Klaus Mattes

Einige Tiere treten zurück

Ich las, dass Japan 80 Prozent des globalen Ertrags an Tunfisch verzehrt. Sashimi ohne Tunfisch geht nämlich gar nicht. Praktisch alle Meere sind inzwischen überfischt. Das heißt, sie regenerieren sich nicht. Japan fängt seinen Tunfisch im Nordatlantik. Die Gattung Tunfisch wird aussterben.
Gesetzt aber, weil es Tunfisch nicht mehr gibt, wird in der Tiefsee eine Kleinlebensform aussterben, die sich an den abgesunkenen Verdauungsresten des Tunfischs gütlich tat. Nach dieser ersten Kleinlebensform beginnt auch eine zweite auszusterben. Und diese hatte eine dritte in Schach gehalten, die fast unbeabsichtigt und unbeobachtet ein Drittel des in den Meeren perlenden Kohlendioxids ablässt. Eines Tages wissen die Wissenschaftler, verspätet, aber mehr oder weniger sicher: Japans Lust an Sashimi hat eine Klimakatastrophe ausgelöst.
Dann ist noch immer Yoshi Yimi da, einer der fünf großen Reeder der japanischen Tunfisch-Flotte. Sein Zeichen ist der weißblaue Stern über den Seerouten. Besitze ich als simpler Erdenbürger, der sonst gar nichts weiß, ein Recht, Yoshi Yimi der Mitschuld an der Auslöschung meines Planeten zu beschuldigen? Oder besitze ich es nicht, wie ich auch Hans Karl Filbinger oder Kurt Waldheim nicht der Mitschuld am Massenmord im Zweiten Weltkrieg beschuldigen durfte, während sie unter den Lebenden noch weilten?
Wer ließ sie werden vom wilden Tier zum Nutzen? Der Mensch. Der Mensch hätte das nicht getan, wenn er nicht einen Zweck verfolgt hätte.
Wir brauchen den Kunden, allerdings nicht den Einen, wir brauchen diesen Kunden massenhaft, der tierbewusst einkauft. Das kostet aber einiges. Also brauchen wir den Staat, der gegen die Arbeit der Agrarlobby Tier-, Arten- und Naturschutz für die Agrarindustrie (was anderes gibt’s nirgendwo, beim Bio auch nicht) in Form von Gesetzen und Bestimmungen durchsetzt. Durchsetzt heißt, nicht nur beschließt, sondern hinterher auch kontrolliert und sanktioniert.
Gestern beklagten sich die Finnwale: „Wir wollen nicht weiter wie Fische verwendet werden.“
Es waren nur wenige an Ort und Stelle um zu bezeugen, dass es kein Ertrinken war, sondern der Weiße Hai, der sich in die Ostsee verirrt hatte. Das Alien wurde ganz ähnlich getötet, kam jedoch immer wieder zurück mit seiner Brut.
Im Geist hat Wolfgang aus dem Schicksal der feuchten Katze sein Buch geformt. Sonnentrunken war dieses drollige Tier zum Decksteiner Weiher gefahren, hatte sich frei in die Trübe des Gürtelsees geworfen, von dessen Dünung man die ersten herbstlich verfärbten Blätter gefischt hatte. Wir können leider nicht davon ausgehen, dass es Allgemeingut ist, aber wenn eine gefleckte tibetische Tigerkatze eine Gewässerstrecke von 150 Metern durchmisst, entspricht das exakt dem, was wir als Fahrtenschwimmerabzeichen kennen. Bei Wolfgang glühte das Hirn. In den ersten Zügen nahm ein weiterer Roman Gestalt an. Unter dem Gelächter der Unwissenden seiner Heimatgemeinde Toblach war Wolfgangs fünf Jahre zuvor entstandene Beschreibung der Allgemeinen und Speziellen Knotenkunde (Ditzingen 1993) schmählich untergegangen. Aber dieses Mal, bei der Katzenerscheinung würde er sich vom Spott nicht aus der Bahn werfen lassen.
In Österreich sind die Tauberln so blöd, dass sie nach Scherben picken und sich eine Blinddarmreizung holen. Ums Hinabschlucken geht’s bei den österreichischen Tauben gar nicht, nur ums Picken. Wenn’s im Lied „Zwickt’s mi“ heißt, „Aba i glaub, da hilft ka Zwickn, könnt ma net vielleicht wer ane pickn?“, wird stichartig gehauen. Wenn die österreichische Taube intelligent wäre, sodass sie merkt, dieses Glas schluckt sie nie und nimmer, warum pickt sie es denn? Na, weil sie es doch nicht tut! So intelligent ist die Taube heute. Da muss man aber viele Tauben im Park stundenlang beobachtet und vergiftet haben, bis man es weiß.
Ich zitiere eines von den bisher drei Werken einer Perlenfängerin. Sie hatte es barock als Textbild-Ornamente geordnet: „Was wäre, wenn ich das Träumen, Hoffen, Glauben, Fantasieren, Vorstellen, Verdrängen ließe, stattdessen so achtsam wie aufmerksam durchs Leben schröte? Vielleicht würde ich einer Illusion inne, in der ich lange Zeit existierte, daraufhin teilhaftig einer Vision, Intuition, Begeisterung, um der Gelassenheit zu viel mehr Gewissheit, Wahrheit, Realität, Freude und Wirklichkeit zu verhelfen.“
Schön, dass einer es aufschrieb: „Mit meinen eigenen Ohren fokussiert.“ Sonst wird immer nur mit den Augen fokussiert.
Man müsste die Hundesprache dazu noch können. Entsinnst du dich des Hunds vom Basketball? Viel mir gleich auf. Und Schreiten finde ich schön. Wie heißen noch diese Sumpfwiesenwatvögel? Wiedehopf oder Nachttrapse?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.12.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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