Inge Hoppe-Grabinger

Auf dem Kinderspielplatz


Es ist jetzt 18 Uhr, und der Kinderspielplatz leert sich allmählich. Immer mehr
Kinder verlassen mit ihren Müttern  oder Vätern den Platz. Zum Schluss
bleiben nur noch auf der einen Seite drei Jungen,  l2 oder l3 Jahre alt, die
anfangen, Fußball zu spielen, zuerst ganz "kleinteilig", dann immer mehr
Raum einnehmend, und auf der anderen Seite, wo sich die Geräte für
kleinere Kinder häufen, zwei kleine Mädchen: das ältere Mädchen ist viel-
leicht 6 ,  das kleinere nicht mehr als drei Jahre alt. Wer passt auf diese
Mädchen auf? Die Bänke sind alle leer. Alle Erwachsenen sind weg.
Die Mädchen sehen aus wie kleine Inderinnen. Ich schaue mir die
Jungs an, einer sieht ebenfalls indisch aus: Ist das der ältere Bruder,
der seine Geschwister im Blick haben soll?  Ich beobachte ihn, ob er
vielleicht während des Fußballspielens ab und zu hinüberschaut zu
seinen Schwestern?  Es könnte sein, aber sicher bin ich nicht!
Währenddessen kümmert sich das größere Mädchen um die kleinere
Schwester, schleppt sie,  auf der Hüfte  tragend,  von einem Spielgerät
zum nächsten. Ich sehe, dass die ältere Schwester äußerst angespannt
ist, immer wieder schaut sie um sich, in immer kürzeren Abständen.
Sucht sie den Blick des Bruders?  Man sieht, dass ihr das Schleppen der
kleineren Schwester Mühe bereitet, dass es anstrengend ist, das
Schwesterkind zu beschäftigen, ohne dass es weint. Nun ist sie schon
rastlos unterwegs, immer mit der Schwester auf der Hüfte. Ich kann es
kaum ertragen, zusehen zu müssen. Nach einer halben Stunde, einer
Ewigkeit, kommt auf einem Fahrrad die Mutter, um ihre Töchter abzuholen.
Es gab gar  keinen Bruder, der auf die Mädchen aufgepasst hätte.
Die Mädchen waren ganz allein. Erlöst! Nach unendlich langen Minuten!
Ich überlege, ob ich etwas sagen sollte ....und was?
´ Ich zeige auf ihrer ältere Tochter: "Wissen Sie, dass Sie eine
ganz wundervolle Tochter haben?"  Was anderes fiel mir nicht ein ...


 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Inge Hoppe-Grabinger).
Der Beitrag wurde von Inge Hoppe-Grabinger auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.12.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  Inge Hoppe-Grabinger als Lieblingsautorin markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Stille Sehnsucht: Gedichte von Marion Batouche



Fernweh
Unsere Gefühle
Fahren einfach Karussell
Alte Narben brechen auf
Möwenschrei!

Marion Batouche, geb. 1962 in Waren an der Müritz; lebt zur Zeit mit ihrem Mann und ihren beiden erwachsenen Kindern in Lilienthal bei Bremen. Sie arbeitet seit dreizehn Jahren als Sachbearbeiterin in einer Bremer Im- und Exportfirma und füllt ihre Freizeit damit aus, Gedichte zu schreiben.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)

Inge Hoppe-Grabinger hat die Funktion für Leserkommentare deaktiviert

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Raben-Mütterliches" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Inge Hoppe-Grabinger

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Alles gut! von Inge Hoppe-Grabinger (Skurriles)
Kartoffelsalat von der Währungsreform von Norbert Wittke (Autobiografisches)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen