Elke Müller

Amerika....

Die Tage verliefen wie die anderen auch. Redmon war klug genug und machte einen großen Bogen um Roger um Konfrontationen zu vermeiden. Doch dann war der Tag gekommen, wo er endlich ganz allein mit Roger war. Seine Augen, die nun Roger unverwandt anschauten, trugen einen harten, unbeugsamen Ausdruck. „ Ist deine Gier nach Reichtum und Macht noch nicht groß genug um wieder ein neues Ding abzuziehen? Irgendwann wird man dich zu fassen bekommen.“ „ Werde bloß nicht frech, du kleiner Hurensohn! Kümmere dich lieber weiter um deine heimlichen Geschäfte, meine… gehen dich nichts an.“ Meine Mutter war keine Hure. Und wie ich weiß, kann man mit der Holzwirtschaft reichlich Profit machen, wenn die Bahnstrecke fertig wird. Dann sind bis zu 10 Millionen drin.,“ antwortete Redmon darauf und schaute weiter Roger an. Hob ohne eine Vorwarnung die Faust und schlug zu. Ihm mitten ins Gesicht. Der Hieb hatte eine solche Kraft, das Roger gegen die Wand geschleudert wurde. Blut tropfte von einem Auge und er tastete nach der Braue. Es war vielleicht auch eine Gelegenheit, ja, vielleicht auch zu zeigen was in einem steckte. Er war ein Halbblut, der nicht dazu gehört, welcher verachtet, gehasst, gedemütigt und ausgegrenzt wird. Redmon nahm sein geschnürtes Bündel auf. „ Eins noch! Es gibt etwas im Leben was am meisten zählt, dies ist Tapferkeit, Ehre, Großmut und Loyalität. All jene Dinge fehlen dir. Außerdem glaube ich, das da, ergibt ein schönes blaues Veilchen. Damit wäre wohl alles gesagt.“ Roger war außer sich vor Wut, machte auf dem Absatz kehrt und jagte, wie von einer Tarantel gestochen davon. Er war es gewohnt sich stets das zu nehmen was er wollte und Roger hatte damit Erfolg gehabt. Er war vermögend geworden. Viel zu spät bemerkten seine Geschäftsleute, das er sie hinters Licht führte und hinter seinem guten Aussehen nur eine Fassade bestand. Er ist ein rücksichtsloser Draufgänger. Die Gier nach Geld und Macht hält ihn in dessen Klauen und sorgt weiterhin dafür, dass er immer sein eigener Gefangene bleiben wird.

Redmon war nicht froh gewesen wieder im Fort zu sein. Er fluchte leise und Zorn brannte in seinen Augen. Es war vor etwa drei Monate gewesen, als seine Kompanie durch die Schuld von Roger zusammen geschossen wurde. Er musste mit ansehen wie seine Kameraden wie die Fliegen starben. Sie hatten weder die Zeit sich zu verteidigen noch zu fliehen. Wenn er daran dachte, wurde ihm erneut schlecht. Er stand an der Rückseite seiner Zelle. Gleich werden sie die Morgenglocke läuten und die Gefangenen hochscheuchen. Laute Schritte erklangen, nun schaute er nach der Tür die sich gleich öffnen würde. Es war so weit. Er wusste was dies zu bedeuten hatte. Das Todesurteil. Durch die Kugel eines Erschießungskommandos. Man hatte ihn zusammen geschlagen und als angeblichen Spion verhaftet und ins Fort verschleppt. Roger hatte schon einige, ob Freund oder Gefangene, als Verräter an die Wand stellen und erschießen lassen, die sich für ihn, Redmon, eingesetzt hatten. Die Tür wurde aufgestoßen. Er bemerkte den kalten, abschätzenden Blick des alten Wärters und bekam dann einen Stoß in den Rücken. „ Los!“ In seinen Augen blitzte es kurz auf. Er wusste genau, das Roger nach seinem Blut schrie. Wenn es nach ihm ginge wird er alles versuchen, ihn, wegen Verleumdung, Befehlsverweigerung, sowie Feigheit vor dem Feind und anderen Dingen zu belangen, um... irgendeinen Grund zu haben. Roger war ein Killer, der nicht richtig im Kopf war. Goldraub, Waffenschmuggel, Whisky und Gewehrlieferung an die Indianer und andere Delikte gingen auf sein Konto. Aber er, Redmon, hatte es gewagt sich gegen Roger aufzulehnen und hat ihm in seinen Stolz verletzt. Nun ging er, umringt von einer Patrouille, mit aufgestecktem Bajonett, den düsteren Korridor entlang, in Richtung Paradeplatz, wo man die Töne einer Regimentstrompete hörte. Seine Uniform hängt verschlissen und in Fetzen an ihm und er macht den Eindruck, nach langer Krankheit wieder auf den Beinen zu sein. Sein Gesicht wirkte eingefallen, die Augen stumpf. Trotzdem spürte er den Willen zu Leben in sich, den drohenden Tod abzuwehren. Die plötzliche Helligkeit blendete ihn und er schloss die Augen kurz, wobei er am Mast, das flatternde Sternenbanner hörte. Die ganze Besatzung war angetreten, keiner sagte etwas, es war still. Er geht aufrecht mit stolz erhobenen Kopfes zur Mitte. Am Fahnenmast stand Roger mit einen Major, den Kommandeur des Fort, der das Urteil von einer Schriftrolle abliest. Redmon hörte kaum hin. Sein Blick wanderte zu einer Anhöhe, gleich hinter den Manschaftsunterkünften, zu den kleinen braunen Grabhügeln und säuberlich beschrifteten Brettern. Hier sollte also seine letzte Ruhestätte sein. Die Stimme des Major schwang über die Männer hinweg, welche sich nicht rührten. „ … hiermit aus der Armee, ohne Ehrung sowohl Anerkennung, ausgeschlossen wird.“ Er sah es Roger an, das es ihm eine Freude gewesen wäre, wenn man ihn erschossen hätte. Die Mannschaft kehrte dann zügig und geschlossen in ihre Unterkünfte zurück. Roger blieb alleine zurück. Es war ihm deutlich anzusehen, das ihn dieser Misserfolg mächtig gegen den Strich ging. Er grinste hämisch, er kostete seine Rache aus, doch dann strafften sich seine Schultern. Noch einmal betrachtete er Redmon, als wolle er ihn erneut prüfen. Seine Stimme war voller Hohn und Triumph. „ Es war alles gut arrangiert gewesen. Die Gefangennahme schon voraus geplant.“ „ Verdammt,… du hast mir dies alles eingebrockt? Du bist der schmierigste und allerletzte Halunke der mir je unter die Augen kam,“ sagt Redmon heißer. Ein leises hasserfülltes Lachen stieg Roger dabei aus der Kehle. „ Wenn mir einer ins Handwerk pfuscht, dann kann ich sehr unangenehm werden. Außerdem kenne ich mich mit den Roten aus. Deinen zerlumpten und heruntergekommen Freunden wirst du bald nicht mehr helfen können. Stellst du dich weiter auf ihre Seite, so wirst du mit ihnen untergehen. Denn jeder, der eine Waffe halten kann, wird Jagd auf dich machen, wie bei einem wilden Tier. “ Redmon spürte die Wut, welche in ihm hoch kroch. In seinen Augen loderte kurz ein Feuer auf, was aber schnell wieder erlosch. Roger ist ein Blender, der sehr viel mehr scheint, als was er darstellt. Einer, der eiskalt Menschen erschoss, obwohl es nicht nötig ist. Wenn er durchdrehte, ist es ihm egal welche seine Opfer sind, ob Männer, Frauen, Kinder und Alte welche keine Waffe benutzen können. Genauso als wenn er einen Truthahn mit einem gezielten Stich ins Genick tötet. „ Du tust mir leid Roger,... du bist vielleicht reich, aber… allein und einsam… ohne irgend welche Freunde. Sicher nicht jeder hat Freunde, deshalb kann es einer wie du… auch überhaupt nicht verstehen.“ Redmon hat genug bei der Armee gedient, jetzt war er endgültig fertig mit ihr. Er drehte sich um, ging in seine Unterkunft zurück, packte seine wenigen Sachen in die beiden Satteltaschen, rollte eine Sattelrolle und griff sich flüchtig als letzten Gruß an die Hutkrempe, drehte sich um und ging zu seinem Pferd hinaus, welches gesattelt auf ihn wartete, schnallte alles gut an diesem fest. Packte die Zügel, fasste mit der linken Hand nach den Sattelhorn und zog sich langsam in den Sattel, mit einem leisen Zungenschlag lies er seinen Fuchshengst antraben und ritt aus dem Tor hinaus ohne sich noch einmal umzusehen. Er war nun ein Outlaw, ein irgendein Gesetzloser geworden, ohne Rang und Namen, weil er sein Leben verteidigt hatte. Er nahm sich vor, fortan ein freies, wildes Leben, jenseits aller Regeln zu führen. Er wird nun von allen gejagt: Vom Gesetzt, von seinen früheren Freunden bei der Armee, und von allen, die sich dazu berufen fühlen. Ein Gejagter, bis ihm einmal eine tödliche Kugel trifft. Aber wenn er einmal gejagt wird, so sollte es wenigstens in einer Gegend sein, die er kannte. Seine Gedanken überschlugen sich. Redmon wusste genau, wenn er und Roger sich trafen, es zu einen Kampf auf Leben und Tod kommen würde, er hatte keine andere Wahl. Er musste irgend etwas unternehmen, jede Chance nutzen, auch wenn diese noch so klein war. So wird er wohl kreuz und quer unterwegs sein müssen, um falsche Fährten zu legen, die immer wieder in eine Sackgasse führen. Damit hätten seine Verfolger erst mal genug zu tun, aber dann.... Roger nutzte das Kriegsrecht gekonnt aus, um zu morden und sich durch Erpressungen zu bereichern. „ Der Teufel wird dich holen, Roger! Wenn ich dich vor den Lauf bekomme.“ Er war davon überzeugt, das Roger ein Yenkee war, dem egal ist auf welcher Seite er steht. Dessen Mutter eine Mexikanerin, der Vater ein Säufer und Dieb war, ein Taugenichts von Amerikaner, dem man später am Strick aufhängte. Die Familie landete bald darauf mittellos auf der Straße und nur durch Hilfe von anderen Mitmenschen eine neue Unterkunft fanden. Roger ist in die Fußstapfen des Vaters getreten.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Elke Müller).
Der Beitrag wurde von Elke Müller auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.12.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  • Autorensteckbrief
  • elkemueller59googlemail.com (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Elke Müller als Lieblingsautorin markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Schmetterlinge weinen leise: Gedichte voller Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht von Uwe Walter



Der Autor dieses Gedichtbandes, Uwe Walter, wird Sie mit seinen tiefsinnlichen Werken für einen Augenblick zu den Quellen der Liebe entführen. Tauchen Sie ein, in blühende Herzlandschaften einer romantischen und poesievollen Welt. Entdecken Sie die Vielfalt seiner fantasiereichen und mit Leidenschaft geschriebenen Werke. Diese Auswahl seiner schönsten Gedichte beinhaltet alle Facetten der Liebe. Verse voller Sehnsucht, bei denen Weinen und Lachen eng beieinander liegen. Worte, die vom Autor mit Herzblut und tiefem Einfühlungsvermögen verfasst wurden.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Fantasy" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Elke Müller

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Liebe, Kampf, SEHNSUCHT von Elke Müller (Fantasy)
Casandra von Silke Schück (Fantasy)
Pilgertour XII. von Rüdiger Nazar (Abenteuer)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen