Heinz-Walter Hoetter

Fünf Kurzgeschichten zum Lesen und Nachdenken

1. Wir stricken alle unser Leben
2. Wir alle sind nur auf der Durchreise
3. Von Lemmingen und Menschen
4. Nie richtig gelebt
5. Mein alter Freund, der Mönch




***


1. Wir stricken alle unser Leben


 

Als ich noch ein kleiner Junge war, da sah ich einmal meiner Großmutter beim Stricken zu. Ich bewunderte besonders ihre Geduld und wie sie mit großer Sorgfalt an einem wunderschönen Schal arbeitete, der im Laufe der Zeit immer länger wurde. So stand ich da, sagte kein einziges Wort und schaute ihr nur dabei zu, mit welcher Geschicklichkeit sie die beiden Stricknadeln handhabte.

 

Nach einer Weile blickte sie mich plötzlich an und fragte mich, ob ich eine kleine Geschichte von ihr hören wolle, von der ich vielleicht etwas lernen könnte. Ich bejahte, holte einen Stuhl und setzte mich zu ihr. Nach einer kleinen Gedenkpause fing meine Großmutter an zu erzählen.

 

"Mein lieber Junge! Wenn ich so darüber nachdenke, dann stricken wir alle unser Leben. Ja, manche Muster sind kompliziert, andere wiederum recht einfach, die dann auch leichter zu stricken sind. So ist das eben. Es kommt aber immer darauf an, ob man seine Arbeit gerne und mit Freuden macht, ganz gleich wie schwer oder leicht sie auch immer sein mag. Weißt du, ich habe schon viele schöne Sachen angefertigt und stets freundliche Farben verarbeitet, die ich bunt gemischt habe, wobei ich hier und da natürlich auch die grauen Farbtöne nicht vergaß. Die gehören einfach dazu, wie im wahren Leben, wenn du mich verstehst. Wichtig war mir auch die Qualität. Manchmal war die Wolle weich, manchmal flauschig, mal hart und kratzig, je nach dem. Manchmal kam es auch vor, dass mir Maschen von der Nadel fielen. Dann entstanden Löcher im Muster, über die ich mich stets ärgerte, weil ich nicht aufgepasst hatte. Dann wollte ich immer das ganze Strickzeug in die Ecke werfen. Trotzdem machte ich jedes Mal weiter und bekam die meisten Sachen am Ende doch noch gut hin. Ab und zu ist mir sogar der Faden ausgegangen. Das war ja auch kein Wunder, denn zu meiner Zeit damals war es nicht leicht, an neue Strickwolle heran zu kommen. Außerdem war Krieg und das Geld knapp. Die meisten Menschen lebten in bitterer Armut und hatten nur wenig zu essen. Die Soldaten an der Front gingen vor. Ihre Verpflegung war vorrangig. Tja, mein Junge, so war das früher zu meiner Zeit eben. Was soll ich sagen? Oft habe ich mir beim Stricken gedacht, dass es in vieler Hinsicht mit unserem Leben vergleichbar ist. Wir Menschen sind für das, was wir tun, selbst verantwortlich, aber viele stricken lieber nur Einheitsmuster, anstatt eigene Kreationen zu entwickeln. Doch keiner von uns weiß, wie viel Lebensfaden er noch hat, um an seinem Leben weiter stricken zu können. Das vergessen viele nur allzu gerne. Sie denken nicht daran, dass jeder Faden auch ein Ende hat. Nun, wie du siehst, stricke ich heute noch, obwohl ich schon 86 Jahre alt bin. Es geht zwar nicht mehr ganz so schnell wie früher, auch brauche ich eine Brille bei meiner Arbeit, aber das Stricken geht trotzdem noch ganz gut. Der Schal hier soll übrigens für dich sein, mein Junge."

 

"Was, für mich? Ich finde besonders das Muster sehr schön, Großmutter. Ich freue mich schon darauf, wenn ich den Schal zum ersten Mal tragen darf. Der Winter steht bald vor der Tür, da kommt er mir gerade recht", erwiderte ich freundlich, drückte mein Oma herzlich und verließ das Wohnzimmer, weil ein Freund von mir draußen an der Tür geklingelt hatte, um mich abzuholen. Wir wollten zum Fußballspielen gehen. Über die kleine Geschichte, die sie mir erzählt hatte, dachte ich nicht weiter nach.

 

***

 

Anfang Dezember 1963.

 

Draußen war viel Schnee gefallen und meine Großmutter lag krank im Bett. Die ganze Nacht hatte sie wegen eines Asthmaanfalles nicht schlafen können. Dann, am frühen Morgen, wurde die Atemnot so schlimm, dass sie fast keine Luft mehr bekam. Meine Eltern riefen schließlich nach dem Hausarzt, der schnell da war und den lebensbedrohlichen Zustand meiner Großmutter gleich erkannte. Er rief sofort nach einem Rettungswagen, der wenig später auch kam.

 

Trotz aller ärztlicher Bemühungen jedoch verstarb meine Oma noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Sie war qualvoll erstickt. Man hatte ihr nicht mehr helfen können.

 

***

 

Als es endlich Weihnachten wurde, lag der gestrickte Schal meiner verstorbenen Oma nicht unter dem Weihnachtsbaum, wie ich es eigentlich erhofft hatte. Sie hatte ihn leider nicht mehr vollenden können. Meine Mutter versprach mir aber, dass sie ihn weiterstricken und fertig machen würde.

 

So kam es schließlich auch. Im neuen Jahr überreichte mir meine Mutter den Schal, als ich zum Schlittenfahren nach draußen gehen wollte.

 

Es war wirklich ein ganz besonderes Stück, mit vielen bunten Farben und einer Wolle, die weich und warm auf der Haut lag. Ich habe diesen Schal viele kommende Winter hindurch getragen. Er erinnerte mich auch immer wieder an meine verstorbene Großmutter, wenn Weihnachten vor der Tür stand.

 

Doch eines Tages war er ganz plötzlich verschwunden. Vielleicht habe ich ihn ja einfach nur irgendwo liegen gelassen, dachte ich so für mich und hoffte insgeheim, dass ihn früher oder später jemand finden und zu mir zurück bringen würde.

 

Aber ich wurde enttäuscht.

 

Auf jeden Fall blieb mein schöner Schal für immer verschwunden. Ich war darüber tief traurig gewesen, wie ich mich heute noch lebhaft daran erinnern kann.

 

Etwas anderes ist dafür viele Jahrzehnte später ganz plötzlich wieder aufgetaucht, nämlich die kleine Geschichte meiner längst verstorbenen Großmutter, die sie mir damals vor langer Zeit beim Stricken so wunderbar erzählt hatte.

 

Und das kam so.

 

Ich besuchte kürzlich den Weihnachtsmarkt unserer Stadt. In einem dieser kleinen, weihnachtlich geschmückten Holzhäuschen entdeckte ich eine ziemlich alte Frau beim Stricken, die mich seltsamerweise an meine längst verstorbene Oma erinnerte. Auf einmal kamen schlagartig alle Erinnerungen an sie zurück.

 

Ich sah mich plötzlich in Gedanken als kleiner Junge vor meiner Großmutter sitzen und hörte ihr zu, wie sie mir ihre Geschichte erzählte, die wohl etwas mit ihrer erworbenen Lebensweisheit zu tun hatte.

 

Besonders erinnerte ich mich an jene Worte, die mir seit damals nie ganz aus dem Kopf gegangen sind.

 

"Mein lieber Junge! Keiner von uns weiß, wie viel Lebensfaden er noch hat, um an seinem Leben weiter stricken zu können. Das vergessen viele nur allzu gerne. Sie denken nicht daran, dass jeder Faden auch mal ein Ende hat.“

 

Ja, wenn ich so zurück blicke in meinem Leben, dann muss ich meiner Großmutter nachträglich zustimmen, denn viele Menschen, die mir sehr, sehr nahe standen, haben schon längst Stricknadel und Faden für immer ablegen müssen.

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

***

 

 

2. Wir alle sind nur auf der Durchreise

 

 

Der elektrisch angetriebene Zug rollte fast geräuschlos aus der hohen Glas überdachten Bogenhalle des kleinen Kopfbahnhofes. Es war der letzte in dieser Nacht. Auf dem Bahnsteig, ganz vorne, wo sich die Prellböcke am Ende der Gleise befanden, stand ein einzelner Mann und zündete sich gerade eine Zigarette an. Mit traurigem Blick starrte er den roten Schlusslichtern des letzten Waggons hinterher, die rasch immer kleiner wurden.

 

Als er den Zug in der Ferne davon rollen sah, fiel ihm plötzlich der Satz ein: „Wir sind alle nur auf der Durchreise“, den er mal irgendwo aufgeschnappt hatte. Er dachte über die unerbittliche Wahrheit dieses Satzes eine Weile nach, wobei ihm bewusst wurde, wie vergänglich doch alles Leben auf dieser Erde ist.

 

Nebenbei sog er genussvoll an seiner qualmenden Zigarette und dachte über seine Krankheit nach, die ihm die Ärzte vor mehr als einem Monat diagnostiziert hatten. In seiner Lunge wuchs ein bösartiges Karzinom, das man nicht operieren konnte. Ein Todesurteil, wie er wusste. Irgendwie hatte er das schon geahnt, weil seine Hustenanfälle im Laufe der Zeit immer schlimmer geworden waren. Das Rauchen wollte er trotzdem nicht aufgeben. Dafür war es jetzt schon zu spät. Die Ärzte gaben ihm höchstens noch drei oder vier Monate und hatten ihm dazu geraten, sein Leben entsprechend danach einzurichten. Im Endstadium des fortschreitenden Lungenkrebses würde er sowieso ins Krankenhaus müssen, wie man ihm erklärte.

 

Noch vor wenigen Minuten stand er mit seiner einzigen Tochter Maria hier auf dem Bahnsteig. Er hatte mit ihr über alles gesprochen und sie eingeweiht. Jetzt saß sie in dem Zug, der in der Schwärze der Nacht verschwunden war. Für ihn war es eine große Freude gewesen, sie wiedergesehen zu haben. Alles andere war ihm unwichtig gewesen.

 

Sie redeten auch über Mutter, die sich vor mehr als fünf Jahren von ihm hatte scheiden lassen, um einen anderen Mann zu heiraten. Der Schock riss ihn damals in eine tiefe Krise. Er glaubte für einige Zeit, daran zu zerbrechen. Manchmal war er dem Selbstmord nahe. Sein Lebensmut kehrte aber zurück, als er Doris, eine Schneiderin, vor etwa zwei Jahren kennen und lieben lernte. Schließlich schmiedeten sie Heiratspläne, doch Doris konnte ihre kranke Mutter nicht alleine lassen, die zusammen mit ihr in einer großen Stadt hoch im Norden Deutschlands wohnte. Die geplante Hochzeit musste deshalb immer wieder verschoben werden. Dann kam seine schlimme Krankheit dazwischen, die ihn völlig aus der Bahn warf und ihn seitdem in eine tiefe Verzweiflung getrieben hatte. Auch Doris litt sehr darunter und war ebenso verzweifelt wie er. Ihre Lebenspläne konnten beide jetzt sprichwörtlich begraben.

 

Er fühlte sich müde. Der fortschreitende Lungenkrebs zehrte an seinem Körper. Langsam wandte er sich zum Gehen. Es ging ihm im Augenblick nicht so gut.

 

Draußen war es still und Mitternacht schon längst vorbei. Seine Schritte hallten monoton auf dem kalten Asphalt, als er den einsam daliegenden Bahnhof wieder verließ. Er war in einer seltsam melancholischen Stimmung. In Gedanken hörte er die Worte seiner Tochter, als sie zu ihm sagte: „Papa, wir werden uns bald wiedersehen. Ich werde mich um dich kümmern, wenn ich alles mit Klaus zusammen besprochen habe, was wir für dich tun können.“ Dann hatte sie ihm zärtlich die Tränen weggewischt, die ihm über die Wangen gelaufen waren. Sie selbst hatte sich dabei zu einem Lächeln gezwungen.

 

Die Nacht war sternenklar. In dem kleinen Restaurant, in dem sie noch vor wenigen Stunden vor ihrer Abfahrt gesessen hatten, war es jetzt totenstill. Das Licht war erloschen. Wie benommen ging er daran vorbei.

 

Robert Hasslauer erreichte schließlich sein Hotel. Er hatte sich dort für einige Tage ein kleines Zimmer gemietet, weil er in dieser Stadt einen alten Freund besuchen wollte, den er noch aus seiner schönen Studentenzeit her kannte.

 

Auf den Stufen blieb er plötzlich stehen und blickte in die Richtung, von der er gekommen war. Still lag der Bahnhof im trüben Licht seiner eigenen Beleuchtung. Die kühle Nachtluft erfrischte ihn ein wenig. Er hatte das seltsame Gefühl, als würde ihn ein Windhauch sanft über seine schütteren Haare streicheln.

 

Wir sind alle auf der Durchreise“, fiel ihm wieder ein. „Was für eine wunderschöne ruhige Nacht, um weiterzuziehen“, flüsterte er halblaut vor sich hin. Dann ging er auf sein Zimmer.

 

***

 

Am nächsten Morgen gellte der entsetzte Schrei des Zimmermädchens durch den zweiten Stock des Hotels. Einige Gäste waren herbeigeeilt und gafften aufgeregt in den offenstehenden Raum, auf dessen Tür die Nr. 31 zu lesen stand.

 

Dort saß Robert Hasslauer in einem weinroten Sessel direkt am offenen Fenster. Fast sah es so aus, als ob er schliefe, doch er rührte sich nicht.

 

Am nächsten Tag stand ein kleiner Artikel in der örtlichen Tageszeitung, der die Leser über den tragischen Fall eines 56-jährigen Manager informierte, der sich in seinem Hotelzimmer durch eine Überdosis Schlaftabletten das Leben genommen hatte. Neben dem Toten fand die Polizei einen kleinen Zettel, auf dem geschrieben stand: „Ich bin jetzt in einer neuen Welt. Wir alle sind nur auf der Durchreise...“

 

c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

***

 

 

3. Von Lemmingen und Menschen


 

Sie werden "Lemminge" genannt und leben hoch im Norden der skandinavischen Länder.

Lemminge sind eine Art von Nagetieren bzw. stummelschwänzige Wühlmäuse, die bis zu 15 Zentimeter groß werden. Normalerweise führen sie ein ziemlich geselliges, aber karges Leben, hausen in Erdhöhlen und verbringen die meisten Monate des Jahres in ihren Gängen unterhalb der Schneedecke.

Lemminge sind nachtaktive Pflanzenfresser und ihre größten Feinde sind die Schnee-Eule, der Polarfuchs und das Hermelin.

Das Hermelin beispielsweise macht das ganze Jahr über Jagd auf den kleinen Nager, auch im Winter, denn die Lemminge halten keinen Winterschlaf. Das Hermelin stellt ihnen nach und tötet sein Opfer durch einen kräftigen Nackenbiss.

In unregelmäßigen Zeitabständen jedoch - es können Jahrzehnte sein - finden sich die Lemminge in großer Zahl ein, um auf Wanderschaft ohne Wiederkehr zu gehen. Sie haben dann ein festes Ziel vor Augen und begehen sozusagen einen regelrechten "Massenselbstmord".

Tierforscher erklären diesen seltsamen Vorgang mit einer plötzlichen Überpopulation der Lemminge, was im ersten Moment einleuchtend erscheint; rätselhaft und unerforscht bleibt jedoch, warum sie von Zeit zu Zeit in großen Kolonnen an Flüsse, an Fjorde und an die Meeresufer ziehen, um sich an diesen Orten von den Klippen in das Wasser zu stürzen. Das tun sie zu Hunderten und zu Tausenden und fast gleichzeitig oder unmittelbar hintereinander.

Obwohl die Lemminge eigentlich sonst sehr scheue Lebewesen sind, die von Lebensangst geplagt werden, weil sie ständig von ihren Jägern verfolgt und gefressen werden, gehen sie dennoch blindlings und ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, in den Tod.

Seltsamerweise tun sie dies aber nur im Kollektiv, also nur in der Gemeinschaft.

Ein einzelnes Tier, das aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen den Anschluss an die Masse seiner Artgenossen verloren hat, verharrt am Rande des Abgrunds und wendet sich wieder dem Lande, also dem Leben, zu. Es macht den Massenselbstmord in diesem Falle komischerweise nicht mit.

Nun, ein solcher Überlebenswille beherrscht auch den Menschen, solange er körperlich, geistig und auch seelisch gesund ist.

Dass sich der Homo sapiens sapiens im Kollektiv allerdings wesentlich anders als auf sich allein gestellt verhält, ist den Psychologen und Verhaltensforschern schon lange bekannt.

Während Überlebenswille und Todesfurcht mehr oder weniger bei allen Menschen gleich ausgeprägt sind, weist jedoch ihr Kollektivverhalten deutliche Unterschiede zum vorgenannten, individualistisch bestimmten Verhalten auf.

Die Sehnsucht nach dem gemeinsamen Opfertod oder die Bereitschaft der Massen, mit einer großen Zahl gleichgesinnter Zeitgenossen z. B. in den Krieg zu ziehen, um auf einem Schlachtfeld im Kampf zu sterben, ist vergleichbar dem Phänomen der Lemminge.

Krieg ist Massenselbstmord, eine Art Lust an der Katastrophe.

Die wüste Freude, sich in den Abgrund des Todes zu stürzen überkommt die Menschheit immer wieder und in unbestimmten zeitlichen Abständen. Die Neigung zum Massenselbstmord, unter ganz bestimmten historischen Voraussetzungen und Zeitumstände, ist dem Menschen eigen.

Wir müssen nur in die Geschichte zurückblicken, auch in die jüngere, um festzustellen, das diese bittere Erkenntnis mehr als zutrifft.

 

(c)Heinz-Walter Hoetter


 

 

 

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4. Nie richtig gelebt


 

Die Menschen in unserer Gesellschaft werden dazu angehalten, ihre ganze Arbeitskraft dem unablässigen Geldverdienen und dem materiellen Gewinn zu opfern.

Damit opfern sie auch ihre Gesundheit.

Und wenn sie ihre Gesundheit für die Arbeit und das Geldverdienen geopfert haben, versuchen sie, mit dem daraus verdienten Geld ihre Gesundheit wieder zu erlangen bzw. zu erhalten.

Das machen sie aus Angst um ihre Zukunft, die sie allerdings niemals gehabt haben und auch nie haben werden.

Jetzt ist es zu spät dafür.

Denn sie vergaßen, ihr wahres Leben in der Gegenwart zu leben.

Sie haben vielmehr so getan, als würden sie vom Tod ausgeschlossen sein.

Aber das war ein großer Irrtum.

Und am Ende sterben sie und haben eigentlich nie richtig gelebt.

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

 

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5. Mein alter Freund, der Mönch


 

 I ch habe vor wenigen Wochen einen alten Freund von mir besucht, mit dem ich einen Teil meiner Jugendzeit verbracht habe. Später verloren wir uns dann aus den Augen.

 

Seit vielen Jahren war es jetzt das erste Mal, dass wir uns zufällig wiedergesehen haben.

 

Ich war sehr erstaunt darüber, dass er heute in einem Kloster wohnt und Mönch geworden war.

 

Sein einfaches Zimmer bestand nur aus wenigen Möbeln. Außer einem Regal voller Bücher, standen nur noch ein Tisch, zwei Stühle und eine kleine Holzbank in dem Raum. Das war alles.

 

"Du bist aber sehr spartanisch eingerichtet. Du hast ja so gut wie gar keine Möbel hier", sagte ich zu ihm, während ich das Zimmer betrat.

 

"Ich weiß", antwortete er mir und fragte mich plötzlich: "Wo sind deine Möbel?"

 

"Ich verstehe deine Frage nicht ganz. Wie du siehst, habe ich nur meinen Koffer dabei, weil ich auf der Durchreise bin. Mehr brauche ich nicht. Ich kann doch nicht alle meine Möbel mitnehmen", gab ich ihm zur Antwort.

 

Mein alter Freund sah mich lächelnd an und sprach: "Siehst du, genau wie ich. Ich bin ja auch nur auf der Durchreise. Wozu brauche ich dann so viele Möbel?"

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.12.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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