Heinz-Walter Hoetter

Was alles so passiert

1. Der Mann ohne Hoden

2. Die Spinne im Badezimmer

3. Die Eiterpickel

4. Die Schwangere

5. Die Kondome

6. Der junge Mann und sein Smartphone


 

 

***


 

1. Der Mann ohne Hoden


 

Ein Bekannter von mir verbrachte letztes Jahr seinen Urlaub an der Nordseeküste. Das Wetter war die ganz Zeit über außergewöhnlich schön und fast jeden Tag schien die Sonne vom wolkenlosen Himmel herab, sodass er häufig schwimmen gehen konnte.

Als er mal wieder am Strand war und ins Wasser lief, kam plötzlich eine große Welle, die ihm mit aller Gewalt den Boden unter den Füßen wegriss und ihn ziemlich durcheinander wirbelte. Fast wäre er ertrunken, denn die Strömung trieb ihn vom Strand weg ins offene Meer. Doch mein Bekannter ist ein guter Schwimmer und er schaffte es bald wieder bis zum Strand zurück.

Als er aus dem Wasser steigen wollte, bemerkte er voller Schrecken, dass er keine Badehose mehr an hatte. Sie war ihm unbemerkt runtergerutscht und weggespült worden. Er traute sich jetzt nicht mehr aus dem Wasser, weil der Strand voller Menschen war, darunter viele junge Mädchen, die dort herum spielten oder sich in der Sonne räkelten.

"Ja und? Mir hätte das nichts ausgemacht. Die hätten ruhig gucken können, dann wüssten sie wenigstens, wie ein richtiger Mann im Schritt aussieht", sagte ich zu ihm mit einem leichten Grinsen im Gesicht, als er mir seine kleine Urlaubsgeschichte erzählte.

Dann rückte er jedoch plötzlich mit der Wahrheit heraus und antwortete mir: "Für mich wäre das früher auch kein Problem gewesen, aber seit meinem schweren Motorradunfall letztes Jahr habe ich keinen Hoden mehr."


(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

***

 

 

2. Die Spinne im Badezimmer

 

 

Ich lag heute in der Badewanne. Das heiße Wasser hatte mich müde gemacht, und ich war schon kurz vorm Einschlafen, als ich plötzlich etwas auf meiner Schulter spürte.

Vorsichtig blickte ich mich um und entdeckte eine riesige schwarze Spinne mit langen, dicht beharrten Spinnenbeinen.

Ich brüllte vor lauter Schreck wie am Spieß und schlug mir wie verrückt mit beiden Händen auf den Rücken. Das Wasser spritzte durch die Gegend. Aber ich erwischte das Drecksviech nicht.

Im Zustand totaler Hysterie sprang ich aus der Badewanne und sah gerade noch, wie das schwarze Monster in meine weiße Unterhose kroch, die auf dem nassen Fliesenboden lag. Offenbar wollte sie sich darin verstecken.

In panischer Angst ergriff ich die Gelegenheit instinktiv beim Schopf und sprang wie besessen mit beiden Füßen auf der Unterhose herum. Und tatsächlich erwischte ich das Monster mit den langen Spinnenbeinen. Tot klebte es an der nackten Ferse meines rechten Fußes.

Wie von der Tarantel gestochen stürzte ich ins Wasser der Badewanne zurück und wusch mir völlig mit den Nerven fertig hastig den blutigen Rest der Riesenspinne vom Fuß.

Danach war mir das Baden vergangen. Kreidebleich im Gesicht verließ ich etwas später das Badezimmer, zog mich an und ging auf den Balkon, wo ich mir erst einmal in aller Ruhe eine Zigarette rauchte.

Scheiß Spinnenviecher, dachte ich so für mich und bekam gleich wieder eine Gänsehaut.

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

 

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3. Die Eiterpickel

 

Neulich war ich mit meiner Frau zusammen in einem überall in Deutschland sehr bekannten Brillenfachgeschäft, das mit dem Großbuchstaben "F" anfängt.

 

Meine Frau brauchte nicht lange warten und bekam von einer freundlichen Optikerin einen schönen Tisch mit zwei Kundenstühlen zugewiesen. Ich ging natürlich mit und setzte mich gleich neben meine Frau.

 

Während die Optikerin die bestellte Brille aus einem Nebenraum holte, fiel mir ein kleines Mädchen am Kundentisch gleich neben uns auf, das auch eine neue Brille bekommen hatte und damit herum hantierte.

 

Endlich setzte das Mädchen die Brille auf und schaute die vor ihr sitzende Fachverkäuferin intensiv an.

 

"Na, kannst du damit gut sehen?" fragte die junge Frau freundlich und setzte dabei ein professionell geschultes Lächeln auf.

 

"Ja, ich kann total gut damit sehen", antwortete das kleine Mädchen prompt mit heller Stimme und fuhr fort: "Ich kann jetzt sogar ihre zwei dicken Eiterpickel am Hals erkennen."

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

 

 

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4. Die Schwangere

 

 

Letzte Woche traf ich in einem Cafe rein zufällig einen guten Freund, der in einer kleinen Ortschaft nahe Fürstenfeldbruck wohnt.

 

Dabei hat er mir unter anderem folgende Geschichte erzählt, die ich hier mal genau so wiedergeben möchte.

 

Also fange ich mal an.

 

Seine schwangere Schwester war bei ihm zu Besuch gewesen, weil es einige wichtige Dinge familiärer Natur zu besprechen gab.

 

Kurz vor ihrer Abreise setzten jedoch ganz überraschend bei ihr die Wehen ein. Kurz entschlossen steckte mein Bekannter seine Schwester ins Auto und raste los, um sie so schnell wie möglich in die Kreisklinik FFB zu bringen.

 

Von unterwegs aus rief er über sein Handy bei seinem Schwager an und informierte ihn über die eingetretene Situation.

 

Doch plötzlich wurde er kurz vor der Ausfahrt Richtung Stadtmitte Fürstenfeldbruck von einer Polizeistreife überholt und schließlich angehalten.

 

Kaum hatte er das Fenster runter gelassen, sagte mein Freund zu dem Beamten genervt: "Ich habe meine schwangere Schwester im Auto. Die Wehen haben eingesetzt. Ich muss sie so schnell wie möglich ins Krankenhaus bringen. Ich habe soeben mit meinem Schwager telefoniert, damit er sich um seine Frau kümmern kann."

 

Der Polizeibeamte bückte sich mit skeptischer Mine runter, blickte forschend an meinem Spezi vorbei hinüber zu seiner schwangeren Schwester, nickte mit dem Kopf und sagte mit emotionsloser Stimme: "Entschuldigung, aber sie haben eine erhebliche Geschwindigkeitsübertretung begangen. Sie sind stellenweise doppelt so schnell gefahren als erlaubt. Das dürfen nur Rettungsfahrzeuge im Notfall-Einsatz. Dann haben sie noch bei der hohen Geschwindigkeit am Steuer mit ihrem Handy telefoniert. Mein Kollege und ich haben das zweifelsfrei erkennen können, weil wir direkt hinter ihnen hergefahren sind. Das gibt eine doppelte Geldstrafe, mein Herr. Für Schwangere in den Wehen liegt außerdem in der Regel ja keine Gefahr für Leib und Leben vor. Ihr verkehrswidriges Verhalten wird daher also nicht durch den Notstandsparagraphen laut § 16 OWiG gedeckt.

 

Tja, das war's dann gewesen für meinen Freund.

 

Da kann man nur sagen: "Zahlemann & Söhne!"

 

Das kann einem passieren, wenn man helfen will.

 


 

(c)Heinz-Walter Hoetter


 

 

 

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5. Die Kondome

 

Letzten Samstag war ich im Supermarkt einkaufen und hatte meinen fünf Jahre alten Enkel dabei, der recht aufgeweckt ist.

Als er mich fragte, ob er noch für sich Kaugummi mitnehmen dürfe, sagte ich zu ihm, er solle zu dem Regal mit den vielen bunten Päckchen rüber gehen und sich dort zwei aussuchen.

Während er das besagte Regal ansteuerte, wo ich die Kaugummis vermutete, ging ich derweil zur Kasse und legte die Ware aus dem Einkaufswagen aufs leere Kassenband.

Sofort fing die Kassiererin damit an, ein Produkt nach dem anderen über den Preisscanner zu ziehen.

Plötzlich kommt mein kleiner Enkel zurück und legte mit zufriedenem Gesicht zwei bunte Schachteln aufs laufende Warenband.

Ich nahm natürlich an, dass es Packungen waren, die Kaugummi enthielten und achtete nicht weiter auf den wahren Inhalt.

Erst als die Kassiererin, die ich übrigens gut kenne, die bunten Päckchen in der Hand hielt und mich so seltsam fragend anschaute, bemerkte ich, dass mein kleiner Enkel aus Versehen Kondome aus dem Regal geholt hatte, anstatt Kaugummis.



(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

 

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6. Der junge Mann und sein Smartphone

 

Neulich kam mir ein junger Mann mit einem Smartphone entgegen, das er in seiner linken Hand in etwa auf Augenhöhe hielt und dabei wie hypnotisiert ständig auf den kleinen Bildschirm starrte. In seinen Ohren steckten diese kleinen Dinger, die man Ohrhörer nennt. Offenbar sah er sich wohl ein Musikvideo an.

Mit großen Schritten hastete er an mir vorbei. Doch schon im nächsten Augenblick gab es gleich hinter mir ein ziemlich hässliches Geräusch.


Als ich mich kurz umdrehte, lag der junge Mann mit Schmerz verzerrtem Gesicht und einer stark blutenden Platzwunde auf der Stirn halb bewusstlos mitten auf dem Gehsteig. Sein Smartphone lag im Rinnstein der Straße.


Er war tatsächlich voll gegen den Metallmasten einer Straßenbeleuchtung gelaufen, den er einfach übersehen hatte.


Tja, tut mir ja leid für den jungen Mann, aber das kommt davon, wenn man nur auf den Bildschirm seines Smartphone schaut und dabei nicht auf seine Umgebung achtet.

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.11.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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