Dorothea Möller

Ist Amor ein Weihnachtself?

 

Die kleinen Weihachtshütten auf dem kleinen Gutshof waren aufgebaut und zwei Tage vor dem geplantem Markttreiben begann es zu schneien Janette bemerkte beim Verlassen der Autobahn die Glätte, daher fuhr sie im Schritttempo weiter.  Sie bemerkte die funkelnden Sterne über dem See, in dem sie als Kind oft geschwommen war und dachte, welch malerische Kulisse für den Weihnachtswaldmarkt.

Erinnerungen aus der Kinderzeit kamen ihr in den Sinn.
Als das Dach des Gutshofes sichtbar wurde, begann ihr Herz heftig zu klopfen:
Die Kindheit in dem kleinen Dorf, ehe die Eltern nach Hamburg zogen. Der Abschied von ihrer Freundin Marietta und Nick, ihrem Bruder, in den sie verliebt war. Der spärliche Kontakt als Nick im Auslandsjahr war und ihre Vertrautheit aufgrund der Entfernung langsam abhanden kam...

Janette verscheuchte die dunklen Gedanken, parkte und griff nach ihrer Reisetasche. Sie betrat die gemütliche Gutsküche durch den Hintereingang. Hier herrschte emsiges Treiben. Marietta füllte Teller mit selbstgebacken Keksen. Sie bemerkte die Freundin erst, als die Tür ins Schloss fiel. Jubelnd fiel ihr Marietta um den Hals.

"Du kommst wie immer im richtigen Moment. Ich könnte gerade Hilfe gebrauchen, ehe wir es uns später am Lagerfeuer gemütlich machen", lachte sie fröhlich. "Magst du dich erst frisch machen, oder möchtest du etwas trinken? Du kennst dich ja aus - ich kann hier gerade nicht weg...." Entschuldigend blickte sie Janette an.
"Lass hören, wo brennt es?", fragte Janette und stelle die Reisetasche rasch in eine Ecke, wo sie nicht störte.
"Könntest du bitte den Korb vom Tisch sowie den Glühweinbehälter an Stand Nummer sieben abgeben - es ist die Hütte neben dem Heuboden", lächelte Marietta.
"Ist so gut wie erledigt", sagte Janette und stapfte hinaus. Als sie um die Ecke bog, sah sie Lichter und Fakeln, die den Gutshof in ein Weihnachtsland der eigenen Art verwandelten. Einen Augenblick blieb sie stehen, um die Stimmung auf sich wirken zu lassen.
Die alten verschneiten Bäume der Streuobstwiese und der unberührte Schnee in den Beeten wirkten magisch. Gerüche von Zimt, Koriander und Anis lagen in der Luft. Dazwischen hörte man das Knacken der Holzscheite vom Lagerfeuer. Sie ging vorbei an Holzkrippen, Schnitzereien, Dekokugeln, Häkelspitzen und Deckchen, bis sie Hütte sieben erreichte. Sie gab die Sachen ab und beschloss, sich in Ruhe umzusehen, als ein großer Mann direkt vor ihr stehen blieb. Ein vertrauter Geruch von Davidoffs Cool Water stieg ihr in die Nase. Ehe sie aufsah, wusste sie, dass es Nick war.

"Janette, du bist schon da!" Mit inniger Herzlichkeit umarmte er sie und wirbelte sie herum. "Du bleibst doch länger, als nur über das Wochenende?" In seiner Stimme lagen Herzlichkeit und ein hoffnungsvoller Blick, der Schnee zum Schmelzen bringen konnte.
"Hallo, NIck! Es ist schön, dich zu sehen," murmelte sie. Ihm so unverhofft gegenüber zu stehen, hatte sie völlig aus dem Gleichgewicht gebracht.
"Nein! Nein, ich muss am Montag früh wieder zurückfahren", stotterte sie.
"Schade, ich hatte gehofft, wir könnten etwas Zeit miteinander verbringen. Ich wollte mit dir zur Wildtierfütterung fahren, wie früher", setzte er leise hinzu.
"Vielleicht kann ich - aufgrund der Wetterverhältnisse - doch den Montag frei nehmen."
Er griff nach ihrer Hand und zog sie mit sich durch die Budengasse. "Komm mit, ich habe eine Überraschung vorbereitet." Mit einem spitzbübischen Grinsen sah er sie an.
Janette bemerkte zwei kleine Weihnachtselfen, die Zuckerstangen verteilten. "WEINACHTSELFEN!", rief sie überrascht, "was für eine hübsche Idee."
"Sie stammt von unserer Mutter, auch das Kerzengießen für die Kleinen, war ihr Einfall.
"Euer Weihnachtsmarkt wird von Jahr zu Jahr schöner."
"Es freut mich, dass er dir gefällt. Entschuldige mich für einen Moment, ich muss meinen Pflichten als Gastgeber nachkommen." Bedauernd sah er sie an. Seine Augen waren dunkel und geheimnisvoll. Nick brachte eine Seite in ihr zum Klingen, die sie schon lange nicht mehr verspürt hatte. Als er ihre Hand losließ, spürte sie ein Gefühl vom Bedauern.

Plötzlich stand ein kleiner blonder Junge im Elfenkostüm vor ihr. Er sah sie eindringlich an, sagte aber nichts. Sein Blick wanderte zwischen ihr und NIck hin und her. Dann lief er wieder davon. Überrascht sah sie ihm nach. Der Geruch von gegrillten Würstchen und Stockbrot vom Lagerfeuer zog bereits durch die Luft und plötzlich stand der blonde Elf wieder neben ihr.
"Na mein Kleiner, möchtest du eine Bratwurst oder ein paar Kekse?" Er schüttelte den Kopf und reichte ihr eine Zuckerstange. Lächelnd nahm sie die Zuckerstange und streichelte ihm über das Haar. Im nächsten Moment hielt ihr jemand die Augen zu.
"Marietta, ich weiß, dass du es bist".
"Nein, falsch geraten", sagte eine volltönende Stimme hinter ihr.
"Was soll das NIck?" Unsicher drehte sie sich zu ihm um.
"Bitte schließ deine Augen," bat er sie leise, "jetzt zeige ich dir die versprochene Überraschung."
Widerspruchslos schloss sie ihre Augen, während er erneut nach ihrer Hand griff und sie mit sich zog.
"Jetzt kannst du deine Augen wieder öffnen."
Sie standen im hinteren Teil des Gartens vor einem Grillkamin, der wohlige Wärme abstrahlte. Vorm Kamin stand ein Strandkorb der mit Schafsfellen, Decken und Kissen ausgelegt war, so dass die Kälte einem nichts anhaben konnte. Auf dem Tisch davor standen zwei Gläser und eine Thermoskanne mit Apfelpunsch....
"Wie bist du denn auf die Idee gekommen?", rief Janette begeistert. "Das war eine deiner Ideen, davon hast du immer geschwärmt", erklärte Nick.
Vor Freude fiel sie ihm lachend um den Hals und küsste ihm spontan auf die Wange.
"Ich freue mich, dass es dir gefällt", flüsterte er. Liebevoll sah er sie an und zart legten sich seine Lippen auf ihren Mund. Als er sie ansah, ahnte sie, welche Fragen sie sich nun stellen musste.
"Du bist ganz blass geworden . ich wollte dich nicht so....", Nick suchte nach Worten "überfallen."
Janette setzte sich in den Strandkorb und blickte in das Feuer, als der Kopf des kleinen Elfenjungen hervorlugte. Verwudert schloss sie die Augen, das konnte nicht sein.
"Nick, wir haben Besuch", sagte sie, zeigte auf den Kamin und lächelte.
Überrascht drehte er sich um. "Da ist niemand!" Besorgt sah Nick sie an.
Fürsorglich goß er etwas Apfelpunsch ins Glas.
"Doch, da war gerade noch einer eurer Elfen, ein kleiner blonder Junge."
"Wir haben keinen blonden Elfen!" Jetzt war Nick wirklich besorgt.
"Er gab mir eine Zuckerstange, hier, schau." Sie zog die Zuckerstange aus ihrer Jackentasche und legte sie in seine Hand.
"Die ist nicht von uns - Moment, da steht etwas - Elfmade? Ich glaube, da hat jemand nachgeholfen," murmelte er verwundert.
"Vielleicht ist Amor ja ein Weihnachtself", sagte Janette leise. Dabei grinste sie ihn spitzbübisch an.
"Es wäre schön, wenn du bald wiederkommst. Wir haben viel zu besprechen," sagte Nick. Ich habe mich schon in dich verliebt, bevor ihr nach Hamburg gezogen seid. Es war Liebe auf den ersten Blick, nur langsamer, bis der Schnee schmilzt!"
Er zog Janette in seine Arme und küsste sie innig. Dabei fiel ihr Glas warmer Apfelpunsch vom Tischchen. An der Stelle, wo er in den Schnee sickerte, schmolz der Schnee und gab ein kleines Stück vom Rasen frei.

Der kleine, blonde Elf lief so schnell er konnte vom Kaminversteck durch das Blumenbeet zur wartenden Marietta und beide schlichen sich leise kichernd davon.

Genau ein Jahr später machte Nick seiner Janette auf dem Weihnachtswaldmarkt einen Heiratsantrag...


 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Dorothea Möller).
Der Beitrag wurde von Dorothea Möller auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.11.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  Dorothea Möller als Lieblingsautorin markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Lyrische Kurzreisen von Monika Wilhelm



Ein Buch des gefühlten "Seins" der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - dargestellt in Haikus, Tankas und Kurzgedichten.
Eine lyrische Reise, mit Worten gemalter Bilder - eine Reise, die man nicht so schnell vergessen wird ...

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Romantisches" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Dorothea Möller

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Ein bisschen Liebe von Klaus-D. Heid (Romantisches)
Abschied von Dir von Klaus-D. Heid (Trauriges / Verzweiflung)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen