden Beschäftigung mit ihr innere Reinheit und Sicherheit gefunden hatte. Das gedankliche Erfassen dieser außerpersönlichen Welt im Rahmen der uns gebotenen Möglichkeiten, schwebte mir halb bewusst, halb unbewusst als höchstes Ziel vor. Ähnlich eingestellte Menschen der Gegenwart und Vergangenheit sowie die von ihnen erlangten Einsichten waren die unverlierbaren Freunde. Der Weg zu diesem Paradies war nicht so bequem und lockend wie der Weg zum religiösen Paradies; aber er hat sich als zuverlässig erwiesen, und ich habe es nie bedauert, ihn gewählt zu haben.

Es gibt Einstein Biographien die behaupten, die Ursache von Einsteins Genialität zum selbstständigen Denken und zum Revolutionieren fest eingesessener naturwissenschaftlicher Behauptungen wäre seine Missachtung von Autoritäten und Selbstverständlichkeiten gewesen.

Hierzu könnte man noch ein meiner Meinung nach gutes Zitat anbringen:


Die Zukunft hat viele Namen:

Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare,

für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte,

für die Tapferen ist sie eine Chance.“

( Victor Hugo 1802-1885 )



Dieser Spruch beschreibt, dass es nicht immer das Beste ist den eingesessenen Bräuchen und Gewohnheiten Folge zu leisten, sondern dass im Sinne des eigenen Interesses und im Sinne der menschlichen Evolution das Neue gewagt werden soll (für die Tapferen ist sie eine Chance).

Banesh Hoffmann schreibt, dass es dieses frühe Misstrauen von Einstein gegenüber jeder Autorität von entscheidender Bedeutung war um diese wissenschaftlichen Überzeugungen zu revolutionieren und anzufechten.

Des Weiteren gibt Einstein selbst an, was ihn zu seinen tiefgründigen Forschungen in der Naturwissenschaft bewogen hat. So sagt er z. B., dass der normale Erwachsene die Probleme von Raum und Zeit schon in früher Kindheit glaubt erlernt zu haben, wohingegen Einstein

selbst erst als Erwachsener über diese Problematik „stolperte“ und sie dann in Formeln bringt.

Es ist aber auch zu bedenken, dass nicht jede neue wissenschaftliche Theorie die bereits bestehende Autorität (Theorie) ersetzt, sondern dass die Suche nach neuen Glaubensrichtungen nicht direkt die alten ersetzen müssen. Eines der bekanntesten Zitate von Einstein zu diesem Thema ist, dass

„Wissenschaft ohne Religion lahm, Religion ohne Wissenschaft blind „ ist.

Dieser Aussage zufolge ist es fast notwendig, diese beiden Welten miteinander zu verknüpfen um eine daraus entstehende interessante Welt zu erhalten, weshalb jedoch ist Einstein trotzdem so strickt gegen den Glauben an Gott?

Einstein zufolge glaube er an Spinozas Gott, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart und er glaube nicht an einen Gott, der sich mit den Schicksalen und Handlungen der Menschen abgibt.

Er befasste sich eingehend mit Spinozas Lehre und Definitionen über Gott und kam schließlich zu einer für ihn geltenden Definition über Religiosität, die er einem Freund als Antwort auf einen Brief schrieb:

Ihre Abneigung gegen den Gebrauch des Wortes >Religion<, wenn es sich um eine emotionale seelische Einstellung handelt, die in Spinoza am deutlichsten hervortritt, kann ich sehr wohl begreifen. Ich habe keinen besseren Ausdruck als den Ausdruck >religiös> für dieses Vertrauen in die vernünftige und der der menschlichen Vernunft wenigstens einigermaßen zugänglichen Beschaffenheit der Realität. Wo dieses Gefühl fehlt, da artet Wissenschaft in geistlose Empirie aus. Es schert mich einen Teufel, wenn die Pfaffen daraus Kapital schlagen. Dagegen ist kein Kraut gewachsen.

 

 

 

***

 

2. Auf der Suche nach dem Haus des Glücks


 

Ein reicher Mann reiste viele Jahrzehnte ruhelos in der Welt herum. Trotz seines Wohlstandes fühlte er sich unzufrieden. Deshalb war er immer auf der Suche nach seinem Glück, denn er hoffte, es eines Tages irgendwo zu finden.

Schließlich hörte er von einem Gerücht, dass es an einem fernen Ort angeblich ein Haus des Glücks geben würde. Wer es betritt, der könne unendlich glücklich werden und eine unbeschreibliche Zufriedenheit erlangen.

Der reiche Mann machte sich sofort auf den Weg. Er schwor zu sich selbst, so lange nach dem Haus des Glücks zu suchen, bis er es finden würde. Er ließ nicht locker, forschte überall herum, las in vielen Büchern, bis er eines Tages in einer abgelegenen Klosterbibliothek unverhofft auf einen alten, aber sehr weisen Mönch traf, der ihm den entscheidenden Hinweis geben konnte.

"Das Haus des Glücks befindet sich an einem Ort, der zwar weit in der Vergangenheit zurückliegt, aber dennoch ganz real für ihn existiere. Er müsse nur seinem suchenden Herzen folgen, dann würde er ihn finden", sprach der weise Mönch.

Der reiche Mann dachte eine Weile nach, bis ihm plötzlich der Gedanke kam, wo sich das Haus des Glücks möglicherweise befinden könnte. Der alte Mönch hatte ja gesagt, er solle nur seinem Herzen folgen. Also tat er es und machte sich schon bald auf den Weg.

Eines Tages war es dann soweit. Schon aus der Ferne entdeckte er das kleine Dorf, wo er mal als Kind mit seinen Eltern gewohnt hatte. Leider waren Vater und Mutter viel zu früh durch einen schweren Autounfall ums Leben gekommen. So wuchs er bei der unverheirateten Schwester seiner verstorbenen Mutter auf, die ihn damals nach diesem tragischen Ereignis bei sich aufgenommen und liebevoll großgezogen hatte.

Voller Herzklopfen näherte er sich dem kleinen Dorf, das in einem wunderschönen Tal in der Nähe einer großen Gebirgskette lag. Als er das Dorf betrat, welches sich nur wenig verändert hatte, kam ihm rein zufällig eine sehr alte Frau auf dem Dorfplatz entgegen, die ihn auf einmal anstarrte, als sei er ein Geist. Es hatte den seltsamen Anschein, als würde sie ihn kennen, doch war sie sich wohl nicht sicher genug. Plötzlich erhellte sich ihr Gesicht aber. Im nächsten Augenblick ging sie auch schon direkt auf den völlig verblüfften Mann zu, betrachtete eine Weile sein braungebranntes Gesicht, bis sie plötzlich laut zu schreien anfing und immer wieder seinen Namen rief. Sie hatte ihn offenbar erkannt.

"Unser Josef ist wieder da! ! Er ist zu uns zurück gekehrt!" rief sie mit lauter Stimme nach allen Seiten über den weiten Dorfplatz. Dann warf sie sich dem Mann in die Arme, der nicht ahnen konnte, dass ausgerechnet sie die Schwester seiner längst verstorbenen Mutter war, bei der er seine gesamte Kindheit verbracht hatte. Dass er sie nicht gleich wiedererkannt hatte, dafür schämte er sich jetzt zutiefst und fing an zu weinen.

Die Rückkehr ins Dorf seiner Kindheit hatte sich schon bald wie ein Lauffeuer im Ort verbreitet. Von überall her strömten die Dorfbewohner auf den großen Dorfplatz. Alle wollten den reichen Mann sehen, den sie schon bald liebevoll ihren "Josef" nannten. Es brach eine richtige Volksfeststimmung aus.

Schon bald kam auch der Bürgermeister herbei, der ihn ganz offiziell begrüßte. Anschließend marschierten alle zusammen zu einem kleinen Haus am Rande des Dorfes, wo die Schwester seiner verstorbenen Mutter immer noch wohnte. Hier hatte er als Kind gelebt und gespielt. Er spürte plötzlich zu diesem Ort seiner Kindheit eine tiefe Verbundenheit und innige Liebe in seinem Herzen, das vor lauter Glück zu zerspringen drohte.

Die Leute des Dorfes waren hinter ihm stehen geblieben, als er ganz alleine auf das einsam da stehende Häuschen zuging. Niemand sprach auch nur ein Wort. Alle Augen waren auf den reichen Mann gerichtet, der nach Hause zurück gekehrt war.

Plötzlich blieb ihr "Josef" stehen, drehte sich auf der Stelle herum und rief den Leuten des Dorfes zu: "Ich habe das Haus meines Glückes gefunden. Ich bleibe für immer hier!"

Die Dorfbewohner brachen in einen unbeschreiblichem Jubel aus. Noch am gleichen Abend feierte das ganze Dorf ein großes Fest für ihren Rückkehrer, der seinen nicht unerheblichen Reichtum bald für viele Projekte im Dorf großzügig zu Verfügung stellte.

Noch heute lebt Josef in diesem Dorf, das sich in einem wunderschönen Tal ganz in der Nähe einer lang gezogenen Gebirgskette mit schneebedeckten Bergen befindet.

Er ist ein hochangesehener Bürger seines reizvollen Ortes geworden. Durch ihn wurde sein Dorf zu einem weltbekannten Urlaubsparadies. Wollt ihr wissen, um welchen Ort es sich handelt? Oh, das müsst ihr schon selbst heraus bekommen.

Mittlerweile ist Josef selbst ein alter Mann geworden, der aber immer noch bei bester Gesundheit ist. Ich kenne ihn schon seit vielen Jahren. Wir sitzen oft in jener Dorfwirtschaft zusammen, die er kurz nach seiner Rückkehr vom ehemaligen Besitzer gekauft hatte. Er ließ sie innen und außen komplett renovieren, allerdings ohne dabei viel an dem traditionellen Äußeren zu verändern. Die alte Wirtschaft ist in der Tat ein echtes Schmuckstück im Dorf und steht heute sogar unter Denkmalschutz.

Bei einem schmackhaften Schweinsbraten und einer kühlen Mass Bier hat mir mein Freund Josef diese wunderbare Geschichte erzählt, die ich für euch extra aufgeschrieben habe.

So hat Josef schließlich in das Haus seines Glücks zurück gefunden. Nur wenige Monate später nach seiner Rückkehr starb auch Mutters Schwester, die ihn so fürsorglich aufgezogen hatte, im hohen Alter von 96 Jahren. Sie wurde im Grab der Familie auf dem Dorffriedhof beigesetzt.

Viele Jahrzehnte ist er als Vagabund ruhelos in der Weltgeschichte herum gereist ohne zu wissen, dass sein großes Glück im heimatlichen Dorf lag.

Dorthin war er zurück gekehrt, und in hier würde er auch sterben.



(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

 

***

 


 

3. Begegnung mit dem Schicksal


 

Ein junger Mann verließ kurz nach Mitternacht übermüdet eine feucht-fröhliche Party. Draußen war es ziemlich kalt und es schien, als wollte es bald zu schneien anfangen. Deshalb beeilte er sich. Auf dem Nachhauseweg kam er an einem kleinen Park vorbei, der nur vom schwachen elektrischen Licht einiger sporadisch verteilter Parklaternen trübe beleuchtet wurde.

 

Der Weg mitten durch den Park stellte für ihn eine Abkürzung dar. Ohne lange zu zögern entschloss sich der Partygänger dazu, den Vorteil des kürzen Weges zu nutzen, um schneller nach Hause zu kommen.

 

Etwa in der Mitte des Parks kam er an eine einzeln da stehende Bank vorbei, auf der er sich nur für ein paar Minuten ausruhen wollte, weil ihm seine Füße vom Tanzen weh taten. Er setzte sich also hin, zog den Kragen seines Mantels weit nach oben, zündete sich schließlich noch eine Zigarette an und sog den blauen Dunst Zug um Zug genüsslich in sich hinein.

 

Ganz plötzlich jedoch wurden seine Augen schwer wie Blei, sodass er sich gegen die aufkommende Müdigkeit nicht wehren konnte. Die Zigarette fiel ihm aus der Hand und bald war er tief und fest eingeschlafen.

 

Draußen war es mittlerweile immer kälter geworden. Die Temperatur fiel auf unter Null Grad Celsius. Schließlich fing es sogar noch an zu schneien. Doch der junge Mann schlief immer noch tief und fest und spürte nicht, in welcher Gefahr er schwebte. Er würde bestimmt langsam erfrieren und wohl sterben, käme niemand vorbei, um ihn aufzuwecken.

 

Doch wie aus dem Nichts erschien auf einmal das Schicksal in der Gestalt eines alten Mannes, der sich dem mittlerweile völlig zugeschneiten Schlafenden mit langsamen Schritten bedächtig näherte. Als er den jungen Mann sah, weckte er ihn vorsichtig auf.

 

Mensch Alter, was soll das? Warum lässt du mich nicht schlafen?“ beschwerte er sich sofort ziemlich mürrisch bei seinem Gegenüber.

 

Damit du hier auf der Bank mitten im Park nicht erfrierst, mein Junge“, antwortete ihm der Alte mit ruhiger Stimme. Hätte ich dich nicht wach gemacht, würden die Menschen bestimmt wieder mir die Schuld an deinem Unglück geben, statt deine Dummheit und deinen Leichtsinn anzuklagen.“

 

Der junge Mann erhob sich zitternd und frierend von der Bank, klopfte hastig den kalten Schnee von seinem Mantel und verließ schleunigst den nächtlichen Park. Als er noch einmal verstohlen in den Weg mit der einsam da stehenden Bank zurückschaute, konnte er aber niemanden mehr sehen, obwohl er den alten Mann doch vor wenigen Augenblicken erst verlassen hatte.

 

Der Alkohol lässt mich schon fantasieren“, murmelte er noch in sich hinein, beschleunigte seine Schritte, um jetzt schnell nach Hause zu kommen.

 

Unter einer schwach leuchtenden Parklaterne stand ein alter Mann im heftigen Schneegestöber dieser kalten Nacht, dessen Gestalt sich jetzt aber langsam aufzulösen begann, bis sie schließlich nicht mehr zu sehen war.

 

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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