Klaus Mattes

Hornussen, mein Schwarm

Ein Killer befindet sich im Anflug. Hornussen, ein Schlagsport aus dem roten Herzen der Schweiz, mit währschaft (verschärftem) Holz- und Sprunggelenke-Einsatz, pfeift seinen fränkischen Fans jetzt schon Geschosse ums Ohr. 300 Kilometer scharf. Heiri Gutsli, googelt diesen Typ, Schwarzenegger rebooted, im Zivilstand ist er Kinderpfleger in Olten (Aare), ein Muni, ein Stier. Persönlich zeigt Heiri (Solothurnisch für Heinrich) den Deutschen (also Schwaben, wenn auch Franken), wie Schindel und Träf übers Ries geschwungen gehören. Nur dass es Fans in Franken noch einige mehr braucht. Deshalb hat Heiri Deutschlands ersten Hornussen-Club „Stachel“ geschaffen. Klick dich rein!

300 Stundenkilometer hat der 100 Gramm schwere Nouss drauf, wenn er vom Bock abgeschlagen wird. Über die Köpfe der gegnerischen Mannschaft rast der Nouss weg und fast einen halben Kilometer weit, falls keiner ihn vorher vom Himmel holt. Auch in Franken gibt es heute ein paar Schweizer und in dem Fall rufen sie: „Abgetan.“ Namentlich in Großrinderfeld und Münnerstadt. Den Schindel, der wie eine Schaufel aussieht und die Größe von einem Paddel hat, werfen sie in die Luft und sie schlagen um sich damit. Falls kein einziger den Schnatz, pardon, Nouss heißt er auf Eidgenössisch, bei seinem Himmelsritt erwischt, ist es eine große Nummer.


Senkrecht, geradeaus und bodengeheftet stehen die Schweizer Männer und warten, bis sie dran sind. Jeder kommt beim Hornussen mal dran. Spezialistentum wird nicht gern gesehen. Es geht um den Plausch und, wem der nicht reicht, ums Hunderternötli, das den Gewinnern zufällt. In der guten alten Zeit sagte man zum blauen Nötli noch z’Vieri, weil es damals nicht mehr als ein Vesper gab. Die Verlierer luden die Gewinner zum Vespern ein. Illustriert es nicht super die schweizerische Nähe zum liberalen Kapitalismus? Wo Hornussen ist, ist die Welt sauber und FIFA-frei: keine Profisportler, keine Liga, keine Ablösesummen, kein Sport-TV, Doping nur mit Birchermüesli.

Lasst es uns deutsch sagen: Eine aufgestellte Freizeitbeschäftigung, die einem den Ärmel hinein nimmt.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.12.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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