Jürgen Malodisdach

Qualiens ( 2 )

Qualiens zweiter Tag

 

Was soll schon passieren denkt Karsten. Tagelang machte er seine Arbeit als Hausmeister wie gewohnt.

Lachte schon wieder, wenn er nur an das erste Erlebnis mit seinem verschwundenen Schuh und dem blauen Streifen auf den Wegen dachte. Glaubte dann bald, daß er diese Sache gar nicht echt erlebte und seinen Schuh irgendwo hat liegen gelassen.

Bis zu dem einen Tag, als er wieder einmal ziemlich müde von der ausgiebigen aber schönen und sehr angenehmen Nachtarbeit mit seiner Freundin Conny, am Tor des Wohnblocks stand, um mit seiner Arbeit zu beginnen. Er hätte besser auf den Weg achten sollen, auf dem er entlang ging, dann wäre ihm einiges aufgefallen.

So steckte er , noch halb verschlafen den Schlüssel zum Raum für die Abfallbehälter ins Schloß. Das heißt, er wollte es. Ging aber nicht. Auch der nächste paßte nicht. Es paßte überhaupt kein Schlüssel seines umfangreichen Schlüsselbundes in das Türschloß.

Erst erstarrte er erstaunt. Dann trat er wütend mit dem Fuß gegen die Metalltür, daß es krachte und er schmerzverzerrt sein Bein zurück zog. Und siehe da, die Tür ging auf. Allerdings nutzte ihm das nicht viel.

Denn er stand nun vor einer Mauer aus einer farb- und geruchlosen , halbfesten Masse. Dieses Ding nahm den ganzen übersehbaren Raum ein. Und noch mehr. Öffnete sich diese Mauer aus der undefinierbaren Masse , als würde ein Reißverschluß betätigt werden.

Ganz weit geöffnet sah Karsten vollkommen konsterniert in das Innere dieses Dings. Zu sehen war absolut nichts.

Außer einem Schuh, der mitten in der Qualle, so nannte Karsten dieses Ding , lag. Na so ein Scheiß sagte er sehr laut. Wollte den Schuh, also seinen Eigenen, ergreifen. Statt dessen wurde er gegriffen. Er sah keine Arme oder sonstigen Organe. Wußte überhaupt nicht , wer ihn hier festhielt. Er hatte nicht einmal Angst. War ganz ruhig wußte nur nicht, was hier passierte und was mit ihm geschah. Was sollte er jetzt nur tun.

Er brauchte sich aber keine Gedanken über sich selbst zu machen. Denn jetzt wurde es plötzlich ganz eng und er wurde so von allen Seiten und oben und unten gedrückt, daß er sich ganz klein machte und in die Hocke ging.

Dann gab es einen Knall und es rumpelte und rumorte rings um ihn herum. Das Gefühl sagte ihm, daß das ganze Ding sich bewegte. Und dann war alles vorbei. Es herrschte eine beinahe beängstigende Stille. Dann vergrößerte sich alles zum Normalen .

Vor ihm öffnete sich die Qualle. Es wurde wunderbar hell. Karsten blickte ungläubig ins helle Tageslicht. Sah aber nichts weiter als eine graue bis schwarze sehr große Fläche. Er streckte sich , stand aber immer noch wie angewurzelt.

Mit einem mal erhielt er einen richtig kräftigen Arschtritt. Der beförderte ihn ein Stück heraus aus der Qualle. Versuchte sich zu orientieren. Aha, meinte Karsten nach einer Weile. Das sieht ja aus, wie das Dach von seinem Wohnhaus, das er pflichtgemäß zu betreuen hatte.

Was soll er hier oben und warum steht da noch jemand ein Stück weiter herum. Außerdem hatte er das Gefühl, ständig in die Hacken getreten zu werden. Das war ihm unangenehm und er wollte, als er sich umdrehte, dem Treter eins auswischen.

Ging aber nicht, es war niemand da. Na gut sagte sich Karsten, gehen wir mal zu dem Menschen der da ein Stück weiter herum steht. Und siehe da, es war sein Chef der eine große braune Kuh streichelte.

Na du alte Schlafmütze , bist du endlich da. Du solltest heute das Dach kontrollieren. Die Fehler und Schwachstellen suchen. Es gab Beschwerden von Mietern über Wasserdurchlässigkeiten. Und zwar so viel, das Quallen darin schwimmen können, sagte ein Mieter.

Geht gleich los meinte Karsten. Dann klingelten Glocken, nicht wie Weihnachten, sondern in einer Lautstärke von einer Menge Kuhglocken , wie man sie nur auf Gebirgsweiden in Bayern findet. Diese Geräusche des nervtötenden Gebimmel kam von der großen Glocke, die der braunen Kuh um den Hals hing.

Eine von diesen großen Tieren, die große Braune, die eigentlich von seinem Chef gehalten wurde, schubste ihn mit ihrer Schnauze so vor die Brust daß er vom Dach fiel.

Er schrie und schrie bis jemand sagte, komm jetzt endlich mal runter von mir . Wir müssen aufstehen , arbeiten gehen , haben dicke verschlafen. Da wunderte sich Karsten, daß er neben dem Bett auf dem Fußboden lag. Und seine Conny ganz naturell ohne Stoff um sich herum , vor ihm kniete und ihm den Wecker ans Ohr hielt. Sonst war ihm nichts passiert.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Jürgen Malodisdach).
Der Beitrag wurde von Jürgen Malodisdach auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.12.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • duster24jgmx.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Jürgen Malodisdach als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Glückliche Pferde von Elisabeth Drescher-Ferstl



Dokumentiert mit einzigartigen Bildern ausgelassen spielender Hauspferde, ihrer Lebensfreude und ihrem Bewegungsdrang zeigt dieses Buch in Wort und Bild „Glückliche Pferde“.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Unheimliche Geschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Jürgen Malodisdach

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Tobi auf dem Pferdehof von Jürgen Malodisdach (Tiergeschichten)
Lena von Christopher O. (Unheimliche Geschichten)
Das kann ja heiter werden von Siegfried Fischer (Schule)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen